Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Sudbury-Schulen
barbara seiler
26.10.2008, 21:03
Hallo zusammen
da habe ich ein Schulkonzept gefunden, das ich super finde!
Die Kinder entscheiden selbständig darüber, was sie lernen wollen und wie sie lernen wollen, sie teilen ihre Zeit frei ein, die Organisation der Schule ist demokratisch organisiert - eine Person, eine Stimme, egal ob MitarbeiterIn oder SchülerIn, einfach genial!
http://www.sudbury.de/
grüsse, barbara
R.Daneel
27.10.2008, 13:29
Hallo Barbara,
das liest sich ja toll - aber dass es so gut funktioniert, wundert mich schon. Denn nach etwas fragen kann man doch nur, wenn man weiß wie dasjenige genannt wird - Schreiben, Lesen, Rechnen sind sehr allgemeine Begriffe, das geht noch, Kinder kriegen die nebenbei mit, aber ein Kind kann doch kaum wissen, dass es eine Fremdsprache gibt, die "chinesisch" genannt wird und noch weniger, dass es sich lohnen könnte, diese zu lernen. Und selbst wenn mal jemand auf die Idee kommt, müssten noch Lehrer dafür gefunden werden.
Und wie wird das überhaupt finanziert - "rechtsstaatlich anerkannte" Schulen sind das doch vermutlich nicht.
Muss erstmal mehr lesen :)
Grüßleins
R.
barbara seiler
27.10.2008, 13:48
Hallo R.
dass es gut funktioniert, wundert mich überhaupt nicht. Wenn ich so nachdenke, so habe ich sehr viel von dem, was ich weiss, genau auf diese Weise von meinen Eltern vermittelt bekommen - und ich hatte das Glück, in eine recht gebildete Familie geboren zu werden. Eins meiner allerersten Geschenke überhaupt - da war ich etwa zwei - war ein Buch über die Pyramiden, das mein Vater mir dann erklärt hat, wie das alles ging mit dem Bauen der Pyramiden und den Pharaonen und so. Und ich glaub so ungefähr aber der ersten oder zweiten Klasse wusste ich, was ein (mathematisches) Quadrat und eine Wurzel ist. Einfach so, ich wurde nie gepusht.
Denn nach etwas fragen kann man doch nur, wenn man weiß wie dasjenige genannt wird - Schreiben, Lesen, Rechnen sind sehr allgemeine Begriffe, das geht noch, Kinder kriegen die nebenbei mit, aber ein Kind kann doch kaum wissen, dass es eine Fremdsprache gibt, die "chinesisch" genannt wird und noch weniger, dass es sich lohnen könnte, diese zu lernen.
Kinder leben ja nicht in einer separaten Welt, da kommt alles mögliche durch die Medien herein... unvermeidlich. Und wenn man sich mal mit einem Thema beschäftigt, und mehr Informationen dazu haben will, kommt recht schnell die Grenze, wo Originalliteratur gefragt ist, tiefere Informationen... Auf der verlinkten Homepage hat es ein Schulkonzept als pdf (sehr ausführlich), dort wird erwähnt, dass die meisten von selbst drauf kommen, englisch lernen zu wollen, weil viele Informationen auf dem Internet eben nur auf englisch verfügbar sind.
Schule, wie sie heute ist, ist wirklich nicht für viele Kinder geeignet... für die einen zu schnell, die andern zu langsam, bestimmte Themen interessieren keinen Furz, und wichtige Themen - vor allem jene, die den Umgang miteinander betreffen - werden kaum erarbeitet, und auch nicht zugelassen.
Ebenso bin ich auch nicht der Meinung, dass LehrerInnen dazu da sind, Unterhaltung anzubieten - auch Langeweile darf gelernt und ausgehalten werden - und alle Kinder, die ich kenne, sind wirklich so neugierig und lernbereit, die machen das schon.
Und wie wird das überhaupt finanziert - "rechtsstaatlich anerkannte" Schulen sind das doch vermutlich nicht.
nein, ich nehme an, dass das im Moment noch durch die Eltern finanziert werden muss. Ich bin allerdings überzeugt, dass sich solche Konzepte langfristig durchsetzen werden - weil sie besser funktionieren als herkömmliche Schule, weil sie menschlicher, flexibler, angemessener sind.
grüsse, barbara
Roadrunnerfn
27.10.2008, 19:10
Also, ich finde das Konzept als solches EIGENTLICH genial.
Aber ich sehe natürlich auch seine Gefahren:
Der letzte Depp von Lehrer kann sich vor ein Klasse stellen, was an die Tafel kritzeln und das dann irgendwann in einer Klassenarbeit abfragen.
