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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Erleuchtung oder Erlösung?


Theo
08.06.2009, 17:23
Hallo Allerseits,
Ich hatte ein paar Tage Funkstille, denn ich habe erst mal weiter versucht, mich zu ordnen. Was mir nur teilweise gelungen ist. Ich habe noch vieles gelesen. Der Titel passt auch nur bedingt zum Thread. Sorry.

Es gibt soviel Müll über das Thema, dass man echt viel sichten muss um wenig zu finden…
Mittlerweile ist es aber eher so, dass ich etwas darüber suche, was ich als wahr akzeptiere. Ich suche also nach dem, was ich wahrnehme (fühle, glaube, weiß, bin) in den Texte von anderen Menschen. Allerdings kann ich häufig nur Ansätze finden, alles, was weiter geht verliert sich in Metaphern und Bildern. Oder es erscheint mir falsch.
Z.B. das, was in der Kirche als Dreifaltigkeit bezeichnet wird: Mal ganz offensichtlich betrachtet, muß ich aus meiner Perspektive feststellen, dass das doch eigentlich EINS ist und nicht drei. Aber das sagt keiner (oder wahrscheinlich hab‘ ich’s nicht gefunden). Und dann dies ganze „Gott will, Gott sagt,…“: ist doch totaler Quatsch: Gott ist. Punkt. (Ich meine „Gott“ als das, was es ist, wie schon mal gesagt, meinetwegen auch Allah, großes Bewusstsein oder Abrahams großer Suppenkessel). Oder soll das dazu dienen, den Leuten eine Vorstellung von Gott zu vermitteln? Das ist doch ganz verkehrt! Es ist alles EINS, alles EINS IN EINEM. Das sollte man vielleicht mal versuchen‚ rüber zu bringen. Die Aufgeteilte Betrachtung der Welt ist doch falsch, also ganz das Gegenteil von der Wahrheit.
Das sollte jeder sehen können, der die Augen aufmacht.
Ach ja: was ist eigentlich der Unterschied zwischen Erleuchtung und Erlösung und Erwachen?
Meine Gedanken sind nicht sonderlich zusammenhängend, oder?
Ich habe das Gefühl, mein Kopf ist zu klein.
Liebe Grüße - Theo

barbara seiler
08.06.2009, 21:53
Hallo Theo :)

ich antworte mal aus meiner Perspektive... und auch hier: glaub mir gar nichts, prüfe selbst, was sich gut anfühlt und was nicht.;)

das, was in der Kirche als Dreifaltigkeit bezeichnet wird: Mal ganz offensichtlich betrachtet, muß ich aus meiner Perspektive feststellen, dass das doch eigentlich EINS ist und nicht drei.

Das wird schon gesagt: eben der dreiEINIGE Gott. Man kann die Dreiheit als Modell verstehen, um besser über das Wesen Gottes sprechen zu können. Obwohl mir scheint, dass das Konzept der Dreifaltigkeit mindestens so viel Verwirrung geschaffen hat, wie sie an Klarheit bringt.:D

Ich muss mal bei nächster Gelegenheit wieder mal meinen Artikel zur Dreieinigkeit hervorkramen, den ich mal geschrieben hatte, falls es dich interessiert...

Und dann dies ganze „Gott will, Gott sagt,…“: ist doch totaler Quatsch: Gott ist. Punkt.

Stimmt, in der üblichen Sprechweise "da ist ein allmächtiges Wesen, eine Art Übervater oder Super-Big-Brother, der mir Dinge befiehlt und der Dinge wünscht" ist das Unsinn.

Oder soll das dazu dienen, den Leuten eine Vorstellung von Gott zu vermitteln? Das ist doch ganz verkehrt!

nun ja. es heisst ja, Du Sollst Dir Kein Bildnis Machen (http://www.spiriforum.net/artikel/a29-zehn-gebote.html#bildnis), andererseits ist es unmöglich, sich kein Bildnis zu machen - nur schon die Buchstabenfolge "GOTT" ist ein Sprach-Bild.

Für brauchbar hat sich die Formulierung erwiesen: sei dir bewusst, dass alles, was du von Gott zu fassen kriegst, immer nur ein Bildnis ist - deine Perspektive. Nie das Ganze.

