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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : mut lernen - Angst überwinden


barbara seiler
10.03.2009, 12:59
Hallo zusammen

diese Frage beschäftigt mich schon seit langem - wie kann Angst überwunden werden? ich habe so ein paar Techniken entwickelt, aber dennoch - Angst behindert und Angst macht vieles schwierig, was eigentlich gar nicht schwierig sein müsste...

bin grad etwas ratlos und frage mich, muss es denn immer so anstrengend sein? Ich habe das Gefühl, nein, muss es nicht - aber wie komme ich dazu?:confused:

grüsse, barbara

Celestine
10.03.2009, 13:43
Die Angst überwinden, das zentrale Thema schlechthin.

"Techniken" oder "Strategien" werden da nichts bringen, denn Angst gehört in die Domain des Ego, und das Ego ist trickreich und wird stets bemüht sein, dich in Sicherheit zu wiegen und nur ja immer schön weiter an es zu glauben.

Angst löst sich auf, wenn Du Dich der Liebe zuwendest.

Liebe Barbara, Du hast zuhause so ein dickes blaues Buch... das könnte helfen ;)

Liebe Grüße,
Astrid

barbara seiler
10.03.2009, 17:22
Hallo Celestine

jaja, das blaue Buch... du weisst, dass ich skeptisch bin, aber ich könnte ihm ja doch noch eine Chance geben.;)

Techniken und Strategien brauch ich trotzdem. Irgendwas, was ich tun kann. Mich auf's blaue Buch einzulassen, das IST ja eine Strategie.

Vor allem aber steht es an, die Freude zu finden... und an der hat es in der letzten Zeit doch gemangelt. Ich falle in den letzten paar Wochen immer sehr schnell in Trübsinn und Zweifel und finde nicht leicht daraus hinaus.

grüsse, barbara

Celestine
10.03.2009, 18:14
Liebe Barbara,

zu Trübsal und Zweifel hätte ich auch immer wieder Grund. So geht es jedem! Grund läßt sich immer finden. Je nach dem, worauf der Fokus fällt, und vor allem, je nach dem, wie man dann darüber denkt!

Tja, was könnte ich Dir außer dem blauen Buch noch raten... hmmm.... nimm´s nicht persönlich, egal was es ist! Das funktioniert immer als Erste-Hilfe-Paket, und kann durchaus zu einer Lebenseinstellung werden. Es ist wirklich nur eine klitzekleine Entscheidung, die es dazu braucht. Der Berg (Sorgen, Ärger, Zukunftsvisionen, Verletztheit, etc.), den das Ego davorzuschieben scheint, er ist gar nicht da, er verschwindet, wenn Du ihm den Glauben an ihn entziehst. Und eh Du Dich versiehst, scheint die Sonne.

http://www.smilies.4-user.de/include/Wetter/smilie_wet_004.gif (http://www.smilies.4-user.de)

barbara seiler
10.03.2009, 18:43
Hallo Celestine

nun, der Grund ist immer derselbe: auf Leute zugehen. Das war schon seit eh und je ein grosses Thema bei mir, mit sehr viel Angst verbunden (ohne dass ich einen speziellen Grund dafür kenne), und ich frag mich wirklich, was braucht es denn noch, bis ich mit Leichtigkeit und Selbstvertrauen auf die Leute zugehen kann, ohne dass ich jedes Mal meinen ganzen Mut zusammennehmen muss für ein einfaches Telefongespräch oder email? Und manchmal mehrere Tage benötige, bis ich es endlich hinkriege? Das ist einfach keine Lebensqualität, das... :-/

und das Thema lässt sich nicht mehr vermeiden. Während langer Zeit konnte ich immer irgendwie rundherum schleichen und die Dinge irgendwie anders erledigen, aber das ist nun keine Option mehr...

grüsse, barbara

Roadrunnerfn
10.03.2009, 19:21
Angst scheint mir ein Werkzeug EGOs zu sein, mit dem es sehr viel Egozentrik erzeugt:
Angst betrifft mich - direkt.
Aus Angst entseht Zweifel, VER-zweiflung und sogar Hass. Nämlich dann, wenn man sich sehr ärgert darüber, dass man Angst hat.
Am Ende ist gar die blöde Verhaltensweise von zB Neonazis im Grunde nur Angst: Angst um die eigenen Werte, Bedrohung des (vermeintlich) Bestehenden.

Dabei zeigt uns Angst immer dann ihr wahres Gesicht, wenn wir ihr direkt in die Augen sehen:
Sie ist ein Paradebeispiel unserer selbtkreierten Welt: blicken wir tief und direkt, löst sich Angst auf.