Dieses System ist Mist, es ist unflexibel und wird den Schülern nicht gerecht.
Aber es hat was vom Militär: dort lernt der Dümmste, ein Gewehr zu bedienen:
"Wir-gut......DIE-böse!........Böse--> auslöschen".
Und auch beim Militär finden sich viele Idioten unter den Ausbildern.
Zurück zum Schulkonzept:
Ich denke, dass dieses Konzept DANN ein echter Wurf ist, wenn die komplette Lehrerschaft incl. der Schulleitung ein überdurchschnittliches Niveau aufweist.
Ich sehe in diesem System die Notwendigkeit höchster pädagogischer Kompetenz, weil ein Lehrinhalt im Grunde immer genau dann eingesetzt werden muss, wenn es reinpasst. Es ist VIEL einfacher für einen Lehrer, das dann zu machen wenn es IHM reinpasst. Dienst nach Vorschrift sozusagen.
Wenn das allerdings funktioniert (das würd ich mir ja fast gern selbst mal anschauen), dann wäre es fast traumhaft toll.
Grüssle
Frank
barbara seiler
28.10.2008, 08:23
Hallo Frank
nun ja, Schule so wie sie heute gemacht wird, ist für LehrerInnen sehr anstrengend. Das ständige Vorbereiten. Das ständige Halten der Disziplin. Das Ständige Programm-Bieten, ständig Kontrolle ausüben... nicht zuletzt der ganze bürokratische Überbau, dens im Moment gibt, Sitzungen hier und Sitzungen da, *börks*
Ich sehe in diesem System die Notwendigkeit höchster pädagogischer Kompetenz, weil ein Lehrinhalt im Grunde immer genau dann eingesetzt werden muss, wenn es reinpasst.
Das hingegen finde ich deutlich einfacher. Reinpassen tut es ja immer dann, wenn ein Schüler danach fragt - da muss als Erstes einfach zugehört werden, und das ist nicht besonders schwer. Und wenn die SchülerInnen etwas bestimmtes lernen wollen, so sind sie auch motiviert, und wenn nicht, dann eben nicht. Auch gut...
grüsse, barbara
PhiloMUc
28.10.2008, 09:57
Vergessen wir aber bitte auch nicht, wie wichtig die Lehrerpersönlichkeit in jedem Schulsystem ist. Wenn da vorne einer mit natürlicher Autorität steht, dem zu dem -neben seinem erlebten Wissen- auch die weitere Lernfreude nicht verlorengegangen ist, dann kann Schule toll sein.
Bin selber an einer Münchner Hauptschule tätig und erlebe, dass es oft gut läuft- für alle.
barbara seiler
28.10.2008, 10:11
Hallo PhiloMUc
herzlich willkommen!:)
Dieses Tier namens *natürliche Autorität* war mir schon immer ein Rätsel. Ich habe natürlich als Schülerin LehrerInnen gehabt, bei denen ging ich sehr gern und fand es spannend - und andere, bei denen fand ich es todlangweilig und es gelang mir nie, sie ernst zu nehmen.
Wenn ich so überlege, es hatte recht wenig mit dem Unterrichtsstil zu tun - da gabs von beiden Sorten solche, die eher leger waren, und andere, die eher streng waren. Mir scheint die natürliche Autorität immer noch so eine Art geheimes Ingredienz zu sein, das sich nicht wirklich festmachen lässt...
doch da du offenbar welche hast - könntest du beschreiben, was du tust, wie du es tust, wie diese Autorität entstehen darf?
neugierige Grüsse
barbara
Roadrunnerfn
28.10.2008, 11:05
Hi Barbara, hi PhiloMUc
erst mal willkommen im Forum!:)
Ich denke, dass "natürliche Autorität" etwas damit zu tun hat, wie man dem Gegenüber vermittelt, dass man Respekt verdient hat (den ja eigentlich jeder verdient!!) Nur manche können das halt nicht rüberbringen und vermitteln dagegen: "ihr könnt mir auf der Nase rumtanzen".
Und dann passiert genau das, Barbara, was Du beschreibst. Die Arbeit des Lehrers wird in jeder Minute ein Kampf zwischen freundlichem Zulassen und autoritärem Verbieten, eine beständige Gratwanderung auf dem Rand eines Pulverfasses.
Wenn Du beschreibst, dass es genau dieser selbstverständliche und freie Weg ist, der eigentlich Lehrern und Schülern viel leichter fällt, dann gehört dazu, dass beide Gruppen daran mitarbeiten.
Weder ein unwilliger Schüler noch ein unflexibler Lehrer werden im freien System Erfolge erzielen.