Das sollte man vielleicht mal versuchen‚ rüber zu bringen.

Das haben, glaub ich, alle Stifter von Religionen versucht, aber es hat sich immer ergeben, dass ihre Aussagen verdreht wurden...:p

Das sollte jeder sehen können, der die Augen aufmacht.

hm. Nicht alle haben die Augen, um zu sehen. Und ja, ich empfinde es auch immer wieder als schmerzhaft, wenn das, was für mich offensichtlich und einleuchtend ist, es für andere gar nicht ist.

Ach ja: was ist eigentlich der Unterschied zwischen Erleuchtung und Erlösung und Erwachen?

eine offizielle interreligiöse Nomenklatur gibts nicht. Es kann aber durchaus ein Prozess definiert werden, der durchgangen wird, und gewisse Stufen können mit diesen Worten benannt werden. Aber eben, da gibts kein Standard...

Ich habe das Gefühl, mein Kopf ist zu klein.

ist ein hervorragendes Zeichen. :)

grüsse, barbara

Roadrunnerfn
08.06.2009, 22:20
Hi Theo,

ja, kein Zweifel, unsere Köpfe sind zu klein.
Einer der Gründe, warum ich mir sicher bin, daß wir uns durch "Erdenken" nur Pfade schaffen können.
Ich kanns Dir so gut nachfühlen!
Es ist meine Welt!
Ich MUSS denken, um zum SEHEN zu kommen.

Was Du schreibst ist das bekannte Problem der Religionen:
aus der Geschichte heraus, aus Traditionen heraus haben sich Rituale und Begriffe eingebürgert, die AN SICH nix schlimmes an sich hätten.

Was ihnen geschieht ist eine stupide Verselbstständigung, in der der SINN beginnt, in den Hintergrund zu treten.
Von ihrer Wohltätigkeit überzeugt predigen Priester von Dingen, die NICHTS mit dem Ursprung zu tun haben. Wohlgemerkt, ich verurteile sie nicht! Sie sind in diesem Glauben, in dieser Überzeugung und den Ritualen, der Tradition aufgewachsen!

Am WE war ich wandern. Und wieder einmal sind mir einzelne Grashalme aufgefallen. Einzelne Blumen in ihrer unbeschreiblichen Schönheit.
Und wieder explodierte meine Welt:
-die Blume daneben ist dasselbe Wunder!
-der Grashalm auch..und noch einer
-ein ganzes Büschel Grashalme...eine Wiese voller Blumen
-ein Berg voller Wiese
-eine Landschaft voller Berge und Täler
-Milliarden von Blumen und Halmen
-Schafe, Kühe...Menschen....

...und unser kleines Hirn soll also in der Lage sein, dieses Wunder en detail zu erfassen!?!?
Jedes Quentchen...ALLE Quentchen, um ALLES zu verstehen!

UNMÖGLICH!

Wir sind mittendrin. Wir sind EINS damit. Genau!

So mag Dir dieser Rat vielleicht weiterhelfen:
Die neue Welt zeigt uns die Grenzen unseres menschlichen Fassungsvermögens auf. Sie zeigt uns die Grenzen des Verstandes.

Lass sie zu, diese Grenzen. Kämpfe nicht gegen sie.

Jenseits gelten nur andere Spielregeln, und Du darfst mitspielen, wenn Du die anderen Regeln anerkennst.

Es ist ganz einfach. Aber ich kanns auch nicht.

Hier, bei uns, unter Menschen, gelten Regeln unterschiedlicher Welten. Die einen sind logisch, verstandesbeschlagen.
SIE meinen wir zu kennen.
Die anderen folgen nicht unserem Denken. Sie folgen unserem SEIN.
Es ist eher ein Gefühl als ein Denken.
Wir können nicht ohne Zeit, ohne Raum denken.
Aber es sind Trugbilder, Zeit..und Raum...sie gelten nur HIER. Es ist EINE Welt.

Ein Gedanke hat zweierlei Gesicht:
die Idee, die Information darin ist zeit- und raumlos.
der neuronale Impuls jedoch ist messbar. Er bewegt sich auf einer Zeitschiene in einem begrenzten, existenten Raum.

