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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Demokratie in Unternehmen


barbara seiler
12.04.2010, 09:39
Hi zusammen!

Demokratie in Unternehmen ist ein Thema, das mich seit einiger Zeit beschäftigt. Politische Einheiten bis hin zu Ländern mit mehreren Millionen Einwohnern können demokratisch organisiert sein - warum also nicht Unternehmen? Mitarbeiter, die ihre Firma nicht nur als Melkkuh sehen, sondern die als Mitbesitzer vom Wohlergehen der Firma betroffen sind - Vorgesetzte, die die Verantwortung nicht mehr allein tragen müssen, sondern alle tragen mit - klingt spannend.

Die SP Schweiz hat dieses Thema in ihrem Entwurf zu einem neuen Parteiprogramm aufgegriffen:
http://www.sp-ps.ch/index.php?id=694&action=detail&uid=4550&L=0

endlich machen die wieder mal was Vernünftiges!

Wie habt ihr es? Würdet ihr als Angestellte gern die Firma mit-besitzen und mit-dirigieren? Würdet ihr als Firmenchefs dies so handhaben, könnt ihr euch das vorstellen? Gibt es Bespiele, die das schon umsetzen, und wenn ja, funktioniert das gut?

grüsse, barbara

Roadrunnerfn
12.04.2010, 22:47
Nun, Mitbestimmung in Unternehmen gibts:
Gewerkschaften.
Oder die Steinkühlerpause. Die wurde dann sogar demokratisch von den Arbeitern wieder abgewählt.

Nein danke.

Ich beziehe meine Mitarbeiter in aussergewöhnlich viele Dinge mit ein. Das reicht oft auch weit ins private.

Aber Demokratie in einem Unternehmen führt zum Verlust Führungsidentität.
Es muss da jemanden geben, der die Richtung angibt.
Die muss nicht mal immer die richtige sein.
Auch ein Umweg oder ein falscher Weg muss mal begangen werden.

Aber wir benötigen hier einen "Leithammel".

Es fliessen dabei viele Faktoren zusammen:
Was ist ein Chef wert?
Rein einkunftsmässig jetzt.
Und: wird das weniger, wenn der Chef mal schwächelt?

Wer beurteilt das persönliche Risiko von Gesellschaftern?

Welche Motivation soll ein demokratisch unterbauter Chef haben, sich für das Unternehmen reinzuhängen, wenn die Arbeiterschaft sein Gehalt bestimmt?


Es gibt sicherlich Betriebe oder Branchen, wo das funktionieren könnte.
Dazu braucht man bewusste, bedachte und hochzivilisierte, hochkultivierte Mitarbeiter.

Jetzt geh mal auf den Bau und lass dort den Laden von den Arbeitern schmeissen......Au Backe!!!

Oder ein Krankenhaus von den Assistenzärzten....

noch mehr Horrorvisionen?

das Militär von den Soldaten (die würden alle gehen???? Mitnichten!!!!! Die würden eigene, paramilitärische Gruppierungen bauen!!)

die Regierung vom Volk! AUA!

oder die Kirche von den Gläubigen....das wären alsbald zig-tausende von Splitterreligionen, und wer wollte dann die Sicherheit geben, dass nicht der Prozentsatz "X" unkontrollierbare Sekten würden...



Nein, so unvollkommen wie der Mensch ist braucht er Regeln und eine Autorität. Wir sind Sozialtiere, keine Tyrannosaurus-Einzelgänger, die nichts un niemanden zu fürchten haben.



Grüssle

Frank

barbara seiler
13.04.2010, 09:46
Hallo Frank

Demokratie ist das Thema, nicht Anarchie. Verwechselst du da nicht etwas?:grins:

Aber Demokratie in einem Unternehmen führt zum Verlust Führungsidentität.
Es muss da jemanden geben, der die Richtung angibt.

ja klar. Diese Führungsidentität kann bei einer Versammlung liegen, zum Beispiel. Warum sollte das, was für Länder mit mehreren Millionen Einwohnern funktioniert, nicht für Firmen funktionieren?

Und natürlich muss es auch fürs Tagesgeschäft klare Verteilung von Kompetenzen, Rechten und Pflichten geben. Die will ja niemand abschaffen.

Was ist ein Chef wert?
Rein einkunftsmässig jetzt.
Und: wird das weniger, wenn der Chef mal schwächelt?

Vermutlich schon. Für Angestellte ist es heute ja Realität, dass sie meist schnell weg sind von ihrem Job, wenn sie schwach sind. Warum sollte ein Chef privilegiert sein gegenüber den Angestellten in Bezug auf diese Frage?