Und ich bin mir sicher, dass dies daran liegt, dass man mit keinem von beiden leben kann. Wie soll ein noch so engagierter Lehrer einen Schüler motivieren, der sich dauerhaft verweigert, und wie soll ein Schüler von einem Lehrer ein freies Lehrsystem erlernen, wenn der Lehrer nicht in dieses System hineinpasst.
Solange also sowohl Schüler als auch Lehrer WOLLEN, denke ich, hast Du recht: Dann fällt dieser Weg leicht. Dann ist das freie System in der Lage, zu funktionieren. BESSER zu funktionieren.
LEIDER erlaubt es das herkömmliche Lehrsystem, dass "unnormierte" Schüler halt ohne grossen Aufwand unter den Tisch fallen, und das sind dann halt "Versager".
Lehrern erlaubt es, mit repressiver Autorität eigene Unzulänglichkeiten in Persönlichkeit UND Fachwissen(Lehrinhalt UND Pädagogik) zu überdecken.
Nur bezweifle ich, dass wir eine Lehrer-Schülergeneration haben, die für ein allg. "freies" System ausreichend geschult ist. Da geistern noch zu viele "alte" Vorstellungen in den Köpfen herum.
AUCH bei den Schülern, wobei ich mir SICHER bin, dass wir dort noch ansetzen könnten, schliesslich sind die jungen Charaktere noch formbar.
Wir sollten versuchen, sie nicht in die selben Fehlerbahnen der Vorgängergenerationen zu formen.
Grüssle
Frank
barbara seiler
28.10.2008, 11:20
Hallo Frank
Das ist ein Thema, das mich sehr bewegt... alle möglichen Emotionen, nicht alle davon angenehm. Ich hoffe, ich werde nicht allzu ausfallen. Und wenn doch, verzeiht mir bitte. :grins:
Weder ein unwilliger Schüler noch ein unflexibler Lehrer werden im freien System Erfolge erzielen.
Die Seite des unwilligen Schülers ist ja kein Problem - der darf ja unwillig sein. Und früher oder später wird das langweilig werden. Irgendwann wird jeder irgend etwas tun wollen, was auch immer das sei.
Die Aufgabe des Lehrers hingegen, das mag schwieriger sein für manche (hm - hier komme ich rein, weil mir scheint das sehr einfach zu sein) - nämlich: Ego zurück nehmen, nichts aufdrängen, und SchülerInnen unterstützen in dem, was sie tun wollen. Wenn einer kommt und sagt "ich will Trigonometrie lernen, Englisch lernen, etwas über Australien erfahren..." was ist da schwierig daran? Man nimmt einen Block und einen Bleistift, oder man geht in die Bibliothek, man spricht darüber, man geht aufs Internet...
Wie soll ein noch so engagierter Lehrer einen Schüler motivieren, der sich dauerhaft verweigert
Kinder müssen nicht motiviert werden, um etwas zu lernen. Niemand musste dich motivieren, laufen zu lernen, oder sprechen zu lernen. Im Gegenteil, Kinder wollen sehr oft Dinge allein machen und sind dann äusserst stolz, wenn sie etwas tun können "wie die Grossen". Und sie zeigen dabei viel Ausdauer und lassen sich auch nicht davon abschrecken, wenn sie immer wieder umfallen oder es noch nicht so gut können, wie sie es sich vorstellen. Wer nicht lernen will, gut - der lernt eben nicht. Wobei Lernen oft auch "einfach so" geschieht, so ganz nebenbei.
Nur bezweifle ich, dass wir eine Lehrer-Schülergeneration haben, die für ein allg. "freies" System ausreichend geschult ist.
Stimmt, diese Freiheit ist ungewohnt. Auch ausserhalb der Schule, viele Dinge werden getan, weil man sie eben tun muss, egal ob sie sinnvoll scheinen oder nicht.
Und zum Anfangen wäre es sicher sinnvoll, einen Kern von Leuten zu haben, der diese Prinzipien umsetzt - und wenn dann jemand Neues dazukommt der/die so etwas nicht kennt, wird diese Person sich relativ leicht in diese Plattform einfügen können. Also nach Hawkins: wenn da ein Energiefeld von Annahme und Freiheit geschaffen wird, so werden sich Personen darauf einstimmen. Und, ich glaube, es nie mehr missen wollen.
grüsse, barbara
PhiloMUc
28.10.2008, 11:54
Hallo Barbara, Du fragst nach der "natürlichen Autorität". Sie hat sicherlich mit dem zu tun, was "Ausstrahlung" genannt wird. Das zweite ist der Grad an Authentizität: Wenn ein Lehrer glaub-würdig ein Anliegen vertritt, ohne Aufdrücken einer Ideologie die Schüler weiterzubringen (letztlich zu sich selbst!), dann spüren die das und sind viel aufnahmefähiger. Mit Anliegen meine ich auch, die derzeit viel diskutierte Werterziehung. Das dritte ist vielleicht, menschlich angenehm allen gegenüberzutreten. Das hat viel mit der spirituellen Arbeit an sich selbst zu tun, denke ich. Wenn jemand "ein guter Typ" ist, hat man mit ihm lieber zu tun und verhält sich kooperativ.
