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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Bedeutung der Hoffnung im Christentum und in der spirituellen Praxis


Joan Eric Tanat
12.04.2010, 04:43
Eine der drei christlichen Tugenden ist die Hoffnung. Inwiefern, so frage ich mich, ist Hoffnung eine christliche Tugend? Wie kann man diese Tugend erwerben bzw. fördern? Welche Bedeutung hat Hoffnung? Warum hat man der Liebe und dem Glauben ausgerechnet die Hoffnung hinzugesellt?

Der Glaube hat als Symbol ein Kreuz, die Liebe ein Herz und die Hoffnung einen Anker. Warum ein Anker für die Hoffnung?

Papst Benedict XVI. setzt sich in seiner zweiten Enzyklika "Spe Salvi" (lat. "In der Hoffnung gerettet") mit dem Begriff "Hoffnung" auseinander. Versteht jemand, was uns der Papst damit sagen möchte?

Mir scheint, Hoffnung ist eine innere zuversichtliche Einstellung, dass alles gut wird. Aber ist das nicht dasselbe wie Glauben?

barbara seiler
12.04.2010, 08:36
Hi jet!

ist Hoffnung eine christliche Tugend?

Tugenden sind religionsunabhängig, auch wenn gewisse Traditionen sich gewisse Tugenden herauspflücken und diese genauer betrachten.

Der Glaube hat als Symbol ein Kreuz, die Liebe ein Herz und die Hoffnung einen Anker. Warum ein Anker für die Hoffnung?

keine Ahnung, Ich wusste noch nicht mal, dass der Anker ein Symbol für Hoffnung ist.

Papst Benedict XVI. setzt sich in seiner zweiten Enzyklika "Spe Salvi" (lat. "In der Hoffnung gerettet") mit dem Begriff "Hoffnung" auseinander. Versteht jemand, was uns der Papst damit sagen möchte?

nein, ich hab sie nicht gelesen. Was sagt der Papst denn dort drin?

(Ihc würde meinen, er sollte es auf alle Fälle selbst wieder lesen, in der aktuellen Bredouille, in der er sihc befindet...:D)

Mir scheint, Hoffnung ist eine innere zuversichtliche Einstellung, dass alles gut wird. Aber ist das nicht dasselbe wie Glauben?

Glaube muss nicht zuversichtlich sein. Man kann zB auch glauben, dass alles immer schief läuft.

grüsse, barbara

Roadrunnerfn
12.04.2010, 22:58
Ich denke, der letzte Satz trifft zu:

Seinen Glauben in etwas zu legen heisst, seine Hoffnung dahin zu legen.

Egal an was ich Glaube, seien es Religionen oder Naturwissenschaften, Gott oder den Mamon, so ist hinter diesem Glauben stets die Hoffnung, es möge mir zum Guten gereichen.

Und selbst im Glauben daran, dass etwas schief läuft, steckt die Hoffnung, es möge nicht so sein.

Wäre dies alles sicher vorhersehbar so würden wir nicht hoffen, nicht glauben, sondern WISSEN.

WISSEN benötigt keinen Glauben (lediglich den an die Regeln, die zu diesem Wissen führen), und ganz schlimm: keine Hoffnung.

Menschen, die denken, alles oder fast alles zu wissen oder wissen zu können, verarmen im Geist.




Am Ende ist unser Dasein nur ein Glaube. Entspringt es gar aus der Hoffnung, die Wirklichkeit möge GENAU SO und nicht anders sein?



Grüssle

Frank

Theo
13.04.2010, 17:12
Am Ende ist unser Dasein nur ein Glaube. Entspringt es gar aus der Hoffnung, die Wirklichkeit möge GENAU SO und nicht anders sein?



Es gibt also eine Verbindung zwischen Glaube, Hoffnung, Dasein und Wirklichkeit. Ein nettes Gedankenspiel, dass unser Dasein dem Glauben entspringt, der wiederum auf der Hoffnung basiert, wir sind wirklich.

