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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : An den persönlichen Grenzen...


Roadrunnerfn
06.04.2009, 22:28
...ein besserer Titel ist mir nicht eingefallen, vielleicht gibts dazu ja auch mehr zu schreiben.

Mir gehts heute darum, wie ich mit eigenen Krisen fertig werde.

Das gelingt mir im Moment erstaunlich gut. Man kann verschiedenste Werkzeuge wählen dazu:
-gegen grummelige Gedanken hilft Ablenkung...zB in Form meiner Garten-Eisenbahn.
-gegen katastrophale Erwartungen hilft das Besinnen aufs JETZT, ein Apell an die Ratio
-gegen das als persönlich empfundene Leid (jeder Form) hilft der Vergleich mit der Welt.

Und hier stosse ich an Grenzen:
Ich erwische mich immer öfter, wie ich einer schweren Situation begegne, indem ich das leid anderer sehe.
Wenn ich der Meinung bin, es sollte mir schlecht gehen, denke ich an die mittelbar und unmittelbar Betroffenen des Amoklaufes, denke an die frierenden Opfer der Erbebenkatastrophe in Italien oder (ganz oft) einfach nur an ein Kind in Afrika, das jeden Tag 10 km zum Wasserloch wandert, einen Eimer Wasser aufnimmt und 10 km wieder zurückwandert.

Nun ist es mir in den letzten 2-3 Jahren gelungen, in meinem Leben sehr viel zum Positiven zu ändern. Ruhiger zu werden, ja, demütiger zu werden.

Aber bei den Vergleichen mit den Menschen, die schlechter dran sind - bei diesen Vergleichen haperts. Sie helfen mir, demütig zu denken, demütig zu sein.
Sie helfen mir, dankbar zu sein, nicht zu sehen, was ich nicht habe, sondern zu sehen, was ich habe.
usw. usw.

Aber es gärt in mir der Verdacht, dass an diesem Denken etwas falsch ist.
Ich kann es nur nicht fassen.


Was denken die Menschen, die mir als Seelenhilfe dienen müssen?
Wie geht es ihnen?
Was würden sie über MICH denken?

Sie würden sich vielleicht fragen, warum ich nicht helfe, nicht teile.
Es sind zu viele.

Warum helfe ich nicht EINEM?--Weil sich mein Gerechtigkeitssinn dagegen sträubt.

Was tun wir aus Güte, was aus eigener Seelennot? Helfen wir Opfern oder misbrauchen wir sie?

Solange ich diese Zeilen schreibe habe ich ständig eine Vision einer Handvoll Getreide.
Und mein Kopf konstruiert dazu die Geschichte: ich sehe darin die tatsache, dass ich genügen zu essen habe, und ich sehe auf die Welt...es geht mir gut.
Und ich werfe das Getreide in den Wind, weil ich nicht in der Lage bin, HIER zu helfen.


Grüsse

Frank

barbara seiler
07.04.2009, 09:33
Hallo Frank

nur ganz kurz als Input (ich muss gleich weg)

Der Lehrer aus Nazareth hat aufgefordert "liebe deinen Nächsten wie dich selbst" - und nicht "liebe deinen Fernsten wie dich selbst".

Zum Leben auf der Erde gehört dazu, nur begrenzte Macht zu haben... auch hier gibt es Anlass für Demut: ich kann nur begrenzt was tun, also tue ich immerhin das, was geht, mit den Menschen und Wesen, die mir nahe sind - und lege den Rest in Gottes Hand.

grüsse, barbara

Johanna-Merete
07.04.2009, 23:38
Hallo Frank,

ich bin hier "neu" hier im Forum.

Und ich lese seit einer Weile mit, heut möchte ich Dir antworten, auf Deine Frage:

Aber es gärt in mir der Verdacht, dass an diesem Denken etwas falsch ist. Ich kann es nur nicht fassenIndem ich Dir davon berichte, wie ich damit umgehe.
Es hat eine Weile gebraucht, bis ich für mich in meinem Leben akzeptiert habe, dass alles, was ich erfahre, erlebe dazu dient, mit all meinen Sinnen Erfahrungen zu machen.

Darum sind "wir" m.E. auf der Erde, um in einem menschlichen Körper mit allen Sinnen zu er-leben, denn das ist nur hier möglich.

Wenn ich nicht bewerte, dann bleiben es einfach Erfahrungen, die wohltuend oder nicht wohltuend sind. Es ist mein Empfinden, das mich veranlaßt, es so zu belassen oder es verändern zu wollen.
ICH BIN der Boss in meiner Realität, die ich erschaffe, bewusst oder unbewusst.

Wenn ich also sehe, dass Menschen erschossen werden, vergewaltigt, ermordet, mit dem Flugzeug abstürzen, .... dann ehre ich ihren Weg, ihre Erfahrungen, die sie machen wollten.
(Ja, auch ich bin betroffen, Vergewaltigung d. d. Vater z.B., war anfangs nicht so einfach, auch dies als meine Wahl zu akzeptieren).

