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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Berufswahl


barbara seiler
25.03.2010, 11:34
Hi zusammen!

Jetzt ärgere ich mich grad ein wenig.

In den letzten Tagen begegne ich häufig Aussagen, wo es sich darum dreht, dass man bei der Berufswahl "vernünftig" sein müsse. Dass es nicht möglich sei, seiner Berufung zu folgen. Und dann werden listenweise Gründe aufgezählt, warum das, wozu man gut geeignet und begabt und auch schon teilweise ausgebildet ist, nicht zum Beruf machen könne.

Was ist eigentlich los?

Wenn wir uns etwas umschauen, so stellen wir fest: die soliden Berufe, die langweiligen Berufe mit Existenzgarantie, die gibts einfach nicht mehr. Es gibt nur noch sehr wenige Berufe, bei denen man sagen kann: tue dies, tue das, da wirst du immer ein Einkommen haben. Die Zeit der Massenberufe ist vorbei. Es gibt nunmal tonnenweise Bürofräuleins, die Konkurrenz ist riesig in dem Bereich. Es gibt immer mehr qualifizierte Handwerker - Maurer, Elektriker, Schreiner und so weiter - die finden keine Arbeit mehr. Zumindest keine feste Arbeit.

Die Industrieberufe verschwinden von hier. Dienstleistungsberufe sind im Kommen, die brauchen aber neue Fähigkeiten und neue Ausbildungen. Handwerkliche Berufe mit grosser Spezialisierung werden auch wieder mehr im Kommen sein. Ingenieure auch...

Also: die Unsicherheit ist da - und da erlebe ich diese Unsicherheit doch lieber in einem Beruf, der mir entspricht, als in einem Beruf, der mir nicht entspricht.

An vielen Orten wird allerdings so getan, als ob immer noch alles wie früher wäre... wie kann man nur so blind sein? So sehr an etwa Altem festhalten, das ganz offensichtlich nicht mehr da ist? Ich versteh das nicht. Ihr?

grüsse, barbara

Roadrunnerfn
25.03.2010, 13:43
ich habe auch nicht meinen Traumjob.

Mein ehemaliger Traumjob (Lokführer...was sonst??) ist ein Albtraumjob, und irgendwie muss man ja ein Geld verdienen.

Ich sage: es kommt weniger darauf an, WAS man tut, es ist viel wichtiger, WIE man es tut.

Sollte es mich eines Tages treffen, dann werde ich auch Klos putzen, oder noch schlimmer, Manager sein.

ich würde stets versuchen, im Rahmen meiner Möglichkeiten den Job so gut als möglich auszufüllen.


Grüssle

Frank

barbara seiler
25.03.2010, 14:43
Hi Frank

du bist doch schon Manager, oder etwa nicht? Als Mit-Chef einer Firma?

irgendwie muss man ja ein Geld verdienen.

ja. Das ist der springende Punkt.

Früher konnte man noch sagen: werd Buchhalter. Werd Bäcker. Da hast du auf Lebenszeit ein Einkommen, wenn du dich nur halbwegs intelligent anstellst.

Heute stimmt das nicht mehr. Für jede Stelle bewerben sich zum Teil hunderte von Leuten - war auf alle Fälle so, wenn ich mich für eine kaufmännische Stelle beworben habe. Überall warens zweihundert, dreihundert Bewerbungen, wenn ich nachfragte.

Also: wenn es schon keine Sicherheit mehr gibt, dann mach ich doch, was ich gut kann. Was mir gefällt. Wo ich auch gern arbeiten gehe, wenn ich mal einen Auftrag bekomme...

ich weiss ja nicht, was Dir am Lokführer so gefallen hat, aber immerhin bist du um Maschinen herum, du kannst tüfteln, es rattert, es läuft, du dirigierst... So weit weg von deinem Bubentraum scheinst du gar nicht gelandet zu sein.

ich würde stets versuchen, im Rahmen meiner Möglichkeiten den Job so gut als möglich auszufüllen.

ja. Doch dafür musst du einen Job haben. Jemand anders wünscht, dass du etwas für diese Person tust, und ist bereit, dafür Geld zu bezahlen... Klo putzen können so viele, auch da dürfte es nicht ganz einfach sein, überhaupt eine Stelle zu finden. Besondes dann nicht, wenn man vorher schon mal etwas gemacht hat, das als anspruchsvoll gilt.

grüsse, barbara

Celestine
26.03.2010, 10:16
Wir sind mit dem Thema besonders durch unsere Kinder konfrontiert.

