Manfred Gotthalmseder
09.08.2011, 19:46
Ich habe mich als Autor eines einschlägigen Buches (http://stille-revolution.yooco.de/) längere Zeit mit dem Geldkreislauf beschäftigt, und bin zu der Ansicht gekommen, dass eine soziale Politik nicht daran vorbei kommt, die Geldbewegungen im Auge zu behalten.
Ich denke die im folgenden vorgestellte Idee passt gut in dieses Forum, denn es geht um die Gemeinden als autarke Zentren.
Freilich muss ich hier in unwissenschaftlicher Kürze auf den Punkt kommen. Ich bin der Ansicht, ein bloßes Vertragskonzept, welches es Gemeinden erlaubt Leistungen an Ansässige vorzuverkaufen, kann eine enorm positive sozialpolitische Wirkung erzielen, weil es gerade Menschen mit kleinen Sparguthaben vor Wertverlusten durch eine kommende Inflation bewahren wird.
Bevor ich auf diese Idee zu sprechen komme, will ich aber kurz die Situation der Geldwirtschaft vereinfacht darstellen, wie ich sie sehe:
Wie eine Störung im Geldkreislauf die Schulden eskalieren lässt:
Die Störungen im Geldkreislauf, deren Auswirkungen wir heute erleben, sind, wie mir die meisten Mitglieder bestätigen werden, nicht einfach auf Misswirtschaft zurückzuführen, sondern auf Fehler im Aufbau des Geldsystems selbst. (Ausführlicher auf: http://stille-revolution.yooco.de/p.das_buch.html).
Um das Problem von Grund auf zu verstehen, wollen wir von einer Wirtschaft ausgehen, die nicht wächst, und ständig der gleichen Geldmenge bedarf. Das bedeutet nicht, dass das hier vorgestellte Modell für eine wachsende Wirtschaft nicht gilt. Die Zusammenhänge sind nur leichter zu durchschauen, wenn diese Komponente gleich bleibt. Die gesamte notwendige Geldmenge wird von Banken ursprünglich durch Kreditvergabe in Umlauf gebracht. Wird Geld zurück an die geldschöpfenden Banken gebracht, indem Kredite getilgt werden, so ist es nicht mehr im Umlauf. Um eine stets gleich große Geldmenge in Umlauf zu halten, muss die Bank zurückerstattetes Geld sofort durch neue Kreditvergabe in Umlauf bringen. In Hinsicht auf die Zinseinnahmen ist der Effekt der gleiche, als würde der Bank das gesamte Geld stets geschuldet.
Die wesentlichen zwei Fragen in Hinsicht auf die Nachhaltigkeit des Geldsystems sind:
Werden die Zinsschulden getilgt?
Was macht die Bank mit dem Zinsertrag?
Führt die Bank die Zinserträge in Form von Gehältern oder Investitionen in Bankgebäude zurück in den Wirtschaftskreislauf, so wird das Geld über Umwege auch wieder bei verschuldeten Unternehmen landen, die es zur Kredittilgung nützen können und so den Geldkreislauf schließen.
Im Zeitalter elektronischen Geldverkehrs haben die Banken jedoch geringere Ausgaben, und tragen den Zinsgewinn aus der (durch den elektronischen Zahlungsverkehr) überhand nehmenden Buchgeldschöpfung in die Finanzwirtschaft. Diese lässt sich von der Realwirtschaft dadurch unterscheiden, dass deren Produkte, welche der Geldanlage dienen, nicht vom Käufer verwendet werden, sondern lediglich der Verwendung entzogen bleiben, um sie später teurer wieder zu verkaufen. Wird mehr Geld im Finanzsektor angelegt, so entstehen steigende Preise für die Finanzprodukte (Inflation) und somit Kursgewinne. Um die Geldanlageprodukte ständig untereinander zu handeln ist viel Geld notwendig. Dieses bleibt damit im Finanzsektor gebunden, ohne dass dabei wirtschaftlich etwas produziert würde.
http://static.yooco.de/s4/images/website/2170056/image/Anlagevermoegen_klein.gif
Das in der Finanzwirtschaft gebundene Geld fehlt nun in der Realwirtschaft. So lange die Zinseinnahmen in die Finanzwirtschaft abwandern existiert sozusagen ein Loch im Geldkreislauf. Um die Geldmenge in der Realwirtschaft konstant zu halten, müssen jedes Jahr weitere Kredite in Höhe der Zinserträge vergeben werden (also weiteres Geld ausgeschüttet werden). Damit steigen aber die Schulden von Unternehmen und Staat bei den Banken bei gleichbleibender Geldmenge in Form einer Zinseszinskurve. Nehmen wir an, das Bankensystem hat 1950 Geld ausgeschüttet und kassiert seither 5% Zinsen und Zinseszinsen, die es in einen anderen Markt spühlt, dann erreicht die für 2012 anfallende Zinslast die Höhe der in der Realwirtschaft vorhandenen Geldmenge. http://www.offerio.de/zinseszins-rechner.php (Die gesamte Geldmenge mag freilich höher sein, aber der Großteil kreist ja nur im Finanzsektor). Deshalb kollabiert das System.