Der neuronale Impuls ist unser Werk. Er macht uns wahrnehmend, er macht uns "in der Welt seiend", vielleicht macht er gar die Welt um uns herum.

die Idee, die Information ist DA. SIE ist die Urkraft, die göttliche Motivation des Lebens.
SIE können wir nicht erdenken.

Nur glauben, daß wir richtig sehen.

Mein Körper ist Gottes Sohn, nach seinem Bilde Mensch geworden, erfüllt vom Heiligen Geist. Eine heilige Dreieinigkeit.
Daraus ist die Welt.

Siehe!
Es ist eine neue Religion geboren!


Wieder mal ein langer Beitrag, aber ich meine, nur so rüberbringen zu können, worum es geht.


"..drum forscht, was Ihr zum Forschen findet, das Unerforschbare lasst unergründet."

HIER ist eine Welt zum forschen, und eine Welt zum SEIN.
Vertausche die Regeln nicht!

Grüssle

Frank

Celestine
10.10.2009, 18:27
Kennt Ihr eigentlich schon diese Seiten?

http://www.wege-zur-erleuchtung.de (http://www.wege-zur-erleuchtung.de/)

Ich schau da ab und an mal ganz gerne im Forum vorbei, und habe tatsächlich zum ersten mal diese Seite gelesen:

http://www.wege-zur-erleuchtung.de/erleuchtung_1.htm#Erste%20Erleuchtung

Na und da dachte ich ... das paßt hier doch irgendwo bestimmt hin, und wählte diesen Thread.

Liebe Grüße,
Astrid

barbara seiler
10.10.2009, 20:02
Hi Astrid

nein, bis jetzt noch nicht - sieht aber ganz interessant aus. Schade ist die Farbe zu dunkel, da habe ich immer Mühe, das zu lesen... das ist etwas, was mich auch von interessanten Seiten durchaus abschrecken kann. Hab's aber dennoch zu den Favoriten genommen.:)

grüsse, barbara

Roadrunnerfn
10.10.2009, 20:24
ich muss zugeben:
ich habs jetzt nur überflogen. Mir kommt alles so bekannt vor.
Das scheint eine Art Fluch zu sein, der auf mir lastet: ich weiss es, aber ich lebe (erlebe) es nicht.

Immer wieder flackert es auf, aber es erstirbt vor der Macht des Alltages.

Und so ist es mir, als führen diese Überlegungen mich tiefer in eine Krise hinein:
Es gibt kaum mehr Gedanken, die mich erstaunen oder "erleuchten", aber meine Welt kapituliert vor meiner Überzeugung, dass diese erstaunlichen, erleuchtenden Gedanken nur Hirngespinnste sind.
All "das" erscheint mir wie eine aufgesetzte Theorie, welche versucht, das zu bekämpfen, was mich in der Welt immer wieder einholt: Tatsachen.
Und dennoch ist die Logik hinter diesem Denken so umfassend richtig und schlüssig, dass es mir leicht fällt, daran zu glauben.

Krass, oder?

Ich fange an, durchzudrehen.

Da bleibt mir nur, zu hoffen, dass die Erlösung noch folgt. Eine Erleuchtung auf dem Papier zumindest ist existenziell gefärhlich.
Warum erreiche ich damit meine Seele nicht?
Was ist meine Seele?-GIBT es eine Seele?

Manchmal fühle ich mich so weit als vor 10 Jahren, nur dass alles einen anderen Namen hat. So wie in einem billigen Krimi. Es gibt die Guten, die Bösen, einen Gärtner, die Story ist immer die selbe. Und wenn man mit einem durch ist, dann kommt der nächste: neue Namen, neue Tatwaffen, aber dieselbe Story.

So wie Gott.

Der spielt immer mit, und er zwingt mich stets, an ETWAS zu glauben.
An die Naturwissenschaft.
An die Kirche.
An die "freie" Spiritualität.
An "ihn" als Mann mit Bart.
An "es" all allumfassendes SEIN.

Welchen Unterschied macht das?
Welche Erlösung ist es mir, wenn ich durch WISSEN um Erleuchtung dieselbe nicht erhalte?
Warum nur verschliesst sie sich mir?

