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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die Freiheit des Internet?


barbara seiler
27.04.2009, 12:01
Hallo zusammen

Internet ist eine grossartige Sache - gerade wegen der Freiheit, die es bietet, der Vielfalt, und der Möglichkeit, dass alle Menschen, die einen Zugang haben und einen Computer, sich als aktive GestalterInnen daran beteiligen können, nicht nur als passive KonsumentInnen.

Umso mehr stossen mir Bemühungen sauer auf, die darauf abzielen, das Internet zu kastrieren - wo dann gleich mächtig über das Ziel herausgeschossen wird, wenn zum Beispiel impliziert wird, dass Menschen, die gegen staatliche Zensur von Internetseiten sind, gleichzeitig solche sind, die Kinderpornografie gutheissen. Aber hallo?

http://www.heise.de/tp/r4/artikel/30/30199/1.html

da kommt mir das kalte Grausen...:(

grüsse, barbara

R.Daneel
04.05.2009, 18:53
Nachdem ich den Artikel gelesen habe: Mir auch :eek:

Unglaublich. :krank: !

Damit wird jeder Sicherheitsfachmann in eine Ecke mit "Pädokriminellen" gestellt. Dabei ist es nicht wirklich schwierig, bestimmte Sperren auszuhebeln - jawohl, ich gehöre zu den 20%.


Nachtrag:
Es war ebenfalls nicht schwer, ausgehend von Kommentaren zu diesem Artikel weitere Informationen zu finden, die die Motivationen dieser Frau vielleicht in etwas deutlicherem Licht erscheinen lassen:
http://boocompany.com/index.cfm/content/story/id/15790/

Mal ganz davon abgesehen, dass es unter solcherart verschärften Bedingungen bald zum guten Ton gehören wird, Internetsperren umgehen zu können... Und in D gibt es sogar eine Partei, die sich u.A. den Widerstand gend die Internet-Zensur auf die Fahnen geschrieben hat:
http://www.piratenpartei.de/

Grüßleins
R.

barbara seiler
04.05.2009, 22:04
Es war ebenfalls nicht schwer, ausgehend von Kommentaren zu diesem Artikel weitere Informationen zu finden, die die Motivationen dieser Frau vielleicht in etwas deutlicherem Licht erscheinen lassen:

oje, wo sind wir denn hier? In einem Feudalstaat?

Mal ganz davon abgesehen, dass es unter solcherart verschärften Bedingungen bald zum guten Ton gehören wird, Internetsperren umgehen zu können...

... was wohl wieder eine Elite schaffen wird. Was schon mal gut ist, doch das Internet sollte frei bleiben für alle.

Du als Sci-Fi-Fan, hast du schon mal von Tad Williams "Otherland" gelesen? Da bin ich grad wieder dran, darin gibt es auch eine Gruppe von solchen, die ihr privates Net haben, die sich "Treehouse" nennt... lauter kleine, unabhängige Server, die sich leicht vom Netz nehmen lassen und ebenso leicht wieder zusammenfügen lassen. Ich hoffe, unsere Zukunft wird eher Treehouse sein und nicht nur kommerzielles Netz, dieser ganze Big-Brother-Kontrollwahn führt doch zu nichts.

grüsse, barbara

R.Daneel
05.05.2009, 15:21
Hallo Barbara,

Jaja, das "Amtsgeheimnis"... Das mit der Elite wird sich dann wohl auch verschieben, von jetzt 80:20 auf 50:50... hoffe ich jedenfalls, und ich würde in meinem Bekanntenkreis (inkl. hier) auch etwas dazu beitragen :D

Otherland: Ich hab eines davon, "Berg aus schwarzem Glas" (Band 3), gelesen habe ich es noch nicht. Sollte man besser mit Band 1 anfangen?

Und, Nachtrag: So Treehouse-ähnliche Ansätze gibt es heute schon. Verschiedene, unterschiedlich erfolgreich. Das Problem bei all diesem ist, dass man im Moment noch nicht um die Nutzung der physikalischen Komponente des Internets (Kabel, Einstiegspunkte, ...) herum kommt, d.h. alles Weitergehende, "darüber liegende" (und schlechter überwachbare) muss mit Verschlüsselung funktionieren, und die Sachen, die ich kenne, tun das auch. Wenn ihr mögt, könnte ich da mal etwas mehr in die Tiefe gehen.

Grüßleins
R.

barbara seiler
05.05.2009, 18:31
Hallo R.

Das mit der Elite wird sich dann wohl auch verschieben, von jetzt 80:20 auf 50:50... hoffe ich jedenfalls, und ich würde in meinem Bekanntenkreis (inkl. hier) auch etwas dazu beitragen

hoffentlich! Ich bin sehr für Freiheit und Demokratie, und das so verbreitet wie es nur geht.:)

Otherland: Ich hab eines davon, "Berg aus schwarzem Glas" (Band 3), gelesen habe ich es noch nicht. Sollte man besser mit Band 1 anfangen?

ja, ich würde mit Band 1 anfangen. Im Grunde ist es eine einzige lange zusammenhängende Geschichte, die einfach aus Platzgründen auf 4 Bücher aufgeteilt wurde. Es ist nicht so wie zB bei Harry Potter, wo in jedem Band am Anfang erst noch zusammengefasst wird "was bisher geschah", du bist gleich mittendrin in der Geschichte.

So Treehouse-ähnliche Ansätze gibt es heute schon. Verschiedene, unterschiedlich erfolgreich. Das Problem bei all diesem ist, dass man im Moment noch nicht um die Nutzung der physikalischen Komponente des Internets (Kabel, Einstiegspunkte, ...) herum kommt, d.h. alles Weitergehende, "darüber liegende" (und schlechter überwachbare) muss mit Verschlüsselung funktionieren, und die Sachen, die ich kenne, tun das auch. Wenn ihr mögt, könnte ich da mal etwas mehr in die Tiefe gehen.