Welche Motivation soll ein demokratisch unterbauter Chef haben, sich für das Unternehmen reinzuhängen, wenn die Arbeiterschaft sein Gehalt bestimmt?

Gehalttsysteme werden von allen für alle bestimmt. Da wird nicht abgestimmt à la "So, nun, was meint ihr, wie viel kriegt der Frank diesen Monat... ? Was, so wenig? na dann. Also und wie viel kriegt der Jürg? Und die Anna?" Da wird über ein System für alle abgestimmt. Ausserdem wird von Angestellten heute auch erwartet, sich für das Geschäft zu engagieren, auch wenn der Chef den Lohn bestimmt. :p

Dazu braucht man bewusste, bedachte und hochzivilisierte, hochkultivierte Mitarbeiter.

Ach wo. Man braucht vor allem solche, die ein echtes Interesse an einem langen Bestehen des Geschäfts haben. Was heisst: Mitbesitz und Teilhabe am Ertrag, und das langfristig. Dann kommts auch nicht mehr vor, dass Abeiterorganisationen auf Teufel komm raus Lohnerhöhungen durchdrücken wollen, ganz egal, wie es der Firma geht.

Jetzt geh mal auf den Bau und lass dort den Laden von den Arbeitern schmeissen......Au Backe!!!
Oder ein Krankenhaus von den Assistenzärzten....
noch mehr Horrorvisionen?


Und jetzt bitte noch die Erklärung, warum das nicht funktionieren sollte?


das Militär von den Soldaten (die würden alle gehen???? Mitnichten!!!!! Die würden eigene, paramilitärische Gruppierungen bauen!!)


Wie die Geschichte zeigt, funktionieren paramilitärische Gruppen oft ganz gut. Weil alle sich frei auf ein bestimmtes Ziel geeinigt haben. Während die staatlich angestellten Soldaten dies nicht immer haben und teilweise von ihrem Arbeitgeber sehr schlecht behandelt werden. Wenn sie selbst bestimmen könnten, würden sie sich vermutlich etwas besser behandeln, meinst du nicht?

oder die Kirche von den Gläubigen....das wären alsbald zig-tausende von Splitterreligionen, und wer wollte dann die Sicherheit geben, dass nicht der Prozentsatz "X" unkontrollierbare Sekten würden...


Das ist ja schon so, und da gibts Gesetze. Menschenopfer sind verboten bei uns, das wär Mord. ja und...?

Nein, so unvollkommen wie der Mensch ist braucht er Regeln und eine Autorität. Wir sind Sozialtiere, keine Tyrannosaurus-Einzelgänger, die nichts un niemanden zu fürchten haben.


Genau, wir sind SOZIALE Tiere. Warum also einen Tyrannosaurus als Schafhirten engagieren, wo die Schafe doch sich selbst ganz gut allein organisieren können? Ja, wir sind keine Einzelgänger, und DARUM genau ist Demokratie eine gute Sache.

grüsse, barbara

Roadrunnerfn
13.04.2010, 12:46
Bei diesem Thema werden wir uns nie einig werden können.

Und das liegt mE daran, daß Du die Augen vor den Tatsachen verschliesst.
Eine Schafherde funktioniert eben NICHT von alleine.

Ich sage auch nicht, wir müssten den Wolf zum Schafherdenchef machen (da habe ich immer das Gefühl, du misverstehst mich....ich finde den jetzigen Zustand nicht begeisternd...aber eine demokratische Version wär noch schlimmer)

Eine Schafherde hat automatisch einen Leithammel. Und der wird nicht gewählt, sondern setzt sich durch.
Und die Schafe sinds alle zufrieden, weil sie dann jemandem hinterherdackeln können.
Damit übernimmt der Leithammel auch die Verantwortung.


Um dieser Verantwortung gerecht zu werden, braucht es Kompetenz. In der Schafherde genügt es, der Stärkste zu sein. Darum haben die Schafe auch noch nicht die Weltherrschaft erreicht.

Um ein Unternehmen zu führen, braucht es FACH-Kompetenz. Die Aufgabe eine Betriebsführung ist es, viele Faktoren übereinanderzubringen. Faktoren von aussen und von innen. Wer natürlich nicht auf seine Mitarbeiter hört, der führt ein geistig armes Unternehmen!

ABER:
Die Mitarbeiter, die ihrerseits zum Teil sehr spezialisiert und deshalb in puncto Unternehmensstrategie nicht kompetent sind, die Mitarbeiter, die nicht die Geisteskapazität haben, um viele Faktoren übereinanderzubringen, sondern eben nur ihre Arbeit machen (und das gut...oft genug wirklich gut), diese Arbeiter haben in Entscheidungsfindungen der Betriebsführung NICHTS zu suchen.