Warum ist es aber so schwer?
Nun, ich kenne es von mir selbst: wenn man Angst begegnen will, und weiss, dass man tief blicken muss, dann weiss man auch, dass einen NEUES erwartet. Und man weiss nicht, ob man das will...neue Angst kommt auf, vor dem, was man antreffen könnte.
Der Angstkreisel entsteht.

Und GERADE wenn es darum geht, auf Menschen zuzugehen, geht es mir immer wieder genauso.
Wenn ich ihn aber durchbreche, dann ernte ich meistens mehr, als ich Mut benötigte, um den Schritt zu tun.

Und ich denke, es kommt darauf an, WIE wir Menschen begegnen. Ich scheitere immer, wenn ich mit der "jetzt muss man da aber mal"-Einstellung rangehe.
Denke ich aber: " Warum klappt das denn nicht...wie nimmt das der Betreffende Wahr..wo stehe ich in der Geschichte?" (sehr oft dort, wo es nur weniger, anleitender Worte bedarf), dann flutscht es.

So gesehen ist Herrn Hawkins Aussage einfach ein Multifunktionswerkzeug:

Wenn ich die (geringe) Demut aufbringen kann, zuerst an (wie) mein Gegenüber zu denken, dann ist jene Brücke bereits vorhanden, die man so oft durch zu reserviertes Verhalten nicht aufbauen lässt.

Was man dadurch erntet, ist die Aufmerksamkeit und einen gewissen Respekt.
Ganz von alleine.

"Wenn wir Gewinn als Motiv aufgeben, antwortet das Leben mit unerwarteter Freigiebigkeit."

Und ich wünschte mir immer, ich würde diesen Satz NIE vergessen. Keine Stunde, keine Sekunde.

Grüssle

Frank

barbara seiler
10.03.2009, 22:32
Hallo Frank!

"Wenn wir Gewinn als Motiv aufgeben, antwortet das Leben mit unerwarteter Freigiebigkeit."

wirklich ein genialer Satz - von Hawkins?

Wobei, nicht einfach umzusetzen, bei dem ganzen finanziellen und sonstigen Druck - und den zwei Stimmen, von denen eine sagt "du kannst es dir nicht leisten, Dinge wegen dem Geld zu tun" - und die andere sagt "du kannst es dir nicht leisten, Dinge nicht wegen dem Geld zu tun." andererseits stelle ich fest, wenn ich Dinge ohne Freude mache, so gehen sie schief.

Und typisch ist wieder - sobald ich so einen Thread aufmache, ganz heulendes Elend (oder fast), so hilft mir das loszulassen und Dinge können geschehen... tolle Dinge.:)

Wenn ich die (geringe) Demut aufbringen kann, zuerst an (wie) mein Gegenüber zu denken, dann ist jene Brücke bereits vorhanden, die man so oft durch zu reserviertes Verhalten nicht aufbauen lässt.

nun, was mich betrifft - durch den Rückzug ins Schneckenhaus können mich andere Leute ja gar nicht kennen lernen. Ich hab das irgendwo sehr tief in mir drin, dass es nicht sicher ist, mich zu zeigen - sondern das sicherste ist der Totstellreflex. Was in der Situation hier und heute natürlich totaler Unsinn ist...

liebe grüsse
barbara

Roadrunnerfn
10.03.2009, 23:03
ja, der ist von Hawkins, der Satz.
Und wirklich einer seiner besten, wie ich finde.
Weil so universell anwendbar.

Dabei ist natürlich irgendwie alles, was wir als Menschen tun, in der einen oder anderen Art gewinnstrebend.
Nach meinen Erfahrungen aber geht es in erster Linie mal darum, den ersten, aufdringlichen Gewinngedanken abzulegen.

Eines der nichtnaheliegenden Beispiele dazu ist der Zwist mit Verwandten oder Bekannten..oder anderen Bezwisteten.
Sich hier zurückzunehmen, demütig zur Seite zu treten, NICHT jedem Stichel einen Stachel folgen zu lassen....bringt ungeheure Lebensfreigiebigkeit.
Wenn wir nur die Angst überwinden, zweitplatziert zu sein. NICHT im Streitgespräch der bessere zu sein. Sondern derjenige, der auf den anderen zugeht und die Friedenspfeife hinreicht.

Das ist ein solcher Hammer...vor allem, wenn da noch andere stehen, die um meine eigene Fertigkeit des Streites wissen....die vielleicht auch sehen, mit welcher Leichigkeit man hätte "gewinnen" können. Die sehen, wieviel man gewonnen hat dadurch....

Und Schneckenhaus ist ja wohl auch ein solcher Angstzustand, der auf einem latenten Gewinnstreben beruht:
Hier drin ist alles gut...zumindest bekannt. Hier kann ich sein.