Grundsätzlich ja... gibt es denn auch Mittel, die ganze Infrastruktur - also Server plus ein Sender/Empfänger zB via Funk, privat umzusetzen, also nicht nur der eigene User sein, sondern selbst zu hosten und sein eigener Provider zu sein? Ich gehe mal davon aus, dass das in Zukunft so sein wird, und die Nutzung einer öffentlichen Infrastruktur optional sein wird. Ähnlich wie bei der Energieversorgung, wo der Trend auch dahin geht, dass jedes Haus seine eigene Energieversorgung hat und nicht mehr nur von den grossen (und heiklen) Zentralen abhängt, die gleich mehrere 10'000 oder 100'000 Personen versorgen.

grüsse, barbara

R.Daneel
05.05.2009, 20:31
hoffentlich! Ich bin sehr für Freiheit und Demokratie, und das so verbreitet wie es nur geht.:)
Auch wenn es an Anarchie grenzt? :P

"Otherland"
ja, ich würde mit Band 1 anfangen. Im Grunde ist es eine einzige lange zusammenhängende Geschichte, die einfach aus Platzgründen auf 4 Bücher aufgeteilt wurde.
Hui! Das eine Buch war ein Geschenk... Da sollte ich mal im Buchhandel nachsehen, ob die restlichen Bücher noch zu haben sind. Danke!

Grundsätzlich ja... gibt es denn auch Mittel, die ganze Infrastruktur - also Server plus ein Sender/Empfänger zB via Funk, privat umzusetzen, also nicht nur der eigene User sein, sondern selbst zu hosten und sein eigener Provider zu sein?
Technisch schon. Aber in D ist das verboten, soweit ich weiß, da darf man nicht einmal ein unverschlüsseltes WLAN betreiben, mit der Begründung, dass irgend ein Nachbar unbemerkt einsteigen könnte und darüber illegale Sachen im Internet machen könnte, und die Polizei würde dann nicht den Nachbarn erwischen, sondern den WLAN-Betreiber selbst. Und damit dieser in genau so einem Fall nicht behaupten kann, er wars nicht, dürfen WLANs nicht unverschlüsselt sein...
Cool, oder? :mad:

Einen Server zuhause aufsetzen und ins Internet zu hängen, ist (soweit ich weiß) nicht verboten, aber wenn das etwas Ernstes werden soll, braucht man einen Internet-Zugang mit hoher Hochlade-Geschwindigkeit, und das ist nicht billig. Solange es nur (sehr) wenige Zugriffe geben soll, geht es vielleicht schon mit einem schnellen "normalen" Internet-Anschluss.

Ich gehe mal davon aus, dass das in Zukunft so sein wird, und die Nutzung einer öffentlichen Infrastruktur optional sein wird. Ähnlich wie bei der Energieversorgung, wo der Trend auch dahin geht, dass jedes Haus seine eigene Energieversorgung hat und nicht mehr nur von den grossen (und heiklen) Zentralen abhängt, die gleich mehrere 10'000 oder 100'000 Personen versorgen.
Da kann ich hier getrost auf die deutsche Bürokratie vertrauen, die wird so einen Wildwuchs schon zu verhindern wissen :tja: Jedenfalls auf absehbare Zeit... Glaube/fürchte ich. :(

Grüßleins
R.

barbara seiler
06.05.2009, 07:44
Hallo R.

Auch wenn es an Anarchie grenzt? :P


Ich glaube nicht an Anarchie - nicht dauerhaft. Gewisse etwas chaotische Phasen, das kann vorkommen, doch daraus werden sich automatisch irgendwann Strukturen entwickeln... und gerade das Internet hat gezeigt, dass diese Strukturen sinnvoll sein können und einerseits (technische) Standardisierung zur Folge haben können, mit maximaler Freiheit für den Einzelnen. zB bei den ganzen Freeware- und Open Source-Sachen wie Linux und Open Office.

Hui! Das eine Buch war ein Geschenk... Da sollte ich mal im Buchhandel nachsehen, ob die restlichen Bücher noch zu haben sind. Danke!

Ich denke, die sollten noch erhältlich sein. Der erste Band heisst "City of the golden Shadow" in der englischen Version, die ich habe... und ich finde, es lohnt sich, auch wenn Tad Williams manchmal etwas zu detailverliebt ist.

Einen Server zuhause aufsetzen und ins Internet zu hängen, ist (soweit ich weiß) nicht verboten, aber wenn das etwas Ernstes werden soll, braucht man einen Internet-Zugang mit hoher Hochlade-Geschwindigkeit, und das ist nicht billig. Solange es nur (sehr) wenige Zugriffe geben soll, geht es vielleicht schon mit einem schnellen "normalen" Internet-Anschluss.

Immerhin benötigt man auch dann noch gemeinsame Infrastruktur, zum Beispiel die Telefonleitung...

Das Problem scheint mir im Moment eher der staatliche Kontrollwahn zu sein, der überall aufspringt... wenn die Dinge, die allen gehören, auch vom Volk kontrolliert werden, scheint es mir einfacher zu gehen.

Das Nächstliegende für mich scheint zu sein, Demokratie zu fördern, wo es nur geht - auch im kleinen, privaten Rahmen.