Es kann nicht angehen, daß in einem Unternehmen eine kompetente Betriebsführung in Entscheidungen überstimmt wird von einer Mitarbeiterschaft, die gegenüber Stimmungsmachereinen HÖCHST anfällig ist.

Warum denn ist die Lage mit der Politik so schwierig?
-weils keiner mehr versteht! Die Menschen, die etwas wählen sollen, verstehen nicht, was oder wen sie wählen!!!!

Die Leut wissen nicht, was ein Kanzler, ein Präsident oder ein Bundestag ist!! Aber wählen dürfen sie!

Das in einem Unternehmen????
Nein danke!

Nicht, deshalb, weil ich die Leut für zu doof halte. Ich meine im Gegensatz, daß diejenigen, die die Kapazitäten haben, die Verantwortung in die Hand nehmen sollen.
Das heisst aber, dass sie das auch dürfen können müssen.

Oder was würdest Du mir raten, Barbara, soll ich die XT beschichteten Bohrer zum Preis von 82,50 € 10 St. für die Teile 1.4571 kaufen oder sollen wir lieber die billigeren VHMblank um 68,65€ nehmen und dafür 12 St. einkaufen?

Wirtschaft kommt von Wirtschaftlichkeit, und nicht von gemütlichem Beisammensein am Stammtisch.

Und Wirtschaft wird irgendwo mit WISSEN umgetrieben. Der Herr hüte uns davor, zwischen dieses Wissen und die notwenigen Entscheidungen den Keil der Demokratie zu treiben.

Ich sag jetzt einfach mal sehr aggressiv:
Deine Einstellung dazu (wie in der Politik auch) ist idealistisch und durch die rosarote Brille betrachtet.
Die Masse der Menschen hat keine Ahnung davon, was sie wählen oder auch nur dazu denken sollen.

Und nochmals:
ich sage nicht, dass das an deren Dummheit liegt.

Ich sage, daß die Tatsachen JETZT so sind, daß wir ein Land von Fussballfanatikern und Sex-in-the-City Konsumenten sind...IN DER MASSE.

Diese Masse hat das Stimmgewicht in einer Demokratie.

Und von dieser Masse, von genau dieser inkompetenten Masse, wünsche ich kein Massen-Stimmgewicht.

Da muss sich gewaltig viel ändern, bevor wir WIRKLICHE Demokratie leben und einführen können.

Und genau darum wählen wir im Moment auch keine Entscheidungen, sondern Führungsriegen (Regierungen).
Genau darum bin ich gegen Volksentscheide.

Wie schief das gehen kann zeigt Euer Minarett-Verbot......und wie unwichtig diese Entscheide im Grunde sind.....das ist doch Ringelpietz und interessiert sonst niemanden in der Welt. Dass die Schweizer national-lastig sind hätte ich auch so sagen können.
Ist die Volksabstimmung nur ein "Gutsle", dass man der Masse hinwirft, damit sie denkt, mitbestimmen zu dürfen?

Und nun soll ich mich in meinem eigenen Unternehmen zur Chef-Wahl stellen?
Oder soll ich -zur Wahrung des Scheins- meine Mitarbeiter entscheiden lassen, welche Lappen-Lieferanten wir zukünftig beauftragen sollen?
Eine halbe Stunde lang den Betrieb stillegen, damit sich jeder wichtig fühlen darf?

Meine Mitarbeiter sind wichtig, weil sie die anstehenden Arbeiten für den Betrieb erledigen. Dafür haben sie meine Hochachtung....UND ihren Lohn.

Eine Chef-auswahl auf demokratischer Basis....? Die Mitarbeiter wählen.....wen?
Den, der den höchsten Lohn verspricht?
Das haben wir schon in der Politik!

"Wes Brot ich ess, dess Lied ich sing......?"


Bin ich irgendwie auf dem falschen Boot??????


Grüssle

Frank

Theo
13.04.2010, 17:27
Hi,

Frank hat eine ganz wichtige Sache nur in einem Nebesatz erwähnt: die VERANTWORTUNG.

In einem normalen mittelständischen Betrieb hat der "CHEF" nicht nur das Sagen, sondern auch alle Verantwortlichkeit. Und diese nicht nur für seine Mitarbeiter, sondern auch im Aussenverhältnis des Unternehmens. Und damit verbunden sind hier in Deutschland ziemlich weitreichende Konsequenzen, und diese sind nicht immer positiv.

Dennoch sind "gute" Entwicklungen in Unternehmen häufig das Ergebnis einer mehr oder weniger bewussten demokratische Entscheidungsfindung innerhalb des Unternehmens.

