Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die Welt und ich
Roadrunnerfn
22.06.2008, 21:52
bzgl. Barbaras Hinweis:
Es ist wahrhaftig schwierig bei dieser Hitze einen klaren Gedanken zu fassen.
Aber meine Gedanken sind eh konfus und schleierhaft.
Ihr kennt meine spirituell-philosophische Geschichte weitestgehend, und diese Entwicklung treibt immer neue Gedankenstilblüten.
Wenn wir erkannt haben, daß unsere Welt nur aus uns kommt, dann wird persönlich schwierig.
Ich folge mit grossem Interesse jeder Diskussion, die sich mit der Verknüpfung von Physis und spirituell-philosophischer Wahrheit befasst.
Aber letztlich komme ich gedanklich immer wieder zu jenem einen Punkt, jener Grenze, die ich nicht zu übertreten wage:
Wenn die ganze Welt von uns geschaffen wird, ein perfektes Lebenstheater sozusagen, wenn ich GUT und BÖSE schaffe, wenn ich GUT und BÖSE bin, sprich, wenn ich die Dualität der WELT bin, wenn ich denke "wenn ich denke.."also die Kausalität der Welt bin;
wenn ich erkenne, daß ihr alle nur aus mir seid
wenn ich erkenne dass das Dasein in der Welt nur ein "Gedankenfurz" ist,
wenn ich erfahre, daß dies wahr zu sein scheint, weil ich "Wunder" erlebe,
dann wäre (bitte, BITTE nicht für verrückt halten) ich der Messias. Durch die Auflösung meines Geistes in meinem Körper würde die Welt vom "Weltsein" erlöst.
So wie ich alles geschaffen hätte, würde ich alles auflösen.
Ich rede von einer völligen Hingabe an das SEIN, das eine SELBST.
Aber ich vermag und WILL diese Schwelle nicht überschreiten.
Mein Ego scheint hier eine definitive Grenze zu ziehen, die es mir nicht erlaubt, weiterzugehen.
Ich wehre mich gegen die Auflösung des logischen Denkens, ich möchte denken, ich möchte handeln.
Ich möchte leben und er-leben.
Ich möchte diese Erkenntisse nicht in die Hände eines ALLSEINS legen, von dessen Wesen ich nichts weiss.
Es ist eine Vertrauens und Glaubensgrenze.
Ganz selten habe ich bisher einen Finger "nach drüben" ausgestreckt.
Ich habe nie etwas erlebt, was mich davon abhalten würde, den Schritt zu tun.
Dennoch gibt es so viele Dinge, die mich hier halten.
Menschen, Freuden, die Liebe zu meiner Frau
Ängste, etwas zu verlieren.
Welchen Sinn hat das Leben?
@Celestine: (bevor Du antwortest):
was finde ich in der Aussage "Leben IST Sinn"?
Ist Sinn überhaupt wichtig, oder ist Sinn nur DAS Gedankenkonstrukt, das uns leben, das uns streben lässt. Ist Sinn für die eine, reine Wahrheit überhaupt relevant?
Ist Sinn der Mantel des Egos?
Alles, was ich bisher "von drüben" erfahren habe ist sinnlos--bodenlos.
Ungreifbar.
Unbeschreibbar.
Es ist nichts, was mit dieser Welt zu tun hätte.
Warum also sind wir hier?
hmm
Grüssle
Frank
barbara seiler
23.06.2008, 07:52
Hallo Frank!
Aber ich vermag und WILL diese Schwelle nicht überschreiten.
Mein Ego scheint hier eine definitive Grenze zu ziehen, die es mir nicht erlaubt, weiterzugehen.
Das musst du auch nicht. Ich sehe zumindest keinen Grund dazu.
Ich wehre mich gegen die Auflösung des logischen Denkens, ich möchte denken, ich möchte handeln.
Ich möchte leben und er-leben.
Dann würde ich vorschlagen, tu das, so gut und intensiv du nur kannst. :) Das Leben - und besonders dieses eine Leben, dass jetzt erlebt wird - ist kurz, nur so eine zweistellige Anzahl Jahre... Grund genug für mich, es auszukosten, soweit ich es kann.
Alles, was ich bisher "von drüben" erfahren habe ist sinnlos--bodenlos.
Ungreifbar.
Unbeschreibbar.
Vielleicht ist das nicht immer so. Vielleicht ist es nur gerade jetzt unfassbar und formlos. Ich erlebe durchaus Dinge von "drüben", die ich verstehen und erfassen kann. Liebe, zum Beispiel. Die sich ganz konkret äussern kann in der Liebe und Sexualität, die ich mit einem andern Menschen teile.
Warum also sind wir hier?
weil es eine grossartige Erfahrung ist?
grüsse, barbara
Celestine
23.06.2008, 09:43
Lieber Frank,
was bringt Dir die Unterscheidung zwischen "drüben" und "hier"?
Vor allem, was bringt sie Dir aus der Sicht des Hier-seins?
Die Frage nach dem Sinn des Lebens stellt und beantwortet sich jeder spirituell beschäftigte Mensch früher oder später individuell, oder er verliert sich in Gedankenkonstrukten und wird (menschen-)lebensunfähig.
"Leben IST Sinn"
Die Expansion des Lebens, es dehnt sich aus, verschafft sich Ausdruck. Alles ist durchdrungen von identischer "Energie" die sich formt durch unterschiedliche Schwingung, durch die Naturgesetze, vor allem durch die Kraft des Geistes (da alles geistig ist) - AUCH deines Geistes.
Du hast die MACHT kraft dieser Erkenntnis, alles zu verändern, außer der Substanz selbst.
Das ist der "Sinn", nicht das WAS Du daraus/damit machst, nur dass Du es tust. Dem Leben (der Ursubstanz) Ausdruck verleihen. Egal wie und wo.
Was also bedeutet für Dich die Hingabe an das SEIN?
Du hast erkannt (düben) es gibt gar keinen "echten" Sinn. Alles ist grenzenlos und frei von Werten. Es hat (scheinbar) rein gar nichts zu tun, mit dem menschlichen Erleben. Was also sollte es Dir (hier) bringen, dich diesem Sein jetzt hinzugeben (so wie Du Dir diese Hingabe vorstellst), jetzt, wo Du Mensch bist? Und doch, es gibt "Sinnzusammenhänge" - sie sind nur für den Menschen nicht begreifbar. Kannst Du das akzeptieren? Dass es einen SINN macht, scheinbar SINNLOS Mensch zu sein?
Das ist aus meiner aktuellen Sicht die abschließende Frage der spirituellen Reise hier auf der Erde als Mensch überhaupt.
Ich habe die Möglichkeit zu entscheiden, mich eines wesentlichen Bestandteils des Menschseins zu entledigen: dem Ego.
Will ich (das Selbst) das? Oder will ich vielleicht lieber, alles auf meiner spirituellen Reise gelernte nutzen, und das Ego ihm unterstellen. Dann behalte vielleicht einige meiner Ängste. Dann behalte ich vielleicht einige meiner Anhaftungen. Na und?
Ich bin hier und es gibt nur eins zu tun:
DA zu sein und anzunehmen was kommt. Einfach laufen, einen Schritt nach dem anderen und mit all meinen (spirituellen und menschlichen) Kenntnissen und Fähigkeiten das tun, was meiner Wahrheit entspricht. Der Weg ist in all seinen Entscheidungsmöglichkeiten und Facetten vorgezeichnet, ich gehe ihn.
Was sonst?
DAS ist die HINGABE an das SEIN, die mir hier als Mensch wirklich möglich ist - und die Jesus praktiziert hat.
Und ja, ich wage zu glauben, dass die Welt sich dereinst auflösen wird - so als sei sie nie da gewesen, und dass wir alle, die wir "reinen Geistes sind" (unser Ego dem Geist unterstellt haben) das vollbringen werden, sobald das auf alle Menschen zutrifft. - Aber erklären kann ich Dir das nicht :-)
Alles Liebe,
Celestine
Roadrunnerfn
23.06.2008, 12:58
Hi Celestine,
ja, ich denke, Du hast mich VOLL verstanden.
Es geht um die abschliessende Frage des Sinns des Seins hier auf der Erde, um die abschliessende Frage unserer spirituellen Reise als Mensch.
Genau.
Verstehen tu ich nicht, wie es Dir gelingt, es zu verknüpfen. Ich sehe die Ansätze: Menschsein und die philosophische Wahrheit schliessen sich aus. Wir müssen Mensch sein, um sie sehen zu können, um so zu sein wie sie, müssten wir uns auflösen, was das Ende unseres Menschseins wäre.
Also: akzeptieren und im Menschsein hoffen, so viel als möglich sehen zu dürfen.
@Barbara:
Ich glaube, das ist das, was Du immer viel pragmatischer auszudrücken versuchst.
Aber doch, ich denke, daß ich durch Eure Bestätigung sehe, daß diese Grenze vielleicht wirklich bestehen soll und vielleicht nicht überschritten werden soll, wollen wir unser Menschsein nicht verlieren.