Da kann ich hier getrost auf die deutsche Bürokratie vertrauen, die wird so einen Wildwuchs schon zu verhindern wissen :tja: Jedenfalls auf absehbare Zeit... Glaube/fürchte ich.


oh ja, die Bürokratie...:grins: Ich glaube allerdings, dass deren Tage - zumindest in heutiger Form - gezählt sind, und was wir jetzt beobachten können, ist der Todeskampf. Der aber durchaus noch einige Zeit dauern kann, bevor etwas Neues entstehen wird... allerdings glaube ich auch, dass wir dieses Neue durchaus noch erleben werden. Ich glaube, in den nächsten fünf bis zehn Jahren wird sich die Welt wesentlich verändern, inklusive der deutschen Bürokratie.:p

grüsse, barbara

R.Daneel
06.05.2009, 23:13
Hallo Barbara,

Ich glaube nicht an Anarchie - nicht dauerhaft. Gewisse etwas chaotische Phasen, das kann vorkommen, doch daraus werden sich automatisch irgendwann Strukturen entwickeln... und gerade das Internet hat gezeigt, dass diese Strukturen sinnvoll sein können und einerseits (technische) Standardisierung zur Folge haben können, mit maximaler Freiheit für den Einzelnen. zB bei den ganzen Freeware- und Open Source-Sachen wie Linux und Open Office.
Ja, Linux hätte es ohne das Internet nicht gegeben. Aber im Moment habe ich den Eindruck, dass die Freiheit des Einzelnen im Internet eher auf dem absteigenden Ast ist. Der technische Fortschritt hat eben auch Möglichkeiten zur immer lückenloser werdenden Überwachung der Internet-Nutzer mit sich gebracht, und die werden von den Organen der Volksvertreter auch ganz selbstverständlich genutzt. Und wo dem technische Grenzen gesetzt sind, wie bei unverschlüsselten WLAN, da werden eben entsprechende Gesetze erlassen. Wobei man nicht übersehen sollte, dass das Internet ja tatsächlich für kriminelle Aktivitäten genutzt werden kann, was all diesen Maßnahmen durchaus einsehbare Pro-Argumente liefert. Und wenn die Argumentation mit Verweisen auf "pädokriminelle" Elemente garniert wird - wer will denn da noch widersprechen? Aber wo führt das letztendlich hin, oder wo kann es hinführen? Siehe China, da hat die (Volks?)Regierung viel weniger Hemmungen: Sperren werden eingerichtet, Google zensiert freiwillig seine Suchen, angeblich regimekritische Blogger werden verhaftet. Soweit wird es in Europa hoffentlich nie kommen, aber wie Werkzeuge und Methoden existieren auch hier: Vor einiger Zeit wurde in irgendeinem deutschen Bundesland der ernsthafte Versuch unternommen, Seiten zu sperren. Bei Heise stehen irgendwo die Details...

"Heim-Server"
Immerhin benötigt man auch dann noch gemeinsame Infrastruktur, zum Beispiel die Telefonleitung...
Genau. Besonders wenn man weitere Entfernungen überbrücken will...

Das Problem scheint mir im Moment eher der staatliche Kontrollwahn zu sein, der überall aufspringt... wenn die Dinge, die allen gehören, auch vom Volk kontrolliert werden, scheint es mir einfacher zu gehen.
Tja, die Kontollen werden ja von den Volksvertretern verübt - was soll man da sagen... Ich schätze mal, in der Schweiz kann das nicht passieren.

Das Nächstliegende für mich scheint zu sein, Demokratie zu fördern, wo es nur geht - auch im kleinen, privaten Rahmen.
Du kennst nicht zufällig diese Buchserie um das Gallatin-Universum von Neil L. Smith? :D

allerdings glaube ich auch, dass wir dieses Neue durchaus noch erleben werden. Ich glaube, in den nächsten fünf bis zehn Jahren wird sich die Welt wesentlich verändern, inklusive der deutschen Bürokratie.:p
Na hoffentlich zum Besseren. In der nahen Zukunft sehe ich da nicht so die Richtung.

Grüßleins
R.

Roadrunnerfn
07.05.2009, 09:57
Tja,

so ist das nun mal. Gänzlich unreglementierte Systeme -egal in welchem Bereich- laufen immer aus dem Ruder.

Ein Reglement, welches sich auf Verstand und Rücksicht beruft kann keinen Bestand haben, weil diesen Regeln ethische Grundsätze zugrundeliegen, welche ihrerseits zum Teil völlig unterschiedlich sind.

Ein Reglement, das versucht, "objektiv" zu sein wird durch eine bestimmte, bürokratisch geprägte Struktur auffallen.

Und wie heisst es doch so schön?
"Die persönliche Freiheit endet dort, wo sie mit einer anderen kollidiert."

Und das gilt nun mal eben auch fürs Internet.

Und ich befürchte, daß ich mich lieber auf der Seite eines "moderierten" Netzes sehe, als diese effektive Kommunikationsform AUCH Menschen zu überlassen, die sie für "falsche" Weltanschauungen misbrauchen.

Sicherlich darf es dabei nicht zu einer ihrerseits unkontrollierbaren Überwachungsmaschinerie kommen.

Aber Internetseiten zu sperren, die einem international anerkannten ethik-kodex widersprechen, halte ich nicht nur für legitim sonder für notwendig.


Dazu gehören solche Themen wie die persönliche Selbstverantwortung einer Erwachsenen Person (ab 18 sollen doch die Leut vor der Webcam machen, was sie wollen...) oder in Zusammenhang damit der Schutz Minderjähriger.

Dazu gehören die Bannung und Verfolgung von Volksverhetzungen.

Dazu gehört der Aufruf zu Mord und Gewalt.

Das wird nicht möglich sein?--natürlich nicht! Aber wir stehen in der Verantwortung, ein System zu schaffen, das diesen Ansprüchen MÖGLICHST gerecht wird.

Und hier kollidieren wieder mal Barbaras Ansichten mit den meinen:

Bitte KEINE Demokratie!
Demokratie fusst auf den aktuellen "Geistbewegungen" der Demographie, und ich habe keine Lust, ein internationales Internet-reglement vorzufinden, in dem Gewalt oder Unterdrückung immer dann erlaubt sind, wenn es die Mehrheit der Menschen für klasse hält!

Ihr wisst, wie ich diesbezüglich zur Entscheidungsgewalt "der Mehrheit" stehe. Dazu müsste "die Mehrheit" erst mal entscheidungsmündig sein.

