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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : die Transformation der Welt


barbara seiler
08.05.2010, 10:13
ein Interview mit Fredmund Malik, den ich sehr schätze - auch wenn er sich hier auf Grundsätzliches beschränkt und wenig konkret wird:

http://www.faz.net/s/Rub645F7F43865344D198A672E313F3D2C3/Doc~EBEACC95FA43F41E389FF3629FCF64452~ATpl~Ecommon ~Sspezial.html


Unter anderem muss man lernen, dass die Welt nicht von Geld regiert wird, wie viele weismachen wollen, sondern weit mehr von elementarer Menschlichkeit. In den heutigen Gesellschaften liegen enorme Leistungspotentiale brach. Intelligenz, Kreativität, und relevante Information bleiben in unvorstellbarem Ausmaß ungenutzt.

Wie lassen sich die bisher getroffenen und geplanten Maßnahmen [zur Bewältigung der Krise] in diesem Rahmen bewerten?

Man gibt dem Alkoholiker Schnaps, damit sein Zittern aufhört.



wichtigste Aussage: die alten Methoden funktionieren nicht mehr. Ein neues Denken, Fühlen, Handeln ist gefragt.

grüsse, barbara

barbara seiler
08.05.2010, 10:21
und noch mal was von Malik
http://www.manager-magazin.de/geld/artikel/0,2828,547422,00.html

wo ich mich durchaus wundere: ich habe eine tief im Bauch sitzende Abneigung dagegen, Schulden zu machen - wenn ich Geld habe, kauf ich was, wenn ich kein Geld habe, kaufe ich nichts. Alles andere halte ich für unseriös, mal abgesehen von gut überlegten Ausnahmen - ein Hauskauf, zum Beispiel.

Manchmal komm ich mir mit dieser Einstellung vor wie ein Dinosaurier, allerdings, so schlecht ist das doch gar nicht, ein Dino zu sein...:grins:

grüsse, barbara

wulfila
28.01.2011, 12:38
Ich reagiere da nicht anders - allerdings hatten wir vor zwei Jahren ein Problem, dass wir nur mit einem Kredit lösen konnten, und von daher kann ich das "Schuldenmachen" nicht verurteilen.

Ich kann nur das ausgeben, was ich eingenommen habe -> richtig. Aber unsere Meinungsbildenden Demokratiemacher brauchen den freien "Energiefluss" in Form von Finanzen, Meinungen und Menschenmaterial (Flexibilität genannt)
Da passt diese konservative Lebensweise nicht hinein. Wenn das alle so machen würden und "bei ihren Leisten" bleiben würden, würde viel weniger gekauft, produziert und verdient werden.
Also der Energiefluss gehemmt, es entstünden Widerstände, Stauungen und so weiter.

lg

barbara seiler
03.06.2011, 20:13
weiter zum Thema "Schulden machen" - die ganze EU mit all ihren Problemen ist ja massiv am Transformieren... mit höchst unsicherem Ende. Griechenland pleite, Irland Spanien Portugal auch - oder fast - oder wie auch immer - ich glaub, ich kauf mal einen Notvorrat ein...

grüsse, barbara

mic
04.06.2011, 00:43
Hallo zusammen,

ganz grundsätzlich ist Schuldenmachen aber auch nicht unbedingt ein Problem - es gibt da "qualitative" Unterschiede. Beispielsweise wenn man ein Haus baut oder kauft, dann haben die wenigsten die erforderliche Summe griffbereit herumliegen und nehmen deshalb eine Hypothek auf, die in der Regel über einen sehr langen Zeitraum läuft. So etwas könnte man durchaus als "positive" Schulden bezeichnen. Sicherlich bezahlt man im Endeffekt mehr, als wenn man die Gesamtsumme ansparen würde und dann erst kauft oder baut, aber wenn das dann soweit ist, dann braucht man es kaum noch. Und schliesslich stehen der "Schuld" dabei ja auch "Werte" gegenüber.

Völig anders ist es hingegen bei sogenannten "Konsumenten-Krediten", die einfach nur dazu verwendet werden Konsumgüter zu erwerben ... oftmals dann auch noch welche mit äußerst kurzfristigem Nutzen ... man nehmen sogar Kredit auf, um in den Urlaub zu fahren. Diese Sorte von Schulden führt zu kaum etwas ... außer zu (noch) mehr Problemen.

Trotzdem darf man aber nicht vergessen, dass unser derzeitiges Wirtschafts-, Finanz- und Währungssystem auf Verschuldung basiert. Wenn niemand Schulden aufnimmt, würde es sofort zusammenbrechen. Denn jedem Guthaben, steht eine Verschuldung - in gleicher Höhe - gegenüber. Die Zinsen, die auf Guthaben gezahlt werden, stammen aus den Schuldenzinsen eines anderen. Deswegen sind die Schuldenzinsen üblicherweise ja (drastisch) höher als Guthabenzinsen.

Im Kern handelt es sich dabei aber um einen sogenannten Kettenbrief ... oder auch als Schneeballsystem bekannt. Während einerseits die Guthaben durch Zins und Zinseszins immer höher und höher werden, muss auf der anderen Seite auch die Verschuldung immer höher werden. Da wir in Deutschland traditionell aber Schulden eher skeptisch gegenüber stehen, musste irgendwann der Staat für die Bürger einspringen und Staatsschulden anzuhäufen beginnen ... weil sonst die Guthaben und deren Verzinsung zusammenbrechen würde ... und damit das Wirtschaftssystem.

Aber wie wir aktuell gerade sehen, lässt sich das auch nicht ewig so weiterführen ... da ist es dann zwar gelungen auf Europaebene noch einige neue Nachschuldner zu finden (wenn schon die eigene Bevölkerung nicht mehr mitspielen kann oder will) ... Griechenland, Portugal, Italien, Spanien, Irland, Belgien ... usw usw. ... aber selbst da sind jetzt die Grenzen erreicht.

Tja ... und alle machen plötzlich ein langes Gesicht:
Wer soll nun der nächste Nachschuldner werden?

Und das mit immer gigantischer werdenden Summen ...


Herzliche Grüße
mic

barbara seiler
04.06.2011, 10:06
Tja ... und alle machen plötzlich ein langes Gesicht:
Wer soll nun der nächste Nachschuldner werden?

gute Frage. Es hat ja auch eine gewisse Zeit lang funktioniert, die Schulden zu exportieren, zB nach Afrika.

Aber langfristig können wir nicht mit einem System leben, das immer einen Sündenbock braucht, der dann die Schulden nicht mehr bezahlen kann. dieses System von Boom und Krise ähnelt zu sehr manisch-depressiven Episoden.

und "globalisierung" bedeutet unter anderem auch, dass es keine "weissen Flecke" auf der Landkarte gibt, die man als neue Schuldner aufreissen könnte...

aber das kanns doch nicht sein, dieses System. Wirklich nicht.

Ich bin mal gespannt, so wie ich die Griechen kenne, haben sie wahrscheinlich schon längst ein inoffizielles Parallelsystem entwickelt, am Staat und den Schulden vorbei, mit dem sie einigermassen über die Runden kommen.

grüsse, barbara

mic
06.06.2011, 01:27
Oh, die Griechen demonstrieren schon seit einiger Zeit immer heftiger ... Tag für Tag ... Abend für Abend. Heute waren es allein in Athen geschätzt um die 200.000 bis 500.000. Seltsamerweise bringen unsere Medien aber rein garnicht darüber ... da muss man schon griechische Web-Sites und -Cams ansteuern. Erfreulicherweise ging bisher aber alles sehr friedlich ... was bei solchen Menschenmengen ja nicht immer selbstverständlich ist.

Tja, die Griechen wehren sich also tatsächlich ... mal schauen, wie sich das noch entwickelt.


Herzliche Grüße
mic

barbara seiler
06.06.2011, 09:45
ja stimmt, in Griechenland geht auch die Post ab. Und ja stimmt, es ist seltsam, dass hier in den Nachrichten fast gar nichts dazu zu sehen und zu hören ist. Vielleicht weil Griechenland als EU-Mitglied uns zu nahe ist und zu betroffen machen könnte?

ich bin sehr gespannt, was die Griechen nun aus ihrem Land machen werden. Ich traue ihnen auch einiges an Kreativität und unkonventionellen Lösungen zu. (und weil ich Griechenland mag, kaufe ich seit einiger Zeit nur noch griechisches Olivenöl, um auch ein Scherflein beizutragen ;))

grüsse, barbara

mic
08.06.2011, 20:54
Wie hiess doch gleich der diesjährige Beitrag Griechenlands zum European Song Contest?

