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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : ohne brille leben


barbara seiler
03.02.2012, 19:51
Hallo zusammen

ich bin ja schon seit ewig Brillenträgerin mit sehr starker Brille (zweistellige Zahl Dioptrien). Und ich habe davon genug.

ich habe wieder mal dieses Buch von Jacob Liebermann hervorgenommen und gelesen:
http://www.spiriforum.net/artikel/a19-buch-gesundheit-medizin.html#gesundheitaugen
und die Hoffnung geschöpft, dass ein Leben ohne Brille auch für mich möglich sein könnte.

Die wichtigste Übung ist: die Brille abnehmen und so viele Dinge wie möglich ohne Brille zu tun. Heute habe ich das erste Mal seit sehr langer Zeit einen Spaziergang ohne Brille gemacht. Das war sehr interessant und ... anders.

grüsse, barbara

barbara seiler
04.02.2012, 10:07
Ein Spaziergang ohne Brille, besonders nachts, ist eine interessante Erfahrung.

Wie aus dem Nichts tauchen Menschen in nächster Nähe auf - ich nehme erst wahr, dass da jemand ist, wenn die Person schon zwei, drei Meter von mir entfernt ist. Wenn sie weiter weg ist, sehe ich sie einfach nicht. Ganz besonders nicht jene, die dunkel gekleidet sind.

Das Überqueren einer Strasse wird zum Abenteuer. Glücklicherweise gibt es Ampeln, die sind wirklich eine grosse Hilfe.

Der Gang verändert sich, was nicht nur am Schnee und Eis liegt, das es jetzt überall hat. Bevor ich den Fuss absetze, prüfe ich jedes Mal die Beschaffenheit des Bodens. Mir scheint, das Ablegen der Brille helfe mir, sicherer zu gehen.

Lesen ist schwierig. Ich kann nur lesen, was in extragrossen Buchstaben steht. Die meisten Anzeigetafeln sind zu klein. Ich erkenne viele Dinge, weil ich sie schon kenne - und ich frage mich - muss ich denn so viel lesen? Nein, muss ich nicht - wenn ich die Brille trage, lese ich einfach aus Gewohnheit mehr.

Das Gehör wird wichtiger. Ich kann nicht lesen auf der Anzeigetafel wann mein Tram kommt, aber gerade neben mir sagt jemand "der Elfer ist in drei Minuten da!" - gut, danke, diese Information hab ich gerade gebraucht. :)

Ich habe meine Kamera dabei, das Bild auf dem kleinen Bildschirm hilft mir - womöglich kann die Kamera teilweise die Brille ersetzen, gerade da, wo es ohne Lesen nicht gut geht.

Doch meine Kamera ist wie ich, etwas kurzsichtig, besonders bei Dunkelheit, was spezielle Effekte ergibt:

http://img703.imageshack.us/img703/9362/dscf0038kh.jpg (http://imageshack.us/photo/my-images/703/dscf0038kh.jpg/)

Uploaded with ImageShack.us (http://imageshack.us)

grüsse, barbara

barbara seiler
04.02.2012, 21:02
http://img52.imageshack.us/img52/957/dscf0015x.jpg (http://imageshack.us/photo/my-images/52/dscf0015x.jpg/)

Uploaded with ImageShack.us (http://imageshack.us)

Das hier ist eins der ersten Fotos seit langem, auf dem ich keine Brille trage.

Ich wusste bisher nicht, dass meine Augen dieses Braun haben. Ich glaube immer, sie seien eher braun-grün, aber das stimmt ja gar nicht.

Ausserdem fällt mir auf, rund um die Augen bin ich sehr müde. Das kommt vom ständigen Tragen der Brille.

grüsse, barbara

barbara seiler
04.02.2012, 22:51
das tram kommt:

alle Dinge und Wesen, die sich schnell bewegen, sind schwierig. Ich bewege mich wie eine Maus oder wie ein Huhn, scheint mir...

http://img688.imageshack.us/img688/9311/dscf0066n.jpg (http://imageshack.us/photo/my-images/688/dscf0066n.jpg/)

Uploaded with ImageShack.us (http://imageshack.us)

grüsse, barbara

barbara seiler
06.02.2012, 22:16
Verkehr ist das Schwierigste - wegen der hohen Tempi. und heute muss ja auch damit gerechnet werden, dass auf einmal superleise Elektroautos unterwegs sind, die nicht leicht zu hören sind.