Und da nehme ich mich nicht aus.

Sind unsere Meinungen und Ansichten nicht immer irgendwie medienkonform?????


Grüssle

Frank

barbara seiler
07.05.2009, 11:22
Der technische Fortschritt hat eben auch Möglichkeiten zur immer lückenloser werdenden Überwachung der Internet-Nutzer mit sich gebracht, und die werden von den Organen der Volksvertreter auch ganz selbstverständlich genutzt.

Hallo R.

diese vollständige Transparenz lässt sich wohl nicht vermeiden. Die will ich auch nicht vermeiden. Allerdings: je mehr Werkzeuge es gibt, um Menschen zu überwachen, desto mehr gibt es auch, um die Eliten, die Regierenden, die Grossen zu überwachen. Google Street View ist ja hier was ganz Neues, wo man offenbar durch Sicherheitskameras schauen kann. Es wird für alle immer schwieriger, Geheimnisse zu verstecken, und so werden auch die Volksvertreter von den Usern überwacht. :D



Wobei man nicht übersehen sollte, dass das Internet ja tatsächlich für kriminelle Aktivitäten genutzt werden kann, was all diesen Maßnahmen durchaus einsehbare Pro-Argumente liefert.

nu ja. Ich kann auch das Telefon oder die Briefpost für kriminelle Aktivitäten nutzen. Das ist noch lange kein Grund, alle Telefongespräche abzuhören oder alle Briefe zu öffnen und zu zensieren.



Und wenn die Argumentation mit Verweisen auf "pädokriminelle" Elemente garniert wird - wer will denn da noch widersprechen?

viele, zum Glück!

das gibt es eine Petition:
https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=3860

auf der haben schon am ersten Tag 10'000 Leute unterschrieben. Und die 50'000, die offenbar nötig sind, sind schon fast erreicht.... lang vor dem Ablaufdatum.



Tja, die Kontollen werden ja von den Volksvertretern verübt - was soll man da sagen... Ich schätze mal, in der Schweiz kann das nicht passieren.


mal schauen... am 17. Mai wird ja darüber abgestimmt, ob es neu nur noch den biometrischen Pass geben dürfe, dessen Daten alle in einer zentralen Datenbank gespeichert werden. In einer Umfrage, die gestern im Fernsehen gezeigt wurde, scheinen die Ja-Stimmen im Moment noch zu überwiegen. Widerstand gegen die Vorlage gibt es, parteiübergreifend, von allen Jungparteien von links bis rechts...



Du kennst nicht zufällig diese Buchserie um das Gallatin-Universum von Neil L. Smith? :D


nein, müsste ich das kennen?

grüsse, barbara

barbara seiler
07.05.2009, 11:36
Ein Reglement, welches sich auf Verstand und Rücksicht beruft kann keinen Bestand haben, weil diesen Regeln ethische Grundsätze zugrundeliegen, welche ihrerseits zum Teil völlig unterschiedlich sind.

Hi Frank!

ethische Grundsätze sind doch bei allen Leuten sehr ähnlich. Auch wenn diese oft auf sehr verschiedene Weisen begründet werden. Aber ob ich die Freiheit meiner Mitmenschen respektiere, weil es Gottes Wille ist, oder wegen der Menschenwürde, oder nur weil ich selbst die Freiheit will und sie deshalb auch andern zugestehe, das Resultat bleibt sich immer sehr ähnlich.



Und ich befürchte, daß ich mich lieber auf der Seite eines "moderierten" Netzes sehe, als diese effektive Kommunikationsform AUCH Menschen zu überlassen, die sie für "falsche" Weltanschauungen misbrauchen.


Braucht es denn dafür neue Gesetze? Das Verbreiten von Kinderpornografie ist heute schon verboten. Warum nicht einfach die Provider kontaktieren und sie bitten, solche Angebote - von denen sie vielleicht nicht merkten, dass sie welche haben - vom Netz zu nehmen - anstatt die Seiten online zu lassen und eine Sperre einzubauen "du darfst hier nicht rein"? In Heise wird auch des Langen und Breiten erklärt, warum das, was von der Leyen vorhat, nicht funktionieren wird. Es kann passieren, dass ganz harmlose und total legale Seiten mitgesperrt werden, nur wenn sie auf dem gleichen Server liegen wie Porno...


Aber Internetseiten zu sperren, die einem international anerkannten ethik-kodex widersprechen, halte ich nicht nur für legitim sonder für notwendig.

Ich glaube, niemand ist gegen Gesetze. Panik halte ich für übertrieben. Mal ernsthaft: wie oft bist du schon mal beim Surfen rein zufällig auf Porno oder sogar Kinderporno gestossen? Ich noch nie... ich bin auch noch nie über Infos zum Bombenbasteln gestossen, oder andere illegale Sachen. Was illegal ist, ist schon heute diskret.



Dazu gehören solche Themen wie die persönliche Selbstverantwortung einer Erwachsenen Person (ab 18 sollen doch die Leut vor der Webcam machen, was sie wollen...) oder in Zusammenhang damit der Schutz Minderjähriger.


Der Schutz Minderjähriger ist etwas, was die Eltern tun müssen. Nicht mit technischen, sondern mit pädagogischen Mitteln.

Mal abgesehen davon, die begabtesten Hacker, die es je gab, waren alle sehr jung... die würden sich über die Sperren kaputt lachen und trotzdem hinein gehen, wenn sie wollen.



Das wird nicht möglich sein?--natürlich nicht! Aber wir stehen in der Verantwortung, ein System zu schaffen, das diesen Ansprüchen MÖGLICHST gerecht wird.