Wie ist das Übel durch die Gemeinden reduziert werden kann:
Ein wachsender Finanzsektor birgt das Risiko des Geldwertverfalls. Schon jetzt übersteigt die Inflation die Sparzinsen. Es ist also im Interesse aller Sparer ihr Geld in der Realwirtschaft zu halten und in realen Produkten anzulegen. Dies könnte erreicht werden, indem Gemeinden ihren Bewohnern (Ansässigen) es ermöglichen, Abgaben für Trinkwasser, Abwasser und Müll, sowie Kosten für Energieversorgung oder Altersversorgung vorzufinanzieren. Der Bürger trägt seine Ersparnisse dann nicht auf die Bank (und indirekt in die Finanzbranche), sondern erwirbt vertraglich Liter, Kilowattstunden, oder Betreuungsstunden, die er und seine Nachkommen unabhängig vom zukünftigen Geldwert erhalten. Die Gemeinde investiert das Geld in eine nachhaltige Infrastruktur, wodurch es in der regionalen Wirtschaft verbleibt und die Produktivität der Gemeinden erhöht. Die Leistungskapazität der errichteten Infrastruktur darf freilich nur zur Hälfte vorverkauft werden, da ansonsten in Zukunft das Geld für deren Erhaltung fehlt. Das Ziel sind energieautarke, nachhaltig wirtschaftende Gemeinden mit geringem ökologischem Fußabdruck. Der erste Schritt besteht in der Verfassung eines rechtlichen Vertragskonzeptes, das Gemeinden einen solchen Vorverkauf an Ansässige (und nur an solche) ermöglicht. Dies kann jeder Leser hier fördern: http://stille-revolution.yooco.de/forum/f.378334-taten_setzen.html
Letztlich nährt sich der Finanzmarkt von den Sparguthaben vieler kleiner Anleger. Bleiben diese Gelder durch diese Initiative in der Realwirtschaft, so wird sich auch das ausufernde Wachstum der Finanzbranche reduzieren. Auch sorgt die Initiative für eine finanzielle Gesundung des Staates. Dieser ist noch immer der Gesetzgeber, aber nur ein finanziell unabhängiger Staat kann der ausufernden Buchgeldschöpfung von Privatbanken ausreichend Einhalt gebieten.
Wie sehr die soziale Frage mit den Gewinnen in der Geldanlagebranche in Verbindung steht, zeigt die folgende Grafik aus Deutschland, in welcher Einkommen aus Arbiet mit Einkommen aus Kapital verglichen werden (aus http://www.meudalismus.dr-wo.de/). :
http://static.yooco.de/s4/images/website/2170056/image/Einkommen_aus_Kapital2.gif
Ich denke die im folgenden vorgestellte Idee passt gut in dieses Forum, denn es geht um die Gemeinden als autarke Zentren.
Freilich muss ich hier in unwissenschaftlicher Kürze auf den Punkt kommen. Ich bin der Ansicht, ein bloßes Vertragskonzept, welches es Gemeinden erlaubt Leistungen an Ansässige vorzuverkaufen, kann eine enorm positive sozialpolitische Wirkung erzielen, weil es gerade Menschen mit kleinen Sparguthaben vor Wertverlusten durch eine kommende Inflation bewahren wird.
Bevor ich auf diese Idee zu sprechen komme, will ich aber kurz die Situation der Geldwirtschaft vereinfacht darstellen, wie ich sie sehe:
Wie eine Störung im Geldkreislauf die Schulden eskalieren lässt:
Die Störungen im Geldkreislauf, deren Auswirkungen wir heute erleben, sind, wie mir die meisten Mitglieder bestätigen werden, nicht einfach auf Misswirtschaft zurückzuführen, sondern auf Fehler im Aufbau des Geldsystems selbst. (Ausführlicher auf: http://stille-revolution.yooco.de/p.das_buch.html).
Um das Problem von Grund auf zu verstehen, wollen wir von einer Wirtschaft ausgehen, die nicht wächst, und ständig der gleichen Geldmenge bedarf. Das bedeutet nicht, dass das hier vorgestellte Modell für eine wachsende Wirtschaft nicht gilt. Die Zusammenhänge sind nur leichter zu durchschauen, wenn diese Komponente gleich bleibt. Die gesamte notwendige Geldmenge wird von Banken ursprünglich durch Kreditvergabe in Umlauf gebracht. Wird Geld zurück an die geldschöpfenden Banken gebracht, indem Kredite getilgt werden, so ist es nicht mehr im Umlauf. Um eine stets gleich große Geldmenge in Umlauf zu halten, muss die Bank zurückerstattetes Geld sofort durch neue Kreditvergabe in Umlauf bringen. In Hinsicht auf die Zinseinnahmen ist der Effekt der gleiche, als würde der Bank das gesamte Geld stets geschuldet.
Die wesentlichen zwei Fragen in Hinsicht auf die Nachhaltigkeit des Geldsystems sind:
Werden die Zinsschulden getilgt?
Was macht die Bank mit dem Zinsertrag?