Watch my dance! - Wie überaus passend ... ;)


Herzliche Grüße
mic

P.S.: Wobei ich persönlich aber annehme, dass der sprichwörtliche Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringen wird, aus einer ganz anderen, relativ überaschenden Ecke kommen wird. ;-)

barbara seiler
08.06.2011, 22:43
das klingt jetzt irgendwie so, als ob du schon eine Ahnung hättest, wo diese Ecke liegen könnte?

mir scheint eher, dass da aktuell schon viele Fässer fleissig am Überlaufen sind... aber es kommen sicher noch Überraschungen auf uns zu.

Ich befürchte etwas, das wir in Europa als kollektiv etwas zu eingeschlafen, zu behaglich im gewohnten Wohlstand sind, und zu genau zu wissen meinen, wie dies oder jenes zu funktionieren habe... ich bin mir ziemlich sicher, dass die neuen Lösungen aus andern Weltgegenden kommen. Arabien scheint mir ein guter Kandidat dafür zu sein.

grüsse, barbara

mic
11.06.2011, 00:16
Nein, habe ich nicht. Nur die grundsätzliche Tendenz scheint mir offensichtlich.

Immerhin haben wir es hier - bei der Finanzkrise - mit einem hochkomplexen, dynamischen System zu tun ... in dem alles mit allem verbunden ist. Und wenn dieses System mit grundsätzlichen Problemen zu kämpfen hat, dann ist es eigentlich egal, wo an welcher Stelle die Symptome zu sehen sind - betroffen ist immer das gesamte System. Offensichtlich wird nur zuerst da, wo seine schwächste Stelle liegt.

Aber die Vergangenheit zeigt ja, dass immer wenn nur an Symptomen herumgedoktert wird, anstatt die eigentliche Ursache der Krankheit zu heilen, wird es nicht besser, sondern schlimmer. Und oftmals ist es so, dass da, worauf sich alle Aufmerksamkeit konzentriert, mitunter schon wieder "Besserung" in Sicht zu sein scheint ... bis dann plötzlich, an ganz unerwarteter Stelle der Auslöser zum eigentlichen Kollaps auftaucht.

Das wäre in diesem Fall nicht Griechenland, sondern irgendein anderes Land, was momentan noch überhaupt niemand auf dem Schirm hat. Plop!

barbara seiler
18.06.2011, 10:12
mal schauen woher der Plop! noch kommt. Vielleicht aus einem der jungen ehrgeizigen Länder Osteuropas, das sich von der kommunistischen Vergangenheit befreit?

in der Zwischenzeit, auf alle Fälle, wehren sich die Griechen gegen die Verscherbelung des Volksvermögens und verlangen "direkte Demokratie jetzt!"
http://www.ag-friedensforschung.de/regionen/Griechenland/demokratie.html

ich wünsche ihnen viel Erfolg dabei!

noch mehr Geld in die aktuelle korrupte Politikmaschinerie hineinzuwerfen, das kann es ja nicht sein... wie den auch. das ist ein Fass ohne Boden. Die Griechen müssen sich neue Strukturen geben, die Schuldner sollten so klug sein und ein paar grössere Abschreibungen machen, und dann sehen wir weiter.

grüsse, barbara

mic
18.06.2011, 10:59
Hm ... vielleicht. Könnte auch genauso gut von ganz woanders herkommen ... vielleicht Frankreich? ... nein, zu offensichtlich ... Belgien? ... wer weiss ... irgendeine bisher "unbeachtete" Ecke ... vielleicht.

Und was die Hilfszahlungen an Griechenland angeht, so müssen wir uns mal bewusst machen, dass die Griechen selbst von diesem Geld gerade mal 0,0 Euro erhalten werden, denn das Geld wird sofort weitergereicht an die (ausländischen) Banken! Für die Griechen selbst ändert sich nichts - ausser, dass ihre Schulden noch größer geworden sind, und noch unbezahlbarer, und sie dafür noch mehr Sparen müssen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang ist sicherlich auch, dass unser Finanzminister mittlerweile offensichtlich die "Vorgaben" für seine politischen Entscheidungen von der Deutschen Bank bekommt. Denn anders lässt sich diese seltsame "Deckungsgleichheit", die Monitor kürzlich entdeckt hat, kaum erklären:
http://www.wdr.de/tv/monitor/sendungen/2011/0616/Griechenland.php5

Ach, und übrigens: Selbst wenn Griechenland von heute auf morgen ALLE(!) Schulden erlassen würden, hätten hätten sie sofort wieder neue Schulden, weil ihre Staatsausgaben ca. 140% der Staatseinnahmen betragen ... mit stark zunehmender Tendenz dank Wirtschaftabwürgen der von Aussen diktierten Sparmassnahmen.

Tja, aber gut ... so ist das halt, in einer Welt, in der "Geld" der neue "Gott" ist. ;-)

barbara seiler
18.06.2011, 12:35
Hm ... vielleicht. Könnte auch genauso gut von ganz woanders herkommen ... vielleicht Frankreich? ... nein, zu offensichtlich ... Belgien? ... wer weiss ... irgendeine bisher "unbeachtete" Ecke ... vielleicht.

Frankreich hat eigene Probleme, Belgien auch...

ich bin mir sicher, dass die Schweiz eine wichtige Rolle spielen kann. Aber möglicherweise ist das einfach mein Nationalstolz, der das sagt. Aber dennoch, ich glaube, direkte Demokratie ist etwas, was sich in Kürze weit verbreiten wird. und hier kann die Schweiz mit ihren langen Erfahrungen Hilfestellungen leisten, für jene, die das gerne wollen.

Das Thema "Nordafrika" ist auch immer noch offen. Schwarzafrika hat immer noch seine Despoten, aber dort sind die Chinesen sehr aktiv, sie helfen wirtschaftlich und im Gegenzug diktieren sie ihre Bedingungen. Was möglicherweise nicht das Schlechteste ist für Afrika.

Viele asiatische Länder sind auf dem Vormarsch, die meisten aber nach wie vor mit eher autoritären Regimes.



Ach, und übrigens: Selbst wenn Griechenland von heute auf morgen ALLE(!) Schulden erlassen würden, hätten hätten sie sofort wieder neue Schulden, weil ihre Staatsausgaben ca. 140% der Staatseinnahmen betragen ... mit stark zunehmender Tendenz dank Wirtschaftabwürgen der von Aussen diktierten Sparmassnahmen.

ja, Griechenland braucht in erster Linie eine POLITISCHE Umstrukturierung. Nur warum wird über dieses so offensichtliche und wichtige Thema kaum geredet? Immer steht nur das Geld im Zentrum...



Tja, aber gut ... so ist das halt, in einer Welt, in der "Geld" der neue "Gott" ist. ;-)

Der EURO-Gott ist aber im Moment sehr schwachbrüstig und krank, der Arme. Was bin ich froh, mich in der Nähe des kleinen, aber robusten Franken-Gottes aufhalten zu dürfen...:grins:

grüsse, barbara

barbara seiler
20.06.2011, 11:34
oh jetzt kommt auch Deutschland an die Reihe: es besteht der Verdacht, dass deutsche Unternehmen fleissig mitkorrumpiert haben in Griechenland. In diesem Fall wird vermutet, dass eine deutsche Firma einem griechischen Minister eine schöne Wohnung verschafft habe, als Dankeschön für seinen Kauf von U-Booten:

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/korruption-in-griechenland-schoener-wohnen-mit-deutschem-schmiergeld-1.1110217

Globalisierung heisst eben nicht mehr nur, dass die Konzerne machen können, was sie wollen - es heisst, dass auch Strafanzeigen und Informationen um die Welt reisen.

grüsse, barbara

Theo
20.06.2011, 14:24
oh jetzt kommt auch Deutschland an die Reihe: es besteht der Verdacht, dass deutsche Unternehmen fleissig mitkorrumpiert haben in Griechenland. In diesem Fall wird vermutet, dass eine deutsche Firma einem griechischen Minister eine schöne Wohnung verschafft habe, als Dankeschön für seinen Kauf von U-Booten:

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/korruption-in-griechenland-schoener-wohnen-mit-deutschem-schmiergeld-1.1110217

Globalisierung heisst eben nicht mehr nur, dass die Konzerne machen können, was sie wollen - es heisst, dass auch Strafanzeigen und Informationen um die Welt reisen.

grüsse, barbara

Hey,

Deutschland lebt vom Export. Wir vertreiben unsere Waren und unser Know How in alle Länder dieser Welt. Gibt es wirklich jemanden, der denkt, dass dies möglich wäre, ohne sich an die örtlichen Gepflogenheiten anzupassen? Vorteilsnahme ist nicht überall ein Verbrechen. Es gibt Länder, die funktionieren auf Basis von Korruption, welches deutsche Unternehmen wird da moralische Erziehung betreiben? Der Wettbewerb ist global. Und die resultierenden Aufträge, wie z.B. für die Uboote, versorgen eine Menge deutscher Arbeitsplätze.