Ich kenne sogar die Antwort darauf. Und dennoch....

...Antworten scheinen kein Weg zu sein.


Der Weg führt offensichtlich durch ...Werte... die mir nicht zugänglich sind. Hingabe. Bedingungslose Liebe.

Je klarer mir die Bedeutung dieser Werte wird, desto tiefer wird der Abgrund, in den ich in mich blicke.
Ich bin anders.
Moralvorstellungen und Ethik bestimmen meine Handlungen, und nicht Güte oder Herzlichkeit.
Und mit Erschrecken stelle ich immer wieder fest, wozu ich bereit und in der Lage wäre, wenn nicht wenigstens Moral und Ethik über mich wachten.

Ich traue mich nicht, diese Werte aufzugeben. Mein Ego hat es geschafft. Nachdem ich es entlarvt hatte, hatt es mit voller Machtzurückgeschlagen, und jetzt habe ich soagr Angst vor mir selbst.

Ich bin so weit von einem "ich bin" entfernt wie nie zuvor. Erlösung scheint mir nur eine Hoffnung zu sein, die uns vorgesetzt wird wie die Möhre an der Angel das Muli antreibt.
Antreibt, zu denken, zu glauben, zu leben.

Und wiederrum ist es nur die alte Story mit neuen Namen:
früher fragte ich nach Gott, und er kam nicht
heute frage ich nach Erleuchtung.

Es ist wahrscheinlich sogar derselbe Grund, warum mir damals weder Gott noch heute Erleuchtung zuteil wird.

Sogar das weiss ich.

Aber ich komme nicht weg davon. Ich kanns nicht machen.
Vielleicht weiss ja jemand Rat?


Grüsse

Frank

Celestine
11.10.2009, 10:33
Lieber Frank,

ich habe inzwischen den Eindruck, das was Du schilderst, ist der Zeitgeist, der sich bemerkbar macht, in vielen Individuen. Auch ich empfinde ähnlich wie Du - so wie Du es bezüglich der Romanfiguren beschreibst, die "Namen" / "Themen" sind austauschbar.

Ich habe das, was nach meiner Bestandsaufnahme bei mir angekommen ist, in meinem Blog hinterlegt: http://www.blogigo.de/Astrid
Vielleicht sagt Dir das irgendwas, und wenn nicht, auch nicht schlimm.

Ich versuche mal zu beschreiben, wie ich es sehe:

Das Leben, als Mensch, besteht aus Erfahrungschleifen, auch Bewußtwerdungsschleifen. Gestern erst las ich irgendwo eine Aussage von Ken Wilber, (sinngemäß) "Bewußtsein pulsiert, alles entwickelt sich in Sprüngen weiter, nicht langsam und stetig". Und genau so empfinde ich es auch. Da sind die Zyklen von rund 10 Jahren, genau, wie Du es auch siehst, so erlebe ich es auch.

Dann hat die Medaille natürlich zwei Seiten, Du kannst sagen: "Es verändert sich nichts, das erscheint nur äußerlich so, alles ist austauschbar, aber in der Essenz gleich.", oder Du kannst entdecken, dass es eben nicht die gleiche Essenz ist, und dass dann NICHT BEWERTEN.

Fortschritt in eine bestimmte Richtung zu erwarten, beeinflußt das Ergebnis stark. Wir sind die Schöpfer unserer Erlebenswelt. Die Gabe, die Erwartungshaltung loszulassen, und dem Fluss des Lebens zu erlauben sich auszudrücken, führt zwangläufig zu unerwarteten Ergebnissen.
Und so stellen wir fest: Immer mehr Wissen blockiert den Fortschritt ab einem gewissen Punkt nur noch.

Es gibt keinen "Weg zur Erleuchtung". Jeder Erleuchtete sagt Dir das gleiche: Da ist nichts, was Du tun könntest, um zur Erleuchtung zu gelangen. Ob und wann Erleuchtung eintritt ist so individuell wie alles im Leben eines jeden Individuums.

Hingebungsvoll das eigene Leben leben, und sehen, wie jeder - bewußt oder unbewußt - genau das auch tut, hingebungsvoll das eigene Leben leben, ist alles, was möglich ist.