Es besteht ein eminenter Unterschied, zwischen MitLEID und MitGEFÜHL.

Selbstverständlich entscheidest Du, was Du denkst, fühlst usw. Der Verstand ist begrenzt, er arbeitet mit "Bekannten" - das Gefühl, die Intuition .. ist es nicht, sie ist frei, grenzenlos.

Vielleicht haben Dir meine Ant-worte-n ein wenig geholfen, das würde mich freuen.

Herzlich grüßt
Johanna-Merete

Roadrunnerfn
08.04.2009, 00:30
...es ist einfach eine neue Erfahrung für mich.

Auf meinem Weg, Dinge anders zu sehen, war ich schon oft an Grenzen.
Logisch gezogene Grenzen, die kein "ein bischen was hiervon und ein wenig davon" erlauben.
KLAR gezogene Grenzen.

Und stosse ich immer mehr zu Erkenntnissen vor, die das Überschreiten dieser Grenzen zwar auch nicht erlauben, aber die es unnütz machen.
Weil sie diesseits und jenseits egalisieren, die Grenzen auflösen oder einfach ganze Themen auflösen, die wie Grenzen um mich gesponnen sind.

Es offenbart sich vor mir mehr und mehr ein Weg, der mir im Moment fast unbeschreiblich scheint.
Und der Drang wird mächtig, niederzuknien und zu beten.

Nicht, weil ich an EINEN Gott glaube. Sondern weil es mir heilsam scheint, die spirituelle Meditation zu suchen.
Nicht weil ich glaubte, in einer Kirche wohne der heilige Geist, sondern weil es Orte gibt, die auf mich wirken und an denen ich MEIN Gebet zu MEINEM Gott finden kann.
Ich komme den Ritualen der verstossenen Religion immer näher und beginne, die menschen zu verstehen, wenn sie zur Kirche gehen und dort etwas besonderes suchen.
Ich beginne, diese Rituale als einen Weg zu sehen, spirituelle Meditation
durchführen zu können, auch wenn die Augen durch Trauer oder Verzweiflung nur verschwommen sehen und der Kopf nicht mehr klar denkt.

Und so sitze ich heute abend und zweifle an der Welt,
und ich möchte still beten, für alle Menschen, für alles Leben.
Für alle Getöteten und alle Vergewaltigten, für jeden, dem Leid widerfährt.

--nicht weil ich hoffe, es möge ein Gott kommen und es richten. Sondern nur für den Fall, dass es hilft. Es wäre mir egal, warum!

Und einmal mehr hör ich mich an wie ein Pfarrer, auch wenn das, was ich von jenen hörte, nicht den Inhalt dessen hatte, was in diesen, meinen Zeilen steht.

Einmal mehr erinnere ich mich an den Mann, der mir wie ein Orakel voraussagte, dass ich "meinen Glauben wiederfinden" werde.

Und einmal mehr finde ich mich inmitten dieses egozentrischen Weltbildes wieder, in dem sich alles nur um mich dreht, sogar dann, wenn es darum geht, für andere zu beten.

Wer sind die anderen?- Warum schmerzt ihr Leid plötzlich so?
Beginnen wir zu sehen, dass wir alle eins sind?

Ist es an der Zeit, die Prophezeiung zu erfüllen, und dem Atheismus abzuschwören?

Vielleicht ist es auch schon längst geschehen.

Das ist alles äusserst grenzwertig. Hier geschieht etwas in einer Grössenordnung, die mir unheimlich scheint.
Vielleicht habe ich es auch schon wieder "verhirnt", vielleicht aber lebe, spüre und erfahre ich aber im Moment mehr, als mir je im Leben zuteil wurde.


Sehr--SEHR nachdenkliche Grüsse

Frank

barbara seiler
08.04.2009, 08:11
Hallo Johanna, herzlich willkommen hier!:)

Hallo Frank

Und der Drang wird mächtig, niederzuknien und zu beten.

nun, dann frisch zur Tat geschritten! - ich nehme allerdings an, du tust es schon.

Das ist alles äusserst grenzwertig. Hier geschieht etwas in einer Grössenordnung, die mir unheimlich scheint.
Vielleicht habe ich es auch schon wieder "verhirnt", vielleicht aber lebe, spüre und erfahre ich aber im Moment mehr, als mir je im Leben zuteil wurde.

Ich bin nicht sicher, was das genau mit dir geschieht - es fühlt sich allerdings tatsächlich nach etwas Tiefem, Grossem an. Und es fühlt sich nach einem guten, richtigen Weg an... vielleicht nach einem Weg, der nicht immer einfach ist, und einem, der manchmal weh tut, aber dennoch ein guter und richtiger Weg.

Ich habe Vertrauen, dass du die Antworten finden wirst, die du benötigst, wenn du diesen Weg weiter gehst... mit allem, was dazu gehört, inklusive den Zweifeln und Fragen.

liebe grüsse und *knuddel*
barbara

gutekrise
06.01.2012, 20:34
Erstmal ein herzliches Hallo an alle hier im Forum.

