Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Kinder in der Skala von Hawkins
barbara seiler
23.06.2008, 19:31
Hallo zusammen!
Da ich mich jetzt je länger je mehr mit Kindern beschäftige, so habe ich auch etwas darüber nachgedacht, wie die Entwicklung eines Kindes mit der Skala von Hawkins zusammenpasst.
Hawkins schreibt ja, dass die Bewusstseinsebene von Anfang an so ziemlich gegeben ist. Und ich denke, das stimmt in Bezug auf das Potenzial - so wie Talente wie Musikalität oder die Fähigkeit zu zeichnen etc gegeben und angelegt sind.
Andererseits hat ein Kind diese Inhalte nicht von Anfang an zur Verfügung, sondern muss im Schnelldurchlauf die ganze Skala durchschreiten, bis es als Erwachsener Zugang dazu bekommt.
In meinem Kopf hat sich so eine Art Schema festgesetzt, das ist ziemlich hartnäckig... ich bin gespannt, was ihr davon haltet.
Die ersten sieben Jahre dienen dem Aufbau des Egos, also den Ebenen von 0-200. Das Kind lernt seine Körpergrenzen kennen, es entdeckt irgendwann die Macht des Nein-Sagens, es lernt seinen Körper immer besser zu beherrschen, zu gehen, mit Besteck zu essen, es lernt zu sprechen... auch wenn Kinder noch ganz andere Weltvorstellungen, und auch eine ganz andere Sprache haben als Erwachsene. Es bildet sein Ego und lernt auch die dazu gehörenden Emotionen kennen. Es lernt die Freude am Besitz kennen - Dinge, die "meins" sind, mein Kuscheltier, mein Zimmer, mein Buch.
In der Zeit von 7 - 14 Jahren - also so grob gesagt, während der Grundschule - entwickeln sich Inhalte der Ebenen 200-400, das Wässrige, das Emotionale und vor allem das Soziale. Freundschaften werden wichtig, die eigene Position in der Gruppe, ich beobachte bei meinen Neunjährigen, dass es enorm wichtig ist, wer neben wem sitzt, wer mit wem spielt, und wer nicht... Das ist auch jene Zeit, die mir selbst am fremdesten ist, da ich mich damals, als ich selbst Kind war, so weit es ging aus dem Körper zurück zog und irgendwo abwesend rumschwirrte. Da hab ich wirklich was verpasst, und ich merke heute noch, wie mir das fehlt.
In der Zeit von 14 - 21 Jahren kommt der rational-intellektuelle Teil hinzu. Abstrakte Konzepte können verstanden werden, höhere Mathematik, Fremdwörter, all diese Dinge, die man zB an einem Gymnasium lernt. Es ist aber auch die Zeit, wo das Thema Liebe und Sexualität wichtig wird, mit der Pubertät und mit der Entwicklung des Körpers, der sich vom Kind zum Erwachsenen verändert. Hier also ist der Bereich von 400-600 zu finden.
Weiter könnte spekuliert werden, dass in der Zeit von 21-28 Jahren der Bereich von 600-800 ansteht, und in der Zeit von 28-35 Jahren der Bereich von 800-1000. Hier fehlts aber wohl an Beispielen... es gibt nur wenige, zum Beispiel Jesus, der mit 30 zu lehren begann und mit 33 starb, was zeitlich gut passen würde.
Es gibt auch Firmen, die nur Leute einstellen, die mehr als 35 Jahre alt sind - die also, zumindest theoretisch, die Zeit hatten, die ganze Skala zu durchwandern. Und ich habe mal gehört (ohne Garantie) dass bei den Juden Lehrämter und Würden auch frühestens an 35-jährige vergeben werden. Einfach weil ein Mensch vorher noch nicht bereit ist.
Was meint ihr dazu? Wie sind eure eigenen Erfahrungen, und eure Erfahrungen mit Kindern oder generell Menschen? Könnte das ungefähr funktionieren, wie ich es ausgelegt habe? - natürlich nicht auf Jahr und Tag genau, mehr als Schema mit ein paar Anhaltpunkten.
grüsse, barbara
Roadrunnerfn
23.06.2008, 21:11
hi Barbara,
ich mag Deine Vorstellung von Potentialen. Nur sehe ich weniger eine Unterscheidung unter Menschen bezgl. des BW-Wertes, sondern eher der Art des Wertes.
Ich sehe eine Differenzierung zwischen intellektueller und emotionaler Entwicklung.