Grüssle
Frank
barbara seiler
23.06.2008, 17:26
Hallo Frank
ja, ich mags pragmatisch - ich hab mich lange genug dem Leben auf der Erde verweigert, und im Moment sind für mich nur solche Dinge wesentlich, die auch etwas mit dem Leben auf der Erde zu tun haben, in einem engeren aber auch weiteren Sinn.
Aber doch, ich denke, daß ich durch Eure Bestätigung sehe, daß diese Grenze vielleicht wirklich bestehen soll und vielleicht nicht überschritten werden soll, wollen wir unser Menschsein nicht verlieren.
Ich glaube nicht, dass es darum geht, was wir sollen. Sondern um das, was wir wollen.
Es gibt dieses Wort aus der Bibel (ich bin nicht sicher ob von Jesus oder jemand anderem) das heisst: sei heiss oder kalt - die Lauen werde ich ausspeien aus meinem Munde, also: tu was immer du willst - aber tu es richtig. Egal was es ist.
liebe grüsse
barbara
Roadrunnerfn
28.06.2008, 20:34
ich hab eine richtige Denkblockade.
Diese radikalen Gedanken bzgl. einer mir immer wirklicher scheinenden Wahrheit sind an besagte Grenze gestossen.
Seither fühle ich mich wie in einem Dorf, dessen Zufahrtsstrasse gesperrt ist.
Jeden Tag gehe ich hinaus und komme an die Barriere. Ich sehe die Welt "draussen", aber ich weiss, dass ich die Barriere nicht überwinden will.
Also wandele ich zurück in mein Dorf, meine Welt, treffe dort Menschen, gehe was Essen, lege mich schlafen, gehe zur Arbeit...sprich: ich LEBE in meiner Welt.
Aber ich stehe jeden Tag an der Barriere, wissend, dass es jenseits keine Menschen gibt, kein Essen, kein Schlaf, keine Arbeit.
Was ist nur los?
Ich habe mir monatelang den Kopf zerbrochen, über dieses neue Weltbild, und habe nach Antworten gesucht.
Hier habe ich viele Antworten bekommen, die mir weitergeholfen haben.
Und ich stehe an der Barriere, schau rüber und weiss: DA ist DIE Antwort!
Und jetzt will ich nicht hin.
Gibt es in einem beruhigten Ego einen Teil, der so friedlich "ich" sein kann, daß ich mit ihm leben will?
und wiedermal: hmmmm!
Grüssle
Frank
barbara seiler
29.06.2008, 08:42
Hallo Frank!
Da fällt mir ein Satz ein, den ich im Kommentar zum Evangelium der Maria Magdalena von Jean-Yves Leloup gelesen habe:
"Comme en psychologie, il s'agit d'avoir un ego le plus sain et le plus structuré possible avant de prétendre avoir accès à ce qu'on appelle parfois trop vite le Soi."
- "wie in der Psychologie handelt es sich darum, ein so gesundes und möglichst strukturiertes Ego zu haben, bevor man vorgibt, Zugang zu dem zu haben, was manchmal vorschnell das Selbst genannt wird."
Wenn "ich" da nicht hin will, so gibt es bestimmt einen guten Grund dafür. Einen, den man mE besser respektiert.
Sonst könnte dir gut etwas von dem passieren, was nach einer von Clarissa Pinkola Estes im Buch "Wolfsfrau" überlieferten Geschichte diesen Rabbinern passiert ist:
Eines Nachts wurden vier Rabbiner von einem Engel besucht, der sie aufweckte und auf seinen Schwingen in die Siebente Kammer des Siebenten Himmels trug. Dort erblickten die vier das Heilige Rad von Hesekiel mit eigenen Augen.
Auf dem Rückweg zur Erde jedoch verlor der erste Rabbiner bereits seinen Verstand, denn sein Geist war dermassen von dem göttlichen Glanz geblendet worden, dass er fortan nur noch brabbelnd durch die Lande irrte. Der zweite Rabbiner zeigte sich unbeeindruckt und verleugnete ganz einfach, was er im Siebenten Himmel gesehen hatte. Er winkte nur ab und sagte: "Ach was, das haben wir doch bloss geträumt!" Der dritte Rabbiner wurde fanatisch. Er hielt bald überall Vorträge über Sinn und Bedeutung seines Erlebnisses und stritt sich mit den anderen Gelehrten. Aber der vierte Rabbiner wurde zum Dichter. Er setzte sich an das Fenster seiner Kammer und verfasste ein Danklied nch dem anderen über die Tauben im Kirschbaum, die kleine Tochter in der Wiege und alle Sterne in der Nacht. Er als einziger konnte sein Glück ertragen.
Der letzte Rabbiner, der Dichter, war wohl der Einzige, dessen Ego fähig war, irgendwie mit dem Erlebten umzugehen, ohne dass gleich ein paar Sicherungen raussprangen. Die Frage lautet ja wohl auch: wenn du einen Ausflug nach draussen machst, möchtest du auch wieder fähig sein, zurück zu kehren? Weiterhin dein Geschäft zu führen, mit deiner Frau zu leben, und was da noch alles dazu gehört?
Gibt es in einem beruhigten Ego einen Teil, der so friedlich "ich" sein kann, daß ich mit ihm leben will?
Ich denke durchaus, dass es Formen von Ego gibt, mit denen es sich sehr gut leben lässt. Ich vermute auch, dass du während der meisten Zeit mit diesem Ego auch mehr oder weniger schon jetzt in Frieden bist. Du machst täglich viele Ego-Dinge wie: ankleiden, Zähne putzen, Rechnungen bezahlen, mit Kunden und Lieferanten verhandeln, Buchhaltung, Auto fahren... all das mit deinem Ego.
grüsse, barbara
Roadrunnerfn
29.06.2008, 20:13
Danke Barbara,
für die (besorgte?) Antwort.
Aber keine Sorge, ich habe nicht vor, überzuschnappen.
Ich suche lediglich nach einem Weg, wie ich jetzt wieder hier in meiner Welt neue Ziele stecken kann, die mir sinnvoll erscheinen.
Solange sich alles mit einer ALL-umfassenden Auflösung messen muss, ist es schwieirg, wieder Fuss zu fassen.
Aber ich lass mir einfach Zeit, ich denke, das kommt auch noch.
Was mich interessieren würde ist, warum es doch recht viele Menschen gibt, die SO denken, aber irgendwie weiss davon keiner.....
Ich hab immer befürchtet, daß es viele gibt, die von Philosophie und Spiritualität gehört haben und wissen, wovon man redet, was ich nicht wusste, ist, daß es so viele VERSTANDEN haben.
Ich denke immer, da müsste die Welt doch anders aussehen
Aber wie sollte sie auch, es ist MEINE Welt......seufz....da ist es schon wieder.
Ich lass Euch Grüsse da....
Frank
barbara seiler
29.06.2008, 20:42
Hallo Frank
du machst mir auch - so aus der Ferne, soweit ich das beurteilen kann - nicht den Eindruck eines Menschen, der überschnappen wird.
Solange sich alles mit einer ALL-umfassenden Auflösung messen muss, ist es schwieirg, wieder Fuss zu fassen.
Ich bin vielleicht zu irdisch - doch warum muss sich alles an einer All-umfassenden Auflösung messen lassen?
ich fürchte, im Moment versteh ich gerade nicht wirklich, worauf du hinaus willst...:confused:
liebe grüsse
barbara
Roadrunnerfn
29.06.2008, 21:20
Naja,
ich GLAUBE erkennen zu können, dass es eben nur zwei Wege gibt, die man gehen kann.
Der eine ist die völlig Auflösung nach dem Motto: Wenn ich sterbe, stirbt die Welt mit mir.
Was kommt ist ungewiss, eine neue Stufe, ein neues Leben, vielleicht ja aber die Erlösung und Auflösung ins "göttliche".
Der andere Weg ist der des Menschseins.
Mit allen seinen fehlern, die wir nicht ausschalten KÖNNEN.
Manches kann man abstellen, manches nicht. Menschsein bedeutet, manches nicht abstellen zu können (körperlichkeit, Ego, etc.)
Dennoch läuft die Welt des menschseins Gefahr, an der "göttlichen" Welt gemessen zu werden. Sprich, welche Bedeutung können wir etwas oder jemandem zumessen, wenn wir wissen, daß er/sie/es nur eine Projektion in unserer Welt sind.
Das meine ich, wenn ich sage, alles weltliche muss sich an einer Wirklichkeit der Auflösung, des "nichtseins" messen lassen.
Dazu muss ich aber zuerst meine Gedanken neu sortieren, vielleicht ist es -wie so vieles- nur ein Problem desStandpunktes, den ich zu verlassen suchen werde.