Der Älteste hat sich lange schwer getan mit der Berufswahl. Wir haben immer wieder mit ihm zusammen überlegt, was er gerne macht, und was man daraus beruflich machen kann. Sein Praktikum hat er bei der Lebenshilfe gemacht. Er hatte von Anfang an große Lust dazu, und täglich kam er noch begeisterter von der Arbeit nach Hause. Der Sozialtherapeutische Bereich liegt ihm sehr. Er wollte jedoch liebend gerne Geschichte und Philosphie studieren weil ihn das brennend interessiert, hatte aber Sorge, damit hinterher keinen Job zu finden, der zu ihm paßt. Nun habe ich in ihm immer schon einen guten Lehrer gesehen, er selbst allerdings nicht. Auf jeden Fall hat er das Studium vor 1 1/2 Jahren angefangen, und dann war für ihn ganz schnell klar: Jawoll, ich werde Lehrer!

Die Mädchen sind in der 9. und 7. Klasse. Für die Ältere ist das Thema späterer Beruf schon jetzt immer im Gespräch. Sie kann gut fotografieren, auswendig lernen, hat ein Sprachentalent und ist sehr attaktiv und auf natürliche Art selbstbewußt. Sie kann sich gut organisieren und strukturiert und gradlinig vorgehen. Ihr Weg geht mit ziemlicher Sicherheit in Richtung Medien / Reisen und Kommunikation. Wir schauen zusammen, was es da so alles gibt, und wo sie via Praktikum schon einmal hineinschnuppern könnte.

Mein Mann ist ja Architekt, und hat vorher Schreiner gelernt. Der Mann kann anpacken (sowohl geistig als auch tatkräftig) und hat ein sehr gut ausgeprägtes räumlichen Vorstellungsvermögen, sowie Phantasie. Außerdem kann er sich unglaublich gut Dinge merken (außer wenn ich ihn damit zugetextet habe...). Gebaut wird immer. Außerdem ist er Weltmeister im Smalltalken! Beste Voraussetzungen um mit (fast) jedem Bauherren klar zu kommen.

Ich schiele ein bisschen neidisch auf meine Lieben herüber. Ich selbst habe damals "aus der Not heraus", schnell einen guten und sicheren Job, den man immer wieder gebrachen kann, zu erlernen, Industriekauffrau gelernt. In der Modeindustrie, in der ich meine Ausbildung genossen habe, hat das richtig viel Spaß gemacht! Im Bereich Maschenbau, wo ich jetzt seit 10 Jahren tätig bin, ist das überhaupt nicht mein Ding!!!

Wenn ich heute noch einmal die Wahl hätte (und ich weiß, dass ich sie immer habe, und er Zeitpunkt wird kommen...!!!) dann möchte ich etwas mit den Händen tun! Und viel draußen sein! Vor allen viel in Bewegung sein. Dieses Schreibtischsitzen und Computerarbeiten ist für mich erledigt. Das will ich nicht mehr (außer im privaten Bereich mit freiwilliger Dosierung).
Ich habe Ideen, dabei geht es auch um Dienstleistung, auch um Kreativität, um Lebenshilfe, um Kommunikation... alles noch nicht konkret und auf den Punkt gebracht, aber das gährt schon seit vielen Jahren vor sich hin. Es wächst zusammen mit meinen Lebenserfahrungen. Und irgendwann wird´s geboren werden.

Astrid

barbara seiler
26.03.2010, 14:40
Maschenbau? du meinst möglicherweise Maschinenbau...?:gruebel:

ich wurde heute wieder mit meiner Berufswahl konfrontiert... und dem Satz "Man muss eben etwas arbeiten, um zu verdienen, auch wenn das nicht immer gefällt".

jaja, schön und gut, aber eben: zuerst muss man mal jemanden haben, der einem Arbeit gibt. Und bei meinem eher chaotischen Lebenslauf ist das nicht so einfach...

grüsse, barbara

Celestine
26.03.2010, 18:07
Öhm, ja, Maschinenbau :D hab noch mehr Vertipperchen gefunden bei dem was ich heute geschrieben habe... egal!

Also ich spiele ja mit dem Gedanken, demnächst noch einmal eine neue Ausbildung zu machen (Deutschland halt, ohne Schein geht´s hier nunmal nicht). Wäre das nicht auch etwas für Dich, Barbara? Als Azubi verdient man ja schließlich auch etwas - bzw. vor allem mehr als garnichts!

barbara seiler
26.03.2010, 18:37
Hi Celestine

Was Neues lernen? hm, ich hab erst grad eine Ausbildung abgeschlossen, mir reicht's für den Moment mit Lernen... Kunst machen, das reizt mich. Fotografie und Mode und Nähen. Gern auch im Dreck rummatschen und schnitzen und schmieden und und und.