Menschen mit niedrigerem Intellekt können emotional sehr hohe BW-Werte erreichen. zB durch tiefen, inneren Glauben. Dieser basiert zwar meist auf fragwürdigen Religösen Ritualen, aber dennoch.....
intellektuell besser entwickelte menschen können wohl rationaler mit dem BW umgehen.
Ich denke, daß sie leichter in einem Mittelwert einpendeln als weniger Beschenkte, die m.E. doch sehr stark zu extremen Schwankungen neigen.
Ich denke aber, daß die Mehrzahl der Menschen sich eines wertigen Bewusstseins gar nicht bewusst ist, was dazu führt, daß sich auch 60-jährige ab und an aufführen wie die Affen.
Will heissen: Deine Beschreibung einer gewissen "Reife" über die Jahre hinweg scheint mir nur dort ansetzbar zu sein, wo eine spirituell-bewusste Lehre existiert und ansetzt...UND auch verstanden wird.
Ich meine (an mir) zu spüren, daß ein grundsätzliches "Hörenwollen" und "Verstehenwollen" geschaffen werden muss, bevor wir überhaupt in der Lage sind, einen solchen Entwicklungsweg zu beschreiten.
Interessanterweise meine ich in den Ritualen der Kirche hier den spirtuellen Entwicklungsweg "des kleinen Mannes" zu erkennen.
Wer nicht demütig ist, wird demütig geredet, kein bewusster Einfluss aufs Ego, sondern ein "herbeigebeteter".
Naja, vielleicht ists ja gar nicht so schlecht, wenn Menschen sich an ethische Regeln halten, auch wenns sie´s nicht kapiert haben warum, es sei denn au Angst vor einem diktatorischen Gott.
hmm...ich schweife ab.
Ich hoffe, Du verstehst mich.
Grüssle
Frank
barbara seiler
24.06.2008, 08:27
Hallo Frank!
hier ist es vielleicht noch interessant, die Spiral Dynamics anzuschauen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Spiral_Dynamics
Das System hat Ähnlichkeiten mit der Skala von Hawkins, betont aber stark den Entwicklungsaspekt.
Menschen mit niedrigerem Intellekt können emotional sehr hohe BW-Werte erreichen. zB durch tiefen, inneren Glauben. Dieser basiert zwar meist auf fragwürdigen Religösen Ritualen, aber dennoch.....
Ich hatte letzthin mit einem solchen Menschen zu tun, und da brauchte es keine religiösen Rituale... es ist einfach, wenn man etwas intellektuell nicht versteht (und es ging um Zahlen und Rechnungen, also etwas sehr Intellektuelles), so muss man halt sich irgendwas suchen, was man glauben kann. Was in dem Fall ein bestimmter Nettobetrag war, und daran hielt sich dieser Mensch fest, und wurde wütend, sobald ich versuchte zu zeigen, wie das Ganze gerechnet wurde und warum es so war, wie es war. Das waren wirklich Welten von Unterschieden... und hatte gar nichts mit Religion zu tun. Eher mit Hilflosigkeit, Überforderung und dem Versuch, die Welt zu strukturieren, mit den Mitteln, die eben da waren.
Will heissen: Deine Beschreibung einer gewissen "Reife" über die Jahre hinweg scheint mir nur dort ansetzbar zu sein, wo eine spirituell-bewusste Lehre existiert und ansetzt...UND auch verstanden wird.
Ja. Was wir jetzt haben im Schulsystem, ist die Entwicklung bis in die 400-er, mit einer starken Betonung der intellektuellen Ebene. Was für die Kinder bis vor der Pubertät nicht unbedingt sinnvoll ist, da das Soziale nicht gelernt wird. Rütli-Schule und was sonst alles immer in Zeitungen gelesen werden kann, zeigt ja, dass es hier Probleme gibt. Und um Schulen für Inhalte über 500 zu finden, da muss man schon Glück haben, die sind doch recht selten.
Interessanterweise meine ich in den Ritualen der Kirche hier den spirtuellen Entwicklungsweg "des kleinen Mannes" zu erkennen.
Wer nicht demütig ist, wird demütig geredet, kein bewusster Einfluss aufs Ego, sondern ein "herbeigebeteter".
Ja. Was allerdings schade ist, denn die Rituale der Kirche - zB der katholischen - haben deutlich mehr Potenzial, und könnten bis in die ganz hohen Ebenen angewendet werden.
Der "kleine Mann" ist ja wohl jener, der sich im Bereich von 200-400 befindet - eingefügt in die Gesellschaft und somit sozialverträglich, aber ohne Dinge zu hinterfragen... eindeutig ein Auslaufmodell. Den Kirchen würden nicht so viele Leute weglaufen, wenn sie intellektuell befriedigender wären.
grüsse, barbara
Roadrunnerfn
24.06.2008, 19:34
Ja, genau da liegt der Hund begraben.