Das ist natürlich keine Rechtfertigung, aber eine andere Seite der Medaille, die man sich vielleicht auch mal vor Augen führen sollte.

barbara seiler
20.06.2011, 20:18
Hallo Theo

ja, ich sehe diese Seite der Medaille auch.

Meine eigene Erfahrung ist: als selbständige Lehrerin und als Mitarbeiterin einer Stellenvermittlung: Leute und Firmen, die nicht korrekt sind, machen nur Ärger.

und ja, ich halte es für besser, auf Umsatz und auch auf Grossaufträge im Zweifelsfall zu verzichten - denn es gibt auch korrekte Leute, die sich an die Regeln halten, und mit denen ist das Geschäften eine gute Sache. Vielleicht steigt dann der Umsatz nicht so rasend schnell oder ein grosses Auftragsvolumen geht an die Konkurrenz, die weniger skrupellos ist - bitte, sollen sie doch. Der ruhige Schlaf in der Nacht und die Tatsache, sich im Spiegel in die Augen blicken zu können, ist mir mehr wert.

Lokale Gepflogenheiten gibt es natürlich - da müssen sich alle selbst überlegen, wo ihre Grenzen liegen, was noch akzeptabel ist und was nicht. Vieles von dem, was im Big Business heute läuft, ist allerdings nicht akzeptabel und wird meiner Meinung nach in den nächsten Jahren zusammenbrechen, ein Kartenhaus nach dem andern.

grüsse, barbara

Roadrunnerfn
20.06.2011, 20:51
Korruption ist natürlich eine schlimme Sache.

Die Frage ist, wann ist es Korruption, wann Erpressbarkeit und wann Prostitution?

Klar dürfte sein: jeder Mensch hat seinen Preis.
Ich kenne niemanden, den ich für nicht käuflich halten würde.

Jetzt könnt Ihr mir zunicken oder einen Sturm der Entrüstung über mir entladen.

Spätestens, wenn wir Schutzbefohlene an unserer Seite haben, ist es GANZ einfach, uns zu kaufen. Egal wie unerpressbar wir uns sonst geben.

Wenn es um Geschäfte geht (und hier rede ich jetzt aus ganz direkter, eigener Erfahrung), dann ist das nicht immer so einfach:
Lehne mal einen grossen Auftrag ab, wenn Dir das Wasser bis zum Hals steht....

Am Ende ist alles ein grosser Kompromiss: von der einfachen Lohntüte bis hin zu mafiösen Bestechungs- und Erpressungsskandalen.

Und auch hier gilt wieder mal, nicht diesen Weg zu verdammen. Wir haben keine (oder nur sehr wenig) Wahl. Sondern zu versuchen ihn dort zu gehen, wo man (wie sagt Daneel immer so schön) "am wenigstens Schaden in der Welt anrichtet".


Grüssle

Frank

Theo
21.06.2011, 11:23
und ja, ich halte es für besser, auf Umsatz und auch auf Grossaufträge im Zweifelsfall zu verzichten - denn es gibt auch korrekte Leute, die sich an die Regeln halten, und mit denen ist das Geschäften eine gute Sache.

Hi Barbara,

ich denke, so einfach ist das Leben nicht. An Aufträgen dieser Größenordnung hängt nicht nur das Gehalt des Managers, der den Abschluss erzielt hat, sondern auch viele, viele Existenzen. Nicht nur die Angestellten, auch die Angehörigen dieser Arbeiter, Zulieferer und Dienstleister der Firma. Auch wieder mit Angestellten und deren Familien.

Ist es da unmoralisch, wenn irgendeine Napfsülze in Griechenland eine Entscheidungshilfe in Form einer Wohnung bekommt?
Oder ist es besser zu sagen: "Sorry, aber wir müssen 2000 Leute entlassen, weil wir moralische Bedenken hatten? Nehmt es nicht so schwer, HARTZ 4 ist ganz ok. WIR jedenfalls können wenigstens noch in den Spiegel gucken".

Ab einem gewissen Punkt hat man nicht nur noch eine Verantwortung sich selbst und seinem Gewissen gegenüber. Ich kann Dir sagen, dass es Entscheidungsebenen gibt, auf denen man nur noch die Wahl des kleineren Übels hat...

Korruption ist deswegen verwerflich, weil es unfair ist (und nebenbei ja auch illegal) und die normalen Gesetzmäßigkeiten vom besten Angebot hintergeht und eine natürliche Regulierung verhindert. Die Motivation für und die Auswirkungen von Korruption können aber durchaus einen sinnvollen und guten Hintergrund haben.

barbara seiler
21.06.2011, 22:04
Hallo zusammen

Wahlmomente zwischen Pest und Cholera sind wohl jene, wo Menschen ihre Gütesiegel aufgeprägt bekommen. Oder auch nicht.

und ja, wir alle sind käuflich, irgendwo. Aber wir können doch immerhin dafür sorgen, dass unser Preis so hoch und so exklusiv wie möglich ist.

ich habe als Alleinstehende natürlich das Glück, in einer recht komfortablen Situation zu sein, ich muss nur für mich schauen. Aber es ist auch schon eng geworden, ich wusste viele Monate nicht, ob ich am Ende des Monats meine Miete würde zahlen können, als mein Einkommen klein und unsicher war und das Öffnen des Briefkastens jedes Mal ein Abenteuer und mit Zittern verbunden, weil wer weiss was das für Rechnungen sind... es war diese Zeit, die mich gelehrt hat, Einkommensquellen nicht festzuhalten, sondern sie gehen zu lassen, wenn sie gehen wollen. Mit einem Dank und einem Friedensgruss und ohne Bedauern. Und mit Gottvertrauen darauf, dass sich dann schon etwas ergeben wird. Spiritualität wird ja nicht gebraucht, wenn es einfach ist - dann ist sie nur nett, nur Wellness - Spiritualität wird dann gebraucht, wenn es schwierig wird. Wenn es um etwas geht, und ganz besonders wenn es um die Existenz selbst geht. In dieser Zeit habe ich gelernt, dass ich eine ganze Menge fauler Kompromisse nie mehr machen werde, egal was die Folgen sind, egal welche Gewinne mir dadurch entgehen.

Ich glaube, diese Prinzipien funktionieren in grösserem Umfang genau gleich wie in meinem kleinen Bereich.

ich stelle auch fest, dass viele Menschen sich ohne Not unter enormen Druck setzen lassen, wo es gar nicht nötig wäre... und sich somit abhängig machen. und unglücklich und krank werden dabei. Viele ziehen den Schrecken ohne Ende, der allerdings vertraut, bequem und berechenbar ist, einem Ende mit Schrecken vor - und verunmöglichen so einen neuen Anfang auf neuer Basis.

grüsse, barbara

Theo
22.06.2011, 13:11
Hallo zusammen

Wahlmomente zwischen Pest und Cholera sind wohl jene, wo Menschen ihre Gütesiegel aufgeprägt bekommen. Oder auch nicht.



Hi Barbara,

ich stimme Dir nicht uneingeschränkt zu, denn es gibt schon einen gewaltigen Unterschied zwischen dem kleinen und dem großen Rahmen. Hier lassen sich Prinzipien nicht einfach übertragen. In dem großen Rahmen richtet Prinzipienreiterei einen enormen Schaden an, da wo Du für Dich sagst: egal, lass gut sein, geht auch anders. Und es leiden Menschen darunter, nicht Geldbeutel.

Eine Frage bleibt mir noch zu stellen:

Was ist für Dich schlimmer: derjenige, der besticht, oder derjenige, der das Geld annimmt?

barbara seiler
22.06.2011, 22:20
Hallo Theo

In dem großen Rahmen richtet Prinzipienreiterei einen enormen Schaden an, da wo Du für Dich sagst: egal, lass gut sein, geht auch anders.

auf der andern Seite richtet Bestechlichkeit langfristig, glaube ich, ebenso grosse Schäden an. Wenn wir Griechenland sehen, so haben viele Menschen mit dem Argument "ich muss schliesslich für meine Familie, meine Angestellten sorgen" Bestechung akzeptiert und mitgemacht - und heute steht das ganze Land vor einem Scherbenhaufen, worunter die allermeisten zu leiden haben. Was die vielen kurzfristigen Vorteile nicht aufwiegt.