Ich traue mich nicht, diese Werte aufzugeben. Mein Ego hat es geschafft. Nachdem ich es entlarvt hatte, hatt es mit voller Machtzurückgeschlagen, und jetzt habe ich soagr Angst vor mir selbst.Das Ego ist nicht DU, es ist eine Karikatur, nichts weiter. Aber die Angst, die ist mir auch schon begegnet, und die ist nicht die Angst vor "Mir selbst", sondern weit mehr. Das Ego hat Angst, dass DU erkennst, wie viel Macht Du tatsächlich besitzt. Würdest Du das entdecken, würde das den "Macht-Tod" des Egos bedeuten. Es ist wie ein riesig aufgeblasener Luftballon; ziehst Du den Stöpsel schrumpelt es zusammen, bis nur noch das übrigbleibt was es ist, und nichts weiter. Also tut es alles, um Dich davon abzuhalten, es zu entdecken.

Es ist sehr schwer alles auf- und abzugeben, alle Gedanken, alle Anhaftungen, vor allem alle Werte, und nicht zuletzt alle Schuld (Verantwortung), eben alles, womit "man" sich und die anderen identifiziert.
Dieses "Abgeben" bedeutet dabei nicht zwangsläufig, dass das Verhalten verändert wird, sondern schlicht, dass man sieht und sich bewußt ist, was da abläuft. Du mußt nicht gütig sein. Es ist ok, dass Du Moralvorstellungen und Ethik als Handlungsgrundlage benutzt.Wichtig ist: Du siehst es, und bist Dir dessen bewußt. Nun lass nur noch das harte Urteil über Dich weg, dass Du damit verbindest, und schon ist es abgegeben und aufgelöst. Das ist alles.
In einem "erwachten" Leben, passiert das ständig, irgendwann wie selbstverständlich und nebenbei. Trotzdem heißt das noch nicht, dass darauf zwangsläufig Erleuchtung folgt. Warum sollte das auch so ein?

Was bringt Erleuchtung? Warum will jemand sie erlangen? Als Beweis dafür, dass das alles hier "gar nicht schlimm" ist, oder irgendwie sinnvoll bzw. sinnleer? Als Garantie dafür, dass nicht wirklich irgendetwas passieren kann? Um sich selbst "besonders" zu fühlen? - Die Liste läßt sich beliebig lang fortsetzen....
Und es wird schnell sichtbar: All das sind Ego-Wünsche, -Hoffnungen, -Mechanismen. Das Ego hat aber mit der Erleuchtung nichts zu tun. Das Ego ist ein Konstrukt aus Gedanken. Etwas das Mittels Identifikation mit Trennung (das bin ich, und das bin ich nicht) funktioniert. Erleuchtung ist auch die Erkenntnis, dass es keine Trennung gibt. Wieso sollte diese Erkenntnis eintreten, mittels Wünschen und Praktiken eines Egos, das nicht einmal wirklich existiert...?!

Du bist am Boden. Das war ich noch vor ein paar Tagen auch. Das Problem bei mir war - wie auch bei Dir - der Blick war viel zu weit in die Ferne gerichtet. Viel zu weit auf ein: "das schaffe ich nie" - "warum passiert das (nicht)" - "ich werde verrückt, ich drehe durch" - "was soll das alles".

Schluss damit. Woher soll Gott kommen? Woher soll die Erleuchtung kommen? Die Fragen danach, das nicht Loskommen davon danach zu fragen und zu suchen, verschieben ES in immer weitere Ferne.

Dabei, sind/ist SIE/ES genau hier. Genau jetzt. Es ist immer JETZT dieser eine winzige Moment der Gegenwart ist ständig und ewig da. Und genau HIER ist GOTT.

Und dann, wenn Du das fühlst, dann hör auf, weiter danach zu suchen, sobald Du wieder im Alltagsgeschehen bist. Sei dann einfach da, in Deinem Alltag, und tu was ansteht, und leb Dein Leben. Das ist alles.