Der christliche Glaube erfährt eine Veränderung, und die Kirche hat versäumt, daruaf zu reagieren.
Die MEnschen suchen nicht mehr einen Ort, wo sie nur abladen können, und es kommt jemand, der ihnen sagt: Tu dies..tu das...dann lebst und stirbst Du als guter Christ.
Nein, die Menschen wollen nicht bevormundet werden, sondern WISSEN, was sie glauben können.
Wie Du sagst: es gibt eine Bewegung hin zum Intellektuellen.
Aber ich denke, daß hier eine grosse Gefahr für die Kirchen lauert:
(ich weiss es aus eigener Erfahrung)
Der Weg vom "Christen" zum "spirituellen Denker" führt wohl über den Atheismus.
Wie der Weg vom Keller zum Speicher durch ein dunkles Treppenhaus führen könnte.
Die Gefahr, zwischendurch im "Nichts" falsch abzubiegen scheint mir gross zu sein.
Wie wir Kindern allerdings ein Bild "vom lieben Gott" schaffen können, das gleichfalls überzeugend ist und dennoch wegweisend, da bin ich überfragt.
Zum einen hat das Traditionelle Bild viele tröstende Bilder für Kinder, zum anderen ist es für mich fraglich, solche Aussagen zu treffen wie: "der Herrgott sieht alles".
Kinder bekommen hier dieses "BigBrother"-Bildnis, ich denke nicht, daß sie diese Aussagen als Metapher für einen kategorischen Imperativ erkennen können.
Wenn ichs recht überlege, hab ich keine Ahnung von Kindern...nur die eigenen Erinnerungen.
Frank
barbara seiler
25.06.2008, 07:38
Hallo Frank!
Der Weg vom "Christen" zum "spirituellen Denker" führt wohl über den Atheismus.
Das ist wohl häufig der Fall. Bei Hawkins war's ja auch so, ich habs auch sonst schon des öftern gehört, dass als Erstes oft eine Abwendung von einem kindlichen, naiven Glauben zu gar keinem Glauben geschieht. Und erst als nächster Schritt sich eine neue, andere (erwachsenere, reifere?) Spiritualität entwickeln kann.
Ich glaube aber nicht, dass es immer so sein muss... ich hatte immer die Selbstverständlichkeit, dass es so etwas wie Gott geben muss. Auch wenn ich oft nicht sagen konnte, was das denn genau sein könnte. Aber vielleicht hab ich meine atheistischen Phasen ja schon in früheren Leben durchgemacht, wer weiss.:p
Wie wir Kindern allerdings ein Bild "vom lieben Gott" schaffen können, das gleichfalls überzeugend ist und dennoch wegweisend, da bin ich überfragt.
Ich hab im Moment einen sehr bescheidenen Ansatz, nämlich: die Fragen der Kinder so ehrlich wie möglich zu beantworten. Auch mit den Optionen "ich muss das nachschauen" oder "ich weiss das nicht" oder "ich weiss es nicht, glaube aber, dass..., weil..." - für Kinder sind Erwachsene offenbar so eine Art Gott.
Ich merke auch, dass die Kinder meiner Klasse (Neunjährige) kaum ein Problem damit haben, auch die wildesten Fakten zu akzeptieren. Ob zB die Sintflut eine wissenschaftliche, historische Realität war oder ein Mythos, ist eine Frage, die ihnen kaum in den Sinn kommt.
Wenn ichs recht überlege, hab ich keine Ahnung von Kindern..
Das ist so eine Feststellung, die ich im Moment auch ständig immer wieder mache. die sind unglaubliche Wesen, diese Kinder!:D
Was denen alles in den Sinn kommt, und welche Gedankengänge sie haben, und welche Lösungen sie für Probleme finden... einfach unglaublich. Von meiner Erwachsenenperspektive aus frag ich mich manchmal "wie kann ein Mensch nur so doof sein? war ich auch mal so?", und dann immer wieder das Umgekehrte, wo sie (vor allem) unglaublich kreativ sind. Gerade auch kreativ im Unsinn-machen, darf ich noch anfügen.
also, ein voll entwickelter BW von nur schon über 200 manifestiert sich da eindeutig nicht, auch wenn das Potenzial von vielen sehr gross sein mag.
grüsse, barbara
Roadrunnerfn
25.06.2008, 19:32
Ja,
eine grenzwertige Sache:
Ist Hawkins für Kinder gut...KANN diese Lehre überhaupt vermittelt werden?
Wo bewegen sich Kinder in der BW-Skala?