Zur Ausstrahlung noch: Es gibt eine Eso-Theorie, nach der Lernen sehr stark ein "Energie-holen" beim Lehrer ist. Die Schüler fühlen sich gestärkt und bleiben intuitiv bei der Stange.
barbara seiler
28.10.2008, 12:09
Hallo PhiloMUc
Sie hat sicherlich mit dem zu tun, was "Ausstrahlung" genannt wird. Das zweite ist der Grad an Authentizität:
Das würde ich wohl als ein- und dasselbe betrachten: wer authentisch ist, strahlt das auch aus - da wird spürbar, dass da ein Mensch ist, der mit sich selbst in Frieden ist und wo alles in dieselbe Richtung geht.
Wenn ein Lehrer glaub-würdig ein Anliegen vertritt, ohne Aufdrücken einer Ideologie die Schüler weiterzubringen (letztlich zu sich selbst!), dann spüren die das und sind viel aufnahmefähiger.
Wie ist das in einer Schule, wie sie heute üblich ist, möglich? Da gibts Lehrpläne, die müssen eingehalten werden. Da gibts einen ziemlich engen Rahmen, der ja selbst schon eine Ideologie in sich ist. Schule ist leistungsorientiert, und am Schluss ist es das, was zählt... wie gut einer rechnen, schreiben und lesen kann, und vielleicht wie gut einer auswendig lernen kann und das Gelernte auf Knopfdruck reproduzieren kann.
Mit Anliegen meine ich auch, die derzeit viel diskutierte Werterziehung.
Werte sind wichtig - Selbstverantwortung, Authentizität, soziale Fähigkeiten, Selbstbewusstsein... ich halte diese für wichtiger als das Erarbeiten von Sachkompetenzen. Denn Sachkompetenzen kann man sich meist recht schnell aneignen, wenn man einen guten Grund dazu hat. Die ganzen Themen aber im Umgang mit sich selbst und mit anderen, das geht nicht einfach so... und schon gar nicht in einem System, wo es möglich ist, dass ein Schüler ein A**** ist und dennoch, durch gute intellektuelle Leistungen, Top-Noten erreichen kann.
Zur Ausstrahlung noch: Es gibt eine Eso-Theorie, nach der Lernen sehr stark ein "Energie-holen" beim Lehrer ist. Die Schüler fühlen sich gestärkt und bleiben intuitiv bei der Stange.
hm. Und der Lehrer landet im Burnout, weil er ständig gibt gibt gibt...? Das kanns ja wohl auch nicht sein - ist aber tatsächlich das, was viele engagierte LehrerInnen erfahren.
Sollte Lernen nicht in erster Linie sein, Zugang zu den eigenen Ressourcen zu finden? Das erfahren viele Kinder wohl als unangenehm - aber es ist das, worauf es ankommt. Und zu lernen, dass jeder Mensch selbst Ressourcen, Fähigkeiten, Macht hat - das macht manchmal Angst. Es gibt welche, die halten das nicht aus.
Wird sind schon eine Konsumgesellschaft, und die sollte in der Schule doch nicht weitergehen, indem dem Lehrer Energie abgezapft wird. Es soll der eigene Schatz gefunden werden.
grüsse, barbara
Roadrunnerfn
28.10.2008, 13:00
Ja, da haben wir ja keine abweichenden Meinungen, denke ich.
Ich bin mir sehr sicher, dass speziell bei Kindern und Jugendlichen viel Motivation aus ihnen selbst kommen kann. Wir müssen jedoch lernen, sie zu dieser Selbstmotivation zu bringen: durch Interesse.
16 Unterrichtseinheiten Holocaust tragen vielleicht nicht unbedingt dazu bei, dass Schüler sich für Geschichte interessieren.
Aber wenn sie etwas sehen, und fragen: "Oh Gott, was um Himmels willen ist da passiert?" dann mögen 16 Stunden vielleicht nicht reichen....
Keine Frage, ich fände diesen Weg besser!
Ich teile auch die Ansichten zur "natürlichen Autorität". Es ist ein Gesamtbild, das einen Lehrer zum Lehrer macht, und nicht nur zum Wissenvermittler. Reines Wissen vermitteln können Computer besser.