Grüssle
Frank
barbara seiler
29.06.2008, 21:51
Hallo Frank
mit den zwei Wegen würde ich grundsätzlich mal zustimmen. Auch, dass die völlige Auflösung irgendwann auf dem einen Weg kommen wird. Doch bis es soweit ist - zumindest bei mir - werde ich noch sehr viele Schritte als "Mensch mit Sehnsucht" gehen, und ein Ego haben, und viele Erfahrungen in diesem Zustand der Suche machen. Und dazu gehört auch, dass ich vieles NOCH nicht abstellen kann. Und das ist in Ordnung so.
Dennoch läuft die Welt des menschseins Gefahr, an der "göttlichen" Welt gemessen zu werden. Sprich, welche Bedeutung können wir etwas oder jemandem zumessen, wenn wir wissen, daß er/sie/es nur eine Projektion in unserer Welt sind.
naja, halt die Bedeutung einer Projektion. Wir haben ja in der Regel auch keine grosse Mühe, die Bedeutung eines Films relativ zur Bedeutung eines Ereignisses in der Welt oder der Bedeutung der Handlung in einem Buch miteinander auf vernünftige Weise in Beziehung zu setzen.
Mein Wissen, dass das Mensch-Sein nur ein Aspekt meiner selbst ist, hilft mir, mein Leben mit Humor zu nehmen. Naja, manchmal hilft es mir. Nicht immer. Manchmal nehme ich mich auch ganz furchtbar ernst und leide und produziere Drama. Doch manchmal gelingt es mir, ab der Absurdität meines Leidens und Strampelns zu lachen.
naja, ich weiss nun immer noch nicht, ob dies zu deinen Ideen passt oder nicht...
liebe grüsse
barbara
Roadrunnerfn
29.06.2008, 23:47
Hi Barbara,
Mein Wissen, dass das Mensch-Sein nur ein Aspekt meiner selbst ist, hilft mir, mein Leben mit Humor zu nehmen. Naja, manchmal hilft es mir. Nicht immer. Manchmal nehme ich mich auch ganz furchtbar ernst und leide und produziere Drama. Doch manchmal gelingt es mir, ab der Absurdität meines Leidens und Strampelns zu lachen.
naja, ich weiss nun immer noch nicht, ob dies zu deinen Ideen passt oder nicht...
barbara
jaa, ich denke, das trifft es sehr genau.
Auch und vor allem die Aussage, daß man das Menschsein als Aspekt seiner selbst betrachten kann.
Soweit hab ich das ja auch alles auf der Reihe, will heissen, ich sehe es.
Nur denke ich, so ganz kapiert hab ichs noch nicht, oder besser, es sitzt noch nicht tief genug.
Mal sehen, was man im Leben davon als "nützlich" umsetzen kann.....
Grüssle
Frank
barbara seiler
01.07.2008, 08:30
Hallo Frank
na, dann viel Spass beim Ausprobieren... meist werden die Dinge ja dann schon klar, wenn man sich in der Praxis mit ihnen auseinander setzt. Oder zumindest so, dass man merkt, was auf der Erde nicht funktioniert, was in der Vorstellung sehr gut geklappt hat.
liebe grüsse
barbara
Celestine
06.07.2008, 12:13
Hallo Frank!
Wonach Du suchst, das ist die WIRKLICHKEIT
Das, was bleibt, wenn alles Unwirkliche verschwunden ist.
Du denkst, um das zu finden, müßte alles, was Du siehst, verschwinden, weil ja alles nur Projektionen sind. Der "Fehler", der Dich denkend zum Wahnsinn treibt ist die Art, wie/dass Du darüber (nach-)denkst.
Die Lösung, die Antwort, ist da.
Solange Du sie jedoch aktiv suchst, kommt sie einfach nicht zu dir, und läßt dich an der scheinbaren Grenze, dem scheinbaren Scheideweg stehen.
Das eine ist jedoch in allem anderen.
Das EINE ist in ALLEM.
Das ist der Schlüssel zur Lösung.
Celestine
Roadrunnerfn
07.07.2008, 19:15
Hi Celestine,
Wonach Du suchst, das ist die WIRKLICHKEIT
Ja, definitv. Oder nenn es Wahrheit. Meine Suche hat auch ein Ziel gefunden, wohin es gehen soll (gehen wird, geht, woher es kommt???).
Mir gefällt die Vorstellung dieser einen, reinen Ursuppe, die mE die Wahrheit darstellt, die EINZIGE Wahrheit.
Der "Fehler", der Dich denkend zum Wahnsinn treibt ist die Art, wie/dass Du darüber (nach-)denkst.
Die Lösung, die Antwort, ist da.
Solange Du sie jedoch aktiv suchst, kommt sie einfach nicht zu dir, und läßt dich an der scheinbaren Grenze, dem scheinbaren Scheideweg stehen.
Ja, auch hier: "ja". Das Denken in diesen Bereichen ist gefährlich. Man tirfft auf Dinge, die erst mal ungeheuer paradox erscheinen, und was noch schlimmer ist: die Grundlogik des menschlichen Denkens stösst auf ein Paradoxon, das nicht auflösbar scheint:
Wenn Die Wahrheit in einem reinen Sein, in einem reinen SELBST liegt, warum um alles in der Welt müssen wir dann körperlicher Mensch sein, um ein Gehirn zu haben, das es uns erlaubt, darüber nachzudenken, warum wir Mensch sind und nicht Geist....schon dreht sich das Karussell und man muss achtgeben, dass einem nicht schwindlig wird.
Als Mensch hänge ich natürlich dem Streben nach, spirituell weiterzukommen, ich möchte selbstverständlich "besser" werden. Sobald ich etwas besonderes erlebe, mache ich mir Gedanken darüber, wie ich es schaffe, das zu wiederholen.....usw.
Du hast recht, das führt zu nix. Immer dann, wenn ich das Gefühl habe, ich selbst zu sein, immer dann treffe ich auf Neues und Wunderbares.
Dieses verkrampfte Karrieredenken, diese "Gewinnorientierung" steht im Raum dieses Paradoxons.
"Wenn wir Gewinn als Motiv aufgeben, antwortet das Leben mit unerwarteter Freigiebigkeit."
Das eine ist jedoch in allem anderen.
Das EINE ist in ALLEM.
Das ist der Schlüssel zur Lösung.
Ich liebe Deine prägnanten Weisheiten....ich muss jedes Wort in Aufsätzen verklamüsern! So direkt kann ich nicht denken..Gib mir ne Chance.. :-D
Das Eine ist in Allem.....Ja, wenn die Urquelle das EINE ist, dann ist sie in allem. Dann ist alles, hier auf der Welt. Dann wird alles denkbare existent, weil es mit dem Gedanken nicht erschaffen werden muss, sondern nur hervorgeholt.
Somit ist alles im EINEN.
DIESE Lehre sehe ich, und sie gefällt mir. Sie beinhaltet alles, nach dem die Menschheit je gesucht hat. Diese Lehre ist im Grunde die grosse Erlösung an sich.
Wenn ich jedoch meine Grenzen als Mensch sehe, dann wird diese ganze Lehre wieder zu etwas, das ICH nicht haben will: Gott!
Grüssles
Frank
Roadrunnerfn
11.10.2008, 10:55
Ankündigung
Ich spüre das Bedürfnis (mal wieder) über meine Weltsicht zu referieren. Das werde ich hier in der nächsten zeit ab und an tun.
Ziel ist es, dass lesbare und verfolgbare Beiträge zustandekommen, welche, die sich nicht immer sofort wieder im Sinn verlieren.
Keine Ahnung, ob das funktioniert. Ich mags halt mal versuchen.
1. Beitrag: Die alte Welt:
ein konventioneller Blick auf die materielle Welt
37 Jahre lang war in meiner Welt alles in bester Ordnung. Alles war so, wie es zu sein hatte:
Als Kind hat man sich Schürfwunden geholt, die weh getan haben, Mutter hat sie geflegt, man erlebte eine Schulzeit, wurde verprügelt, hat schlechte Noten bekommen, hat eine Karriere eingeschlagen, unterschiedlichste Menschen kennengelernt, Angst, Verzweiflung, Freude, Liebe, alles ist drin, in dieser Geschichte.
Alles war soweit ok:
die Welt war, wie sie erwartungsgemäss zu sein hatte und als (unbescheiden) reger Geist lebte ich in dieser Überzeugung und war in dieser Welt das, was sie in dieser Konstellation fast unweigerlich hervorbringt:
unglücklich.
Ich kann mir nicht vorstellen, das es im Universum einen Geist gab, der sich so sicher war wie meiner, dass man für alles eine naturwissenschaftliche Erklärung finden könnte.
Was wir noch nicht kennen, da war ich mir sicher, wird man noch erforschen (..Geduld, Geduld...) und auch diese unerlaubte Frage "Was war vor dem Urknall" betrachtete ich als irgendwann auflösbar.
Mein Leben hat sich also in einer Regel-Welt abgespielt, die weitestgehend beschrieben ist und die vielerlei überzeugende Argumente kennt:
-man kann sie anfassen (riechen, sehen, spüren)
-man kann auf eine evolutionäre Vergangenheit blicken
-die aufgestellten Regeln sind durch Wiederholbarkeit verifiziert.