Wobei ich keinen Sinn darin sehe, die Führungsebene aufgrund einer demokratischen Entscheidung zu bestimmen. Wie wir alle wissen, hat Aussenwirkung wenig mit Kompetenz zu tun. Und eins ist mal klar:

wer die Musik bezahlt, bestimmt auch, was gespielt wird.

barbara seiler
14.04.2010, 10:53
Hallo ihr!

Also, was ich noch sagen wollte: spiriforum wird sich demokratisch entwickeln, mit euch, mit euren Wünschen und Entscheidungen, auch wenn ihr im Moment offensichtlich noch kein Interesse daran habt. :rauch:

Das heisst NICHT, dass ich die Inhaberschaft der domain abgebe. Ich werde dafür verantwortlich bleiben. Doch die wenigen rechtlichen Verpflichtungen, die tatsächlich nicht verteilt werden können (und spiriforum AG ist noch kein Thema), ändern nichts daran, dass gerade auf dem Forum enorm viel Spielraum bleibt für Demokratie.

Wenn es hier jemals Moderatoren geben wird, werden diese demokratisch gewählt. Und es wird demokratische Instrumente geben, um die Regeln, nach denen moderiert wird, zu bestimmen. Und daran werde ich mich als domaininhaberin auch dann halten, wenn sie mir in diesem oder jenem konkreten Fall nicht gefallen sollten. Ausnahme bleibt natürlich, was rechtlich nicht geht.

Ich sage auch nicht, wir müssten den Wolf zum Schafherdenchef machen (da habe ich immer das Gefühl, du misverstehst mich....ich finde den jetzigen Zustand nicht begeisternd...aber eine demokratische Version wär noch schlimmer)

Wenn wir mal sehen, wie es Deutschland geht - und wie es der Schweiz geht - da muss ich nicht lang drüber nachdenken, welchem politischen Modell ich den Vorzug gebe. Daran ändern auch Minarettinitiativen nichts.

und nein, ich hab nicht eine rosarote Brille, aber ich bin Bürgerin eines Landes, das schon seit 150 Jahren so lebt, und nicht schlecht damit lebt. Das Modell hat sich über lange Zeit bewährt, während in der Zwischenzeit Deutschland so ungefähr alle politischen Modelle ausprobiert hat und sie dann auch wieder aufgegeben hat...

Oder was würdest Du mir raten, Barbara, soll ich die XT beschichteten Bohrer zum Preis von 82,50 € 10 St. für die Teile 1.4571 kaufen oder sollen wir lieber die billigeren VHMblank um 68,65€ nehmen und dafür 12 St. einkaufen?

Lass mich mal je eine Woche mit diesem und mit jenem arbeiten, dann sag ich dir das gerne. Deien Mitarbeiter können bestimmt in null komma nix die Vor- und Nachteile des jeweiligen Modells kompetent und sicher aufzählen. :)

Und genau darum wählen wir im Moment auch keine Entscheidungen, sondern Führungsriegen (Regierungen).

hm ja. Und dann kriegt ihr Leute, die das Land in den Ruin fahren. Sorry, das hätte das Volk auch nicht schlechter hinkriegen können, was der Schröder da geboten hat. Aber der ist ja fein raus mit seinen netten Pöstchen in russischen Energiefirmen, der muss sich ja nicht mehr um die normalen Leute kümmern, die immer mehr belastet werden und die inländische Kaufkraft, die den Bach runtergeht...

Oder, in Firmen: die Führungsriege der UBS, die mit grossartigen Sprüchen riesigen Mist baut. Interessanterweise passiert das in Genossenschaften, die demokratischer sind, viel weniger.... ;)

Frank, hast nicht du vielleicht die rosa Brille in Bezug auf oligarchische Strukuren an?

Eine Chef-auswahl auf demokratischer Basis....? Die Mitarbeiter wählen.....wen?

sagt ja niemand, dass der Chef gewählt wird.

Was genau "Demokratie im Unternehmen" bedeutet, muss natürlich noch ausprobiert werden. Es muss entwickelt werden, was sinnvoll ist und was nicht.

Demokratie bedeutet auf alle Fälle nicht eine Verwässerung der Verantwortung. Es bedeutet auch nicht, nette Konferenzchen zum Spass und fürs gute Gefühl mit anschliessenden Grillen.