:ganznah:

Astrid

barbara seiler
11.10.2009, 11:17
Hallo Frank

ich unterschreib mal, was Celestine geschrieben hat, und gebe noch meinen Senf dazu - was vermutlich auf eine ähnliche oder dieselbe Essenz herauskommen wird, nur noch mit meiner statt Celestines Energie gefärbt.

Der Weg führt offensichtlich durch ...Werte... die mir nicht zugänglich sind. Hingabe. Bedingungslose Liebe.

Bei "Hingabe" hats in mir geklickt, eine Freundin von mir steht auch an dem Punkt, wo es für sie angemessen ist, Hingabe zu leben... und so wie ich es auch ihrem Berichten spüre, hat sie auch extrem Angst davor.

Ich kann diese Angst nicht ganz nachfühlen, denn Hingabe fiel mir immer leicht. Und ich versichere dir: es ist schön, sich hinzugeben. Es ist wunderbar entspannend. Es ist ein Getragen-Werden. Es ist das Gefühl, ein Kind Gottes zu sein, ein Baby Gottes zu sein - geschaukelt, gewiegt, genährt, geknuddelt, getröstet und der Umarmung von allem-was-ist.

Seit ich selbständig bin, habe ich eine neue Stufe der Hingabe erreicht denn: ich kann zwar Werbung machen, aber ob die SchülerInnen dann kommen, das liegt nicht an mir. Das kann ich nur an Gott übergeben, und ich merke, wenn ich im Fluss bin, dann kommt die Fülle und der Über-Fluss zu mir. Wenn ich mich hingeben und ein grosses JA sagen kann, dann passieren die wunderbaren Dinge, die Synchronizitäten, das Unerwartete, das Freudige. Ich verliere darin nicht mein Ego. Um auch Ken Wilber zu zitieren: ich überschreite und bewahre es. Es ist nicht mehr das Wichtigste und Grösste, sondern es wird Teil eines neuen Grossen Ganzen. Das Ego ist... wie ein Werkzeug. Eine Art Roboter, der ausserordentlich gut programmiert ist, und der auf wunderbar zuverlässige Weise seine Arbeit tut.

Ich bin anders.
Moralvorstellungen und Ethik bestimmen meine Handlungen, und nicht Güte oder Herzlichkeit.
Und mit Erschrecken stelle ich immer wieder fest, wozu ich bereit und in der Lage wäre, wenn nicht wenigstens Moral und Ethik über mich wachten.


So wie ich dich hier afu dem Forum erlebe, erlebe ich dich durchaus als voller Güte und Herzlichkeit. :) Zwar nicht in der dramatischen Variante, sondern als ruhig, zuverlässig, beständig, und das durchaus von Herzen "weil es das Richtige ist". Du brauchst weder Mutter Theresa noch Lady Di zu sein. Es ist nicht nötig, dass du nach Afrika reist, einige Checks ausstellst, ein paar Kinder umarmst und ein paar Tränen vergiesst. Du darfst deine Güte und Herzlichkeit durchaus mit mentalen Hilfen wie ethischen Sätzen orientieren.

Alle Menschen sind bereit und in der Lage, zu allen möglichen scheusslichen Dingen. siehe zum Beispiel die Milgram-Experimente:
http://de.wikipedia.org/wiki/Milgram-Experiment
Die Frage ist nicht, wozu du in der Lage wärst - die Frage ist, was du tatsächlich tust.

Ich traue mich nicht, diese Werte aufzugeben. Mein Ego hat es geschafft. Nachdem ich es entlarvt hatte, hatt es mit voller Machtzurückgeschlagen, und jetzt habe ich soagr Angst vor mir selbst.

Was meinst du genau damit - falls die Frage nicht zu privat ist? IN welcher Form hat sich das gezeigt, dass das "Ego zurückgeschlagen hat"? Wurdest du ungerecht zu anderen Menschen?

Ich bin so weit von einem "ich bin" entfernt wie nie zuvor. Erlösung scheint mir nur eine Hoffnung zu sein, die uns vorgesetzt wird wie die Möhre an der Angel das Muli antreibt.