Es geht nicht um Prinzipien einfach um der Prinzipien willen. Es geht darum, was Menschen gut tut und was nicht. und das nicht nur heute und morgen, sondern auch in fünfzig und in zweihundert Jahren.

Wenn es in Griechenland - und in andern Orten, wo Bestechung Alltag ist - je wieder gut gehen soll, muss die Kultur der selbstverständlichen Korruption aufhören.

ich kann natürlich auch verstehen, dass Korruption mitgetragen wird. Wenn, zum Beispiel, ein Verwandter oder Freund mit Herzinfarkt ins Spital kommt und ich mit einer Hunderternote dafür sorgen kann, dass die Behandlung zügig in Angriff genommen wird, klar mach ich das dann auch... aber ich schätze es doch, in einem Land zu leben, wo für alle das Menschenmögliche getan wird, ohne dass es Schmiergeld braucht. und wo die Angestellten auch so genug Lohn haben, um nicht auf Schmiergeld angewiesen zu sein, um einigermassen überleben zu können.

Was ist für Dich schlimmer: derjenige, der besticht, oder derjenige, der das Geld annimmt?

Es sind die beiden Seiten derselben Medaille. Es ist dasselbe.

In der Regel habe ich mehr Sympathien für jene Leute, die auch dazu stehen, was sie tun - und nicht jene, die so tun, als täten sie nicht, und dennoch tun oder zulassen, dass getan wird.

grüsse, barbara

Theo
23.06.2011, 17:40
ich kann natürlich auch verstehen, dass Korruption mitgetragen wird. Wenn, zum Beispiel, ein Verwandter oder Freund mit Herzinfarkt ins Spital kommt und ich mit einer Hunderternote dafür sorgen kann, dass die Behandlung zügig in Angriff genommen wird, klar mach ich das dann auch...


Hi Barbara,

schön, dass Du Deinen Idealismus selbst relativierst.
Du sagst also, die Korruption an sich ist gerechtfertigt, wenn das Motiv stimmt.

Wo ist denn die Grenze zu ziehen zwischen "annehmbarer" und "abzulehnender" Korruption? Eigentlich ist doch das ganze Prinzip schlecht, dachte ich?!

Letztendlich geht es um den persönlichen Vorteil, selbst in Deinem Beispiel:
Wenn die Behandlung Deines Freundes vorgezogen wird, muss ein anderer warten. Du hast dann einen Vorteil, ein anderer einen Nachteil. Also ist auch Dein Beispiel moralisch nicht vertretbar.

Wie kann man also jemand anderen darüber verurteilen, wo man selbst "verfehlen" würde?!

Ich find' das ganz schwierig. :(


In der Regel habe ich mehr Sympathien für jene Leute, die auch dazu stehen, was sie tun - und nicht jene, die so tun, als täten sie nicht, und dennoch tun oder zulassen, dass getan wird.
grüsse, barbara

Gibt es nicht im Leben eines jeden Menschen Dingen und Taten für die man sich im Nachhinein schämt? Hast Du nie etwas getan, was Du bereust, und dass Du lieber verschweigst?

Macht es Dich zu einem "schlechteren" Menschen, wenn Du etwas lieber ungesagt lässt?

Natürlich hast Du Recht: Sei Aufrecht, Stark und Edel. Aber wer kann das schon? und sind es nicht grad die kleinen Fehler, die einen Menschen zu dem machen, was er ist?

barbara seiler
23.06.2011, 20:16
schön, dass Du Deinen Idealismus selbst relativierst.
Du sagst also, die Korruption an sich ist gerechtfertigt, wenn das Motiv stimmt.

Hallo Theo

ja, bei der Abwägung verschiedener Übel kann es vorkommen, dass die Korruption in manchen Fällen das kleinere Übel ist.




Wo ist denn die Grenze zu ziehen zwischen "annehmbarer" und "abzulehnender" Korruption? Eigentlich ist doch das ganze Prinzip schlecht, dachte ich?!

Es gibt Ideale und Prinzipien - platonische Ur-Ideen, meinetwegen - die sind perfekt. Und es gibt die Welt, die ist notwendigerweise nicht perfekt.

Das fängt schon bei so einfachen Dingen an wie der geometrischen Idee eines vollkommenen Kreises, verglichen mit den realen Kreisen, die eben nie wirklich absolut kreisförmig sind.

Ideale sind für mich Wegweiser, ich folge ihnen so gut es geht. Durch das Gestrüpp und über die Steine des Alltags oft mit Kompromissen.



Wie kann man also jemand anderen darüber verurteilen, wo man selbst "verfehlen" würde?!

es geht ja nicht darum zu sagen "du bist moralisch schlecht".

Jeder Mensch ist frei, jene Dinge zu wählen, die ihm/ihr in einem gegebenen Moment am besten scheinen - und muss dann eben mit den Konsequenzen davon leben.

Einschätzungen sind da notwendigerweise verschieden, und meine ist sicher nicht immer die beste. Es ist eben nur MEINE beste Einschätzung.



Hast Du nie etwas getan, was Du bereust, und dass Du lieber verschweigst?


natürlich habe ich Dinge getan, für dich ich mich schäme. und die ich nicht in aller Öffentlichkeit ausbreite. Ich habe allerdings schon den Anspruch, dass jene Leute, die es etwas angeht, es auch erfahren. Egal wie peinlich oder schmachvoll es für mich ist, es zu sagen.

Allerdings ist das für mich nicht schwer, wenn mich etwas beschäftigt, steht es sowieso gut lesbar auf meinem Gesicht geschrieben und die Leute fragen nach.

grüsse, barbara

barbara seiler
13.07.2011, 20:50
der Euro wackelt und wankt und zittert und bebt....

abgesehesen von den finanziellen Details, die ich nicht allzu gut durchschaue, scheint mir die Frage zu sein: wollen wir uns in der Welt vor allem als Europa definieren, oder weiterhin als Deutsche, Franzosen, Spanier, Griechen, Belgier?

mir scheint, die beste Chance liege darin, wenn Europa sich selbst als Europa versteht, und der Fokus von den Nationalstaaten zum Kontinent verschoben wird.

ich gehe auch davon aus, dass jene, die den Euro bauten und wollten, dies wussten.

grüsse, barbara

Roadrunnerfn
13.07.2011, 21:16
Nachdem jetzt einige erkannt haben, dass Griechenland die Wirtschaftskraft des Saarlandes hat, wurde ihnen klar: das reicht nicht!

jetzt schraubt man wieder an Irland...und an Italien...undundund.

Die Kritik an den Rating-Agenturen halte ich für sehr berechtigt! Die können auf der Euorkrise so lange herumreiten, wie es ihnen Spass macht: es ist ja keiner da, der ihr Geschwätz überprüft...aber Millionen Ohren, die darauf reagieren!

Mein Eindruck ist und bleibt: die Krise ist NICHT die derzeitige Situation, sondern die Leichtigkeit, mit der seit Jahrzehnten marode Staaten mit 2 stelligen Inflationsraten plötzlich und problemlos zusammengekommen sind und jeder hat niemals irgendwelche 3% Verschuldungsverstösse überboten.

Aber wir werden sehen: wer laut schreit, der hat nicht nur das Gehör seiner Anhänger, und so mag die Ratingagenturen vielleicht in Zukunft der verdiente Blitz treffen: ich habe noch nie etwas davon gehalten, aus Scheisse Geld zu machen: solide Wirtschaft wird nicht erspekuliert, sondern erarbeitet.

Wohin ich mich zugehörig fühle ist doch durchaus (meiner Meinung nach) hierarchisch staffelbar:
ich fühle mich als Schwabe, als Württemberger, als Deutscher und als Europäer.
Denn es gibt schwäbische, württembergische, deutsche und europäische Themen.
Nur: bisher fangen viel zu wenige etwas mit dem Europäertum an. Wir sollten lernen, hier besser zusammenzuwachsen und die Themen aufzusplitten: es gibt eben Regionales und Internationales.
Ich hätte keinerlei Probleme damit, Deutschland in Europa vertreten zu sehen, aber zB Europa in den USA. Es hält uns doch keiner auf, auch so Wirtschaftskontakte zu knüpfen....dazu brauchen wir keinen separaten Aussenminister.