Wir versuchen, uns einen Gewinn -unsere Ruhe nämlich- zu ergaunern, wohlwissend, dass vor dem Schneckenhaus die anzugehenden Themen immer dichter werden. Immer erdrückender, beängstigender.
Wer hier aufhört, den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen (NÄMLICH den vermeintlichen Gewinnweg: nix getan--nix falschgemacht), der wird viele Dinge sehen:
die Leichtigkeit, mit der sich viele Probleme auflösen, wenn man sie angeht.
die Nützlichkeit der Mühe, die man sich macht
die Unverkrampftheit, die aussagt, dass man einem Machtkampf entsagen kann, wenn man mit ruhiger Kraft arbeitet.

Übrigens: in Verzweiflung vor sich hin zu arbeiten ist so eine Situation:
nicht mehr können, nicht mehr wollen, nichts mehr sehen, nichts mehr spüren.
Hier beginnt die grosse Reise mit dem kleinen Schritt:
ETWAS tun.
Das ERSTE tun. Dann das Zweite. Nicht mehr nachdenken, wieviel Cash jeder Handgriff bringt.
Sondern ihn tun, weil er scheint, getan werden zu sollen.

So tun wir in unserem SINNE, so erarbeiten wir uns unser Leben.
Wir können auch wie in Trance arbeiten, und werden feststellen, dass wir -unverdorben von Gier und Perfektionismus- am Abend die wertvollste, gewinnbringendste und perfekteste Arbeit geleistet haben.

Bete und arbeite

Wenn ich so noch eine Weile weitermache, dann werd ich noch zum Priester.


Grüssle

Frank

barbara seiler
11.03.2009, 08:17
Hallo Frank

ja, mir scheint, du hast ein noch nicht ganz ausgelebtes Talent für Predigten. Aber, wenn ich mich recht erinnere, hab ich dir das nicht schon mal gesagt? Zum Thema deiner wunderschönen Briefe, die du zu Weihnachten verschickst?:o

Nach meinen Erfahrungen aber geht es in erster Linie mal darum, den ersten, aufdringlichen Gewinngedanken abzulegen.

ja, da hast du sicher recht. dann können Dinge ins Fliessen kommen... doch ich finde das ganze Thema Gewinn, Geld, Verdienst etc sehr schwierig. Ständig ist der Druck da, etwas liefern zu müssen...

Und Schneckenhaus ist ja wohl auch ein solcher Angstzustand, der auf einem latenten Gewinnstreben beruht:
Hier drin ist alles gut...zumindest bekannt. Hier kann ich sein.

hier geht es, so wie ich es erlebe, eher um die andere Seite der Medaille: die Angst, das zu verlieren, was jetzt schon da ist. Quasi das Bedürfnis, den Moment einzufrieren und ihn ewig so gleich zu machen...

Womit ich nun gerade ganz neu verstehe, was gemeint ist:
"werd ich zum Augenblicke sagen
verweile doch! du bist so schön!
Dann magst du mich in Fesseln schlagen,
dann will ich gern zugrunde gehn!"

- Stillstand, das ist schon Tod, Verderben, da fliesst nichts mehr.

Das ERSTE tun. Dann das Zweite. Nicht mehr nachdenken, wieviel Cash jeder Handgriff bringt.
Sondern ihn tun, weil er scheint, getan werden zu sollen.

Stimmt. Wenn ich mich beobachte, so scheinen im Moment alle möglichen Dinge getan werden zu wollen, von denen in den Sternen steht, wie es mit Cash aussehen mag... nun, wie auch immer. Eins am Andern.

Die Freude ist wirklich das Wichtigste, der Freude zu folgen... da kann sich auch Angst auflösen.

grüsse, barbara

Celestine
12.03.2009, 14:11
Hallo Celestine

nun, der Grund ist immer derselbe: auf Leute zugehen. Das war schon seit eh und je ein grosses Thema bei mir, mit sehr viel Angst verbunden (ohne dass ich einen speziellen Grund dafür kenne), und ich frag mich wirklich, was braucht es denn noch, bis ich mit Leichtigkeit und Selbstvertrauen auf die Leute zugehen kann, ohne dass ich jedes Mal meinen ganzen Mut zusammennehmen muss für ein einfaches Telefongespräch oder email? Und manchmal mehrere Tage benötige, bis ich es endlich hinkriege? Das ist einfach keine Lebensqualität, das... :-/


Nun, Barbara, das ist ja ein sehr konkretes Problem, dass sich bestimmt auch konkret lösen läßt :)