So etwas zu sagen ist in der Regel ein ziemlich zuverlässiges Zeichen dafür, dass bald ein Durchbruch auf eine neue Ebene bevorsteht. wie diese Ebene dann benannt wird - Erleuchtung, Erlösung, wie auch immer... ist wohl nicht so wichtig. Aber du wirst es fühlen, es wird anders sein. Obwohl alles gleich bleibt. :engelsuess:

Aber ich komme nicht weg davon. Ich kanns nicht machen.
Vielleicht weiss ja jemand Rat?


Tu, was du zu tun hast, und atme. Such dir ein paar ATemübungen, die dir gut gefallen, und praktiziere sie regelmässig - und besonders dann, wenn du merkst, dass der Abgrund wieder kommt. Atme und schau den Abgrund an.

grüsse, barbara

Roadrunnerfn
13.10.2009, 00:23
Danke für Eure Antworten.

Und was tu ich?--Ich setz mich hin und lese die Bergpredigt!

Ich kann Euch sagen: Wenn wir es schaffen, das historische Umfeld herauszufiltern, die Unzulänglichkeiten zu überlesen, weil sie in eine andere Zeit gehören, dann bleibt etwas Erstaunliches übrig:

Sorge Dich nicht um den nächsten Tag.
Mach Deine Sache hier und jetzt richtig.
Tu heute, was Du tun kannst.
Schliesse morgen mit dem an, was Du morgen tun kannst.
Sei demütig, barmherzig und gerecht, und rühme Dich nicht damit.

Ich kann mich des Eindruckes nicht erwehren, dass diese "Leier" eine ungeheuerliche Wahrheit enthält.
Eine Art Anleitung zur "Erlösung im Leben".
Keine Erlösung, die mich erschlägt und aufgrund derer ich nach Tibet reisen und als Eremit auf einen Berg setzen müsste.
Sondern eine Erlösung, die mir jeden Handgriff leicht macht.
Jedes Wort, das ich sage.
Jeden Schritt, den ich gehe.

Ich meditiere viel und es fällt mir ständig leichter. Ich "schiebe" Informationen in mein Leben oder schiebe sie heraus.
Zumindest in der Meditation gelingt es, aber ich hab das Gefühl, dass es Auswirkungen auf "das Leben" hat.
Ich kann Fusskribbeln, Muskelziehen und Ohrenjucken wegschieben. Ich kann "Konzentration" einschieben.
Die Uhr hört auf zu ticken, wenn ich meditiere. Sie tickt nur, wenn ich "Zeit" in Sinn habe. Es ist mir egal, ob sie "ausserhalb" mir weitertickt oder nicht.
Wenn ich will, hört sie in meiner Welt auf zu ticken.

Es wäre schön, wenn "das Leben" jetzt wieder etwas entspannter würde.

Erleuchtung und Erlösung.
Vielleicht ist es hilfreich, nicht das "Er-" zu "er-"warten, sondern nur das Leuchten zu sehen, und das Lösen zu leben und auf das Leben zu warten.
Ich werds versuchen.


Grüssle

Frank

barbara seiler
13.10.2009, 09:48
Hallo Frank

ja, die Bergpredigt ist ein wundervoller Text. :) So viel Tiefe, so viel Weisheit, so viel Freude...

Sorge Dich nicht um den nächsten Tag.
Mach Deine Sache hier und jetzt richtig.
Tu heute, was Du tun kannst.
Schliesse morgen mit dem an, was Du morgen tun kannst.
Sei demütig, barmherzig und gerecht, und rühme Dich nicht damit.

Was für mich noch wichtig ist: Der Vater sorgt für dich, er kennt deine Bedürfnisse, auch deine materiellen. Du bist unendlich geliebt.

Sondern eine Erlösung, die mir jeden Handgriff leicht macht.
Jedes Wort, das ich sage.
Jeden Schritt, den ich gehe.


ja genau:nick:

Es wäre schön, wenn "das Leben" jetzt wieder etwas entspannter würde.

Das wird es bestimmt... es ist ganz einfach. Das Schwierige ist nur, zu merken, worin diese Einfachheit besteht, aber es ist so simpel... einfach zu sein. Und doch, dorthinzukommen und das Ego zu bitten, auch mitzukommen, das ist manchmal das Schwerste überhaupt.

Aber es wird für dich bestimmt leichter, deine Worte haben gross angeklungen in mir.

grüsse, barbara