Demokratie bedeutet Auseinandersetzung, Argumentieren, verschiedene Meinungen unte reinen Hut bringen, gemeinsam einen Weg finden, ein guter Sieger und ein guter Verlierer sein können.

grüsse, barbara

Roadrunnerfn
14.04.2010, 12:01
Also, was ich noch sagen wollte: spiriforum wird sich demokratisch entwickeln, mit euch, mit euren Wünschen und Entscheidungen, auch wenn ihr im Moment offensichtlich noch kein Interesse daran habt. :rauch:

??? - Versteh ich nicht.
Was meinst Du damit, wir hätten kein Interesse?
Ich hab keine Lust, über die Hintergundfarbe der Seite abzustimmen, hell-violett-rosa ist nicht meine Farbe, aber das ist mir so was von wurscht, mir gehts um die Inhalte.
Was erwartest Du an "mehr" von uns???

Das heisst NICHT, dass ich die Inhaberschaft der domain abgebe. Ich werde dafür verantwortlich bleiben.

??? - Was ist das? --- Ein Rückzug aus dem operativen Business???


Zum Thema Demokratie (ich weiss nicht, vielleicht sollte ich das Thema danach ein für allemal sein lassen):

Solche Worte haben Bedeutungen, und ich bin kein Freund von "ein Bischen" oder "ein wenig".
Weil ich mir aber der Psyche des Menschen bewusst bin und was Macht mit dem Menschen Macht, sehe ich (zwischenzeitlich) oftmals die einzugehenden Kompromisse.

Reine Demokratie wird nie funktionieren, solange die Mehrheiten nicht KLAR verteilt sind.
Grenzwertige Entscheidungen hinterlassen im Zweifel 49% unzufriedene Menschen, und das wirkt sich früher oder später aus.

Wenn dann alle 4 Jahre bei einer Wahl die Richtung geändert wird, weil ein Anteil “x" unzufriedener Wähler eher auf Veränderung als auf Bestand wählt, dann geht die Richtung flöten.

16 Jahre Kanzler Kohl haben aber auch gezeigt, dass dauerhafter Bestand nicht taugt.

undundund.....

Meine Idealvorstellung von "guten" Anführern, die absolutistische Hoheitsrechte geniessen zerschellt an der Tatsache, daß, wer diese rechte geniesst, meist sehr schnell nicht mehr "gut" ist.

Wir werden immer mit Kompromissen leben müssen.

In meinem Betrieb gibt es Situationen, in welchen ich die Mitarbeiter um ihre Meinung frage.

Das sind aber sehr oft persönliche, den Mitarbeiter betreffende Dinge.

Vom Rest wünschen sich die Mitarbeiter von mir, daß ich die Entscheidungen fällen möge.

Ist das jetzt schon Demokratie?



Und ein allerletztes Wort zu Schweiz-Deutschland:

...nein...gelöscht.....keine weiteren negativen Strömungen.


Grüssle

Frank

barbara seiler
14.04.2010, 16:43
Hi Frank

also, bevor hier jetzt grosse Missverständnisse entstehen:

spiriforum wirds weiterhin geben, weiterhin mit mir. wie bis anhin. Nichts ändert sich.

Aber: ich würd schon gerne etwas auch GEMEINSAM entwickeln. Ich hattemal einen Versuchsballon gestartet, hier:
http://www.spiriforum.net/forum/showthread.php?t=170

das Echo war nicht grad überwältigend...:grins:

Auf alle Fälle, Spiriforum wird weiter wachsen, es wird mal ein grosses Board werden, mit hunderten und tausenden von aktiven Mitgliedern, es wird irgendwann mal Bedarf geben an mehreren Mods, es wird irgendwann mal Leute geben, denen die Farbe tatsächlich wichtig genug ist, um eine andere zu wollen. Und an dem Tag, an dem das so weit ist - das wird nicht heut und nicht morgen sein, das wird länger dauern, und wenn das zwanzig Jahre dauert, ist mir egal - an dem Tag wird das demokratisch entwickelt werden, von den Mitgliedern.

Und zwar weil Demokratie etwas Gutes ist und ich das am praktischen Beispiel zeigen werde.

Hugh ich habe gesprochen.



Reine Demokratie wird nie funktionieren, solange die Mehrheiten nicht KLAR verteilt sind.

"Rein" ist sowieso nie etwas - nicht auf der Erde - und wie das genau organisiert werden wird, darüber muss man sich eben unterhalten. Mehrheiten werden sich dann schon ergeben, das lässt sich ja leicht feststellen, wer was meint. Dank Umfragefunktion sogar anonym.


In meinem Betrieb gibt es Situationen, in welchen ich die Mitarbeiter um ihre Meinung frage.

Das sind aber sehr oft persönliche, den Mitarbeiter betreffende Dinge.

Vom Rest wünschen sich die Mitarbeiter von mir, daß ich die Entscheidungen fällen möge.

Ist das jetzt schon Demokratie?


Nein. Du bist einfach ein netter Chef.