Allerdings für all die *vernünftigen* Dinge wie Scheine machen fühl ich mich im Moment radikal untauglich. Es muss was Anderes her. Und schnell. Etwas Lukratives. Da muss es doch etwas geben, hab ich das Gefühl... und das gar nicht weit weg. Ich such nur noch am falschen Ort. Es muss etwas sein, das in Griffnähe ist, nur krieg ich es nicht mit, weil es zu offensichtlich oder zu naheliegend ist...

grüsse, barbara

Celestine
27.03.2010, 09:20
Hi Barbara,

stimmt, daran hatte ich nicht gedacht, Du hast ja gerade eine Ausbildung hinter Dir.... aber jetzt tust Du damit gar nichts bzgl. Geldverdienen? Verstehe ich das richtig?

Was anderes: Kennst Du "DaWanda"? Ich weiß nicht, wie gut die Geschäfte da laufen, ich selbst habe dort noch nie etwas gekauft, gehe mir aber gerne ab und an mal die schönen SELBSTGEMACHTEN Sachen anschauen:

http://de.dawanda.com/

Vielleicht gibt es etwas, was Du dort anbieten kannst?

Liebe Grüße,
Astrid

barbara seiler
28.03.2010, 12:01
Hallo Astrid!

nun ja, das mit dem Lightbody Qi... das ist so etwas Spezielles - durchaus im positiven Sinn, so aussergewöhnlich - da hab ich noch jede Menge Widerstände drin. Es geht sehr nah. Und auch wenn ich die Prüfung geschrieben und bestanden habe, so muss ich noch einige bestimmte Übungen machen und diese nachreichen, bevor ich wirklich und definitiv abgeschlossen habe.

Aber meine über meine nächsten Schritte bin ich mir klar geworden, es ist eine Entweder-Oder-Frage, und je nachdem, wie die Antwort lautet, werde ich weiter fahren. Am Dienstag weiss ich das.

Dawanda kenne ich nicht, aber etwas Ähnliches auf Englisch, www.etsy.com, für selbst gemachte Dinge... da hab ich auch schon mal ein Schmuckstück gekauft. :) Aber nein, da hätte ich auch gar nichts anzubieten.

Jetzt erst mal noch gründlich darüber nachdenken, was ich im Gespräch von morgen sagen werde und es schon mal "obendrüber" üben, dann auf die Antwort am Dienstag warten, dann weitergehen...

grüsse, barbara

Roadrunnerfn
28.03.2010, 15:56
Ich wünsche Dir viel Glück.

Und auch wenn ich ab und an das Gefühl nicht loswerde, dass Du dieses Auf und Ab brauchst, so wünsche ich Dir doch etwas mehr Ruhe. Nur ein paar Monate ruhiges, stetes "Auf".


Grüssle

Frank

barbara seiler
28.03.2010, 16:12
Hallo Frank!

vielen Dank für die guten Wünsche, ich weiss das sehr zu schätzen. Es gibt mir warm und ist sehr behaglich. :)

Und auch wenn ich ab und an das Gefühl nicht loswerde, dass Du dieses Auf und Ab brauchst, so wünsche ich Dir doch etwas mehr Ruhe. Nur ein paar Monate ruhiges, stetes "Auf".

Kann sein, dass ich es brauche. Ich denke, ich habe gelernt, nicht mehr zu warten, bis der Karren vor die Wand gefahren ist - sondern vorher zu handeln. Solange ich noch selbst entscheiden kann. Ich bin angstfreier und handlungsfähiger geworden, als noch vor relativ kurzer Zeit.

Ich weiss nicht, ob "Ruhe" das Richtige ist für mich, aber ich denke, es ist an der Zeit für andere Arten von Herausforderung. Für andere Arten von Aktivitäten. Ich habe neue Möglichkeiten gelernt, mit Dingen umzugehen. Ich habe gelernt, zu telefonieren. Was nach etwas lächerlich Kleinem klingen mag, was aber ein extremer Schritt ist für mich. Da sind eine Menge Begrenzungen einfach nicht mehr da. Ich habe viel mehr Ruhe in mir selbst als früher, und diese Ruhe nehme ich gern. un mit "früher" meine ich: vor einem halben Jahr, also wirklich ein kurzfristiges "früher"...

nun ja, ich bin gespannt auf das, was kommt, was sich da alles entwickeln wird.

grüsse, barbara