Nein, was wir benötigen sind die charismatischen Persönlichkeiten, die zu gegebenem Anlass "Fussnoten" hinzufügen, den Stoff interessant gestalten und die Schüler interessiert. Diese sollen ja durch Interesse am Unterricht "hängen" und nicht aus Zwang.
Wir brauchen Lehrer mit Fehlern, Lehrer, die diese Fehler zugeben und zeigen, dass sie sie verändern wollen. Lehrer, die den Schülern vorleben, wie Gesellschaft und "Leben draussen" funktioniert. Lehrer, die zeigen, dass sie Menschen sind, aber auch zeigen, dass sie Lehrer sind. Also: auch Respekt und einen gewissen Abstand verlangen.
Vielleicht ist es der beste Weg, Schüler auf Dinge stossen zu lassen, die sie erklärt haben wollen. Denn damit bekommen sie das erklärt, worauf sie stossen.
Ich hab bis zum heutigen Tag nichts mit der Info angefangen, wo in China der Kuenlun und der Tienschan ist. Das hätte mich VIELLEICHT bei einer Chinareise interessiert. Sonst nicht.
Nein, unsere Schüler lernen diesen Dreck, und dabei wissen sie nicht mal, wo der Rhein herkommt und wo er hinfliesst. Sie wissen nicht, wie ein Arbeitsalltag aussieht und können keine Überweisung ausfüllen.
Aber quadratische Funktionen können sie diskutieren! Sie wissen nicht warum und wozu, aber sie können es. Sie können Bildchen malen mit tollen Kurven und haben keinen Schimmer davon, was sie mit diesen Bildchen anfangen.
Kein Frage, wenn das Sudbury-Modell funktioniert, ist es toll.
Grüssle
Frank
barbara seiler
28.10.2008, 13:12
Hallo Frank
Wir müssen jedoch lernen, sie zu dieser Selbstmotivation zu bringen: durch Interesse.
... und hier vor allem durch eine Art von Interesse, nämlich: sich für die Fragen eines Kindes interessieren und sie so ernsthaft und gut wie möglich beantworten. Inklusive von Aussagen wie "ich weiss das nicht" und "ich bin mir nicht sicher, vermute aber..." oder "ich weiss es nicht, aber ich glaube, in der Bibliothek gibts ein Buch, sollen wir schauen gehn?"
Aber wenn sie etwas sehen, und fragen: "Oh Gott, was um Himmels willen ist da passiert?" dann mögen 16 Stunden vielleicht nicht reichen....
Und noch interessanter wirds vermutlich in Verbindung mit alltäglichen Themen, wie Mobbing - die Holocausts im Kleinen sind. Das, was auf Schulhöfen passiert, unterscheidet sich von dem, was in KZs passierte, oft nur in der Quantität, nicht in der Qualität. Und wenn es soweit kommt, da reichen 16 Stunden vermutlich gar nirgends hin...
Nein, was wir benötigen sind die charismatischen Persönlichkeiten, die zu gegebenem Anlass "Fussnoten" hinzufügen, den Stoff interessant gestalten und die Schüler interessiert. Diese sollen ja durch Interesse am Unterricht "hängen" und nicht aus Zwang.
Ich hab echt so meine Probleme mit dieser Vorstellung. Kurz: LehrerInnen müssen Superhelden sein, weise, charismatisch, klug, engagiert, unparteiisch, und was noch alles...
Unterrichten tun aber in erster Linie ganz gewöhnliche Menschen. Die alle ihre Schwächen haben.
Und wie ich schon sagte: am Anfang des Lernens steht für mich das Interesse des Schülers - und der holt sich dann die Infos ab, die er braucht, er definiert die Form, in der er die Infos haben will, und dann ist das Interesse von allein da. Und darin geht der Schüler so weit, wie er eben gerade will - und sobald er nicht mehr interessiert ist, hört die Lektion sofort auf. Dann ist die Frage nicht mehr "Stoff interessant gestalten", sondern die Frage ist "Stoff angemessen gestalten" - was keineswegs bunte Bildchen oder irgendwelche Unterhaltungselemente beinhalten muss.
Aber quadratische Funktionen können sie diskutieren! Sie wissen nicht warum und wozu, aber sie können es.
ja, das ist auch noch so ein Problem, der fehlende Praxisbezug...
Ich glaube aber auch, dass die meisten Kinder zu jung an sehr intellektuelle, abstrakte Themen herangeführt werden - wo das Gehirn irgendwie noch nicht *reif* genug ist, um das zu verarbeiten.
grüsse, barbara
Roadrunnerfn
28.10.2008, 14:06
LehrerInnen müssen Superhelden sein,
nein, müssen sie nicht.