Grüssle

Frank

barbara seiler
14.07.2011, 00:09
Die Kritik an den Rating-Agenturen halte ich für sehr berechtigt!

ich schlage vor, wir sollten das Orakel von Delphi wieder aktivieren. Die sagen bestimmt auch nichts Dümmeres als die Ratingagenturen und mit den Opfern, die für das Recht zu fragen bezahlt werden müssen, ist Griechenland dann schnell saniert.:D

Mein Eindruck ist und bleibt: die Krise ist NICHT die derzeitige Situation, sondern die Leichtigkeit, mit der seit Jahrzehnten marode Staaten mit 2 stelligen Inflationsraten plötzlich und problemlos zusammengekommen sind und jeder hat niemals irgendwelche 3% Verschuldungsverstösse überboten.

Die "Idee Europa" war ja immer stark, und früher auch drängend: nie wieder Krieg. Egal was es kostet, nie wieder Krieg in Europa. und heute bezahlen wir eben das "egal was es kostet".

und wir befinden uns auch mitten im schönsten Familienkrach, mit Mama Merkel und Papa Sarkozy, die versuchen, die ungebärdige Kinderschar irgendwie unter Kontrolle zu halten, doch da sind ne Menge rebellischer Teenies dabei und ein paar exzentrische alte Onkels und überhaupt ist alles sehr sehr menschlich.

Wenn ich mir das so betrachte - stelle ich immer wieder fest - Angst ist bis jetzt bei mir nicht aufgetaucht. ich frag mich nur immer "wie wird es sich auflösen?", denn irgendwo her habe ich die felsenfeste Sicherheit: eine Lösung wird da sein. Es wird nicht so sein, das Europa in Armut und Mangel abstürzen wird.

grüsse, barbara

Roadrunnerfn
14.07.2011, 15:27
Nun..diesen Absturz kann auch ich mir nicht wirklich vorstellen.
Hingegen mache ich mir schon Sorgen darüber, was aus dr Situation werden soll.
Es ist so eine Sache.....ich kenn das ja aus der Firma: man bietet einem mittellosen "Delinquenten" im Grunde an, alle Fehler aus der Vergangenheit auszusetzen und auf Eis zu legen. Mit der guten Aussicht für den Schuldner, einen grossen Teil der Schulden nie wieder zu sehen!

Was soll hier Motivation sein, sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen?
Auch hier stehe ich ja selbst mit der einen oder anderen Person mitten im selben Problem.
Nur: es ist vielleicht einfacher, mit Vernunftsaufrufen zu einer Person durchzudringen als zu einer ganzen Nation.

Was hier bevorsteht ist ein jahre- und jahrzehntelanges "am Händchen" führen.
Ohne Erfolgsgarantie. Vielleicht ist das ja auch generell der falsche Weg.
Nur: was geschieht bei einer wirklichen Staatspleite?


Eine verrückte Situation, wirklich.
Und bestimmt mit verursacht, weil Europa viel zu lange im wohligen Gefühl Utopiens versunken ist.


Wir werden sehen.....


Grüssle

Frank

barbara seiler
15.07.2011, 00:07
Nur: was geschieht bei einer wirklichen Staatspleite?

ich weiss es auch nicht so genau...

Der Staat kann seine Rechnungen nicht mehr bezahlen. Alle Staatsangestellten bleiben ohne Lohn. Alle privaten Firmen, denen der Staat Aufträge gegeben hat, kriegen ihre Rechnungen nicht bezahlt. Arbeitslose, Rentner, Eltern mit Kindern erhalten ihre respektiven Gelder nicht mehr.

Folglich: sehr viele Leute kriegen mehr oder weniger gleichzeitig dringende Geldprobleme. Es mag solche geben, die heute schon knapp leben, die nichts mehr zu essen kaufen können. Und wenn Leute hungern, gehen sie auf die Strasse und machen Radau. (wie heute vor etwas mehr als 200 Jahren: ein Blutbad in Paris, der Sturm auf die Bastille... weil viele Leute hungerten)


Eine verrückte Situation, wirklich.
Und bestimmt mit verursacht, weil Europa viel zu lange im wohligen Gefühl Utopiens versunken ist.

man muss wohl festhalten: viele Leute haben diese Situation gewollt und aktiv herbeigeführt, trotz warnender Stimmen.

man kann fragen, was die dahinter stehende Geisteshaltung sein mag?

grüsse, barbara

Roadrunnerfn
15.07.2011, 13:01
Nun....ein vereinigtes Europa ist natürlich ein idealistisches Ziel, das viele Politiker für sich entdeckt haben.
Es geht da nicht (ausnahmsweise) ums direkte Geldverdienen, sondern es geht um Ansehen. Helmut Kohl ist -wie man heute weiss- ein fragwürdiger Charakter.
Aber er ging in die Geschichte ein als Einheitskanzler und als Kanzler der geeinten Europas.

Ein solches Projekt ist ein Aushängeschild. Und auf diesen fahrenden Zug springt man auf (was prima ist, denn er fährt langsam...da kommt man auch mit, wenn man etwas behäbiger ist).
Nur: der Zug muss am Rollen gehalten werden. Und hier lauert die Gefahr, Probleme nicht zu lösen, sondern mit der Masse des Zuges gemächlich durchzuschieben.

Ich glaube nicht, dass das Problem die Europaeuphorie per se ist.
Das Problem sind eher die blinden Augen für die Detailprobleme:
Wie zB die Staatsfinanzen, die eben unmöglich von heute auf morgen im Reinen sein können, nur damit man die Zutrittsbedingungen für Europa erfüllt.

Das ist mE auch die grosse Gefahr an dieser blöden Pleite-Diskussion.
Wir haben schon VOR Europa aus dem deutlich stärkeren Mitteleuropäischen Raum die schwächeren Nachbarstaaten gestützt. Herr Genscher (einer der wenigen integren Politiker) ist fast IMMER mit dem dicken Portemonaie verreist.
Wir können diese Leistung auch heute erbringen und TUN das auch.
Und: wir sind eigentlich dazu bereit.

Dumm nur, dass jemandem aufgefallen ist, dass vor dem Hintergrund dieser Tatsachen die Fassade davor eine Lüge ist.
Europa hat -um den Schein zu wahren- gelogen. Und das wird jetzt ausgekostet. Und zwar ohne Ende!
Oder glaubt jemand von Euch, dass Rumänien oder Bulgarien stabile Haushaltsetats haben?
Wenn die mit Griechenland und Irland fertig sind, dann kommen Portugal, Spanien und Italien, und dann..???
Das geht so weiter.

DAS ist die grosse Gefahr: das Herumreiten auf einem offenen Geheimnis, über das lange Zeit keiner ein Wort verloren hat.


Grüssle

Frank

barbara seiler
08.08.2011, 12:32
Ich glaube nicht, dass das Problem die Europaeuphorie per se ist.
Das Problem sind eher die blinden Augen für die Detailprobleme:
Wie zB die Staatsfinanzen, die eben unmöglich von heute auf morgen im Reinen sein können, nur damit man die Zutrittsbedingungen für Europa erfüllt.

Ich zweifle an der Blindheit. Ich glaube, dass im Wissen um die Probleme die Union geschaffen wurde - mit dem Hintergedanken, ein Zurück gibt es nicht mehr. Und dass sich der Schritt zu den Vereinigten Staaten von Europa dann notwendigerweise von selbst ergeben wird, wohl auch im Wissen, dass dies dann durch eine Krise wie die heutige erzwungen werden könnte.



Oder glaubt jemand von Euch, dass Rumänien oder Bulgarien stabile Haushaltsetats haben?

ohne es zu wissen: aber sind das nicht Staaten, die vor relativ kurzer Zeit bei Null angefangen hatten und noch nicht die Gelegenheit hatten, grosse dauerhafte Ausgaben, teure Sozialsysteme etc aufzubauen..?

Auf alle Fälle sind aktuell alle supernervös und niemand scheint zu wissen, wie es weiter geht... oder niemand scheint es aussprechen zu wollen, was notwendig wäre: die politische Union.

grüsse, barbara

Roadrunnerfn
08.08.2011, 12:48
uhhhh.....Politische Union!

Ein Wunder, dass sich das jemand zu sagen traut.



Wir haben doch in unserem (deutschen) föderalistischen System genügend Belege, dass man eine Einheit bilden kann und dennoch jeder sein eigenes Brötchen bekommt.
Kann nicht ein Franzose Franzose bleiben, nur weil die Politik Europaüberspannend ist?
Wäre es nicht, nach der Einführung einer gemeinsamen Währung, logisch und richtig, einige allgemeine Dinge auf einen gemeinsamen Nenner zu heben?