Zweifellos ist ein Leben ohne Hoffnung nicht vorstellbar, da diese die letzte Motivation ist. Es heißt nicht umsonst „die Hoffnung stirbt zuletzt“, denn wo keine Hoffnung ist, ist bewusstes Leben nicht möglich. (ich schätze, eine Blume hofft nicht auf Sonne, sondern lebt einfach solange ohne Licht wie möglich und stirbt dann).

Ich persönlich würde Hoffnung mit Zuversicht gleichstellen. Selbst wenn ich mitten in der Wüste kurz vor dem Verdursten bin, bin ich hoffnungsvoll, bald Wasser zu bekommen. Ohne diese Zuversicht kann ich mich auch direkt niederlegen und auf den Tod warten. In unserer Gesellschaft wäre mein Platz zum Niederlegen dann wohl ein Gleis der Deutschen Bahn.

Ob unser Dasein allerdings dem Glauben entspringt, ist diskussionswürdig.

Glauben wir, dass wir hier sind oder wissen wir, dass wir hier sind?

Oder glauben wir nur zu wissen, dass wir hier sind?

Oder entspringt der Glaube unserem Unwissen über unser Dasein?

Wenn das Wissen den Glauben ersetzen würde, wäre es dann das Ende der Hoffnung und damit unseres Daseins?

Wobei sich die Frage stellt, ob die Antworten auf die Fragen sich ausschließen oder ergänzen. Im Idealfall muss es ja eine einzige Antwort geben, die diese Fragen trotz ihrer (scheinbaren?) Widersprüchlichkeit zufriedenstellend übereinstimmend beantwortet.

Ich habe keine Antwort, hätte aber gerne eine. :D

Her damit!:saugblumen:

Roadrunnerfn
13.04.2010, 21:20
Hi Theo,

das ist ja ein ganz heisses Thema!

Interessanterweise können wir unter den menschen die unterschiedlichsten Strömungen und Meinungen verfolgen, und am Ende stehen alle vor derselben Frage.

Wie die Sprachen auf der Welt sich oft nicht gegenseitig verstehen lassen, so scheint bei jeder Gruppierung die letztendliche Frage andersartig und oft einem selbst fremd zu sein.

Am Ende sind sie alle gleich.

Die Frage nach der Henne und dem Ei....sie beinhaltet das ganze Problem.
Und: sie ist nicht beantwortbar.

Das heisst: ich kann Dir keine Antwort bieten.

Sieh auf die Naturwissenschaftler, wie sie versuchen, kleine Momente aus dem zeitlosen Akt des Urknalls zu erforschen.
"Singularität" nennen sie es, und sehen im selben Satz, daß alles, was sie erkennen können, keine Singularität mehr ist.

Bei aller geistigen Kapazität dieser Leute wundere ich mich immer wieder, wenn sie sich zu Fragen nach "was war vor dem Urknall?" auslassen.

Oder die Priester, die versuchen ihre Schäflein in der Herde zu halten, indem sie unverständliche Regularien ansetzen und unter der Drohung der ewigen Verdammnis die Einhaltung dieser Regularien erpressen.

Ist nicht jedes Gebet, das wir in der Hoffnung auf Schutz und Hilfe sprechen mehr wert, wenn es innig ist und echt...ehrlich und tief; ist das nicht mehr wert als zig millionen heruntergeleierte Psalmen oder Vaterunsers.

Und selbst ein Glaubenbekenntnis ist nichts anderes als ein Parteibuch.

Mir drängt sich immer mehr der Verdacht auf, dass wir separieren müssen:

menschliches Leben hier in unseren Universum
und
Wahrheit.

Zu letzterem fürt nur ein Pfad der Hoffnung und des Glaubens. Oder nenn es Zuversicht, es macht keinen Unterschied:

Unser bewusstes Denken möge nicht umsonst sein und die Welt möge mehr für uns bereithalten als ein Leben zwischen Zeugung und Tod.

Die Wahrheit scheint immer klarer zu werden: es ist die Singularität, nach der auch unsere Forscher suchen:

Das EINE.

Das ALLES.