-die Entwicklung der Naturwissenschaft, die diese Regeln beschreibt baut stets auf den Grundlagen der Erkenntnisse auf, die man erst herausfindet. will heissen, die bisherigen Regeln werden bestätigt oder verworfen durch das, was wir durch deren Anwendung in der Praxis und die theoretische Weiterentwicklung als neue Erkenntnis dazugewinnen.
Das einizge, was man mit einer solchen Einstellung den Themen "Astrologie, Glauben, Wiedergeburt, Esoterik, etc." abgewinnen kann ist die Vermutung, dass diese Themen zu 90 % von Scharlatanen gepushed werden, 5 % Zufallsergebnisse sind und die restlichen 5% Fragen aufwerfen, die wir noch nicht aber bestimmt irgendwann naturwissenschaftlich erklären können.
Zu diesen Zweifeln an einer Geistwelt gehört auch, dass viele Geist-Phänomene schon naturwissenschaftlich entzaubert oder widerlegt wurden.
Bsp: der Lichttunnel in der Nahtod- Erfahrung ist ein nachweisbarer und wiederholbarer neuronaler Impuls (soweit ich weiss des Sehnervs).
Alles ist erklärbar, alles folgt den naturwissenschaftlichen Regeln.
Alles ok, die Welt ist im Lot!
Eine Frage allerdings hat mich seit frühester Kindheit beschäftigt, und meine Erinnerungen dazu gehen weit zurück:
"Wer bin ich?--Was ist "ich"?"
Dieser essentiellen Frage habe ich aber NIE Bedeutung zugemessen. Es war nur eine der vielen unbeantworteten Fragen, die bestimmt irgendwann eine Antwort finden würden.
Eine naturwissenschaftliche, versteht sich.
Soweit...
Grüsse
Frank
Roadrunnerfn
11.10.2008, 11:50
2. Das Leben in der naturwissenschaftlich beschreibbaren Welt
Aufgrund meiner Überzeugungen war in meinem Leben sehr viel geplant und meine Aktionen stets von grosser Vorsicht geprägt. Ich wollte nicht, dass mir etwas weh tut. Also: nicht hinfallen, nicht runterfallen, ein Ball im Tor tut nicht so weh wie ein Ball in der Magengrube: Als Sportler wurde mir im Mannschaftssport zu wenig Motivation nachgesagt.
Ich hatte einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, habe mich gegen Lehrer gestellt (wegen Kleinigkeiten), gegen Schulleiter usw. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich immer gern HATTE. Weil irgendwie andere immer mehr hatten. Wenn ich also mal mehr hatte, hielt ich es für ausgleichende Gerechtigkeit, das nicht hinauszuposaunen, um nicht teilen zu müssen.
Ich habe eine eine schulische Karriere hinter mir, die fast typisch lange Jahre von mittelmässigen Ergebnissen geprägt war, erst später, als man wusste, wofür, hat das mit den guten Noten geklappt.
Dann war auch der Weg klar:
konventionell: erst mal eine Lehre, dann Weiterbildung, Studium usw.
Aber schon im Studium hats gehapert. Ich greife hier den folgenden Beiträgen vor: im Studium bin ich an meinem Ego gescheitert.
Ich bin immer noch glücklich mit meiner ersten wirklichen Beziehung verheiratet. Es ist ein Spiegelbild meines Lebens: ich war schon immer ein Spätstarter, aber wenn, dann richtig.
Die naturwissenschaftlich beschreibbare Welt hatte für mich einige klare Vorteile: es gibt Dinge, die wir vorhersehen können. Der Apfel wird zu Boden fallen, wenn wir ihn vom Tisch stossen!
Aber sie hat auch Nachteile: Eine ungesunde Werteverschiebung. In einer streng naturwissenschaftlichen Welt ist wenig Platz für Begriffe wie Moral oder Gewissen. Alles, was hierzu in der Hand haben ist eine Erziehung, und wir wissen ja, wie sehr die Erziehung auf die Moral von menschen Einfluss nimmt.
So darf ich mich glücklich schätzen, eine moralisch-ethisch brauchbare Erziehung genossen zu haben, sonst wäre ich ziemlich sicher ein Arschloch.
Eine "natürliche menschliche Güte", sofern es sie geben mag, sucht man bei mir vergebens.
Die Lücken, die offengeblieben sind hatten erstaunliche Auswirkungen. Ich habe es mit steigender Jahresreife immer mehr abgelehnt, mir etwas aus dem Teller nehmen zu lassen.
Wenn mir wer Pommes geklaut hat, habe ich das Besteck hingelegt und bin gegangen. Das waren MEINE Pommes!
Ich hatte nicht viel, aber was ich hatte, war unantastbar!
Meine Welt hatte sich zu einem eigenen Universum geformt (natürlich...aus heutiger Sicht!), indem ein verletzlicher, ängstlicher Kern sass und immer dafür gekämpft hat, in dieser Welt bestehen zu können:
-meins bleibt meins, was ich habe, gebe ich nicht wieder her.
-niemanden zu nahe kommen lassen
-keine Körperliche Nähe (bis zum heutigen Tag. Uneingeschränkte Ausnahme: meine Frau)
-feste, unerschütterliche Prinzipien
-dazu passend eine unerschütterliche Weltanschauung
-Geltungssucht...Vorlautheit
-knallharte Verfolgung von eigenen (meist vermeintlichen) Rechten
-das ständige Bedürfnis, andere auf ihre Pflichten hinweisen zu müssen
-Besserwisserei
etc., etc., ......
(oh Gott, wie habe ich das nur ausgehalten?????)
Nun mögen 100 Psychoanalytiker mir unter die Nase reiben, dass dies ein Problem meiner Persönlichkeit ist und nichts mit der Welt an sich zu tun hat.
Für mich stellt es sich aber anders dar:
All diese negativen Auswirkungen im Leben gibt es nur, WEIL die materielle Welt so ist wie sie ist. Wenn wir in ihr leben und sie als wahr betrachten, haben wir KEINE CHANCE ihren Verlockungen und Einflüsterungen zu entgehen.
Dann erliegen wir solchen Gefühlen, die ein gestohlenes Pommes in den Weltmittelpunkt rücken. Nicht des Pommes wegen, sondern des Prinzips wegen.
Grüssle
Frank
barbara seiler
11.10.2008, 13:00
hey Frank
ich les eifrig mit, bin berührt und bin sehr gespannt auf die Fortsetzung...:)
liebe grüsse
barbara
Roadrunnerfn
11.10.2008, 15:00
3.Beitrag: Menschen, die mich geformt haben.
Im Laufe des lebens trifft man auf verschiedene Menschen, die alle mehr oder weniger Spuren in der eigenen Persönlichkeit hinterlassen.
Lehrer:
Lehrer dienten mir immer als Spiegel meines idealistischen Weltbildes. Tolle Typen mit lockeren Sprüchen die einem möglichst viel mit wenig Aufwand beibringen: das sollten Lehrer sein. Den Menschen in einem Lehrer zu sehen, fiel mir immer schwer. Es hat mich nie interessiert, warum Lehrer auch mal austicken oder warum sie so extrem autoritär sind.
Es gab einige Lehrer, die tiefere Spuren hinterlassen haben: gute wie schlechte.
Die Klassenlehrerin 1+2 Klasse Frau Manger. Bei ihr war es immer ein bissel chaotisch, aber sie war eine sehr liebe Frau und hat Grundschule so gestaltet, wie ich es bis heute für richtig hielt.
Die Klassenlehrerin 3+4 Klasse. Frau Mayer. Sehr autoritär, aber sie wusste was und hat uns neben sachlichen Dingen auch noch so was wie Anstand beigebracht. Ich mochte sie sehr.
Herr Schurr, Sportlehrer 5. Einer der wenigen Lehrer, der sich bemüht hat, aus dem Sportunterricht was zu machen und den nicht nur die Spitzensportler interessiert haben.
Herr Schmidt, Mathe und Physik im Gymmi..und Vertrauenslehrer...nach Jahren hat er sich als dann als menschliche Entäuschung herausgestellt. Eigentlich konnte ich ganz gut mit ihm...so kann man sich irren.
Herr Braun, Klassenlehrer 9+10 Gymmi: ich hatte nie zuvor einen so verständnissvollen und menschlich zugänglichen Lehrer.
Der Direx am Gymmi: ich habe bis ins Alter von 38 Jahren gesagt, dass dieser Mensch mir meine schönsten Jahre versaut hat. Bei ihm ist es mit meinem Ego zu einem unglücklichen Zusammentreffen gekommen. Schade
Klassenkameraden:
Erstaunlicherweise habe ich das Privileg genossen, immer bei einem Haufen zu sein, dem andere Dinge wichtig waren als Mädels, rauchen aund saufen.