Meiner Meinung nach ja.

Ich bin (am Ende) auch ein Verfechter eines politischen Gremiums "Weltrat", welcher deutlich höhere Kompetenzen hat als zB der Sicherheitsrat.

Ob am Ende eine politische Struktur in der Lage wäre, die "Taschenfüll-Machenschaften" der Industrie zu unterbinden?!?!---Ich weiss es nicht. Grundsätzlich glaube ich an die Möglichkeit, aber ich zweifle an der Umsetzbarkeit.


Grüssle

Frank

barbara seiler
08.08.2011, 13:04
uhhhh.....Politische Union!

Ein Wunder, dass sich das jemand zu sagen traut.

als (noch)-nicht-EU-Bürgerin ist das Tabu für mich nicht so gross wie für jene, die mitten drin stecken.;)



Wir haben doch in unserem (deutschen) föderalistischen System genügend Belege, dass man eine Einheit bilden kann und dennoch jeder sein eigenes Brötchen bekommt.


Sicher. Nicht nur in Deutschland, auch in der Schweiz und in den USA geht das. Und sie alle haben (D bei D-Mark-Zeiten) auch eine gemeinsame Finanzpolitik... so zum Beispiel gibt es Schweizer Staatsanleihen, aber nicht kantonale Staatsanleihen. Müsste es logischerweise dann nicht nur noch Eurobonds geben, aber nicht mehr Staatsanleihen der einzelnen Staaten? und sich endlich die Idee durchsetzen "wir sind alle im selben Boot, wir kommen gemeinsam da wieder raus"?


Wäre es nicht, nach der Einführung einer gemeinsamen Währung, logisch und richtig, einige allgemeine Dinge auf einen gemeinsamen Nenner zu heben?

ja, sicher. Ich glaube, es geht nicht anders. Manche Dinge muss man eben ganz oder gar nicht machen, und alle Kompromisse sind notwendigerweise faul und funktionieren nicht auf Dauer.



Ob am Ende eine politische Struktur in der Lage wäre, die "Taschenfüll-Machenschaften" der Industrie zu unterbinden?!?!---Ich weiss es nicht. Grundsätzlich glaube ich an die Möglichkeit, aber ich zweifle an der Umsetzbarkeit.

muss sie ja nicht, die Industrie ist Privatwirtschaft, also gewinnorientiert und soll das auch sein. Die politischen Rahmenbedingungen, die dafür sorgen, dass der Gewinn dann auch breit verteitl für Wohlstand sorgt, und nicht nur an eine kleine privilegierte Gruppe geht, das ist Aufgabe der Politik. Wo ich nach wie vor für mehr direktdemokratische Elemente bin, auch und besonders in Bezug auf eine neu zu schaffenden USE

grüsse, barbara

Roadrunnerfn
08.08.2011, 16:31
Die politischen Rahmenbedingungen, die dafür sorgen, dass der Gewinn dann auch breit verteitl für Wohlstand sorgt, und nicht nur an eine kleine privilegierte Gruppe geht, das ist Aufgabe der Politik. Wo ich nach wie vor für mehr direktdemokratische Elemente bin, auch und besonders in Bezug auf eine neu zu schaffenden USE

Das mit der Verteilung, das ist so ein Problem.
Ich bin der Meinung, dass es ziemlich egal ist, was ein Manager verdient.
Wenn er was taugt, dann HAT er es sich verdient, dennsehr oft hängen an einem solchen Erfolge eben nicht nur die oft gut bezahlten Arbeitsplätze (zB Porsche) dran, sondern in der Peripherie bei den Zulieferern und Dienstleistern oftmals zig-tausende Arbeitsplätze!

Problematisch ist für mich eher, wie die Wirtschaft die Politik beeinflusst.
Nur als Beispiel: der Öko-Wahn.
Da werden so viele Projekte übers Knie gebrochen, und eine ganze Nahrungsmittelbranche lacht sich ins Fäustchen, weil sie einen Mehraufwand von 0,02 Cent um 10 Cent weiterverkaufen können.

Wir führen per Gesetz Stromsparlampen ein, deren Einsatz fragwürdig ist (nur im Langzeitbetrieb (grösser ca. 15min.) stromsparend), deren Produktion AUCH Energieaufwändig ist und die Quecksilber enthalten und im Betreib Phenole emmitieren.
Die Lampenindustrie jubelt!

Es ist alles so .....verfilzt. Nichts mehr ist klar und eindeutig.
Entscheidungen folgen sehr oft keinem praktischen Nutzen mehr.
Und am Ende geht die Politik und der Fortschritt an den Menschen vorbei.

Nein?--Wir profitieren alle vom medizinischen Fortschritt?
Ja.
Wir haben heute zB viele Wirkstoffe gegen Nahrungsmittelunverträglichkeiten.
Dieselben Unternehmen, die diese Stoffe produzieren, liefern auch die Nahrungsmittelzusätze in die Fertigsuppen, von welchen wir die Allergien erst haben.

Es gibt keine "grosse Verschwörung", die von einer Stelle gelenkt wird. Das glaube ich nicht.
Aber es gibt eine systematische Verschwörung, in der alle eingebunden sind. Sogar jene, die von ihr bewusst profitieren.
KEINER kommt mehr an dem vorbei, was in einer Gesellschaft gang und gäbe ist.

Und jene, die sich dem System entziehen, die sind meistensteils zur Armut verdammt. Denn für Spielverderber haben wir keinen Platz.
Nun kann jemand kommen und sagen: Armut macht frei. Ich rede nicht von "kein Auto haben" oder "kein eigenes Haus haben". Ich rede von existenzieller Armut: jene, die unter den Brücken stattfindet und hinter einer Hecke in einer kalten Januarnacht endet.

Warum das weite ausholen?
Ich glaube, dass der Grossteil unseres Tuns gelenkt ist.
Und das macht nicht die Politik. Sie ist oft nur Erfüllungsgehilfe.

Darum glaube ich, dass keine Politik der Welt für eine "gerechte" Verteilung von-was-auch-immer sorgen kann.
Es wird immer Leute geben, die sich auf Kosten anderer die Taschen füllen.
Und DIE haben das Sagen.


Grüssle

Frank

barbara seiler
08.08.2011, 17:59
KEINER kommt mehr an dem vorbei, was in einer Gesellschaft gang und gäbe ist.

Das bedeutet aber auch: jeder gestaltet mit und trägt mit seinem Verhalten dazu bei, den Lauf der Welt in die eine oder die andere Richtung zu lenken.Und da die Welt ein komplexes System ist, das hin und wieder labile Zustände kennt, kann es durchaus sein, dass eine für sich genommen kleine Entscheidung eines Einzelnen ein riesiges System nach links oder rechts kippen lassen kann. Und jeder Mensch kann sich auf einmal an einer solchen Schlüsselstelle finden... oft wohl ohne sich dessen bewusst zu sein.

Es wird immer Leute geben, die sich auf Kosten anderer die Taschen füllen.
Und DIE haben das Sagen.

Wenn das so ist, dann will ich zu dieser Sorte Leute gehören. Mit vollen Taschen kann man ja auch viel Gutes tun...

grüsse, barbara

Roadrunnerfn
08.08.2011, 18:18
Das bedeutet aber auch: jeder gestaltet mit und trägt mit seinem Verhalten dazu bei, den Lauf der Welt in die eine oder die andere Richtung zu lenken.Und da die Welt ein komplexes System ist, das hin und wieder labile Zustände kennt, kann es durchaus sein, dass eine für sich genommen kleine Entscheidung eines Einzelnen ein riesiges System nach links oder rechts kippen lassen kann. Und jeder Mensch kann sich auf einmal an einer solchen Schlüsselstelle finden... oft wohl ohne sich dessen bewusst zu sein.

Jupp.
Nur gibt es hier noch das Massenproblem. Man kann sich stemmen, so viel man will...ein schwerer Ochse bewegt sich nicht, wenn von der Seite die Friedenstaube drückt.
Entweder die Friedenstaube ist SEHR clever (was sie in den Verdacht bringen wird, nicht ganz so "gut" zu sein, wie es scheint), oder es ist bereits etwas auf der Kante, und der berüchtigte Flügelschlag genügt....

Wenn das so ist, dann will ich zu dieser Sorte Leute gehören. Mit vollen Taschen kann man ja auch viel Gutes tun...
Ja, das stimmt.

