Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Blut
barbara seiler
18.09.2008, 18:04
Hallo R. und alle
hier mal mein Einstiegsthread über das Blut... ich fang mal an mit Assoziationen. Und bin gespannt, was da alles zusammenkommt.
- "Rot ist die Liebe, rot ist das Blut, rot ist der Teufel in seiner Wut."
Blut und Rot gehören natürlic zusammen... auch mit dem Feuer, und Blut trägt ja den Sauerstoff und sorgt für die Wärme im menschlichen Körper. Wo das Blut weg ist, da ist ein Körper steif und kalt. Und es gibt ja schon Experimente, die bei Verunfallten das Blut durch eine kalte Flüssigkeit ersetzen wollen, sodass der Körper steif wird. Das hat den Vorteil, dass in Ruhe operiert werden kann, und dann wird das Blut wieder eingefüllt, und wenn alles gut geht, lebt mensch weiter. Mit Hunden wurde das schon gemacht, wenn ich mich recht erinnere, war das längste etwas zwischen ein und zwei Stunden, sodass der Hund nachher wieder zum Leben zurück kam.
Laut Annick de Souzenelle ist kann A-Dam (Adam, Stammvater der Menschheit) gelesen werden als "Gott im Blut" - und dann hatte sie noch einen Dreh gemacht zu der Tatsache, dass die roten Blutzellen keinen Kern haben, im Gegensatz zu den meisten andern Zellen, und somit keine Gene, und wie ging das schon wieder...?
Dann gibts natürlich diverse Blutrituale, und die erhalten sich. Ich hab letzthin sogar von einem begeisterten Fussballfan gehört (der auch ohne Erröten (Blut!) sagt "Fussball ist meien Religion"), dass eine Platzwunde, die ein Spieler während eines wichtigen Spiels davon getragen habe, als "Blutopfer" gilt und als gutes Omen. Blut, Lebenssaft zu opfern, das ist natürlich etwas Kostbares..
... womit der Bogen zu Vampiren und andern Blutsaugern geschlagen wäre, und ebenso den ganzen Ritualen um das Blut der entjungferten Jungfrau, das Blut der menstruierenden Frau, das Blut von Blutsbrüderschaften (nicht mehr in im Zeitalter von Aids), die Fragen nach Blutspenden und Blutkonserven (ehrlich, ich würde mich seltsam fühlen, das Blut von jemand anderem in mir fliessen zu spüren... *grusel*)...
... dann zur Religion, zu Jesus und "das hier ist mein Blut", die Verbindugn von Wasser-Blut-Wein: in der Bibel verwandelt sich immer wieder mal das Eine in das Andere, es werden Parallelen gezogen...
hm. das ist jetzt so eine spontane Sammlung, doch die ist schon ziemlich gross geworden.
aber eine Frage, die ich gerne beantworten würde, ist eine religiöse: gibt es eine Lesart von "nehmet und trinket alle davon, das ist mein Blut", die ich passend und vernünftig finde? bis jetzt kenne ich keine.
Auf ein frohes Spintisieren!
barbara
Roadrunnerfn
18.09.2008, 18:44
aber eine Frage, die ich gerne beantworten würde, ist eine religiöse: gibt es eine Lesart von "nehmet und trinket alle davon, das ist mein Blut", die ich passend und vernünftig finde? bis jetzt kenne ich keine.
Vielleicht derselbe Weg wie mit dem Gral:
"hört und seht, und lernt alle davon: dies ist meine Lehre, meine Wahrheit, meine Weisheit, meine Liebe, meine Hingabe"
....alles, was die Essenz "Jesu" ist.
Grüssle
Frank
barbara seiler
18.09.2008, 21:28
ja, "Essenz" ist sicher ein gutes Stichwort... doch warum hat er ausgerechnet das Blut als Metapher gewählt...?
Das ist ja im Umkreis vom Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird, das Datum Pascha erinnert daran, als die Israeliten von Mose aus Ägypten geführt wurden - und auch da kam Blut vor, der Nil verwandelte sich in Blut und in der Nacht vor dem Auszug mussten die Türrahmen mit dem Blut eines geschlachteten Lammes bestrichen werden...