Andererseits, Nähen geht super. von Hand, natürlich, die Maschine ist zu schnell. Ich muss die Arbeit zwar sehr nah an die Augen halten, aber ich sehe dann mit Klarheit jedes Detail der Arbeit. Ich habe den Eindruck, ich steche mich weniger oft, und fühle die Arbeit besser, als wenn ich mit Brille arbeite.

Dennoch hab ich heute eine Menge grosser dicker Nadeln gekauft, damit ich auch in grösserer Distanz als 10 cm (oder weniger) vor den Augen arbeiten kann.

ich empfinde die Brille immer mehr als eine Last. Und freue mich darauf, sie weniger und weniger benutzen zu müssen.

grüsse, barbara

Roadrunnerfn
07.02.2012, 00:02
welche Ironie....

....meine Augen werden gerade zunehmend schlechter. Bisher ohne Brille wird selbst das Fernsehen zur Qual, weil ich kaum mehr was scharf lesen kann.

Ich empfinde die Brille auch als Fremdkörper, aber ich empfinde sie als hilfreich.


Grüssle

Frank

barbara seiler
07.02.2012, 08:54
Hallo Frank

bei dir sind es wohl die fortschreitenden Jahre, kann das sein...? :grins:

hilfreich ist sie schon, die Brille - bei mir neigt sich die Waage mehr und mehr dahin, dass die Nachteile das Hilfreiche überwiegen. Da ich eine starke Korrektur habe, ist die Brille sehr schwer und drückt auf die Nase, was zur Folge hat, dass meine Nase ständig leicht verstopft ist. Ich habe festgestellt, ich atme selten durch die Nase, meist durch den Mund.

und in letzter Zeit war's soweit gekommen, dass ich auch mit Brille zunehmend schlechter sah. und ich hab definitiv keinen Bock. eine noch stärkere Brille mit noch mehr Gewicht zu tragen.

Also lasse ich die Brille weg wo ich kann, und obwohl ich gar nichts scharf sehe und schon ganz stolz bin, wenn ich 1 m hohe Buchstaben an Plakatwänden lesen kann, so macht das nichts, weil ich den Anspruch aufgegeben habe, scharf sehen zu wollen. Und so sehe ich, paradoxerweise, manchmal erstaunlich gut trotz unscharf.

grüsse, barbara

barbara seiler
07.02.2012, 22:15
jetzt kommen langsam die Emotionen hoch. Brille-Entzug ist eben doch ein Entzug wie jeder andere auch, und da gibt's nach drei, vier Tagen die emotionale Phase... die dauern kann. mal gucken wie schlimm es dieses Mal wird.

ich habe beschlossen, vorläufig bei Tag die Brille wegzulassen, wenn ich draussen bin, sie bei Nacht aber zu tragen.

einige Hausarbeiten habe ihc probiert: Geschirr spülen, Wäsche aufhängen - das geht erstaunlich gut. Einkaufen ist ein Problem, wenn ich nicht immer mit der Nase an den Regalen udn am Portemonnaie kleben will.

ohne Brille ist das Gleichgewicht besser. Es fällt mir zB leichter, auf einem Bein zu balancieren.

grüsse, barbara

barbara seiler
08.02.2012, 19:16
Die Beobachtungen häufen sich:

ich stelle fest, dass ich die Gewohnheit angenommen hatte, durch den Mund zu atmen, da das Gewicht der Brille auf dem Nasenrücken die Löcher leicht verschloss. Wenn ich mit Brille durch die Nase einatme, habe ich immer das Gefühl zuwenig Luft zu bekommen. Damit im Zusammenhang dürfte auch die Tatsache stehen, dass ich immer, egal bei welchem Wetter und welcher Jahreszeit und egal welchen andern Parametern, ich ständig eine leicht verstopfte Nase habe. Ich hab da schon Dampfinhalationen und Salzspülungen (örks) versucht, aber der Schleim hielt sich hartnäckig.

Ein längerer Spaziergang ohen Brille brachte allerdings schon nach kurzer Zeit wesentliche Besserung, eine Öffung der Luftkanäle.