Nur hier würden wir beweisen, dass wir etwas nicht ganz verstanden haben.
Das ist wie mit Herrn Bill Gates und Kollegen.
Sie drücken Jahrzehntelang jeden Cent aus Ihren Lieferanten, was letztlich über den Rücken der Mitarbeiter geht.
Sie holen sich jeden erdenklichen Vorteil,ohne sich Gedanken darum zu machen, was bleibt: man sehe ich die Rohstoffabbaugebiete der Welt an: kontaminierte Wüsten bleiben zurück, und die Leute dort haben ausser einem Hungerlohn am Ende noch vergiftetes Wasser.
Die grossen Honoratioren der Wirtschaft investieren an der Börse und scheffeln Milliardengewinne....jeder Cent an der Börse ist Verlust für jemand anderen. Die Börse schafft keinen Geldwert, sie verschiebt nur. Und das, was nach gemachtem Wert aussieht ist stets nur eine Blase, die platzen kann....man sieht es kaum deutlicher als an einem Tag wie heute.

Diese Menschen stehen dann da und geben kurz vor der Rente einen teil ihres Geldes für "gute" Zwecke aus.

Sicherlich ist das besser, als würden sies behalten.

Aber wäre es nicht VIEL besser, wenn schon bei der Erwirtschaftung dieses Geldes weniger Blut dran kleben würde?

Nein, Barbara. Ich will NICHT zu jenen gehören, die sich ihren Reichtum erschleichen. Wir reden ganz klar von Leuten, die sich auf Kosten anderer die Taschen füllen. Das waren meine Worte.

Und wenn ich alles erschlichene Geld zurückgäbe, gesetzt den Fall, ich wäre einer von "jenen", dann würde das nicht darüber hinwegtäuschen, dass ich es mit Blutzoll erworben habe.
Und alles, was ich für eine gewisse Zeit horte, hinterlässt woanders eine Lücke. Ich lebe vom Zins derer, die Ihrerseits die Zinsen für eine Lücke zahlen, die ich gerissen habe!?!

Es schaudert mich, wenn ich mir überlege, wieoft wir unbewusst zu Produkten greifen mögen, die genau diesen Hintergrund haben. Und am Ende interessiert es uns nicht, wir gehen in den Laden, der das Zeuch am billigsten anbietet.
Manchmal tut es gut, so einen Gedankengang auszuformulieren.
Es macht demütig.


Grüssle

Frank

barbara seiler
08.08.2011, 19:24
Entweder die Friedenstaube ist SEHR clever (was sie in den Verdacht bringen wird, nicht ganz so "gut" zu sein, wie es scheint), oder es ist bereits etwas auf der Kante, und der berüchtigte Flügelschlag genügt....

ja richtig. Kluge Friedenstauben gehen dorthin, wo die Dinge auf der Kante stehen, und wo ein kleiner Schubs ausreicht. Was mir auch für Menschen eine gute Idee scheint: Schwebende Situationen erkennen und einen entscheidenden Impuls geben - kostet wenig Energie und hat grosse bis riesige Wirkungen.

Sie drücken Jahrzehntelang jeden Cent aus Ihren Lieferanten, was letztlich über den Rücken der Mitarbeiter geht.

ich glaube nicht, dass alle Superreichen gewissenlos und ausbeuterisch sind.

ich glaube an win-win-Situationen. Und ich glaube an die Macht von beharrlich verfolgten klaren Vorstellungen. ebenso glaube ich an Ehrlichkeit und Korrektheit in Geschäften, sowohl in Beziehungen Firma-Kunde, aber auch Chef-Angestellte oder Firma-Lieferanten.

Und am Ende interessiert es uns nicht, wir gehen in den Laden, der das Zeuch am billigsten anbietet.

nein, ich tue das nicht. Ich achte darauf, den Anteil an Produkten ständig zu erhöhen, die auf faire, korrekte, umweltfreundliche Art hergestellt werden. Da zahle ich auch gern etwas mehr, weil es eine gute Sache ist. Und im Lauf der Zeit läppert sich da shcon einiges zusammen...

grüsse, barbara

Roadrunnerfn
08.08.2011, 21:05
ja richtig. Kluge Friedenstauben gehen dorthin, wo die Dinge auf der Kante stehen, und wo ein kleiner Schubs ausreicht. Was mir auch für Menschen eine gute Idee scheint: Schwebende Situationen erkennen und einen entscheidenden Impuls geben - kostet wenig Energie und hat grosse bis riesige Wirkungen.

Das ist ein überzeugender Gedanke. Man kann ja durch sein Schaffen auch etwas dazu beitragen, dass ein Thema zum Kipp-Kandiaten wird. Und dann im entscheidenden Moment anschubsen.....das einzige, was diesen Gedanken unangenehm werden lässt ist meine Erfahrung, dass Dinge eben nicht mit einer einfachen Aktion verändert werden. Sie stehen lange auf der Kippe, es gibt oft ein Ping-Pong Spiel derer, die den einen oder anderen Zustand zu erreichen suchen, und oft genug wird ein endlich flach liegendes Thema wieder aufgerichtet, um neuerdings hin und her geschubst zu werden.
Aber dennoch: der Gedanke ist gut und effektiv!




ich glaube nicht, dass alle Superreichen gewissenlos und ausbeuterisch sind.

Nein, sind sie nicht. Sie leben genauso in ein System hinein wie wir auch. Im Grunde kann man es ihnen nicht verübeln, wenn sie Ihren Nutzen daraus ziehen.
Der Ärger liegt nicht im Verhalten der Menschen IM System, sondern AM System, welches sich jedoch durchaus auch am Verhalten der Menschen nährt. Es ist ein Teufelskreis. Und irgendwie scheint alles so...eingespielt zu sein. Als Ausreisser würde man sehr schnell unter die Räder geraten.
Auch unter den Superreichen:
Schon die Initiative von Buffet und Gates wurden mit gemischten Gefühlen betrachtet: Hat da wer ein schlechtes Gewissen?
können wir uns in der Profitorientierung ein schlechtes Gewissen leisten?
oder noch schlimmer:
es gar ZEIGEN?
Diese Grosspendenaktion macht ja auch die Tätigkeiten der Controler fragwürdig: Jahrelang optimieren sie jeden Prozess für maximalen Gewinn, und dann verschenken die Nutzniesser ihren Gewinn an jene, die durch die Maschen der Optimierung fallen.........

Nein, ich glaube auch nicht, dass es die Menschen sind. Es ist das "gewachsene" System.


ich glaube an win-win-Situationen. Und ich glaube an die Macht von beharrlich verfolgten klaren Vorstellungen. ebenso glaube ich an Ehrlichkeit und Korrektheit in Geschäften, sowohl in Beziehungen Firma-Kunde, aber auch Chef-Angestellte oder Firma-Lieferanten.

Nun, darüber kann man streiten. Ich glaube, dass das in kleineren Firmen geht. In einem grossen Apparat bildet sich früher oder später der FIlz, und Korruption, Angst und Nötigung halten Einzug. Es wird diesbezüglich bessere Firmen geben und schlechtere. Aber keine "sauberen".
Man kann, da gebe ich Dir recht, einen grossen Anteil Energie aufwenden, um seinen Betrieb sauber zu halten. Das mache ich. ich hoffe, es gelingt mir.
Diese Wahl bleibt jedem.
Aber man sieht sich mit mancherlei Machenschaft konfrontiert, in welcher oftmals ganz unverholen irgend eine Haut zu Markte getragen wird. Man sieht: wem sie gehört, ist zweitrangig, es zählt nurmehr, was sie erbringt.



nein, ich tue das nicht. Ich achte darauf, den Anteil an Produkten ständig zu erhöhen, die auf faire, korrekte, umweltfreundliche Art hergestellt werden. Da zahle ich auch gern etwas mehr, weil es eine gute Sache ist. Und im Lauf der Zeit läppert sich da shcon einiges zusammen...

Ja, auch wenn das vielleicht auch Augenwischerei ist. Man will zumindest Glauben, dass es hilft. Irgend einen guten Glauben braucht man ja.
Auch Stephi und ich versuchen, unsere Nahrungsmittel möglichst bewusst auszuwählen. Gemüse vom Bauern-Lädle, Brot vom Bäcker nebenan und Wurst und Fleisch aus regionalem Ursprung.
Es ist mir dabei fast egal, ob auch stimmt, was draufsteht. Es scheint mir, dass alleine die Entscheidung zu diesem bewussten EInkauf etwas wertvolleres ist, als einfach nur "nach Aldi" zu gehen.
Und dennoch: wenn man einen Elektronikartikel braucht: Amazon oder Media-Markt. Die Begleitumstände interessieren da nicht, bei Amazon ist die Kamera 100 Euro billiger. Und der Elektriker an der Ecke hat eh nur 2 Modelle zur Auswahl.