Hawkins sagt: AN-Wesen

Etwas Unerkennbares, weil es keine Unterscheidungsmerkmale für uns bereithält, aber ALL-seiend und AN-wesend. In allem.

Wir meinen immer, einen Startpunkt suchen müssen. Von wo aus die weltlich-wirklichen Kausalketten starten könnten.

Seht auf das einfache Spielbrett:
Selbst die Startpunkte sind auf Pappe gedruckt und alles andere als Singularitäten. Ja, mehr noch, man muss sich erst aufstellen und vorbereiten auf das Spiel. Selbst der Gedanke spielen zu wollen setzt eine Vorstellung von Spiel voraus, und: ein Gehirn, das ihn denkt.

Nein, Glauben und Hoffnung hat mit alledem nichts zu tun. Glaube ist in seiner reinen Form völlig singulär, und darum sage ich: vielleicht deshalb der Ursprung unseres Seins.

Unsere Wahrheit



Grüssle

Frank

Theo
15.04.2010, 17:32
Wir meinen immer, einen Startpunkt suchen müssen. Von wo aus die weltlich-wirklichen Kausalketten starten könnten.

Hey Frank,

ich muss noch „einen drauf setzen“:

Letztendlich ist die bestimmende Variable die ZEIT. Ausgehend von einer theoretisch möglichen Eliminierung dieser Variablen, gäbe es weder einen Start- noch einen Endpunkt, weil sich ja alles auf einen „Zeitpunkt“ (beliebig) beschränkt. Dieser „Zeitpunkt“ ist dann eine Singularität. Eine Singularität, in der wir leben, welche wir aber nicht als solche wahrnehmen können, weil dieses außerhalb unserer Fähigkeiten liegt; wir de facto ja an die vier uns sichtbaren Dimensionen gebunden sind.

Wie können wir hoffen, uns daraus zu lösen?

Roadrunnerfn
15.04.2010, 21:28
Theo,


interessant: denn sagen nicht alle spirituellen Lehrer: lerne im JETZT zu leben. Das werden wir nie schaffen, weil es unmöglich ist. Das theoretische "Jetzt" ist zeitfrei, damit würde der Raum und somit die Welt sich auflösen....
Das praktische Jetzt aber ist sehr heilsam: es ist der Kompromiss zwischen dem krassen Jetzt und jenen Gehirn-Gefängnissen, die wir in uns allen in Vergangenheit UND in der Zukunft unterhalten: Ängste, Verzweiflung, Hass, Trauer. Natürlich ist es gut, sich an was schönes zu erinnern, aber freuen tun wir uns dennoch im jetzt.
Das heilsame Jetzt ist also eine kurze, überschaubare Zeitspanne um unsere Gegenwart herum, in der wir unsere Identität aufgrund fictioneller oder historischer Gedanken nicht verlieren.

Leben im JETZT. In unseren 4 Dimensionen (zumindest den 4 die wir kennen)

ich glaube, das Geheimnis dahinter ist die Erkenntnis, dieses NICHT auflösen zu müssen.

Sondern zu sehen, daß wir als Menschen in einem solch 4-dimensionalen Raum-Zeitgefüge existieren, und dass dieses halt eben mit dazu gehört.

Eigentlich klingt es ja dann auch ganz logisch: die sinnbildliche Umkehrung der Singularität: in Dualität, Multi--la--li--lölität, Kausalketten....

Es WIRD etwas Erkennbares, das von etwas anderem Erkennbaren erkannt werden kann:

bewusstes Leben (durchaus weiter gemeint als "menschlich", die Blume dreht sich auch zum Licht...)

Woher aber kommt das?

Aus dem Nichts, das ein ALLES und ein NICHTS ist.
Was für ein fürchterliches Gefasel, sollte man meinen.

Nein. Wir sollten uns mit dem Gedanken vertraut machen, dass es eine Wahrheit hinter allem gibt, die wir nicht begreifen können...weil sie nicht begreifbar, nicht greifbar und nicht angreifbar ist.