Dann lieber eins, das die die einzelnen Leute persönlich sucht. In der Schweiz gibt es einen Sozialarbeiter, der beschäftigt sich mit rechtsradikalen Inhalten. Wenn der junge Leute findet, die dabei sind, in die Szene abzurutschen, recherchiert er ein bisschen und der Betroffene erhält dann ein Email, das ungefähr so lautet "Du heisst ABC, du bist x Jahre alt, du wohnst an dieser Adresse, du arbeitetst bei der Firma Z, und was du hier tust, ist illegal. Du hast x Tage Zeit, diese Inhalte vom Netz zu nehmen, andererseits werde ich den Lehrmeister informierne, und du bist deine Lehrstelle los" - dies in Zusammenarbeit mit Eltern und je nachdem Lehrmeistern, wirkt gut und punktgenau.

Lieber mehr PolizistInnen, die Net-Recherchen machen, als ein neues technisches System, das Kraut und Rüben durcheinander wirft...



Demokratie fusst auf den aktuellen "Geistbewegungen" der Demographie, und ich habe keine Lust, ein internationales Internet-reglement vorzufinden, in dem Gewalt oder Unterdrückung immer dann erlaubt sind, wenn es die Mehrheit der Menschen für klasse hält!

Hm. Du lebst aktuell in eineme System, in dem es eine MINDERHEIT von PolitikerInnen für klasse hält, Leute zu überwachen, obwohl eine grosse Zahl dagegen ist. :grins:

Mir scheint, du verwechselst Demokratie mit Lynchjustiz?;) Demokratie heisst ja nicht, dass Einzelfälle vom Volk beurteilt werden. Es heisst, dass die Spielregeln vom Volk aufgestellt werden, im Wissen, dass diese Spielregeln für alle gelten.


Ihr wisst, wie ich diesbezüglich zur Entscheidungsgewalt "der Mehrheit" stehe. Dazu müsste "die Mehrheit" erst mal entscheidungsmündig sein.


Vielleicht ist die Mehrheit tatsächlich nicht entscheidungsmündig, ist es denn aber jene Minderheit, die jetzt im Bundestag sitzt...?

grüsse, barbara

Roadrunnerfn
07.05.2009, 13:04
Hallo Barbara,

nein, ich halte Politiker im allgemeinen nicht für mündig per se, Entscheidungen zu treffen.

Hier liegt für mich die Basis einer "lebbaren" Demokratie:
Aufgabenverteilung.

Bürger sollen politische Vertreter wählen. Diese sollen Entscheidungen treffen auf der Basis von Gutachten, welche von unabhängigen Gutachter erstellt sind.

Ich weiss...ich weiss...zu viele Fussangeln! Aber JEDES System krankt nun mal.

Wir können aber NICHT sagen, "Gesetze gelten doch eh schon" und dann darüber hinweggehen, daß im www ungeheuer viel illegales verbreitet wird!

Ich finde es auch....jetzt mal unbeachtet der Tatsache daß er als Sozialarbeiter vielleicht sowohl befähigt als auch berechtigt ist....NICHT in Ordnung, illegale Machenschaften an der Exekutiven vorbeizuleiten, und dies dann noch unter Androhung von rechtlichen Konsequenzen!
Zum einen lachen die "Betroffenen" einen da nur aus, zum anderen hat das nix mit Rechtsstaatlichkeit zu tun. DAS ist Lynchjustiz!
Wenn jeder sich berufen fühlen darf, unter Androhung der Gesetzesanwendung andere in ihre Schranken zu weisen....

Gesetze sollen befolgt werden, und nicht als Droh- und Druckmittel dienen!

STRAFEN sind Druckmittel!

Damit wir uns nicht falsch verstehen:
-ich bin zum einen total gegen den Aktionismus unseres Herrn Schäuble.
Es ist vielleicht unclever, ein Attentatsopfer zum Innenminister zu machen.
Der Mann hat Verfolgungsängste, keine Frage.

-ich bin gegen einen Überwachungsstaat. In Duisburg zählen sie grade Autos...aber mit Kennzeichenerkennung, damit man weiss, wer wann wo rein und rausgefahren ist.....DAS ist grober Unfug! Die sollen Autos zählen. Punkt. Hat keiner was gegen.

-ich bin gegen einen Zugriff auf private Festplatten. Das kann durch eine Haussuchung und Beschlagnahmung geschehen.

ABER:
wenn der Staat auf einer Website einen gravierend illegalen Inhalt erkennt, der mutmaßlich zur Verbreitung oder zu gewerblichen Zwecken dient, muss es dem Staat erlaubt sein, den Datenverkehr dieser Seite zu überwachen.
Das macht die Polizei, wen sie LKW-Ladungen überprüft und das machen meine vielgeliebten Zöllner an der schweizer grenze.
Die wollen dann auch noch wissen, ob man privat oder geschäflich unterwegs ist, wo man hinfährt, was man dabei hat, wann man wieder ausreisen will.....WAS IST DARAN ANDERS?

Ich bin der Meinung, daß es leicht geschehen kann, dass man beim surfen auf fragwürdige Inhalte stösst. Und bereits dann hat man Pfade und Links im System...die einen aber noch nicht zum Verbrecher machen.

Wenn der Staat aber eine illegale Seite überwacht, auf der gegen Geld massenweise Kinderpornographie runtergeladen wird, muss dies die Berechtigung darstellen, die betreffenden Nutzer via Haussuchung festzunageln und zu überführen. Das ist nix anderes als wenn man einen Drogendealer beobachtet und die Leute packt, die was gekauft haben. Ihn des weiteren verfolgt und vielleicht Hintermänner erwischt.

und für diesen Vorgang brauchen wir ein neues Gesetz.

Ich bin des weiteren (wieder mal) nicht Deiner Meinung bezgl. der Ethik.
Es gibt allzuviele -oft religiöse- Gruppierungen, deren Ethik Gewalt einschliesst und rechtfertigt.
Es ist schon immer legal gewesen, einen Ungläubigen aufs Hirn zu schlagen!