Aber sie müssen den Anforderungen gerecht werden, die "Lehrersein" beinhaltet.
Und da hilfts nun mal gar nix, wenn man Jeanshosen nähen kann oder die einmillionste Nachkommazahl von Pi kennt, aber ein pädagogischer Krüppel ist, ums mal ganz krass zu formulieren.
Lehrer sollen Menschen sein..JA. ABER sie sollen Menschen sein, die in ihrem Beruf eine Berechtigung haben.
Genauso, wie Du von Deinem Kfz-Betrieb erwartest, dass die Bremsen funktionieren, wenn Du die Karre vom Kundendienst holst. Ein Mechaniker, der hier die Belegschaftsgemeinschaft pflegt, schöngeistige Dinge denkt und beim Bremsbelagwechsel über die Welt philosophiert ist ein Scheissmechaniker, wenn er darüber vergisst, die neuen Bremsbeläge einzubauen.
Jeder Berufstand BRAUCHT ein gewisses Maß an Anforderung, und Lehrer müssen LEHRER sein. Althergebracht "Meister", mir etwas beizubringen.
Aber auch Menschen, die für mich da sind. Sie müssen Nähe vermitteln und Abstand wahren, sie müssen helfend einschreiten und zur Selbstständigkeit erziehen. Sie müssen verständnisvoll und autoritär sein.
Wäre das immer so, wärs paradox, nein, die Kunst ist es, die jeweilige Situation richtig einzuschätzen und in ihr das richtige zu tun.
Und das ist eine erhebliche Anforderung. Die aber dazugehört!
Wir brauchen als Lehrer weder Diplommathematiker für die 5. Klasse noch benötigen wir Pädagogik-Weicheier, die nicht auch mal eine klare Anweisung erteilen können.
Lehrer ist mE ein weit unterschätzter Berufstand, sofern man dem Beruf als solchem Rechnung tragen soll. Und leider werden viele Lehrer diesen Anforderungen NICHT gerecht. AUCH, weil das System dahinter nix taugt.
Grüssle
Frank
barbara seiler
28.10.2008, 19:38
Hallo Frank
nein, müssen sie nicht.
naja, wenn ich so Diskussionen rund ums Thema Schule verfolge, da werden an LehrerInnen doch sehr hohe Anforderungen gestellt... übermenschlich hohe Anforderungen. Gerade wenn dann noch "Charisma" ein Teil davon sein soll...
ABER sie sollen Menschen sein, die in ihrem Beruf eine Berechtigung haben.
richtig, das sollen sie sein.
Althergebracht "Meister", mir etwas beizubringen.
ich sehe das Lehrer-Sein eher als dienenden Beruf. Wie ein Minister, ein Ministrant und auch das Administrieren von Foren in erster Linie ein Dienst ist.
Sie müssen Nähe vermitteln und Abstand wahren, sie müssen helfend einschreiten und zur Selbstständigkeit erziehen. Sie müssen verständnisvoll und autoritär sein.
Kurz: sei müssen mindestens erleuchtet sein, um diese Gratwanderung zu schaffen.:D
Wäre das immer so, wärs paradox, nein, die Kunst ist es, die jeweilige Situation richtig einzuschätzen und in ihr das richtige zu tun.
Richtig, das ist die Kunst. Doch bevor Kunst entsteht, muss das Handwerk gelernt sein. Und es wär doch schon mal ein grosses Ziel, wenn alle LehrerInnen nur schon das Handwerk beherrschen... ein sehr grosses Ziel. Wenn es dann welche gibt, die das Handwerk zur Kunst erheben, umso schöner.
Ich würde hier gerne überlegen, was das zum Handwerk gehört...
grüsse, barbara
barbara seiler
29.10.2008, 07:56
mal von der andern Seite: ein Lehrer rechnet ab. *autsch*
http://www.fr-online.de/in_und_ausland/wissen_und_bildung/aktuell/1619542_Dumm-faul-unfaehig.html
grüsse, barbara
PhiloMUc
29.10.2008, 15:54
Hallo PhiloMUc
Hallo Barbara, zunächst mal: ich wurde nicht über eingehende Antworten informiert; weiß auch nicht, woran das liegt. (Meine Antwort: "-" davor!)
Das würde ich wohl als ein- und dasselbe betrachten: wer authentisch ist, strahlt das auch aus - da wird spürbar, dass da ein Mensch ist, der mit sich selbst in Frieden ist und wo alles in dieselbe Richtung geht.