Ich denke, es ist da noch viel Potential.
Nur sollte unsere Politik die Weisheit und Gesetztheit zustandebringen, uns alsVorbild zu dienen.

Aber das ist oft: "Heute so, morgen so".
Unter anderem, weil man eben dess Liedlein singt, dess Brot man isst.



Grüssle

Frank

barbara seiler
08.08.2011, 21:34
Kipp-Kandiaten

Verhandlungen sind ja oft so auf der Kippe, sagt der Kunde ja oder nein, welcher Preis liegt drin....? Mag sein, dass es oft auch besser ist, alle Störungen zu entfernen und dem Universum das Kippen und die Richtung des Kippens zu überlassen.

Der Ärger liegt nicht im Verhalten der Menschen IM System, sondern AM System,

je mehr Macht, Geld und Einfluss man besitzt, desto grösser ist der Bereich, in dem man sein eigenes System schaffen kann. zB Prinz Charles von England, der besitzt halt aufgrund seiner Familie viel Land, der konnte problemlos den Biolandbau dort einführen. Ich finde Biolandbau auch toll, hab aber nicht grad zufällig so einen Bauernhof inklusive Personal zu meiner Verfügung. Mein Spielraum ist deutlich kleiner.

Diese Grosspendenaktion macht ja auch die Tätigkeiten der Controler fragwürdig: Jahrelang optimieren sie jeden Prozess für maximalen Gewinn, und dann verschenken die Nutzniesser ihren Gewinn an jene, die durch die Maschen der Optimierung fallen.

ich konnte mit Spenden noch nie viel anfangen. dann lieber gleich richtig investieren, in gute Projekte, da haben mehr Leute etwas davon.


In einem grossen Apparat bildet sich früher oder später der FIlz, und Korruption, Angst und Nötigung halten Einzug.


ja, sobald viele Leute irgendwo arbeiten, wird es unübersichtlich und die Bürokratie breitet sich aus. aber das muss doch nicht sein. Das muss auch anders gehen.

Und dennoch: wenn man einen Elektronikartikel braucht: Amazon oder Media-Markt.

ja, leider gibt es für Elektronik noch kein fair trade. warum eigentlich nicht? so di eüblichen zehn Prozent würde ich auch da drauflegen, wenn ich wüsste, dass die Arbeiterinnen in der Fabrik Schutzausrüstung und Krankenversicherung haben.

grüsse, barbara

Manfred Gotthalmseder
09.08.2011, 20:18
Dieser Filz, von dem du sprichst, der sollte sich doch in einer Demokratie von unten her erneuern lassen, indem neue Parteien nachrücken. Aber eigenartiger Weise geschieht das nicht.
Vielleicht lässt sich aber über eine innovative Idee von unten her der Geldhahn umlenken. Wenn nun wirklich die Inflation Geldvermögen schrumpfen lässt, so wäre denkbar, dass Gemeinden ihren Ansässigen anbieten Kilowattstunden örtlicher Kraftwerke, oder Liter Trink-, Abwasser und Müll für kommende Jahre vorzukaufen. Mit dem Geld könnte nachhaltige Infrastruktur errichtet werden, so dass Gemeinden autarke Zentren werden.
Wenn das Geld der vielen kleinen Sparer nicht mehr über die Banken am Finanzmarkt landet, ist schon viel gewonnen. Diese und andere Ideen habe ich in meinem neuen Buch veröffentlicht. Jeder Veränderung dieser Gesellschaft lag im Ursprung eine neue Idee eines Einzelnen zugrunde. Wir müssen diese Ideen nur finden und unterstützen:
http://stille-revolution.yooco.de/p.das_buch.html

barbara seiler
09.08.2011, 21:17
Hallo Manfred, herzlich willkommen. :)

Als Schweizerin halte ich Parteien für relativ unbedeutend. Es gibt halt welche, damit man so ungefähr einsortieren kann, wer wie politisiert. ansonsten wird das aber doch immer noch über Abstimmungen über Sachgeschäfte geregelt.

Und Geld ist doch in erster Linie Ausdruck des Vertrauens ins Kollektiv, das die Währung herausgibt, oder?

grüsse, barbara

Roadrunnerfn
09.08.2011, 22:16
Hallo Manfred,

herzlich willkommen im Forum..erst mal :)

Diese Erneuerung, egal ob von unten oder von oben, verlangt integere Charaktere.
Je weiter wir uns aber "nach oben" begeben, desto wahrscheinlicher ist es, dass Posten und Ämter vorrangig aus Karrieregründen belegt werden.
Es ist -ganz schlicht- ein Schlachtfeld der Macht.

Eine Partei, die von unten herauf erneuert, wird -da bin ich mir leider ziemlich sicher- entweder "dort unten" hängenbleiben und scheitern, oder sie wir auf dem Weg "nach oben" transformieren.
Was am Ende übrigbleibt, wird man sehen.
Momentan haben wir ja grade in Deutschland eine Grünen-Rebellion. Doch je mächtiger die werden, desto ungrüner wird ihre Politik. Extreme halten sich derzeit nicht gut im Ansehen des Wählers.
Es hat schon einen Grund, warum die ganze Politik so "eingelevelt" wirkt. Es traut sich doch keiner mehr, Profil zu zeigen und eine eigene Meinung zu vertreten.

Ich GLAUBE jedoch, dass stetige Bildung und auch Politikbildung es den Menschen ermöglichen wird, Politik "von unten" zu machen.
Aber langsam. Unser System trägt und VERträgt keine Revolutionen.

Vorzeigeprojekte sind da ganz geeignet, um über Jahr hinweg die politische Stimmung zu beeinflussen.


Grüssle

Frank

Plankton
11.09.2011, 22:19
Hallo Frank

Kann ich deinem nick entnehmen das du immer wieder joggst?

genau das ist es was jeder Politiker in Deutschland bzw der Welt tun sollte.
Denn das eigene agieren hängt ganz wesentlich von der gesundheit des Menschen ab.
Ich habe so das Gefühl unsere Politiker sind alle (damit meine ich ALLE!)
eingerostete Maschinen die ihre meinung und ihre Überzeugung aus den Medien holen bzw immer nur auf aktuelle situationen reagieren und durch jahrelanges "herumhocken" und diskutieren eigentlich garnicht wissen was sie wollen. Die meisten wollen zustimmung von der breiten Masse und halten desshalb immer alles allgemein..

Nie kommt es zu einem konsens, da keiner wirklich versucht den anderen zu verstehen.

Angela Merkel als Bundeskanzlerin sitzt oft da und blendet einen Redner einfach aus und spielt mit ihrem Handy oder redet mit irgend jemandem..
es ist ein Haufen von .... ja von... es gibt leider kein Wort dafür.

Es fehlt überall an integrität und ich habe das gefühl es wird mit den Politikern nicht besser sondern eher noch schlechter werden.

Da jeder Politiker auch nur ein Mensch ist und alle nach dem "Kapitalismus" leben kann da einfach nichts gutes herrauskommen.

Vielleicht geht das alles auch noch viele Hundert Jahre so weiter, aber irgend wann wird es einen großen Umbruch geben müssen.. bei dem warscheinlich viele Menschen sterben!?

Gruß

barbara seiler
30.10.2011, 21:04
Ein Teil, dem eine Transformation gut tun würde, ist das Bruderholzquartier in Basel.

Ich bin heute durchgekommen und war schockiert: das Quartier ist tot. Es hat viele Einfamilienhäuser mit grossem Garten, teilweise auch Villen, es ist eine schöne und grosszügige Wohnlage. Aber: das Quartier ist tot! Wenn einem mal zwei, drei Personen entgegenkommen, ist das gleich ein riesiges Verkehrsaufkommen. Ansonsten passiert da nichts: keine Leute auf der Strasse, keine Lichter in den Häusern. Viele Häuser, wo es keine Vorhänge hat, wo die Fenster dunkel und trostlos sind.

keine Kinder.

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und so etwas in einer Stadt, in der angeblich Wohnraummangel herrscht... bloss im Bruderholz nicht, da gibt es einen Überfluss an ungenutzem Raum, aber viel zu wenig Leute.

grüsse, barbara