Ich habe einen tollen Freund als Kletterkameraden gefunden und später den wohl besten Freund, den ich je hatte, der einfach nur irgendwie er war. Und ich war nur irgendwie ich...das war eine tolle Zeit. Wir haben zusammen den ersten selbstständigen urlaub nach Südfrankreich unternommen. In seinem Umfeld bin ich auf viele hochintelligente Menschen gestossen, die mir geholfen haben, aus dem provinziellen Denken meines Heimatdorfes auszubrechen, ja, auch neue Weltanschauungen zu bekommen. Den Horizont zu erweitern und zu sehen, dass woanders anders gedacht wird.
Familie:
mein Bruder und ich wuchsen in einem 10-Personen-Haushalt auf. Grosseltern, Onkel, Tante, Cousin und Cousine, meine Eltern und wir. Ich war der jüngste.
Bei meinen Eltern habe ich immer gelernt, was man vorsichtigerweise alles nicht tut. Ich habe Obrigkeitshörigkeit gelernt und einen Eindruck bekommen, wie die Welt ist: "das war vor 30 Jahren schon so, dann kann es heute nicht falsch sein." "Hitler kann getan haben was er will, aber unter ihm herrschte Zucht und Ordnung und die Leute hatten Arbeit!" beide Elternteile wissen das noch ganz genau, weil die hatten damals beide noch die Windeln um.
meine Mutter ist die personifizierte Angst vor der Welt, mein Vater hat sich immer insofern mit uns beschäftigt, als er uns einen Zoo gebaut hat. Und eine Modellbahn.
Und einen Bauernhof.
Diese Welten haben sich bis heute nicht sehr verändert, was die Beziehung zu meinem Eltern nicht leicht macht.
Dass ich etwas kann habe ich bei meinem Onkel gelernt. Ein einfacher Geist, wohl wegen fehlender Bildung. Aber auch ein sehr intelligenter Geist mit Verstand und Bodenständigkeit. Aber natürlich sehr konservativ.
mein Grossvater hat mir die Geschichten vom Krieg erzählt. Eindrückliche Geschichten. Grausame Geschichten.
Meine Grossmutter sucht bis zum heutigen Tage nach einem Platz in meinem Leben...sie ist zwar schon lange tot, aber ich habe sie nie richtig wahrgenommen.
Die Familie meiner Frau, von ihr selbst über ihre Schwetser und Bruder, die nicht ganz einfache Schwiegermutter, der raumausfüllende Schwiegervater bis hin zur (leider auch verstorbenen) Grossmutter meiner Frau: Ein erstaunlicher Charakter, den ich kennenzulernen als grosses Privileg erlebt habe. Sie war damals schon fast 90 und wir haben noch einige schöne Stunden in der Sonne auf der Terasse zugebracht.
So habe ich wie jeder andere Mensch auch, Menschen und deren Charaktere getroffen, in der Schule, der Familie, dem Beruf, der Freizeit, die mich geprägt und beeindruckt oder genervt und entäuscht haben.
Erst in den etzten Jahren beginne ich, darüber nachzudenken, wieviele diese zwischenmenschlichen Geschichten an meinem eigenen Charakter gewachsen oder zerbrochen sind.
Wer hatte immer um eine Chance bei mir gebeten, und sie evtl. nie erhalten? Wem habe ich meine Zuneigung hingeworfen? Wer hat meine Wertung verdient? Wer hat nach meiner Wertung gefragt?
All das sind Fragen, die das Leben in der rein materiellen Welt nie aufkommen liess. Denn in dieser Weltanschauung waren Menschen wie sie sind:
gut oder böse, dick oder dünn, lustig oder traurig, gescheit oder dämlich.
Dass diese schwarz-weiss-Malerei KEINER Persönlichkeit gerecht wird, das hatte in einem idealisierten Weltbild, indem andere Werte vorrang und festere Existenz haben, nichts zu suchen.
Etwas greifbares hatte für mich schon immer mehr Wert: ein Stein ist ein Stein...er hat viele Menschenleben überdauert. Das habe ich nie SO gedacht, aber ich befürchte, dass es in mir drin so war.
Ein Haus zu HABEN ist wichtiger als menschenwürdig darin zu LEBEN.
Grüssle
Frank
Roadrunnerfn
11.10.2008, 21:27
4. Beitrag: Der Alltag mit der Welt
Jahrelang lebt man also in einer Welt, die unterschiedlichste Einflüsse auf einen hat. Und damit man nicht durchdreht, braucht man eine Richtung, einen Leitfaden.
Meine Prinzipien und Überzeugungen waren ein solcher Leitfaden; aus heutiger Sicht vielleicht nicht die ideale Lösung, aber dennoch eine Richtung.
Nun wäre das alles soweit gar nicht so übel, aber es gibt ein riesiges Problem: wenn wir von der materiellen Welt überzeugt sind, dann sind in uns auch die festen, greifbaren Dinge etwas wert. Wir beginnen, unser Leben, unser Wohlergehen an materiellen Dingen festzumachen.
Irgendwann hat man das erste eigene Geld, und man kauft sich Irgendwas. Eine Stereo-anlage. Ein Auto. Kletterausrüstung, Turnschuhe, ein Mountain-Bike.
Und mit jedem erfüllten Wunsch stellt man fest, dass die Dinge stärker glänzen, wenn sie nicht im eigenen Besitz sind. Und: neben einer gewissen Entäuschung über diese Tatsache spürt man alsbald den Drang, diese Entäuschung durch eine quantitative Aufstockung auszugeichen.
In dieser Phase kam es dann bei mir auch zu einer Stärkung des Selbstbewusstseins: ich bin wer, ich gelte was. In der Familie, im Strassenverkehr, in der Ausbildung. ich kann was....
..und damit aber auch zu einer Festigung von Anschauungen und Prinzipien.
Naturwissenschaftliche Logik, eigenes"Wissen", Überheblichkeit und Entäuschung führen zum Bruch mit der Kirche. Ich meine aber immer noch, kein Atheist zu sein.
Rechthabereien und die Überzeugung, die dahintersteckt, führen zu einem verzerrten Weltbild: Geldwerte und Erfolg glänzen stets am Horizont; jeder, der hat, ist ein potentieller Feind, wer nix hat ist ein Versager. Die Welt ist sauber getrennt in gut und böse, und dann kam der Zivildienst...
....vom technischen Interesse her wäre der Militärdienst für mich interessant gewesen. Aber die Furcht vor den Konsequenzen war mir in Form der Grossväterlichen Erzählungen im Hinterkopf, ich mochte weder die Autorität der Ausbildung geniessen noch mit den "Dumpfbacken" zusammen Dienst tun...man darf nicht vergessen: meine Welt und die Menschen darin hatten alle ihren Platz: wer beim Bund ist, ist doof. Punkt.
Im Zivildienst bekommt man dann einen anderen Eindruck des Lebens. Alleine die Nähe zu schwerstmehrfachbehinderten Kindern und die Gedanken über lebenswertes Leben, die dadurch entstehen, bringen einen Tag für Tag an den Rand der eigenen Ansichten.
Werte verschieben sich. Zeit wird relativ.
Das verändert noch nicht den eigenen Charakter..nein, aber es lässt ihn sich auf andere Dinge besinnen als bisher.
Vielleicht kein Zufall, dass ich hier meine Frau kennenlerne.
Und den Schwiegervater in spe.
Ein Ego, das Festsääle zu füllen vermag. Erfolgreicher Leitender Angestellter und technischer Direktor, ein Mensch, der zu allem etwas weiss und meistens auch noch recht hat.
Ein Choleriker, vor allem auf der Strasse, wo uns ja täglich so viel Unrecht geschieht...
...und die Phase, in der man meint hier gefallen zu müssen, gleichzuziehen. Den König nicht zu entäuschen. Sich als Schwiegersohn zu empfehlen.
Und mit offenen, weit ausgebreiteten Armen empfangen wird.
Alles war glänzend, alles in Butter, ich scheine das Glück gepachtet zu haben.
Dann kam der wirtschaftliche Absturz: der Bruch des Schwiegervaters mit dem Betrieb, siene Selbstständigkeit, die folgende Erfolglosigkeit, die aus Geldnot erwachsende eigene Selbstständigkeit, wiederfolgende Erfolglosigkeit; Das glänzende Glück war dahin, jeder Tag versank noch mehr im grau der Sorgen, und es ging immer nur weiter bergab.
Aber ich hatte etwas, was zum ersten mal in meinem Leben dazu geführt hat, meine Ansichten über materielle Werte über Bord zu werfen:
Eine Frau, die mir jeden Tag sagt "ich kann nichts tun. Aber wir werden es schaffen, und egal wie es ausgeht, ich geh auch Klos putzen. Solange wir zusammen sind, werden wir etwas schaffen."
viele Jahre später hat Herbert Grönemeyer das in Worte gefasst: Sie hat ihn nie verraten, ihren Plan vom Glück.
So lernt man, den Alltag zu ertragen. Jeden tag einen Schritt. Und wenn nix mehr geht, dann weiss man, wo man Trost und Hilfe findet.
Dieser Alltag, getragen von dem Wissen um den bedingungslosen Rückhalt der Frau und den bodenständigen Weisheiten des Onkels und des Grossvaters kommt nach und nach ein bescheidener Erfolg zu Tage.