Demokratie ist, wenn schriftlich und offiziell verankert ist, dass du die Mitarbeiter zu diesen oder jenen Themen befragen musst und den Entscheid zu respektieren hast.

Welche Themen sinnvollerweise im Plenum entschieden werden, wem welche Rechte und Pflichten zustehen, darüber muss man natürlich sprechen.


Wenn dann alle 4 Jahre bei einer Wahl die Richtung geändert wird, weil ein Anteil “x" unzufriedener Wähler eher auf Veränderung als auf Bestand wählt, dann geht die Richtung flöten.


Ja, aber das haben auch nur jene, die ein Regierungssystem mit Regierung und Opposition haben. Man muss eben alle wichtigen Parteien in das Regieren einbinden, da ändert sich die Richtung auch nicht so schnell. auch nicht bei personellen Veränderungen. ;)

grüsse, barbara

barbara seiler
26.04.2010, 11:52
Die Aktionäre nutzen die (bescheidenen) demokratischen Instrumente, die sie haben - und die Spitze hört zu:

http://www.nzz.ch/nachrichten/startseite/die_fuehrung_der_ubs_in_der_zwickmuehle_1.5448018. html

Es war eine veritable Monsterveranstaltung. Mehr als 4700 Aktionäre der UBS, die fast 1,7 Mrd. Aktienstimmen vertraten, waren in die St.-Jakobs-Halle nach Basel gepilgert, um an der Generalversammlung der Grossbank ihre Verantwortung als Miteigentümer wahrzunehmen, ihren Willen kundzutun, der UBS-Führung ordentlich die Meinung zu sagen und wohl auch das erwartete Spektakel mitzuerleben. Ein Spektakel wurde es dann auch, eine «Chropfleerete» grösseren Ausmasses, mit vielen Dutzenden von Stellungnahmen, substanziellen ebenso wie emotionalen, solchen von notorischen Festrednern ebenso wie von bekannten Namen, etwa SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer oder Ethos-Chef Dominique Biedermann.

Ich wünsche dieser Entwicklung, dass sie blühen und wachsen darf, in der Überzeugung, dass sie im Sinne aller Beteiligten ist - der Unternehmen, der einzelnen Personen, die darin arbeiten und der Gesellschaft als Ganzes, national und global.

grüsse, barbara

barbara seiler
28.04.2010, 21:29
Ein Beispiel, das sehr interessant klingt - der Titel vom "7-Tag-Wochenende" scheint mir allerdings irreführend zu sein.

http://www.sein.de/gesellschaft/neue-wirtschaft/2010/die-befreiung-der-arbeit-das-7-tage-wochenende.html

Weltweit starren Manager fassungslos auf die Firma Semco (http://www.semco.com.br/en/): Was dort passiert, widerspricht allem, an was sie glauben. Die 3000 Mitarbeiter wählen ihre Vorgesetzten, bestimmen ihre eigenen Arbeitszeiten und Gehälter. Es gibt keine Geschäftspläne, keine Personalabteilung, fast keine Hierarchie. Alle Gewinne werden per Abstimmung aufgeteilt, die Gehälter und sämtliche Geschäftsbücher sind für alle einsehbar, die Emails dafür strikt privat und wie viel Geld die Mitarbeiter für Geschäftsreisen oder ihre Computer ausgeben, ist ihnen selbst überlassen.

Respekt als Erfolgsrezept



Was für heutige Personalchefs klingen mag, wie ein anarchischer Alptraum, ist in Wirklichkeit eine Erfolgsgeschichte. Seit das Unternehmen von Inhaber Ricardo Semler umgestellt wurde, stiegen die Gewinne von 35 Millionen auf 220 Millionen Dollar. Und nicht nur die Zahlen geben Semler recht, sondern vor allem die Mitarbeiter: Die Fluktuationsrate bei Semco liegt unter einem Prozent.

grüsse, barbara

Voksmund
20.06.2010, 14:17
Hallo Babara,

dieses Thema interessiert mich schon seit langem. Ich empfehle dir nur, falls du es noch nicht kennst, "Nach uns die Zukunft" von Hans A. Pestalozzi. (Danach vll. "Auf die Bäume ihr Affen", "M-Frühling")

Er griff dieses Thema schon vor 30 Jahren auf und hat schon damals
erkannt, dass dieses jetzige System die Macht zentriert. Sein Mentor
Gottlieb Duttweiler schuf damals die Migros (Firma). Als Duttweiler starb
veränderte sich die Migros, weg von den eigentlichen Ideen. M-Frühling
war eine Initiative um die Demokratie in dieser Genossenschaft wieder zu
fördern (heute: Sorgim). Die Migros ist heute einer der größten Firmen in
der Schweiz und teilweise ganz anständig in Fragen Ökologie/Soziales.