Ebenfalls habe ich festgestellt, dass die Haut um meine Augen herum - dort wo sie von der Brille abgedeckt wird - alt und runzlig ist wie die einer uralten Frau. Nur mal meine Augen genau anzusehen, hat mir einen ziemlichen Schock versetzt... ich mache nun ja schon seit Jahren Energiearbeit und Therapie und Bewusstseinsarbeit, wie konnte ich nur so blind gegenüber meinen eigenen Augen sein? Wie ist das möglich?

ich hab mit meinen Schülern experimentiert: sobald ich die Brille absetze, was häufiger geht als ich geglaubt habe, entsteht mehr Nähe - auf einmal erzählen sie einfach so private Dinge, persönliche Dinge... und am Telefon dasselbe: ich bin bekennende Telefonhasserin und habe mit Erstaunen festgestellt, dass ich gern ohne Brille telefoniere! ich liebe es! ... hä?

ich hätte nie geglaubt, dass in so kurzer Zeit mit brillenfrei wann immer es möglich ist so viele und so unerwartete Veränderungen schafft. ich finde das toll und bin gespannt auf das, was noch kommt. Was bis jetzt passiert ist, ist ja bestenfalls ein Kratzen an der Oberfläche... :)

grüsse, barbara

Plankton
09.02.2012, 01:07
Hallo Barbara

Ja vieles ist interessant und oft unbegreiflich.
Viele Energien wirken in uns.. bekanntlich haben sie auch Einfluss auf die Organe..
Gibt so vieles das uns nicht bewusst ist..
Ich wünsche dir das deine Sehkraft sich verbessert.

Gruß Michael

barbara seiler
09.02.2012, 06:56
Hallo Michael

danke für die guten Wünsche; ich stelle fest, dass es schon klappt, die Sehkraft reagiert recht schnell.

Die Brille ist für mich vielleicht das, was für dich die Nahrung ist... das grosse körperliche Thema. Jenes Thema, das wirklich in die Tiefe geht.

grüsse, barbara

barbara seiler
09.02.2012, 20:45
oh noch so ein Effekt: ich habe festgestellt, dass die Idee des Lebens ohne Brille (besonders für eine Person mit meiner starken Kurzsichtigkeit) die Optiker ganz schön trifft... ich bin jetzt schon über zwei von gestolpert, eine im Internet und eine in RL, die waren beide ganz entsetzt.

das sieht wieder nach starken kollektiven Glaubenssätzen aus, die ich einfach nicht mehr glaube.

grüsse, barbara

barbara seiler
09.02.2012, 22:45
weitere Beobachtungen:

ohne Brille stört mich Dunkelheit nicht. Ich kann zB im Geschäft ohne Brille das Treppenhaus hochgehen in fast-Dunkelheit. Mit Brille habe ich das starke Bedürfnis, das Licht anzuzünden.

geplantes Experiment: das Geschirr blind spülen. geht das? und so, dass es sauber wird? und dass jeder Gegenstand an seinem richtigen Ort eingeräumt wird? muss ich mal testen.

ich hab weniger Lust zu essen.

grüsse, barbara

barbara seiler
12.02.2012, 22:12
ich experimentiere weiter, wo geht es ohne Brille wo nicht?

gestern habe ich es geschafft, in einem mir unbekannten Supermarkt die Gemüseabteilung zu identifizieren und die Kartoffeln zu finden. oh yeah. Hingegen die Teilnahme am Small Talk an der Fleischtheke ging nicht. Da fehlt es halt schon, die Mimik nicht zu sehen.

Ebenso ungünstig ist, Leute nicht zu erkennen. Das heisst also: wenn ich irgendwo reinkomme, sollte ich erst mal besser die Brille auf haben - ausser ich bin sicher, dass ich sie alle an der Stimme erkennen kann - und sie erst dann abnehmen.

Fernsehen am grossen Bildschirm: Fernsehen allein hat so einen ähnlichen Effekt wie die Brille: 3D ist weg und das Bild übt diesen seltsamen Sog aus.

Allerdings, ein Erlebnis auf der positiven Seite: ich bin nachts mit dem Hund (nicht meinem, bei meinem Liebhaber) in den Garten gegangen fürs Pipi und so und ich hab trotz Nacht und schwachem Licht den Hund immer gesehen, als er im Garten rumrannte! :) Mit Brille ging das nie so gut.

der Körper beginnt zu reagieren - im Bogen der Augenbraue fühlt sich eine Stelle wie wund an, sie ist auch leicht gerötet.

grüsse, barbara

barbara seiler
18.02.2012, 10:21
gestern abend ging ich wieder am Abend, in der Dunkelheit, ohne Brille spazieren. Ich fand heraus: mein grösstes Problem ist nicht, dass ich verschwommen sehe, sondern die üble Angewohnheit, in die Nähe zu schauen! also zB genau vor meine Füsse und nicht zum Horizont.