Führt die Bank die Zinserträge in Form von Gehältern oder Investitionen in Bankgebäude zurück in den Wirtschaftskreislauf, so wird das Geld über Umwege auch wieder bei verschuldeten Unternehmen landen, die es zur Kredittilgung nützen können und so den Geldkreislauf schließen.
Im Zeitalter elektronischen Geldverkehrs haben die Banken jedoch geringere Ausgaben, und tragen den Zinsgewinn aus der (durch den elektronischen Zahlungsverkehr) überhand nehmenden Buchgeldschöpfung in die Finanzwirtschaft. Diese lässt sich von der Realwirtschaft dadurch unterscheiden, dass deren Produkte, welche der Geldanlage dienen, nicht vom Käufer verwendet werden, sondern lediglich der Verwendung entzogen bleiben, um sie später teurer wieder zu verkaufen. Wird mehr Geld im Finanzsektor angelegt, so entstehen steigende Preise für die Finanzprodukte (Inflation) und somit Kursgewinne. Um die Geldanlageprodukte ständig untereinander zu handeln ist viel Geld notwendig. Dieses bleibt damit im Finanzsektor gebunden, ohne dass dabei wirtschaftlich etwas produziert würde.
http://static.yooco.de/s4/images/website/2170056/image/Anlagevermoegen_klein.gif
Das in der Finanzwirtschaft gebundene Geld fehlt nun in der Realwirtschaft. So lange die Zinseinnahmen in die Finanzwirtschaft abwandern existiert sozusagen ein Loch im Geldkreislauf. Um die Geldmenge in der Realwirtschaft konstant zu halten, müssen jedes Jahr weitere Kredite in Höhe der Zinserträge vergeben werden (also weiteres Geld ausgeschüttet werden). Damit steigen aber die Schulden von Unternehmen und Staat bei den Banken bei gleichbleibender Geldmenge in Form einer Zinseszinskurve. Nehmen wir an, das Bankensystem hat 1950 Geld ausgeschüttet und kassiert seither 5% Zinsen und Zinseszinsen, die es in einen anderen Markt spühlt, dann erreicht die für 2012 anfallende Zinslast die Höhe der in der Realwirtschaft vorhandenen Geldmenge. http://www.offerio.de/zinseszins-rechner.php (Die gesamte Geldmenge mag freilich höher sein, aber der Großteil kreist ja nur im Finanzsektor). Deshalb kollabiert das System.
Wie ist das Übel durch die Gemeinden reduziert werden kann:
Ein wachsender Finanzsektor birgt das Risiko des Geldwertverfalls. Schon jetzt übersteigt die Inflation die Sparzinsen. Es ist also im Interesse aller Sparer ihr Geld in der Realwirtschaft zu halten und in realen Produkten anzulegen. Dies könnte erreicht werden, indem Gemeinden ihren Bewohnern (Ansässigen) es ermöglichen, Abgaben für Trinkwasser, Abwasser und Müll, sowie Kosten für Energieversorgung oder Altersversorgung vorzufinanzieren. Der Bürger trägt seine Ersparnisse dann nicht auf die Bank (und indirekt in die Finanzbranche), sondern erwirbt vertraglich Liter, Kilowattstunden, oder Betreuungsstunden, die er und seine Nachkommen unabhängig vom zukünftigen Geldwert erhalten. Die Gemeinde investiert das Geld in eine nachhaltige Infrastruktur, wodurch es in der regionalen Wirtschaft verbleibt und die Produktivität der Gemeinden erhöht. Die Leistungskapazität der errichteten Infrastruktur darf freilich nur zur Hälfte vorverkauft werden, da ansonsten in Zukunft das Geld für deren Erhaltung fehlt. Das Ziel sind energieautarke, nachhaltig wirtschaftende Gemeinden mit geringem ökologischem Fußabdruck. Der erste Schritt besteht in der Verfassung eines rechtlichen Vertragskonzeptes, das Gemeinden einen solchen Vorverkauf an Ansässige (und nur an solche) ermöglicht. Dies kann jeder Leser hier fördern: http://stille-revolution.yooco.de/forum/f.378334-taten_setzen.html
Letztlich nährt sich der Finanzmarkt von den Sparguthaben vieler kleiner Anleger. Bleiben diese Gelder durch diese Initiative in der Realwirtschaft, so wird sich auch das ausufernde Wachstum der Finanzbranche reduzieren. Auch sorgt die Initiative für eine finanzielle Gesundung des Staates. Dieser ist noch immer der Gesetzgeber, aber nur ein finanziell unabhängiger Staat kann der ausufernden Buchgeldschöpfung von Privatbanken ausreichend Einhalt gebieten.
Wie sehr die soziale Frage mit den Gewinnen in der Geldanlagebranche in Verbindung steht, zeigt die folgende Grafik aus Deutschland, in welcher Einkommen aus Arbiet mit Einkommen aus Kapital verglichen werden (aus http://www.meudalismus.dr-wo.de/). :
http://static.yooco.de/s4/images/website/2170056/image/Einkommen_aus_Kapital2.gif