Vorschlag: Probiers mal mit der "Schauspielerstrategie".
Die geht so: In der kommenden Begegnungs-Situation (persönlich oder telefonisch), distanzierst Du Dich so weit du eben kannst, völlig von Deiner Person. Statt dessen schlüpfst Du in die Haut von *** (Bitte Rollennamen einsetzen), und bist damit völlig frei in "Deiner" Handlung. Du machst einfach was ansteht, und schaust mal, was Dir so in den Sinn kommt :D
Möglicherweise hilft es, Dir vorzustellen, Du seist Barbaras Agentin. Du willst - als Barbaras Agentin - natürlich nur das Beste für Barbara und kennst sie besonders gut :D

Eines ist auf jeden Fall in allen Alltags-Situationen wichtig, die Angst machen (aus welchen Gründen auch immer). TU ES! Weg mit den Ausreden und der Aufschieberei. Gib der Angst keine Chance, Dir einzureden, es gäbe sie wirklich. Und stopf dem inneren Kritiker das Maul, wenn er Dir vorher oder hinterher einen erzählen will, was Du nun schon wieder verbockt hast oder falsch gemacht haben könntest....

Es ist alles gut! Es gibt überhaupt gar nichts zu fürchten! Dir kann nichts passieren! Alles ist in bester Ordnung! Du bist geliebt! Du bist LIEBE!

barbara seiler
12.03.2009, 16:33
Hallo Celestine

ja klar, es geht um ein konkretes Thema. Es geht IMMER um etwas Konkretes. Theoretische Diskussionen im luftleeren Raum sind nicht so mein Ding...;)

Weg mit den Ausreden und der Aufschieberei.

Genau hier ist mein Haken. Wie komme ich vom "wollen" ins "tun"?

Ich habe festgestellt, es hat mit Freude zu tun. Wenn ich in Freude bin, dann gehen viele Dinge gleich deutlich besser. auch in der Liebe zu sein hilft.

Vor allem aber auch, zu wissen, was ich will, und die Wertschätzung gegenüber mir selbst zu haben, es mir zu gönnen...

grüsse, barbara

Celestine
12.03.2009, 17:44
1.: es geht um ein konkretes Thema. Es geht IMMER um etwas Konkretes. Theoretische Diskussionen im luftleeren Raum sind nicht so mein Ding...

2.: Genau hier ist mein Haken. Wie komme ich vom "wollen" ins "tun"?

Ich habe festgestellt, es hat mit Freude zu tun. Wenn ich in Freude bin, dann gehen viele Dinge gleich deutlich besser. auch in der Liebe zu sein hilft.



Also zu 1.: es geht um eine konkrete Handlung. Die Angst selbst ist nicht konkret, sie ist diffus. Wenn Dir die Wurzel der Angst klar wäre (womit sie konkret würde) hättest Du sie nicht!

2.: So zäumst Du das Pferd von hinten auf.
Es gibt nichts, was Dich am TUN hindern könnte. Da ist nichts, außer einer Einbildung, die Dich vom Handeln abhält und sich ausschließlich in Deinem Denken abspielt!
MACH einfach. Dann wirst Du feststellen, wie die Freude durchbricht. Unbändig und erfüllend, weil Du sie damit befreist, indem Du Dich von Deinem blockierenden Denken befreist.

Probier´s aus ;)

barbara seiler
12.03.2009, 18:03
Hi Celestine

ich bin nicht sicher, ob das Wissen um die Wurzel einer Angst dazu geeignet ist, die Angst zu entfernen. Ich hab durchaus auch so meine Vermutungen, die was mit Scheiterhaufen, Folterkammern und vergangenen Leben zu tun haben.

mein aktuelles Problem ist wieder mal: ich weiss nicht, was ich genau tun will. Mir fehlt das grosse "JA GENAU DAS", also überarbeite ich mal einen Artikel und verfeinere ihn ein bisschen... angstfrei und was Besseres fällt mir auch gerade gar nicht ein.

Im Moment hab ich das Gefühl, ich bin furchtbar kompliziert, und vor allem auch, dass sich nur durch das Schreiben die Situation verändert und daher alle Antworten hier nie wirklich gerade zu dem passen, was aktuell los ist... ich hoffe, ihr verzeiht das einer aktuell etwas verpeilten Admina.:o

Die Antworten, die du gibst, sind wohl alle gut und richtig, nur irgendwie im Moment bin ich so gelagert, dass ich gerade gar nichts damit anfangen kann.

indem Du Dich von Deinem blockierenden Denken befreist.

ich hab den Eindruck, es blockiert eher so rund um den Bauch herum, weniger im Kopf. Da ist wohl eher ein blockierendes Verdauen, auch nahrungsmitteltechnisch hab ich in letzter Zeit enorm viel Lust auf Süsses...

ausserdem habe ich viel Selbstmitleid.

und ich bin verwirrt und wage nicht zu vertrauen.

und bin orientierungslos. alles ist so formlos.

öh - naja. Wie auch immer. ich hab keine Ahnung von gar nix.

:o

grüsse, barbara