Natürlich folgt zwischendurch auch eine Phase eines überschäumenden Egos, aber man bleibt bescheiden und kämpft jeden Tag.
Aber jeder Tag bringt hunderte Ärgernisse mit sich. Finanzen, Verkehr, grosskotzige Kunden, ignorante Lieferanten...
....die Welt geht für die Stunden am Tag, an denen man nicht schläft, in einem Wust an Ärger und Sorgen auf. Der Ärger scheint nie aufhören zu wollen, und je mehr man zu tun hat, desto schlimmer wird es. Die Welt ist gegen das ICH, und man stösst TÄGLICH an die eigenen Grenzen. Belastbarkeitsgrenzen, Verletzlichkeitsgrenzen, Selbstzweifel, Ärger über andere.....
Mit wirklich jedem habe ich mich angelegt. Mit dem Vermieter in Gewerbepark, seinem Architekten, dem Wasserinstallateur, dem Hausverwalter, dem Werkzeuglieferanten, jedem beliebigen Verkehrsteilnehmer, und im Hobby sogar mit dem Landesbevollmächtigten für Bahnaufsicht. Der musste sogar am Ende seinen Stuhl räumen deshalb.
Mit dem Amt für Ausbildungsförderung, mit dem Bundesverwaltungsamt, mit Polizisten...und sie haben alle ihre Abreibung bekommen.
Schliesslich bin ich Deutscher Bürger und Steuerzahler und kenne meine Rechte!
So sieht der Alltag eines starken Egos aus (keines starken Charakters!!). So beschissen grosspurig und überheblich sieht das aus. Darum mag ich mein Ego nicht. Auch heute noch nicht.
Existenzangst und alle möglichen anderen Sorgen und Ängste lassen einen Achterbahn fahren, stundenweise wechselt die Stimmung von himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt.
Das scheinen manche Menschen zu brauchen..mich hat es fast fertig gemacht. Ich habe dann immer unter der Dusche leise geweint, wenns zuviel war.
Und dann kommt die Entwicklung auf den Höhepunkt zu, der eine Wende bringen sollte.....
Fortsetzung folgt
Grüssle
Frank
R.Daneel
12.10.2008, 01:54
:eek: Hallo Frank,
Du lehnst Dich ja raus, oh mannomann! Das würde ich mich nie trauen, noch nichtmal im weniger öffentlichen Bereich als hier. Bin schon froh, dass ich meine Webpräsenz einigermaßen unter dem Deckel halten konnte und dass es nicht ganz einfach sein dürfte, genug Infos über mich im Web zusammenzukratzen, um nennenswerten Schaden anrichten zu können... Aber gerade fällt mir auf: 37? Jetzt? Dann wärst Du 11 Jahre jünger als ich - und ich hab gedacht, die Aktiven hier sind alle ungefähr im gleichen Alter...
Und trotzdem ich sowas wie Du hier wohl nie machen würde, bin ich doch mal gespannt, wie es weitergeht.
Liebe Grüße
R.
Roadrunnerfn
12.10.2008, 14:05
Hi Daneel,
nein, nein, JETZT bin ich entscheidende 2 Jahre älter...39 also.:D
Vom Alter hängt bei der Thematik -wie ich glaube- nur eine gewisse Reife der Anschauungen ab, nicht die Art der Anschauung selber. Es gibt manche Leute, die in sehr jungen Jahren diesen "philosophieflash" bekommen haben, manche gar mit 13 oder 12 Jahren.
Es ist m.E. sogar eher so, daß sich im Alter die Ansichten festigen. Man tut sich schwerer, anderes zu akzeptieren oder einzuräumen. oder gar eine Weltanschauung über den haufen zu schmeissen.
Es ist lustig: Du dachtest, ich sei älter...ich dachte, Du seist jünger!
Vielleicht, Daneel, ist es egal ob wir 39 oder 48 sind.
Vielleicht ist es wichtiger, anderweitig "im gleichen Alter" zu sein.
Was das "rauslehnen" angeht: Es werden viel mehr Informationen von mir gesammelt, als ich weiss und als mir lieb ist.
Das was ich hier schreibe, lässt sich höchstens dazu benutzen, mir einen Psychoanalytiker in der Nähe anzubieten.
Damit kann ich leben.
Ich brauche mich mit der Geschichte nicht zu verstecken. Es steht nix "böses" in ihr. Ich glaube auch nicht, dass irgendwer in der Lage ist, den Inhalt direkt zu misbrauchen: ich habe also keine Angst!
Sonntagsgrüssle
Frank
Roadrunnerfn
12.10.2008, 14:45
5. Beitrag: vom tristen Alltag zum Erfolg
Erfolg....nun ja. Ich nenne es Erfolg. Nicht mehr an der Existenzgrenze zu sein, nicht mehr täglicch das Damoklesschwert der Pleite im Nacken. Das was wir in den letzten 3 Jahren erwirtschaftet haben, machen andere in einem Tag.
Neid?
Nein!
Nur ein Gedanke, wie relativ der Begriff "Erfolg" ist.
Ausserdem sag ich immer: das muss uns erst mal jemand vormachen!
Denn immerhin war die Entwicklung so, dass wir 2006 die Entscheidung getroffen haben, ein Gewerbeobjekt zu kaufen und umzuziehen. Die Wachstumszahlen liegen so bei 15 - 30 % in dieser Zeit.
Ich hätte schon zwischendurch die Fa. erweitern können, weil ein Konkurrent alters- und krankheitshalber aufgehört hat. Den Laden hätte ich komplett übernehmen können, aber da langte das Geld hinten und vorne nicht zu.
Ich habs mir trotzdem angesehen, und musste feststellen, dass dieser Mann nicht nur ein einfacher Mechaniker war, sondern ein hochbegabter Künstler, der im Garten hinterm Haus sakrakle Bildhauerei betrieben hat.
Ich habe ihm meine Bewunderung ausgesprochen und ihm aber gesagt, dass ich mich als Atheisten bezeichne. "Ich war genauso wie Sie" hat er mir gesagt. "Ich habe mir meine eigenen Lebensregeln gemacht, hatte alles in der Hand, und einen Gott brauchte ich nicht. Aber keine Sorge, Sie werden Ihren Glauben auch wieder finden".
Wie recht er doch hatte...und wie schnell es eintreten sollte. Nicht SEINEN Gott habe ich wiedergefunden, und erst recht keinen aus meiner kirchlichen Vergangenheit. Aber einen Glauben, den habe ich wiedergefunden. Nicht mehr und nicht weniger hatte er mir prophezeit.
Ich habe versucht, ihn später nochmals (nach ca. einem Jahr) zu kontaktieren. Da war er leider schon gestorben.
Dieses Ereigniss hat mir viel Kopfzerbrechen bereitet.
Also: der triste Alltag in unserem "Loch" hat einen Silberstreif am Horizont bekommen. Wir haben irgendwann die Hütte gekauft und dann gings los: Wir haben in der Anlaufphase noch der Vorbesitzerin beim Auszug geholfen, dann den Laden ein bissel aufpoliert und dann kam die Umzugsphase:
Büro aufbauen, Produktionsplanung erstellen, und dann vor Weihnachten 2006 die Maschinen umziehen. Jedes Wochenende eine.
Freitag nachmittag abrüsten, abklemmen, sauber machen, ausheben, zur Abholung bereit stellen. Samstags um 7.30 kommt der Kran und der Lkw. Um ca. 14.00 stehen die Maschinen am neuen Platz, und Sonntags hab ich sie angeschlossen, ausgerichtet, aufgerüstet und eingestellt, so dass am Montag weitergearbeitet werden konnte.
8 Wochenenden. Incl. des ganze kleinkrempels, den wir mit 3 Fahrten mit dem Umzugs-7,5 tonner und der Hilfe des Eisenbahnervereines geholt haben.
Am letzten Samstag vor Weihnachten war dann weitestgehend alles da.
Die Produktion eingerichtet, die neue Halle schön renoviert, nagelneuer Holzboden. Endlich Platz! Endlich Luft zum atmen!
Nur ich--ich konnte nicht mehr. Ich ging erhobenen Hauptes durch die neue Halle: "das ist unser Werk!"
Und es hat mir nichts bedeutet. irgendendetwas war schief gelaufen. Wir haben monatelang geackert, im Umzugsmonat noch einen Umsatzrekord platziert.
Und es war nichts wert.
Ich stand..kraftlos inmitten dieser tollen Ergebnisse und sah keinen einizgen Wert darin.
Zu diesem Zeitpunkt führte ich eine Diskussion im Netz, in der ein Chatter monatelang (wirklich!) auf mich eingeredet hatte, wie die Welt wirklich wäre.
Der junge Mann hat das leider immer sehr wirr formuliert, und ich konnte lange, lange keinen Zugang zu seinen Ausführungen finden.
Allerdings meine ich es dann aber irgendwann kapiert zu haben, und das war einige Wochen VOR unserem Umzug.