Ich finde, hier wird zu oft ein "so sollte es sein" einem "so ist es" vorgestellt.
Wir können "die Menschheit" sich nicht einer nichtexistenten allg. Ethik überlassen, die nur von einer Minderheit anerkannt ist.

Grüsse

Frank

barbara seiler
07.05.2009, 16:49
Hallo Frank!

Bürger sollen politische Vertreter wählen. Diese sollen Entscheidungen treffen auf der Basis von Gutachten, welche von unabhängigen Gutachter erstellt sind.

oje, das scheint mir auch nicht besser zu sein... Bei der Gentechnik sieht man es ja: die Experten werden so gut wie vollständig von den grossen Firmen gestellt, und die sind alles andere als neutral. Entgegen den Expertenmeinungen ist die Landwirtschaft mit genveränderten Pflanzen alles andere als unbedenklich, und hier waren es die ganz normalen Leute, die einen Widerwillen aus dem Bauch für diese Art Landwirtschaft hatten... und das zu recht. Die Unabhängigkeit der Gutachter zu gewähren, scheint mir recht kompliziert zu sein.

nein, ich bin nach wie vor dafür, dass das Volk entscheiden kann und soll. Das funktioniert seit langem sehr gut in der Schweiz, ich sehe keinen Grund, warum das in Deutschland nicht ebenso gut funktionierten sollte.

Wir können aber NICHT sagen, "Gesetze gelten doch eh schon" und dann darüber hinweggehen, daß im www ungeheuer viel illegales verbreitet wird!

nein, aber nicht alle Methoden, die (angeblich) gegen Illegales vorgehen, tun das auch auf sichere und sinnvolle Weise.

Ich finde es auch....jetzt mal unbeachtet der Tatsache daß er als Sozialarbeiter vielleicht sowohl befähigt als auch berechtigt ist....NICHT in Ordnung, illegale Machenschaften an der Exekutiven vorbeizuleiten, und dies dann noch unter Androhung von rechtlichen Konsequenzen!

Soweit ich mich erinnern mag, war das durchaus in Zusammenarbeit mit den Behörden. Und die Zielgruppe waren junge Leute, die aus irgendeinem Grund dort reinstolperten und sich meist nicht ganz im Klaren waren, was sie da genau taten. Es ging nicht um Erwachsene, die sich schon seit längerem als unbelehrbare Nazis erwiesen.

In Duisburg zählen sie grade Autos...aber mit Kennzeichenerkennung, damit man weiss, wer wann wo rein und rausgefahren ist.....DAS ist grober Unfug! Die sollen Autos zählen. Punkt. Hat keiner was gegen.

Das kommt immer mehr bei Verkehrsleitsystemen, wie bei Tunnels: eine Kamera am Anfang, eine am Ende, und so nebenbei wird gleich auch noch die Durchschnittsgeschwindigkeit erfasst und Bussen können verschickt werden.

wenn der Staat auf einer Website einen gravierend illegalen Inhalt erkennt, der mutmaßlich zur Verbreitung oder zu gewerblichen Zwecken dient, muss es dem Staat erlaubt sein, den Datenverkehr dieser Seite zu überwachen.

Wenn es illegal ist, ist der Staat auch befugt, die Seite ganz vom Netz zu nehmen. Und die gesetzlichen Grundlagen sind ja dazu vorhanden, und das so gut wie weltweit. Dazu gibts auch rechtsstaatliche Mittel, sowas durchzuführen. Aber bitte nicht einfach undurchsichtige Umleitungen, wo niemand prüfen kann, ob das, was gesperrt ist, auch tatsächlich problematisch ist!

Die wollen dann auch noch wissen, ob man privat oder geschäflich unterwegs ist, wo man hinfährt, was man dabei hat, wann man wieder ausreisen will.....WAS IST DARAN ANDERS?

ja, manchmal fragen die mich auch so dummes Zeug. Alerdings frag ich mich warum? Denen müsste es reichen, dass ich meine Papiere zeigen kann, und die sind in Ordnung.

Ebenso regt mich auf, dass Zöllner oft nach rassistsichen Kriterien kontrollieren - je dunkler die Haut, desto gründlicher und häufiger die Kontrollen.

Ich bin der Meinung, daß es leicht geschehen kann, dass man beim surfen auf fragwürdige Inhalte stösst. Und bereits dann hat man Pfade und Links im System...die einen aber noch nicht zum Verbrecher machen.

Ich weiss nicht, was mache ich falsch? Mir passiert das nicht. Ich bin der Meinung, dass man verbrecherische Inhalte bewusst suchen muss, sonst stöss man nicht darauf.

und auch wenn man auf solche Inhalte stösst, nein, das macht einen noch nicht zum Verbrecher. Und jene, die wirklich ernsthafte Internetkriminelle sind, werden doch wohl nicht so blöd sein und unter echtem Namen ohne Schutzmassnahmen auf das Netz zu gehen.


Wenn der Staat aber eine illegale Seite überwacht, auf der gegen Geld massenweise Kinderpornographie runtergeladen wird, muss dies die Berechtigung darstellen, die betreffenden Nutzer via Haussuchung festzunageln und zu überführen. Das ist nix anderes als wenn man einen Drogendealer beobachtet und die Leute packt, die was gekauft haben. Ihn des weiteren verfolgt und vielleicht Hintermänner erwischt.


Das ist doch heute schon möglich. Und wird auch getan. Was würde von Leyens geplante Sperre daran verbessern? Gar nichts, meiner Meinung nach. Es würde höchstens den schädlichen Effekt haben, dass Leute zu Unrecht verdächtigt werden. Zum Beispiel ein Journalist, der zum Thema recherchieren will - und das dann nicht mehr kann.

Drogendealer packt man übrigens auch damit, indem Polizisten aus Fleisch und Blut auf die Suche gehen, nicht durch Kamera- oder sonstige flächendeckende Überwachung.