Bin ich ein BW-Kind, wenn ich erst mit 37 beginne, zu erkennen?
Wie ist die Wut eines Kindes einzuordnen?
Sind unsere "Wüte" gerechtfertigter????
Sind nicht die der Kinder entschuldbarer, weil sie unbewusster sind?
Müssen wir Kinder zum Bewusstsein "hinerziehen"?--oder sollen wir es nur vorleben--so gut wir eben können...
Grüsse
Frank
barbara seiler
26.06.2008, 07:54
Hallo Frank
ich glaub, dass die ideen von Hawkins, in der Form, wie er sie präsentiert, nicht unbedingt was für Kinder sind. Sondern eher was für Erwachsene, als Werkzeug der Reflexion. Oder was meinst du "ist Hawkins was für Kinder"?
Bin ich ein BW-Kind, wenn ich erst mit 37 beginne, zu erkennen?
Das kommt ja nicht vor... jeder Mensch erkennt viele Dinge im Laufe seines Lebens. Und ganz besonders viele, wenn er jung ist. Doch auch noch vieles als Erwachsener.
Wie ist die Wut eines Kindes einzuordnen?
Sind unsere "Wüte" gerechtfertigter????
Sind nicht die der Kinder entschuldbarer, weil sie unbewusster sind?
naja, Wut ist auf 150, egal bei wem, bei den Alten, den Jungen, aber auch den Tieren.
Kinder sind durchaus entschuldbarer, weil sie unbewusster sind, denke ich mal. Es ist ja nicht für nichts, dass Kinder nicht mündig sind, sondern Erwachsene für sie verantwortlich sind.
Müssen wir Kinder zum Bewusstsein "hinerziehen"?--oder sollen wir es nur vorleben--so gut wir eben können...
Es gibt da diesen Spruch - ich glaube, der ist von Erich Kästner - der sagte: es hat keinen Sinn, Kinder zu erziehen, sie machen einem eh alles nach. :D
Erziehung IST in erster Linie das Vorleben und das Beispiel-Sein. Sodass sie mitkriegen, wie die Erwachsenen mit Problemen, Konflikten und überhaupt allen möglichen Situationen umgehen. Und wenn sie dann sehen, dass das Handeln und das Sprechen ihrer Vorbilder Unterschiede aufweist - Wasser predigen, Wein trinken - so kommt das kaum gut heraus. Kinder kriegen ja alles mögliche mit, nicht unbedingt bewusst, aber unbewusst durchaus. Und wenn da solche Widersprüche gelebt werden müssen, so erzeugt das Unsicherheit und Angst, und ist sehr unangenehm zu leben.
grüsse, barbara
barbara seiler
09.05.2009, 09:43
Hallo zusammen
bin soeben auf diesen Artikel gestossen, der mir ein etwas beklemmendes Gefühl hinterlässt: "Kalte Kinder - erleben wir einen neuen Menschentypus"?
http://www.welt.de/die-welt/article3628943/Kalte-Kinder.html
Auffällig ist dies: Diese Kinder sind an den funktionalen beherrschbaren Anteilen ihres Kinderlebens hochgradig interessiert, naturwissenschaftliche Zusammenhänge, überhaupt alles, was beherrschbar erscheint, erfassen sie rasch und komplex, sobald das Gespräch aber auf Bindungen, Beziehungen zu Eltern oder Freunden kommt, weichen sie aus. Sie ziehen sich freundlich auf unverbindliche Worte zurück, als fehle ihnen die Sprache.
Bei Kindern habe ich dies bisher noch nicht erlebt - es war mir auf alle Fälle nicht bewusst - erinnert hat mich aber dieses Verhalten an das von vielen Atheisten, die auf dem Netz zu finden sind: ein grosses Interesse am Erde-Bereich von 0-200 in der Skala von Hawkins - und alles andere wird gar nicht als real wahrgenommen.
erinnern tut mich das auch an den Begriff der Soziopathie:
http://de.wikipedia.org/wiki/Soziopathie
Ich erinnere mich an einen Bericht in "psychologie heute", wo Soziopathen als Menschen beschrieben werden, die oft in verantwortungsvolle Positionen kommen - weil sie die Äusserlichkeiten, die Formen der Höflichkeit und des Umgangs, perfekt beherrschen. Doch dahinter ist... nichts. Als ob da kein Mensch zuhause wär.
Ist denn für viele Kinder das Erdenleben so schlimm, dass sie nur so eine Art Zombie von sich selbst zulassen, aber ihre Seele nicht zu bringen wagen? Das gibt mir zu denken...
grüsse, barbara
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