Dieses neue, andere Weltbild war in mir noch SEHR unreif, und ich hatte wenig bis nichts umgesetzt von den neuen Erkenntnissen.
Aber als ich am Ende meiner Kräfte vor dem Weihnachtsfest stand, inmitten meiner erarbeiteten, greifbaren und dennoch in diesem Moment wertlosen Erfolge, da wurde mir schlagartig klar, dass es so nicht weitergehen konnte.
Seither mache ich mir viele Gedanken um Weltanschauungen, Wahrheiten und das Leben hier in der materiellen Welt. Die meisten Gedanken dazu kennt ihr.
Hier im Forum wurde dazu vieles auch geformt, ich habe zu vielen Unklarheiten durch neue, andere Sichtweisen dazugelernt und es baut sich langsam ein sehr schönes, harmonisches Weltbild auf.
Den Weg zu diesem neuen Weltbild will ich fortsetzend beschreiben. Wie es zum Umschwung kam, wo die Zweifel liegen etc.
Nur eines mag ich hier noch anfügen (so als Abschluss des "alten Lebens")
Als ich eines Abends mit meiner Frau gesprochen habe und sozusagen ein "coming-out" hatte, da saß sie da und sagte etwas in der Art wie:
"Schön, dass Du endlich auch hier bist."
Grüssle
Frank
Roadrunnerfn
13.10.2008, 21:06
6. Beitrag: Warum wirft man eine Weltanschauung weg?
Nun, es ist eigentlich ganz einfach: Es gibt Werte und Wirkungen, die in einer wegzuwerfenden Weltanschauung sich als unwert und unwirklich erweisen.
Interessanterweise ist es die vermeintliche, der materiellen Welt anhängliche Logik, die ihr zum Verhängnis wird:
Wenn der Betrachter die Konsequenz der Subjektiven Wahrnehmung erkennt, ergibt sich ganz schnell ein Logikstrang:
-wenn wir uns keiner Sache sicher sein können denn dem Gefühl, "ich" zu sein, dann können wir über alles andere nur Vermutungen anstellen.
-Unsere Wahrnehmung zeigt uns somit etwas, was nicht nur sehr wahrscheinlich anders ist als es sich darstellt, nein, wir können uns nicht mal dieses "Dinges" sicher sein, das wir meinen nicht so zu sehen zu können, wie es ist!!!
-Die Wahrscheinlichkeit, dass da "ETWAS" ist, ist also unscharf. Und wenn "ETWAS" da wäre, wäre seine Realität unscharf.
-DIE WELT besteht aus vielen Einzeldingen, deren Wahrscheinlichkeiten (wie beim würfeln) sich nun multiplizieren. In vorliegendem Falle jedoch zu Ungunsten einer absoluten Realität.
Und anders als man es denken mag, wird durch jeden weiteren Eindruck nicht die Realität eines "ETWASSES" dichter, sondern jedes in sich unscharfe Detail erhöht die Unwahrscheinlichkeit dessen, was wir wahrnehmen.
In der Summe der Details multiplizieren sich die Unschärfen:
Die Wahrscheinlichkeit, dass die Welt so ist, wie wir sie wahrnehmen, ist gegen null zu betrachten.
Die Wahrscheinlichkeit, dass die Welt ähnlich ist, wie wir sie wahrnehmen, ist etwas höher als gegen null.
Es ist wie mit dem Roten Fleck auf der unendlich grossen, weissen Fläche: egal wie gross der Fleck ist (um "Fleck" zu sein, muss er endlich gross sein), die weisse Fläche wird immer unendlich gross sein.
Rein mathematisch betrachtet ist eine absolute Realität annähernd unmöglich.
Somit stosse ich keine Realitäten beiseite, wenn ich das "alte" System wegwerfe. Ich werfe es weg WEIL seine Realitäten Humbug sind. Die Wahrscheinlichkeit ihres Daseins ist 1: unendlich.
Die Auswirkungen dieser Erkenntnis sind jedoch unheilsam:
ALLES verliert seine Bedeutung, ALLES verschwimmt, und jeder Gedanke verliert sich sogleich in der Unmöglichkeit seiner Existenz!
Das Loch, das hier bleibt, ist so gross wie die Unwahrscheinlichkeit einer Realität.
Was wir also suchen, ist irgendwie anders. Es kann nichts von dieser Welt sein, in der sogar die eigene "ich" Existenz auf dem Spiel steht.
Ein personifizierter Gott wird es wohl auch nicht sein...dagegen sträubt sich alles in mir.
Was ich also suche ist etwas Unbeschreibliches. Eine Ur-energie. Formlos. Regellos. Was ich suche ist ETWAS, jenes ETWAS, das mich "ICH" denken lässt.
Eine Kraft. Eine Motivation.
Und an dieser Stelle mag ich das erste grosse Zugeständniss machen:
Lasst uns diese Kraft "Gott" nennen. Die Ursuppe, die Quelle, der Punkt, der nicht hinterfragt werden kann.
Wenn die Naturwissenschaft mit dem Urknall ein ganzes Universum erklären kann, und sagt: "naja, was davor war, wissen wir halt nicht...", dann erlaube ich mir den Grund der Gründe "Gott" zu nennen. Die Quelle der Quellen, die Kraft der Kräfte.
Denn ich benötige einen Grund: ich bin! Ich bin mir bewusst existent, genauso wie meine Gedanken (gut..das alles fällt auch unter die Rubrik "Wahrnehmung" im weitesten Sinne....aber alleine die Tatsache, dass etwas denkt, dass etwas als Prozessor von Wahrnehmung existent ist beweist, dass eine Wahrheit eben NICHT gleich "null" sein kann oder auch nur unendlich nahe an der Null dran.
Ich denke, also bin ich.
JETZT haben wir triftige Gründe, der materiellen Welt, wie sie sich uns offenbart KEIN Vertrauen mehr zu schenken.
Und wir haben einen triftigen Grund MEHR zu suchen als ein NICHTS.
Das Dilemma:
was wir kennen und lieben, was uns gewohnt und vertraut ist, scheint keine Wahrheit zu haben.
Was wir stattdessen suchen ist nicht greif(f)(..:D)bar.
Es ist eine nebulöse Wahrheit, die -wann immer wir ihr zu begegnen meinen- ausweicht und sich jeder Erkärung und Logik der Welt entzieht.
Wir armen Geister aber können nur weltliche Logik. Wir brauchen sie, um denken zu können.
Und so stossen wir auf zwei sehr heilsame Wege, der Wahrheit näher zu kommen:
1.) Logik: Die Lösung auf logischem Wege ist äusserst einfach:
ALLES IST!
2.) Gefühl: anstatt zu denken, lassen wir unsere konstruierten Rahmen fallen und geben uns unseren Gefühlen hin. In diesem Fühlen erleben wir eine völlig andere Welt (was wiederum ein Beleg für die NICHTexistenz einer absoluten Realität der Welt ist..es GIBT einfach unendlich viel anderes!).
Wenn wir fühlen, spüren, unser Denken "von der Erde lösen", dann kann unser Geist zusammen mit der Denk-Hilfestellung "ALLES IST" völlig neue Universen erforschen.
ALLES IST. ALLES Denkbare ist möglich. Alles Unmögliche scheitert nur an unserer Unfähigkeit, ohne Grenzen zu denken.
Keine Grenzen...keine Rahmen..keine Regeln.
Nein, wir können es nicht, frei dieser Fesseln zu denken.
Darum scheinen wir hier zu sein: ein reglementierter Geist in einer reglementierten Welt.
Ein Gedankenschaf, das sich seinen Pferch selbst baut.
Und wenn wir nun noch nach einem SINN suchen, dann könnte es der sein, diese Rahmen, Formen und Regeln abzulegen.
Und zuerst müssen wir sie dazu erkennen. Wir müssen erkennen, wie unfähig wir sind, bestimmte Grenzen zu überschreiten. Indem wir die Grenzen erkennen.
Vielleicht gelingt es uns, nach und nach so einem Zustand nahe zu kommen, der eines schönen Tages (auch so eine Grenze: Zeit) dazu führen wird, dass wir alle Grenzen aufgelöst haben.
DAS könnte der Weltuntergang sein. Ein Weltuntergang, wie ich ihn mir schöner nicht vorzustellen vermag (SOFERN ich mir das vorzustellen vermag)
Aber solange nur ein einziger begrenzter Geist in dieser Welt ist, wird es nicht soweit kommen!
Und weil mein Geist "ich-ego"-behaftet ist, besser werden will und "gut" sein möchte, ergebe ich mich der Illusion, dass durch mein Denken WIR diesem Zustand etwas näher kommen können.
Um irgendwann alle Grenzen aufzulösen.
DAS ist mein Glaube. DAS ist mein Gott. Meine Kraft. Meine Motivation.