Wir können "die Menschheit" sich nicht einer nichtexistenten allg. Ethik überlassen, die nur von einer Minderheit anerkannt ist.

Ich glaube eben nicht, dass die grundlegenden ethischen Sätze nur von Minderheiten anerkannt werden. Zumindest hier in Westeuropa ist dies eindeutig nicht der Fall. Ich habe hingegen grösste Mühe mit allem, was nach Bevormundung riecht.

grüsse, barbara

barbara seiler
08.05.2009, 22:23
die Petition hat die 50'000-er Grenze überschritten:

58689 Mitzeichner (https://epetitionen.bundestag.de/index.php?PHPSESSID=e0448f404b6c5443164425561ad6f8 81&action=petition;petition=3860;sa=sign) https://epetitionen.bundestag.de/Themes/default/images/new.png

https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=3860

und ich muss sagen, den dazu gehörigen Text finde ich auch ganz vernünftig:

Text der Petition

Wir fordern, daß der Deutsche Bundestag die Änderung des Telemediengesetzes nach dem Gesetzentwurf des Bundeskabinetts vom 22.4.09 ablehnt. Wir halten das geplante Vorgehen, Internetseiten vom BKA indizieren & von den Providern sperren zu lassen, für undurchsichtig & unkontrollierbar, da die "Sperrlisten" weder einsehbar sind noch genau festgelegt ist, nach welchen Kriterien Webseiten auf die Liste gesetzt werden. Wir sehen darin eine Gefährdung des Grundrechtes auf Informationsfreiheit.
Begründung

Das vornehmliche Ziel – Kinder zu schützen und sowohl ihren Mißbrauch, als auch die Verbreitung von Kinderpornografie, zu verhindern stellen wir dabei absolut nicht in Frage – im Gegenteil, es ist in unser aller Interesse. Dass die im Vorhaben vorgesehenen Maßnahmen dafür denkbar ungeeignet sind, wurde an vielen Stellen offengelegt und von Experten aus den unterschiedlichsten Bereichen mehrfach bestätigt. Eine Sperrung von Internetseiten hat so gut wie keinen nachweisbaren Einfluß auf die körperliche und seelische Unversehrtheit mißbrauchter Kinder.



Ausserdem geht es mir gewaltig auf die Nerven, wenn Kinder oder andere Gruppen instrumentalisiert werden für undurchsichtige politische Zwecke - vielen andern Leuten offenbar auch.

grüsse, barbara

R.Daneel
17.05.2009, 23:41
Inzwischen sind es wohl über 80000 :D Dabei hat mittlerweile noch eine Gruppe "Eltern mit IT-Berufen" in dieselbe Kerbe geschlagen - und prompt wurde versucht, sie auch in die Ecke der Pädokriminellen zu stellen. :krank:

Und die Bayernpartei macht sich schon über das Unternehmen lustig:
http://fuer-bayerns-zukunft.de/dateien/Plakat_Kriminalitaet.jpg

Grüßleins
R.

barbara seiler
18.05.2009, 06:43
aktuell 84908...:o

Dabei hat mittlerweile noch eine Gruppe "Eltern mit IT-Berufen" in dieselbe Kerbe geschlagen - und prompt wurde versucht, sie auch in die Ecke der Pädokriminellen zu stellen.

ja genau, die haben bestimmt nur das Ziel, iihre Kinder weiterhin in Ruhe missbrauchen zu können, schon klar...:rolleyes:

Vermutlich sind ja Eltern grundsätzlich verdächtig, da bekannterweise der grösste Teil des Missbrauchs an Kindern im familiären Rahmen stattfindet. Sollten wir nicht lieber gleich verbieten, Kinder zu haben? *ironie off*

grüsse, barbara

barbara seiler
19.05.2009, 11:44
ganz offensichtlich kann der Staat ja dafür sorgen, dass Internetseiten innert kürzester Zeit vom Provider vom Netz genommen werden, wenn das so gewünscht wird - geschehen mit einer kleinen Seite, die politische Satire anbot:

http://www.zeit.de/online/2009/21/netzsperren-satire?page=all

Große Verbreitung fand die Satire nicht – bis das Ministerium sie entdeckte. Am vergangenen Dienstag verschwand die Parodie über Netzsperren plötzlich selbst aus dem Netz. Ohne Vorwarnung an den Betreiber löschte sie der Provider. Über die Gründe schwieg er sich zunächst aus, inoffiziell hieß es, die Sperrung sei auf "Bitte des Innenministeriums" erfolgt.

grüsse, barbara

R.Daneel
19.05.2009, 15:37
Sieste, so schnell geht das.

Tatsächlich ging ein Schreiben des BVA an den Provider mit der Bitte, die Satireseite umgehend zu sperren, da diese die Originalseite des Ministeriums "nachahme". Für die rechtliche Beurteilung dieses Sperrwunsches aber will man beim BVA nicht zuständig sein, die habe das BMI zu verantworten.
Und da jetzt keiner zuständig sein will, war wohl kein Richter beteiligt.

Und es ist ein Paradebeispiel für das was ich meine: Gesetze werden (absichtlich?!) so formuliert, dass daraus keine eindeutige Beurteilung von bestimmten Situationen abzulesen ist, d.h. es besteht Rechtsunsicherheit. Und in so einer Nebelzone werden nun die Provider mit dem Vorwurf der "Störerhaftung" bedroht und handeln dann (evtl. in "vorauseilendem Gehorsam") entsprechend der für sie sicheren Seite, was ja nur vernünftig ist.

Eigentlich ist es also schon jetzt "schlimmer" als es sein dürfte.