Bei dem Thema Demokratisierung der Firmen geht es nicht rein darum, alles demokratisch zu bestimmen, jedoch Wahlen zu schaffen und den
Mitarbeitern Mitbestimmungsrecht zu geben. Auch bei den großen Themen
wie Übernahme und Investition. Ein "Leitwolf" ist hierbei zu wählen, aber
ihm wird nicht die komplette Macht gegeben. Ebenso sollte dieser
abgewählt werden können. Nicht viel anders als es in der Politik ist.

Eine direkte Demokratie in den Firmen ist noch kaum zu verwirklichen.
Die Mitarbeiter sind dazu oftmals zu wenig interessiert. Möglicherweise
kommt irgendwann die Zeit, dass jeder Mensch einen Funken Interesse an
solchen Entscheidungen hat.

Einer Demokratisierung der Firmen ist jedoch nur zuzustimmen.
http://www.woz.ch/artikel/inhalt/2004/nr09/Schweiz/5109.html
Kritische und interessierte Käufer und Mitarbeiter benötigt dieser Prozess.
Mittlerweile hört man nur noch wenig davon. - Schade - :(

Ich hoffe, dass dieser Prozess bei größeren und großen Firmen
vor allem von aussen ins Gespräch kommt. Die Probleme der Schere, also
Machtverteilung, werden sonst immer größer.

PS.:

Es wird oft sehr leichtsinnig von "Verantwortung des Chefs" geredet.
Ich beziehe das mal auf die Manager der größeren Firmen. Wenn ich
von Verantwortung rede, dann werd ich wohl kaum Verantwortung
gegenüber den Mitarbeitern reden. Die werden einfach entlassen wenn es
der Firma schlecht geht. Verantwortung gegenüber den Spekulanten ist
auch etwas übertrieben, da diese ein Risiko eingehen und man damit auch
kaum von Verantwortung reden kann. Verantwortung gegenüber sich
selbst? Manager bekommen meist sogar eine gute Abfindung, und dass es
ihnen schlecht geht, braucht keiner behaupten... welche Verantwortung
dann?

Ein Chef bei einer Firma mit 10 Mitarbeitern? Davon muss man kaum reden,
denn da sind nicht die Probleme. Die Probleme liegen bei den großen Firmen, bei denen der Manager seine Pflichten erfüllen muss.

barbara seiler
20.06.2010, 21:54
Hallo Volksmund, herzlich willkommen!:blumen:

Hans A Pestalozzi ist mir natürlich ein Begriff, "nach uns die Zukunft" hab ich grad letzthin wieder mal gelesen; für die 80-er Jahre mags innovativ gewesen sein, aus heutiger Sicht hab ich eigentlich nur Selbstverständlichkeiten gelesen.

Demokratie in Unternehmen, sei es informell oder formell, das wird kommen, da bin ich mir sicher. Früher oder später...

grüsse, barbara

Voksmund
20.06.2010, 23:17
Hey Barbara,

findest du wirklich, dass es schon Selbstverständlichkeit ist?
- kritischerer Konsumen
- Sozialere Unternehmensformen
- Weg vom Kapitalismus
- Demokratische und Ökologischere Unternehmensstrukturen
- System erhält sich immernoch selbst

Für mich war das vor 3 Jahren auch sehr innovativ. :confused:
Na klar kommt es mir jetzt selbstverständlich vor... für mich...

Jedoch kennt nur ein kleiner Teil der Bevölkerung diese Probleme.
Ein noch viel kleinerer will diese Probleme lösen, da sie ihnen zu
ihrer Macht verholfen haben.

Ich denke die Problematik ist noch die selbe.
Glaube, dass es kaum Änderungen im System gab.

Ob es wirklich noch dazu kommt?
Ob nicht vorher die Marktwirtschaft einbricht?
Ob noch ein paar mal die Währung zerstört wird?
Ob das wirtschaftliche Prinzip nicht vorher als unfähig erklärt wird? :grins:

Grüße Voksmund

barbara seiler
21.06.2010, 09:23
Hallo Volksmund!

nun, es mag sein, dass ich vieles für gegeben annehme, was anderen noch neu sein mag.

Sozialere Unternehmensformen, das ist sicher ein Thema, das erst seit kurzem - also erst nach der Krise - aktuell geworden ist.

Aber Öko und kritischer Konsum und fairer Handel, das ist doch unterdessen nicht mehr nur was für Birkenstock-Apostel, sondern weit verbreitet.