Sie ist EINIG, singulär. Nicht unterscheidbar von etwas anderem. Deshalb in ALLEM als Grund desselben. Weil Alles aus dem Einen kommt.

Ich glaube gar, daß unser "herkömmliches", bewusstes Denken uns hierbei regelmässig einen Strich durch die Rechung macht.

Es ist egal ob wir unser Bewusstsein zu erweitern versuchen, in dem wir saufen, was rauchen oder schnupfen.....auch der "reine" Orgasmus der Lebensfreude, wenn verklärt dreinschauende Menschen barfuss und jauchzend über eine Sommerwiese tanzen:

Das sind alles nur oberflächlichste Indizien. Viel wahrer schon, viel näher unserem SEIN, aber:

Nur Potentialpunkte des Zweifels an der absoluten Wahrheit des materiellen Seins.



Es gibt eine Quelle, die EINS ist.



WIE TIEF diese Konsequenz ist, vermag ich im Moment nur zu erahnen.


Grüssle

Frank

Joan Eric Tanat
16.04.2010, 01:13
Wir sprechen von den 3en: Hass, Angst, Traurigkeit. Diesen stelle ich gegenüber Liebe, Glaube, Freude. Hoffnung hat etwas von Demut, denn wer hofft, ist klein. Mitleid macht klein und ist liebevoll. Hoffnung zeugt von Bescheidenheit. Hoffnung ist eine Tugend in der Not.

Was ist Tugend? Tugend ist Tat. Das Kleine wie das Große behandeln, das Hässliche wie das Schöne, das Böse wie das Gute. (z.B. Phantasie wie Wirklichkeit behandeln, Feinde wie Freunde behandeln, Leid wie Heil behandeln.)

Glaube an das Schlimme wäre nicht Glaube, sondern Misstrauen, Angst. Glaube ist Liebe ist Freude. Es gibt nur Glaube (an das Gute). Jeder glaubt an das Gute. Jeder weiß, dass alles gut ist. Jeder liebt jeden. Wir sind uns einig, denn wir sind eins.

barbara seiler
16.04.2010, 08:20
interessant: denn sagen nicht alle spirituellen Lehrer: lerne im JETZT zu leben. Das werden wir nie schaffen, weil es unmöglich ist. Das theoretische "Jetzt" ist zeitfrei, damit würde der Raum und somit die Welt sich auflösen....

Ich würde sagen, es geht eher darum zu erkennen, dass die Zeit - wie auch der Raum - Illusionen sind. Unsere Theaterbühne.

Es gibt nur "hier und jetzt" - alles andere ist ein Konstrukt, nicht real. Auch wenn diese Konstrukte natürlich grosse Überzeugungskraft haben.



Natürlich ist es gut, sich an was schönes zu erinnern, aber freuen tun wir uns dennoch im jetzt.

Bei Mesnchen, die gerade sich an etwas Vergangenes erinnern oder sich intansiv mit der erwarteten, erhofften oder gefürchteten Zukunft beschäftigen, ist festzustellen, dass sie oft nicht wahrnehmen, was hier und jetzt um sie herum gerade passiert - möglicherweise Dinge, die ihr Kopfkino wesentlich relativieren würden.



Nein. Wir sollten uns mit dem Gedanken vertraut machen, dass es eine Wahrheit hinter allem gibt, die wir nicht begreifen können...weil sie nicht begreifbar, nicht greifbar und nicht angreifbar ist.

Greifen kann man sie wohl nicht - auch nicht in Worte sperren, einfangen, mental beweisen - aber erleben kann man sie. :) Sich selbst als einig zu fühlen - auf der konkreten körperlichen Ebene nur schon, zu fühlen wie alle Organe und Körperteile und Zellen als EINS zusammenarbeiten - ist grossartig.

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Zur Hoffnung: im Tarot, in einer Legefigur namens Keltisches Kreuz, gibt es eine Position, die heisst "Hoffnungen und Ängste" - also die Erwartungen an die Zukunft, die sowohl positiv wie negativ sein können...


grüsse, barbara