Und der Schlusssatz des Artikels spricht mir aus der Seele! Man muss sich beinahe wundern, wie schnell hierdurch aufgedeckt wurde, dass dieser ganze Aktionismus gar nicht zu den Zwecken vorgesehen sein kann, denen er angeblich dienen soll, denn wie man ja hier gesehen hat, gibt es da schon längst "bessere" und schnellere Mittel, die den Behörden auch vertraut sind - und auch deren Einsatz ist (wie das Beispiel zeigt) nicht über den Verdacht der Fragwürdigkeit erhaben.

Danke für diesen Link - toller Fund!


Nachtrag: Stand der Petition: 87087 Mitzeichner!

Liebe Grüße
R.

barbara seiler
20.10.2010, 11:50
Wieder einmal zum Thema Zensur, die mir aktuell wieder sehr präsent scheint.

In den vielen Biotopen und Biotöpchen des Internet scheint das Recht, seine Meinung zu äussern, in vielen Fällen zu den geringeren Gütern zu zählen... Vorrang bekommt hingegen die Ideologie, und die Bequemlichkeit von jenen, die die Plattform tragen.

hier
http://www.feuerkreise.at/portal.php
darf noch nicht mal gewusst werden, wer überhaupt moderiert. Noch nicht mal als Nick. Begründung: wenn keine Namen bekannt werden, wird es neutraler, die Moderatoren werden als Personen nicht angegriffen. Und das wird auch durchgesetzt, nur schon die Frage nach den Namen der Moderatoren zieht eine Verwarnung nach sich...

ist ein interessantes Experiment - meiner Auffassung nach kann das nicht wirklich gut gehen. Die Zeit heute verlangt Transparenz, nicht Versteckenspielen.

eine andere Plattform mit starker Beschränkung der Ausdrucksfreiheit ist diese hier:
http://forum.emma.de/forum.php
wo jeder einzelne Beitrag VOR dem Veröffentlichen moderiert und je nachdem gutgeheissen wird oder nicht. Was so klingt, als ob es nicht dem feministischen Dogma entsprechen würde, wird gar nicht erst veröffentlicht.

Auffällig ist, dass gerade jene, die zensieren, dies im Namen guter und richtiger Werte tun: im Namen von Respekt, Würde, Menschenrechten.

dennoch stellt sich bei mir dringend die Frage: wer überwacht die Wächterinnen? Und was passiert mit der Energie von all dem, was sehr wohl gedacht und gefühlt wird, aber nicht ausgesprochen werden darf? Es ist doch eine Illusion anzunehmen, dass diese Inhalte einfach verschwänden, und dass sie nicht mehr wirken - die aufgestauten Ressentiments werden ihren Weg wieder zurück finden, anders kann es doch gar nicht sein...

grüsse, barbara

barbara seiler
01.06.2011, 09:35
die Freiheit des Internet mag zweifelhaft sein - als Werkzeug für die Freiheit wird das Internet je länger je mehr genutzt:

http://www.sueddeutsche.de/politik/proteste-in-frankreich-und-spanien-die-jugend-stuermt-die-bastille-1.1103515

Junge Leute organisieren Demos und Proteste und finden sich zusammen... und das über Landesgrenzen hinweg.

Während die Regierungen nach wie vor an einem veralteten Nationalstaatgedanken anhängen, der nicht mehr wirklich funktioniert. Nationalstaaten müssen ja nicht aufgehoben werden - aber es ist wohl an der Zeit, sie in umfassendere Kontexte einzubinden. Und das nicht von oben, wie in der politischen Bruchbude EU geschehen ist, sondern von unten.

grüsse, barbara

Roadrunnerfn
01.06.2011, 17:55
Ich glaube auch, dass die Informations-Generation völlig neue Wegen gehen wird.
Wir haben diese Informationsflut zu Verfügung. Aber die meisten sind doch nicht damit aufgewachsen. Wir kennen das Internet zwar, doch denke ich, es ist uns noch nicht so "intus" wie der jungen Generation.
Die werden mit der Zeit noch ganz andere Visionen umsetzen.

Und ja, wenn hier die Politik nicht mitzieht, wird sie wohl irgendwann überholt werden.
Wie übrigens bereits seit S21 geschehen: Proteste und Gegenaktionen der Polizei wurden unter den S21 Gegenern fast Generalstabsmässig abgecheckt, geplant und umgesetzt.
Information war dabei ein zentraler Punkt.

Und diese Information kann die Massen bewegen.

Darum bin ich ja so ein Bildzeitungsgegner....falsche Information, zu viel Masse....:o

Grüssle

Frank

barbara seiler
10.10.2011, 19:43
der deutsche Staatstrojaner macht wieder einmal negative Schlagzeilen:
http://www.ccc.de/de/updates/2011/staatstrojaner

und ist offenbar schon fleissig im Einsatz.

Da bleibt wieder mal nur ein grosses Kopfschütteln...

grüsse, barbara

annemi
13.10.2011, 12:42
George Orwells 1984-Szenario rückt langsam immer näher. Ich hoffe dass wir noch die Kurve bekommen werden...

barbara seiler
13.10.2011, 14:55
mir scheint, die Welt habe Orwell schon längst überholt... mit deutlich raffinierteren Werkzeugen als jenen, die Orwell sich vorstellte. Raffiniert darum, weil viele Menschen sie sich freiwillig antun. und weil halt vieles einfach praktisch ist.

grüsse, barbara

annemi
20.10.2011, 18:28
Es wichtig, dass das Volk sich weiterhin gegen solche Bespitzelungen wehrt.
Hätte ich auf meinem Rechner irgendwas entdeckt hätte ich mich direkt ohne zu Zögern an juristischen Beistand wie einen Rechtsanwalt in Böblingen (http://www.kanzleipetermann.de/) gewand. Nicht weil ich irgendetwas zur verstecken hätte, da könnten sie lange suchen, sondern um herauszufinden, was meine Rechte als Bundesbürger sind und wie ich gegen ein solches Vergehen an meiner Privatsphäre vorgehen könnte.