Ob es wirklich noch dazu kommt?
Ob nicht vorher die Marktwirtschaft einbricht?
Ob noch ein paar mal die Währung zerstört wird?
Ob das wirtschaftliche Prinzip nicht vorher als unfähig erklärt wird?

nein, daran glaube ich nicht. Ich kann auch nicht genau sagen warum, aber es scheint mir einfach keine Option zu sein. Für niemanden.

grüsse, barbara

Roadrunnerfn
21.06.2010, 15:42
Hi Volksmund,


ich meld mich jetzt mal, obwohl ich gar befürchten muss, dass Du meine Pfeiler der kapitalistischen Ausbeutung niederreissen könntest (...man möge mir die Spitze verzeihen...ich konnte nicht anders)


Ob es wirklich noch dazu kommt?


Wenn, dann nur schleichend. Und nur so, wie sich die Wirtschaft darauf einstellen kann, mit einem anderen Bewusstsein Geld zu verdienen. Den Bossen ist es ziemlich egal, ob sie mit stinkigen Bolliden oder mit Ökostrom ihre Milliarden machen.


Ob nicht vorher die Marktwirtschaft einbricht?


Marktwirtschaft IST Kapitalismus. Der Antrieb der Marktwirtschaft ist der Profit. Was man erreichen könnte (aber dazu sind Menschen per se zu schlecht zu) wäre ein anderes Bewusstsein im Umgang mit den Worten "Zufriedenheit", "Profit", "Leben und leben lassen" etc.
Son Zeuchs halt.


Interessanterweise haben Bill Gates und Warren Buffet verkündet, eine grosse Spendenaktion unter den Reichen ins Leben zu rufen.
Sie selbst haben bereits einige Milliönchen dazu eingelegt, und Buffet meinte, er hätte dafür gesorgt, dass sein Privatvermögen zu 99% in soziale Projekte aufgehen würde.
Nun....wenn das stimmt, dann ist das ein Wort und ein wichtiges Zeichen.
Unnützes Geld nannte er die Kohle, die auf Privatkonten herumliegt und nur dem Ego des Besitzers dient.
ABER solches handeln ist vergleichsweise einfach, wenn man weiss, daß man schon morgen wieder mehr Geld besitzt, als DU oder ich je ausgeben können, selbst wenn Herr Buffet 100% seines P-Vermögens HEUTE verschenken würde.


Ob noch ein paar mal die Währung zerstört wird?

Das ist keine Frage ökonomischer Praxis, das ist reine Finanzpolitik. Wenn die Wirtschaft es will, wird ein Euro sterben. Will sie es nicht, wird er bestehen. Dass nur Spekulationsmotivationen dahinterstecken zeigt die Börsenreaktion auf die Griechenlandgeschichte:
Eigentlich wollten die Herren einen fast-Zusammenbruch herbeiführen, aber irgendwie hats dann doch nicht geklappt.....kein Wunder, denn Griechenland hat grade mal die Wirtschaftskraft des Saarlandes, eines der kleinsten Bundesländer in der BRD.
Somit hat man wenigstens das GEFÜHL, dass dieser Kapitalmarkt noch realen Werten zu folgen vermag, auch wenn wenn ein Sommermärchen mal kurz einen Schnupfen macht.


Ob das wirtschaftliche Prinzip nicht vorher als unfähig erklärt wird?


Das liegt letztlich nur an uns.
Das ist eines der wenigen Dinge, wo ich die Demokratie in der Wirtschaft wirkungsvoll sehe:
Wir, die Konsumenten entscheiden. Aber: wir tun es nicht!

DARUM: solange wir noch gute Musik nur wegen der Coverversion aus der Werbung kennen, solange wir unsere Tütensuppe rühren und mit dem Nachbarn einen "Ich habe das bessere Auto"- Wettkampf anzetteln, solange wir Nahrungsmittel zu uns nehmen, die mit Stoffen der Fa. "X" versetzt sind, um Jahre später Medikamente der Fa. "X" gegen die Nachwirkungen dieser Stoffe einzunehmen....solange wir dann Medikamente schlucken, die die Nebenwirkungen der Medikamente bekämpfen, die wir nehmen müssen, weil wir billigen (teuren!) Tütendreck essen......


Nun...wir FUNKTIONIEREN.


Und solange das so ist, halte ich -man möge mir den Ausdruck verzeihen- einen Dreck auf die Demokratie.
Die taugt nämlich nur, wenn sie bewusst und bedacht angewendet wird.

Bewusstsein und Bedachtsamkeit ist aber nicht allgegenwärtig, schlimmer noch, die Begriffe sind meist abgängig.

Und darum sage ich nochmal: ich will nicht von einem Volk demokratie-regiert werden, in dessen Gesellschaft die Bildzeitung das auflagenstärkste Blatt ist.


Grüssle

Frank