-Ja,es liegt wohl sehr nahe beeinander. Jedoch nur, wenn mit "Ausstrahlung" eine gute, starke gemeint ist.
Wie ist das in einer Schule, wie sie heute üblich ist, möglich? Da gibts Lehrpläne, die müssen eingehalten werden. Da gibts einen ziemlich engen Rahmen, der ja selbst schon eine Ideologie in sich ist. Schule ist leistungsorientiert, und am Schluss ist es das, was zählt... wie gut einer rechnen, schreiben und lesen kann, und vielleicht wie gut einer auswendig lernen kann und das Gelernte auf Knopfdruck reproduzieren kann.
- Natürlich ist das eher schwierig. Aber ich habe in 18 Jahren Schule erlebt, dass ich viele Freiräume habe. Man muss nur ab und zu sagen: So denke ich, aber der Lehrplan will, dass solches Wissen nur am Rande erwähnt wird.
Werte sind wichtig - Selbstverantwortung, Authentizität, soziale Fähigkeiten, Selbstbewusstsein... ich halte diese für wichtiger als das Erarbeiten von Sachkompetenzen. Denn Sachkompetenzen kann man sich meist recht schnell aneignen, wenn man einen guten Grund dazu hat. Die ganzen Themen aber im Umgang mit sich selbst und mit anderen, das geht nicht einfach so... und schon gar nicht in einem System, wo es möglich ist, dass ein Schüler ein A**** ist und dennoch, durch gute intellektuelle Leistungen, Top-Noten erreichen kann.
- Schüler, die was Wichtiges vom Lehrer lernen (z.B einen Hauch von Spiritualität mitbekommen) werden lebenstüchtiger und nehmen die Sachlernerei gelassener und schaffen sie leichter.
hm. Und der Lehrer landet im Burnout, weil er ständig gibt gibt gibt...? Das kanns ja wohl auch nicht sein - ist aber tatsächlich das, was viele engagierte LehrerInnen erfahren.
Wenn die Kinder gestärkt aus deinen Stunden rausgehen, bekommst Du auch viel zurück. Liebe, Achtung, Respekt - sowas führt nicht zum Burnout.
Sollte Lernen nicht in erster Linie sein, Zugang zu den eigenen Ressourcen zu finden? Das erfahren viele Kinder wohl als unangenehm - aber es ist das, worauf es ankommt. Und zu lernen, dass jeder Mensch selbst Ressourcen, Fähigkeiten, Macht hat - das macht manchmal Angst. Es gibt welche, die halten das nicht aus.
- Ja, natürlich. Die Kraft (auch der Erkentnis) sollte dazu führen, dass Schüler selbst ihre Quellen erkennen. Hilfe zur Selbsthilfe.
grüsse, barbara
-Grüsse, Hellmut
barbara seiler
29.10.2008, 16:25
Hallo Hellmut
zuerst das Technische:
du kannst in deinem Kontrollzentrum unter dem Titel "Einstellungen und Optionen" zu dem Punkt "Einstellungen ändern" gehen, dort auf die "abonnierten Themen" klicken, und dann die Themen auswählen, bei denen du gerne eine email-Benachrichtigung möchtest.
Man muss nur ab und zu sagen: So denke ich, aber der Lehrplan will, dass solches Wissen nur am Rande erwähnt wird.
nun, ich glaube, dass ich mit dem überhaupt nicht zurecht komme. So wie ich immer weniger damit zurecht komme, Dinge zu tun, die ich sinnlos finde, bzw auf Dinge zu verzichten, die gerade notwendig sind... in meiner sehr kurzen Lehrerinnenkarriere an einer öffentlichen Schule fühlte ich mich wie in ein Korsett gesperrt... und gar nicht mich selbst. :(
Wenn die Kinder gestärkt aus deinen Stunden rausgehen, bekommst Du auch viel zurück. Liebe, Achtung, Respekt - sowas führt nicht zum Burnout.
Naja, ich bin mir da nicht so sicher. Burnout, das ist ja eine Krankheit für engagierte, begeisterte Leute. Wo nichts brennt, da kann nichts ausbrennen...
Ja, natürlich. Die Kraft (auch der Erkentnis) sollte dazu führen, dass Schüler selbst ihre Quellen erkennen.
richtig. nur leider geschieht das nicht so sehr, wie es schön und wünschenswert wäre... Ich merke immer wieder, wie meine Nachhilfekids versuchen zu erraten, was ich wohl erwarte - anstatt sich mit der Problemlösung auf fachlicher Ebene zu beschäftigen. uh, da lern ich noch ein richtiges Pokerface... *g*
grüsse, barbara
PhiloMUc
29.10.2008, 17:05
Barbara, ich bin sicher, dass vor allem der Lehrer von burnout betroffen ist, dem der Funken Begeisterung und die Liebe zum Kind abhanden gekommen sind. Oder der wenig Anklang in seiner Arbeit findet. Natürlich gibt es auch welche, die die Balance zwischen Beruf und sonstigem Leben nicht finden und denen dann irgendwann alles den Bach runtergeht. Aber das sind vl. auch die (vorwiegend Männer), die immer darauf dressiert wurden, sich vor allem über die berufliche Anerkennung zu definieren.
