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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Schulsystem


Roadrunnerfn
14.05.2010, 11:26
Hallole,

ich hab mir gedacht, ich mach mal nen neuen Fred auf auf die Schulsystemsache.
Weil nämlich: ich halts für interessant.
Aber der Diskussionen-Fred ist ja zwischenzeitlich etwas wirr......


Schulsysteme und ob sie für unsere Kinder gut oder schlecht sind:

Wir lernen, und wenn wir es richtig machen, lernen wir noch bis zu unserem letzten Atemzug.
Es scheint logisch und natürlich, dass Kinder schnell und GRUNDSÄTZLICHES gut lernen.
Für den Menschen sind Sprache und aufrechter Gang wichtig. Das sind mit die ersten komplexen Dinge, die wir als Kleinkinder gelernt haben.

Ein gutes Schulsystem knüpft mE an diese Entwicklung an.
Das bedeutet aber auch, und hier scheitern die meisten Schulsysteme, daß Lehrinhalte auf dem Stand der Zeit sein müssen.

Die Gesellschaft verändert sich ständig, und es ist -zugegbenermaßen- bestimmt schwierig, zu sortieren, was wir unseren Kindern beibringen sollen:
Zum einen gibt es Inhalte, die kurzlebig aber dennoch wichtig sind. Besondere politische Strömungen. Wirtschaftskrisen. etc.
Andererseits müssen wir aber auch unveränderliche Werte vermitteln, damit die "schnellen" Inhalte nicht zu Doktrien werden.

Das macht dann klar: Inhaltlich sollte mE die Konstanz desto grösser sein, je jünger die Kinder sind: Grundsätzliches zuerst. Und das verändert sich nur langsam.
Aktuelles dann für die Köpfe, die schon komplexere Dinge erfassen können.

Werte:
moralisch-ethische Werte unterliegen leider auch gesellschaftlichen Strömungen. So hat sich ja die Philosophie in den letzten Jahrzehnten fast komplett aus dem allg. Leben verabschiedet.
Man hat jedoch das Gefühl, dass sie wieder etwas mehr aufkommt.
Bestimmt wäre es für eine allg. gesellschaftliche Entwicklung ratsam, auch schulische Lehrinhalte etwas weniger nüchtern zu gestalten. Gefühl, Psyche, Wahrnehmung sind ja Dinge, die unter Milliarden dämlich gestellter Matheaufgaben untergehen.
Wir haben viele soziale Probleme, die wir mit Mathe und Deutsch nicht lösen werden. Und Religionsunterricht so wie er zu meiner Zeit war isses auch nicht:
Texte auswendig lernen.
Wertevermittlung wird mE nicht ausreichend betrieben.

Und wenn, dann sind es oftmals (leider) religiös-fundamentalistsiche Werte.


Die Art und Weise, Kindern etwas beizubringen, ist vielleicht das wichtigste überhaupt:
Ich habe dazu meine Kindheit nie vergessen:
Es gab Menschen, welchen ich Information von den Lippen getrunken habe, und es gab Megaphonschreiende Charaktere, deren laute und ach-so-wichtige Information mein Hirn nie erreicht haben.
Leider, denn sehr oft wäre es wichtige Information gewesen.



Soviel mal dazu

Grüssle


Frank

barbara seiler
14.05.2010, 13:34
Hallo Frank!

Heute ist es natürlich alles andere als optimal. Zu kopflastig. Zu vollgestopft, da muss neben Rechnen und Schreiben auch noch Zähneputzen und sexuelle Aufklärung reingepackt werden, Lehrpläne sind grosse lange Bücher mit tausend Details, die abgehakt werden müssen, das ist doch Stress.

Die grosse Linie geht verloren. Die Flexibilität auch.

Das macht dann klar: Inhaltlich sollte mE die Konstanz desto grösser sein, je jünger die Kinder sind: Grundsätzliches zuerst. Und das verändert sich nur langsam.

Das glaube ich auch. Es ist nicht notwendig, jede neue Mode mitzumachen. Es gibt natürlich Veränderungen - zum Beispiel ist es heute wichtig, mit einem Computer umgehen zu können - aber was ein Erstklässler können muss, ist heute wie vor hundert Jahren kaum anders.

moralisch-ethische Werte unterliegen leider auch gesellschaftlichen Strömungen. So hat sich ja die Philosophie in den letzten Jahrzehnten fast komplett aus dem allg. Leben verabschiedet.

hier vor allem die sogenannten Sekundärtugenden: sei ehrlich, fleissig, zuverlässig, pünktlich. Die waren in der Hippiezeit ja regelrecht verpönt, teilweise sicher auch zu Recht, aber wichtig sind sie, wo etwas funktionieren soll - wo in Teamarbeit etwas erstellt wird.

Wir haben viele soziale Probleme, die wir mit Mathe und Deutsch nicht lösen werden.

Das ist das, was mir selbst an der Schule nicht gut tat: ich erlebte während langer Zeit etwas, das heute Mobbing genannt wurde - es schien niemanden zu interessieren. Klein Barbara war ja so ein ruhiges, stilles, kluges Mädchen, immer mit guten Schulnoten, eine Wohltat für jeden Lehrer...

Texte auswendig lernen.

das finde ich, gerade für Vorpubertäre, gar nicht so schlecht. Man vermittelt so einen Schatz, auch wenn dem Kind meist gar nicht klar ist - nicht klar sein kann - was für ein Schatz es ist. Das bedingt natürlich, dass gute, grosse Texte gelernt werden.

grüsse, barbara