Rudolf Steiner hat als Interpretation vorgeschlagen, dass die Energie von Jesus nach seinem Tod zum "Geist der Erde" wurde, und dass somit alles, was wir essen und trinken, zu seinem "Fleisch und Blut" wurde - und das Ritual der Kommunion also nur eine Erinnerung daran, was wir täglich tun.
grüsse, barbara
R.Daneel
19.09.2008, 10:55
ja, "Essenz" ist sicher ein gutes Stichwort... doch warum hat er ausgerechnet das Blut als Metapher gewählt...?
Er sprach doch von "mein Blut ... mein Fleisch", richtig? Blut ist das Flüssige, Fleisch das feste - zu einem lebenden Körper gehört beides. Jetzt frag ich mich, wie ich vermeiden kann, dieses Gleichnis irgendwie auszulegen... Sei's drum: "Essenz" - konnten die Leute damals etwas damit anfangen? Wenn ihr "Essenz einer Person" umschreiben wolltet, mit etwas Sichtbarem, was könnte man da nehmen - außer Blut und Fleisch? Übrigens, "sein Fleisch" war das Brot, richtig? War Jesus eigentlich Vegetarier? Vielleicht war er nur sehr vorausschauend oder wählte das Brot absichtlich, um deutlich zu machen, dass er ein Gleichnis verwendete - welches anscheinend immer noch nicht (zumindest von der Kirche) verstanden wird. Oder wird da nur so getan?
Das ist ja im Umkreis vom Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird, das Datum Pascha erinnert daran, als die Israeliten von Mose aus Ägypten geführt wurden - und auch da kam Blut vor, der Nil verwandelte sich in Blut
Naja, immer wenn irgendwo Blut ist, ist jemand oder etwas (schwer) verletzt worden. Ein ganzer Fluss - das ist eine sehr schwerwiegende Sache. Und eine üble Sache dazu - wäre das Wasser in Wein verwandelt worden, wäre das Wunder zwar ein Größeres gewesen, aber doch nicht so alarmierend.
und in der Nacht vor dem Auszug mussten die Türrahmen mit dem Blut eines geschlachteten Lammes bestrichen werden...Das verstehe ich auch nicht. Jedenfalls müssen am folgenden Tag sehr viele Tierkinderleichen herumgelegen haben. Etwas, dass mir diese Religion nicht gerade sympathisch macht.
Rudolf Steiner hat als Interpretation vorgeschlagen, ...
Dann schlägt R.Daneel jetzt etwas Direkteres als Interpretation vor: Dass Jesus in diesem Moment sagen wollte: "'Ihr wart mit mir zusammen, ihr habt meine Essenz, (mein Blut und mein Fleisch) in euch aufgenommen, es steht euch zur Verfügung, denkt daran, handelt danach und gebt es weiter!" Seine Lehre, und damit seinen Geist. Man vergesse nicht, dass er von den Menschen um ihn herum verstanden werden wollte. Ob es damals geklappt weiß ich nicht - in Bezug auf heute hat es wohl nicht so richtig geklappt, aber vielleicht musste es das auch nicht...
Warum sollte Jesus in seiner menschlichen Gestalt eine Energie haben, die zum "Geist der Erde" wird, anstatt zu Gott oder der göttlichen, geistigen/spirituellen Ebene zurückzukehren? Wozu könnte das überhaupt gut sein?
Grüßleins
R.
barbara seiler
19.09.2008, 11:18
Hallo R.!
"Essenz" - konnten die Leute damals etwas damit anfangen? Wenn ihr "Essenz einer Person" umschreiben wolltet, mit etwas Sichtbarem, was könnte man da nehmen - außer Blut und Fleisch?
ich glaube schon. Ich bereue grad, mich nicht allzu gut mit den damaligen medizinischen Vorstellungen auszukennen - doch war das Blut nicht immer auch ein Träger der Lebenskraft und der Seele? Wenn jüdische Metzger ein Tier schlachten, so müssen sie doch darauf achten, dass es vollständig ausgeblutet ist, damit es als koscher gilt.