Toll Frank das du die so genau damit auseinandersetzt.Bleib dabei.

Ich finde an diesem Denken ist nichts falsch. Gedanken sind doch frei und du verletzt keinen.
Ich weiß welche Selbstzweifel du meinst, aber die kommen doch sowieso, also was soll´s:-)
Nur zu lassen!

Plankton
08.01.2012, 23:48
Hallo Frank, Barbara, Johanna


Ja Grenzen.. sogar das überschreiten ist möglich.
Leider gibt es dann kein zurück mehr, das Bewusstsein hat sich dann schon verändert.

Ich habe da übrigens sehr guten Stoff von 1983!
Dieser Pfarrer hat einen großen Geist gehabt, seine Gedanken beeindrucken.
Und machen nachdenklich über die heutige Welt und Mentalität.

Hier mal zwei seiner Videos:
Pfarrer Hans Milch - Die Massendemokratie

http://www.youtube.com/watch?v=4iHaKy8osaA



Pfarrer Hans Milch - Die teuflische Konzils-Ideologie

http://www.youtube.com/watch?v=BIqHQzwR_rw

Plankton
08.01.2012, 23:58
Pfarrer Hans Milch - Die innere Zeitlosigkeit

http://www.youtube.com/watch?v=Ism_zEEVfCE&feature=related

Avaneel
21.01.2012, 15:49
Hallo zusammen,

diesen thread nutze ich gerne, um mich vorzustellen, da mich das Thema ebenfalls beschäftigt.

Nach meiner Erfahrung ist viel Anstrengung und Reflexion notwendig, um bewusster zu werden. Nur wenn ich immer mehr erkenne, wie ich mich tatsächlich verhalte und welche Motive ich tatsächlich verfolge, dann verändert sich auch mein Handeln dauerhaft. Sonst bleibt es eine Fassade, die dich beim nächsten Sturm wieder wandelt.

Krisen können da hilfreich sein, weil es Situationen sind, in denen ich mit meinen Vorstellungen scheitere, und dann sensitiv bin für Aspekte und Bereiche, die ich zuvor übersehen oder gar ignoriert hatte.
Nichtsdestotrotz sind Krisen natürlich schmerzhaft.

Ich kann jedoch aus eigener Erfahrung berichten, dass sich meine Fähigkeit mit Krisen umzugehen, im Laufe der Jahre gewandelt hat. Oder etwas in mir hat sich gewandelt, kann auch sein. Die Frage nach der eigenen Rolle oder dem eigenen Zutun in Veränderungeprozessen ist ja nicht immer ganz einfach zu beantworten.

So weit so gut, mit einem möglichst positiven Aspekt meinerseits zum Thema Krisen (in Alltag und Spiritualität).

Liebe Grüße
Avaneel

barbara seiler
21.01.2012, 17:23
Hallo Avaneel

herzlich willkommen:winke:

Die Ehrlichkeit sich selbst gegenüber - so gut es in einem bestimmten Moment eben gerade geht - ist sicher einer der wichtigsten Punkte, wenn man eine spirituelle Entwicklung gehen oder zulassen will.

Ich bedaure auch sehr, dass bei vielen Leuten alles Spirituelle oder Esoterische einen schlechten Ruf hat, wenn gesagt wird: Wasser predigen und Wein trinken - Heuchler - schöne Worte aber keine Substanz... was leider auch immer wieder vorkommt.

Aber es gibt ja auch glücklicherweise immer wieder aufrechte Menschen, die ich mir gerne und mit Gewinn zum Vorbild wähle.

grüsse, barbara

Avaneel
21.01.2012, 17:57
Hallo Barbara,

danke für deine Begrüßung :)

Du sprichst mir aus der Seele: Spiritualtät ohne Ehrlichkeit, was sollte das sein? Wenn ich schon nicht mir gegenüber ehrlich sein möchte, was mache ich dann erst mit anderen Menschen?
Aber ich gestehe, oftmals bin auch ich erst mal damit beschäftigt mir einzugestehen, wo ich nicht ehrlich bin mir gegenüber. Oder besser gesagt, erst mal zu sehen, wo ich mir selber etwas vormache. Kann sehr schmerzhaft sein ... aber langfristig erfahre ich es als sehr lohnenswert.

Ich bin auf Youtube gerade über ein paar neue Videos zu Paul Lowe gestolpert (von Zeit zu Zeit komme ich doch immer wieder auf ihn zurück) ... irgendwie überarbeitete talks, aber ziemlich klar, nach meinem Empfinden. Gerade kam etwas Kurzes zu addictions / Süchten ... ebenfalls ein wichtiges Thema zu persönlichen Grenzen und Krisen, findest du auch?

http://youtu.be/o0CKeZJ5gz4

Ich hatte zu Schlucken, erkannte ich mich doch wieder. Also lohnenswert ;)
Nun ja, der Weg ist das Ziel ...

Liebe Grüße
Avaneel