Roadrunnerfn
29.10.2008, 19:41
Hi ihr beiden,
ich hab den von Barbara verlinkten Artikel mal überflogen und war schockiert:
Ich bin seit 20 Jahren aus der Schule raus und es hat sich NICHTS verändert.
Auch wir hatten LehrerInnen, die gewartet haben, bis eine Schüler auf ihrer Abschussliste in Position war--und dann aber drauf!
Ich habs am eigenen Leib erfahren, ich habs bei Mitschülern miterlebt.
Und das, Barbara, ist das, was ich meine, wenn ich von einer Qualifikaton von Lehrern spreche.
Wer keine dreckigen Finger will, sollte nicht Mechaniker werden, wer nicht rechnen kann, soltle nicht Kaufmann werden, wer kein Blut sehen kann, nicht Chirurg.
Und diese "natürliche" Qualifikation sucht man an manchen Schulen vergebens.
ABER:
In der Nähe von Freiburg gibt es eine Hauptschule, die zwischenzeitlich Bundesweit bekannt ist: Die Schule bietet Projekte für die Freizeit an, Lehrer, Schulleitung UND Schüler sind darauf bedacht, dass der Umgang und der Umgangston stimmen...und der Schulleiter hat Erfolg damit: 100 % seiner Schulabgänger mit Abschluss konnten vermittelt werden.
Und auch an der Rütli-Schule in Berlin Neu-Köln sieht es nach den verheerenden Nachrichten vor Jahresfrist ganz anders aus.
Ich denke, dass auch und massgeblich die Schulleitung am Gelingen eines Lehrauftrages beteiligt ist.
Grüssle
Frank
barbara seiler
29.10.2008, 20:31
Hallo PhiloMUc
Ja, irgendwann kommt die Begeisterung abhanden - dann wenn jemand nur noch erschöpft und ausgelaugt ist. In meinem Bekanntenkreis gibt es die eine oder andere Person - solche mit sozialen Berufen, nicht pädagogischen - die sind immer sehr sehr SEHR engagiert... und die müssen extrem aufpassen, um nicht in einen Burnout hineinzulaufen. Weil sie immer noch sehen, was besser gehen könnte, was noch organisiert werden müsste, wo die Leute zu jeder Tages- und Nachtzeit anrufen können, wenn sie gerade eine Krise haben... und irgendwann sind dann die Batterien einfach leer, und nichts geht mehr. Jene, die sich von vornherein nicht besonders anstrengen, mögen diverse andere Probleme haben, aber keinen Burnout. Es ist wohl ein gutes Gleichgewicht von Begeisterung für den Beruf und Sorge für sich selbst vonnöten, um langfristig arbeiten zu können.
Hallo Frank
vielleicht können wir uns einigen auf: wer lehren will, muss Menschen lieben...? Wenn das gegeben ist, ist wohl das Wichtigste da, denke ich. Ebenso wie eine Menge Vertrauen in die Fähigkeiten und das Potenzial der SchülerInnen.
Auch wir hatten LehrerInnen, die gewartet haben, bis eine Schüler auf ihrer Abschussliste in Position war--und dann aber drauf!
Das ist an mir ziemlich vorbeigegangen... ich war selbst zu gut in der Schule, und zu ruhig. Ich wurde sogar einmal im Klassenheft als abwesend notiert, obwohl ich da war. :D
Aber ich mag mich an Lehrer erinnern (nur Männer warens, damals am Gymnasium), die die Klasse und auch einzelne SchülerInnen aufs Heftigste beschimpften. Dummkopf, Idioten, solche Sachen. Und die manchmal Prüfungen in absteigender Reihenfolge der Note verteilten - zuerst die allerbesten, und dann gings langsam nach unten, immer mit süffisanten Kommentaren versehen. :-/ Was demütigend ist für jene am untern Ende der Skala...:mad:
Ich denke, dass auch und massgeblich die Schulleitung am Gelingen eines Lehrauftrages beteiligt ist.
Die Schulleitung, und vielleicht generell gesagt: Das Bewusstseinsniveau der Schule... am liebsten eins, wo es Freude gibt. Viel Freude.
grüsse, barbara
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