"Die Seele des Fleisches ist das Blut", wird als Begründung genannt.
http://www.hagalil.com/kovar/avi3.htm
ich frag mich grad, ob die Jünger von Jesus, die ja alle Juden und Jüdinnen waren, diese Anweisung nicht ziemlich grauslich fanden - da sie es ja gewohnt waren, das Blut auf keinen Fall zu essen?
War Jesus eigentlich Vegetarier?
darüber gibts verschiedene Geschichten. In der Bibel wird berichtet, er habe Fisch gegessen. Und ich nehme an, die Nahrung damals dürfte sowieso mehrheitlich vegetarisch gewesen sein, und Fleisch etwas für besondere Gelegenheiten.
Ein ganzer Fluss - das ist eine sehr schwerwiegende Sache. Und eine üble Sache dazu - wäre das Wasser in Wein verwandelt worden, wäre das Wunder zwar ein Größeres gewesen, aber doch nicht so alarmierend.
naja, wenn ich mir so die heutigen wissenschaftlichen Bemühungen betrachte, künstliches Blut herzustellen, um vom Blutkonserven loszukommen - da finde ich es genauso beachtlich, wenn das Wasser in Blut verwandelt wurde. Sowohl Wein wie Blut sind beides hoch komplexe Stoffe.
Jedenfalls müssen am folgenden Tag sehr viele Tierkinderleichen herumgelegen haben. Etwas, dass mir diese Religion nicht gerade sympathisch macht.
nein, beim Auszug aus Ägypten wurden die Tiere, deren Blut zum Bestreichen der Türrahmen benutzt wurde, gebraten und gegessen. Als Wegzehrung. Mit ausführlichen Anweisungen, dass alle die Tiere so geschlachtet werden sollen, dass es für alle genug zu essen gibt, doch für niemanden zuviel.
Leichen gabs bei den Ägyptern, die dieses Zeichen nicht hatten, wo alle (ich glaub männlichen?) Erstgeborenen starben. Auch der Sohn des Pharao.
Dass Jesus in diesem Moment sagen wollte: "'Ihr wart mit mir zusammen, ihr habt meine Essenz, (mein Blut und mein Fleisch) in euch aufgenommen, es steht euch zur Verfügung, denkt daran, handelt danach und gebt es weiter!"
ja, darum gehts. Davon gehe ich aus. :)
Man vergesse nicht, dass er von den Menschen um ihn herum verstanden werden wollte. Ob es damals geklappt weiß ich nicht
in Anbetracht der Kreuzigung würd ich sagen: nein, wenns geklappt hätte, wärs anders rausgekommen. Und in den Evangelien wird ständig berichtet, wie die Apostel miteinander streiten und sich wie Kindergärtler benehmen... erst nach Pfingsten hat sich das verändert.
Warum sollte Jesus in seiner menschlichen Gestalt eine Energie haben, die zum "Geist der Erde" wird, anstatt zu Gott oder der göttlichen, geistigen/spirituellen Ebene zurückzukehren? Wozu könnte das überhaupt gut sein?
Steiner meint, dass das Bewusstsein der Menschheit zu diesem Zeitpunkt drohte, in die Materialität abzusinken - so sehr, dass irgendwann die Selbstzerstörung der Menschheit daraus entstanden wäre. Und dass Jesus - bzw der Logos, der in Jesus inkarnierte, eine Schöpfungsenergie - der Erde einen energetischen Impuls gab, quasi eine Information gab - ähnlich wie ein homöopathisches Medikament, sodass der Weg zur Spiritualität wieder offen und zugänglich war. Was für mich immerhin eine einigermassen sinnvolle Interpretation des Begriffs "Christus ist der Erlöser" darstellt.
Steiner meint, dies sei in dem Moment geschehen, als das Blut von Jesus am Kreuz auf die Erde tropfte... jener Moment, wovon erzählt wird, dass der Vorhang des Tempels zum Allerheiligsten zerrissen sei (wo wiederum eine Entjungferungs-Symbolik angetönt wird - eine Hochzeits-Symbolik)...
Wo auch geschah, dass es nicht mehr notwendig war, dass Menschen über spezielle ausgebildete und ausgewählte Priester als Vermittler mit Gott kommunizieren konnten, sondern alle konnten es nun selbst tun.
(ja, ziemlich verrückt, nicht?)
grüsse, barbara
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