Da nützt natürlich die beste Brille nichts, solange sie nur dazu dient, den Boden 20 cm vor meinem Zeh scharf zu sehen.

dann hab ich noch etwas geübt, diese dynamischen Tramzeitanzeigetafeln zu lesen und ja! es geht! ich brauch zwar Zeit, aber es geht. :)

grüsse, barbara

Celestine
24.02.2012, 13:39
Hallo liebe Barbara,
spannend Dein Experiment zu lesen und Gratulation zu den Erfolgen!

Ich kann Dir gerade aktuell bestätigen, dass die Augen ohne Brille besser werden! Mein Optiker war sehr zerknirscht als er mir sagen mußte "tja, das hat sich offensichtlich alles gebessert, da bleibt jetzt nur noch die Hornhautverkrümmung für die man eine Lesebrille +0,5 nehmen könnte.... aber nicht muss" :D

Wobei meine Fehlsichtigkeit nicht besonders groß war, das muss man der Fainess halber dazu sagen, aber warum sollte was im Kleinen möglich ist, nicht auch im Großen funktionieren?!

Alles Gute für Dich

barbara seiler
24.02.2012, 18:22
Hallo Celestine

oh ein positives Feedback, toll... ich hab mich inzwischen schon darauf eingestellt, dass alle Leute erst mal entsetzt sind und sagen "wie kannst du nur!". dein Tonfall tut gut. und deine Erfahrung auch. :)

und ja, meine Sicht verändert sich - langsam, aber sie tut es. Immerhin nach 30 Jahren mit Brille braucht auch das Neue wieder seine Zeit... auf alle Fälle geniesse ich es sehr, ohne Sehhilfe draussen zu sein, zu gehen, zu schauen, die Welt neu zu sehen. Was daraus alles entsteht, werde ich dann ja merken, ich will mir da keinen Druck aufsetzen.

grüsse, barbara

barbara seiler
18.03.2012, 18:26
nach etwa einem Monat ist das Unterwegs-Sein ohne Brille inzwischen zur Routine geworden, und ich bewege mich in den allermeisten Fällen sicher und unfallfrei.

Probleme hat hin und wieder gemacht, dass ich irgend eine kleine Unebenheit am Boden nicht gesehen habe und darüber gestolpert bin. Inzwischen weiss ich allerdings auch, wann ich besonders aufpassen muss und welche Stellen besonders kritisch sind - zB jene, die im Schatten liegen.

die tolle kristallklare Sicht allerdings, von der in der Literatur manchmal die Rede ist, hab ich allerdings noch nicht erlebt.

grüsse, barbara

Roadrunnerfn
18.03.2012, 18:32
Nun ja, Barbara,

vielleicht stösst Du hier ja an Grenzen, die mir persönlich sehr vertraut sind:
Egal was jemand schreibt, egal was wir unserem Körper einerseits mit bestimmten Maßnahmen zufügen:
In der Regel hat es einen Grund, wenn man eine Brille trägt, und der gehört in die Kategorie: "Kausale Welt".

Solange wir in ihr leben, gibt es dort ein paar Dinge, die sich nicht "weglesen" lassen.

Oder anders ausgedrückt:

"Von der Erkenntnis kann man nicht abbeissen."



Ich wünsche Dir sehr, dass Du mit Deinem Brillenprojekt die Ebene findest, die für Dich richtig und sinnvoll ist.


Grüssle

Frank

barbara seiler
19.03.2012, 06:50
Hallo Frank

was die Ursache/n betrifft, davon kenn ich ein paar. Zum Einen ist es ein Familienthema, zum Zweiten gabe es kurz bevor ich ein Brille erhielt eine belastende Situation für mich, zum Dritten ist das Tragen der Brille selbst ein Teufelskreis, der nach noch stärkeren Brillen ruft, weil das Auge wie *gefangen* ist und sich nicht frei bewegen und fokussieren kann.

Allerdings nützt das nur teilweise was. Wenn jemand ein gebrochenes Bein hat, spielt es ja auch keine so grosse Rolle, ob es beim Skifahren geschah oder ob jemand eine Treppe runtergestürzt ist... der Knochen ist halt kaputt.

und dann kann sicher nicht 30 Jahre Tragen von Sehhilfen in so kurzer Zeit rückgängig gemacht werden, das braucht Geduld.

Ansonsten bin ich davon überzeugt, dass Selbstheilungskräfte im Körper vieles können, wenn wir sie nur lassen und nett sind mit uns selbst, ohne Zwang, mit viel Geduld.

ansonsten, ja, die Ebene ist grad sinnvoll für mich, meine Augen weniger müde und angestrengt, ich habe weniger Schwierigkeiten mit Lesen als vorher. Das ist schon mal ein Fortschritt.

grüsse, barbara