....mein Gruss..:D
Frank
Roadrunnerfn
14.10.2008, 22:58
7. Beitrag: Was bringt die neue Weltanschauung?
Nach einer längeren Phase der gedanklichen Zerstörung der Welt durch die Philosophie bin ich zu dem Schluss gekommen, dass diese konsequent gedachte "NICHT-Realität" weder das gelbe vom Ei ist noch Sinn mach: Schliesslich IST ETWAS.
Definitiv!
Wie schon erwähnt ist die Lösung einfach:
ALLES IST!
Mit diesen einfachen Worten eröffnet sich uns eine neue, auch materielle aber dennoch ganz anders wirkende Welt. Wir leben, essen, schlafen, riechen, fühlen...im Grunde wie zuvor auch.
Aber was sich verändert hat ist die Essenz, die wir daraus ziehen.
Und nicht nur das: wir erkennen auch, dass wir etwas einbringen müssen:
Glauben und Vertrauen!
Früher, da hatte ich tausend Gründe, warum ein Mensch "schlecht" war. Heute mache ich mir Gedanken darüber, warum ich oder die Welt das "schlechte" in einem Menschen hervorgebracht haben, und warum wir das "Gute" nicht finden.
Eigenverantwortung im Sinne dessen, was wir bereit sind, der Welt, anderen Menschen gegenüber zuzugestehen.
In der fast logischen Konsequenz beginnt man, bei anderen nicht nach Fehlern, sondern nach Potentialen zu suchen. Und siehe da, die Welt ändert sich!
nun ist das kein Wunder, sondern eine einfache psychologische Wechselwirkung. Wirklich nicht mehr?
Wir können das zumindest auch an uns selbst:
Durch Konzentration und Focusierung finden wir in uns Wege, die plötzlich Dinge gelingen lassen, die wir uns nicht zugetraut hätten.
Die Angst vor dem Zahnarzt in den Griff zu bekommen....oder andere Ängste. Erschöpfung, "nicht mehr können", verzweifelt sein beiseite schieben, weil wir erkannt haben, dass diese Zustände keine Wahrheit haben. Wenn wir auf ALLES zugreifen können, dann gelingt es uns, das Negative durch das Positive zu ersetzen.
Und wir erkennen, dass wir -aus welchem Grund auch immer- dazu neigen, in der Schwäche das Negative abzurufen!
Manche Dinge sind wirklich einfach!
Dass es uns schwerfällt, sie umzusetzen, dafür kann diese Philosophie nichts!
Wenn wir also bei Mitmenschen und bei uns selbst etwas ändern können, was gelingt uns noch?
Nun, wenn wir erst auf dem positiven Pfad sind, dann KANN es zu einem regelrechten Flow kommen, bei welchen einfach rechts und links des Weges erstaunliche Dinge geschehen:
Brüder rufen nach 2 Jahren an, wenn man vor dem Telefon sitzt und den Bruder anrufen will.
Totgeglaubte Kunden schicken Aufträge und Anfragen..man hat vor einem oder zwei Tagen einen Gedanken an sie verschwendet...(verschwendet?)
Man gammelt müde auf dem Sofa und denkt: Ein Schwarztee..mit Milch und Liebe..und die Frau steht in der Tür und hat die dampfende Tasse schon in der Hand.
Mitarbeiter kommen regelmässig zu spät, wenn wir ihnen mistrauen, und sie sind pünktlich, wenn ich ihnen VERtraue.
Und man kennt noch ganz andere Wunder: die spontanen Krebsheilungen von Menschen, die im Angesicht dieser oft tötlichen Diagnose einen anderen Weg einschlagen.
Oder die Schutzengel, wenn man, wie meine Frau und ich, mit dem Auto unterwegs ist. Plötzlich sagt sie: "Da stimmt was nicht", geht vom Gas und macht langsam. hinter der nächsten Kurve hatte es gekracht und nur durch die reduzierte Geschwindigkeit konnte sie noch rechtzeitig bremsen.
Alles Zufall?
Oder einfach nur: ALLES IST!
Diese Wahrheit des SEINS hat ein ganz eigenes Bild. Sie verändert unsere Wahrnehmung, und wir beginnen, seltsame Dinge zu sehen oder zu spüren.
Der von mir schon beschriebene, besondere 3-D Effekt in der Optik, ein unnatürliches Leuchten von Farben. Zustände zeichnen sich nicht durch ihre materielle Form in unserer Wahrnehmung ab, sondern durch Wirkungen. Geschichten, die hinter einem Gegenstand stecken. Zeit, die darüber ging.
Und so betreten wir eine für uns Menschen paradoxe Welt der Wahrheit:
ALLES ist!
Es gibt Zeit. Und Zeitlosigkeit.
Es gibt den Raum-und die Dimensionslosigkeit.
Es gibt Grenzen und Grenzenlosigkeit.
Und sie alle wirken zur selben Zeit an ein und demselben Ort. In einer zeitlosen Welt, an einem raumlosen Ort.
WIR bestimmen die Zeit.
WIR bestimmen den Ort.
Und es scheint nicht das Individuum in uns zu sein, das diese Auswahl trifft, sondern ich habe das Gefühl, dass es von einem EINS-SEIN ausgeht.
Vielleicht ein Grund, warum alle Ego-behafteten Gedanken einen Raum und eine Zeit brauchen. Als Individuum BRAUCHEN wir diese Dimensionen, um UNSERE Existenz erlangen zu können.
Neben diesen abgehobenen Hirnverknotungen bringt die neue Weltanschauung aber noch etwas:
Wenn wir uns ihr hingeben, breitet sich ein grosser, entspannender Friede aus.
Grüssle
Frank
barbara seiler
15.10.2008, 07:53
Hallo Frank
In der fast logischen Konsequenz beginnt man, bei anderen nicht nach Fehlern, sondern nach Potentialen zu suchen. Und siehe da, die Welt ändert sich!
das gefällt mir sehr gut!:)
Totgeglaubte Kunden schicken Aufträge und Anfragen..man hat vor einem oder zwei Tagen einen Gedanken an sie verschwendet...(verschwendet?)
vielleicht ohne das sch ... gibt dann "verwendet"? an sie gewendet?
Mitarbeiter kommen regelmässig zu spät, wenn wir ihnen mistrauen, und sie sind pünktlich, wenn ich ihnen VERtraue.
ja. Wer geht schon gern an einen Ort, wo man sich mit Misstrauen auseinandersetzen muss? Und wer geht schon nicht gern an einen Ort, wo Vertrauen erlebt wird? Ich gehe auch gern ins Büro - auch weil mein Chef immer wieder Dinge sagt wie "ich weiss ja, bei dir ist es in guten Händen"... das ist Balsam!
Bei Terry Pratchett gibts die Figur des Captain Carrot, der nur durch sein so-sein das Gute in den Leuten anspricht... und auch in den grössten Gaunern etwas auslöst, sodass sie ihn auf keinen Fall enttäuschen wollen und das Gute tun. Während die Egos zugucken und die Welt nicht mehr verstehen - warum tu ich das...?
Wenn wir uns ihr hingeben, breitet sich ein grosser, entspannender Friede aus.
amen
grüsse, barbara
Roadrunnerfn
15.10.2008, 20:36
8. Beitrag: Das Leben danach
"Es gibt nichts, was in sich das Potential hat, uns zu ärgern!- WIR ärgern uns."
Ist es ein Unterschied, über wen oder was wir uns ärgern?
Die neue Welt scheint zumindest sehr ähnlich der Welt, die wir vorher schon kannten.
So ähnlich, dass wir leicht in alte Denkmuster zurückfallen. Hektisch sind, unzufrieden und bedrückt.
Aber zu sehen, dass wir uns nicht über ETWAS ärgern, sondern nur über uns...das zeigt uns, wie einfach wir ERHEBLICHES in der Welt ändern können.
Wir sollten es tun.
Einen grossen Teil der Zeit lebe ich heute viel bewusster. Viel kontrollierter. Und wenn so richtig der Bär tanzt, dann halte ich ein, richte mich auf, atme durch und sehe, wie die Welt um mich fliesst. Sie tut das, ob ich hektisch rumspinne oder nicht.
SO wichtig bin ich-Ego hier nicht. Aber mein SEIN steht im Zentrum. Hier finde ich meine Wahrheit.
Das Leben ist viel schöner, wenn ich NICHT hektisch rumspinne. Im SEIN fühle ich mich "geerdet", ich habe kein Bedürfniss, rumzuspinnen!
Ich habe das Gefühl, jedem Angriff entgegen stehen zu können, und selbst dem Tod würde ich ins Gesicht sehen.
Noch vor 2-3 Jahren habe jeden Tag als einen vergangenen Tag betrauert. Ich hatte Angst vor dem Tod.
Heute habe ich nur noch Angst vor dem Sterben. Ich hoffe, dass es mir gegönnt sei, eines Tages friedlich einschlafen zu dürfen.
Bis dahin versuche ich jeden Abend, friedlich einzuschlafen. Und jeden Morgen ein neues, frisches Leben zu geniessen.
So
Jetzt hab ich mich mal so richtig "leergetippt"
DAS hat gut getan!
Grüssle
Frank
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