zwei - die Hohepriesterin

Yin und Yang

Die Hohepriesterin ist das Gegenstück zur Karte Nummer Eins, dem Magier .

Die Hohepriesterin im Tarot von Crowley Die Hohepriesterin im Crowley-Tarot

Die Hohepriesteriin verkörpert die weiblichen Qualitäten - was nicht bedeutet, dass sie nur Frauen zur Verfügung stünde. Jeder Mensch hat weibliche und männliche Facetten, und vollständig Mensch zu sein bedeutet nicht zuletzt, alle diese Aspekte zu integrieren und zu leben.

Weibliche Qualitäten, damit ist gemeint: Hingabe, Passivität, Aufnahmebereitschaft, Hören, Offenheit und die Fähigkeit, Impulse, die aus dem Unterbewussten und Unbewussten aufsteigen, ernst zu nehmen und ihre Weisheit für das eigene Leben zu nutzen.

Intuition

Die Hohepriesterin steht für die Kraft der Intutition, die unbewusst vom Tagesbewusstsein eine Unzahl von Informationen aufnimmt, auswertet und sie in Form von Ahnungen und Gefühlen an das Tagesbewusstsein meldet. 

Intuition ist nicht dasselbe wie Emotion . Emotion ist das, was mir gefällt, das, wozu ich mich hingezogen fühle - Intution hingegen ist das, was sich richtig und den Realitäten der Welt entsprechend anfühlt, auch und gerade dann, wenn ich diese Botschaften nicht angenehm und ansprechend finde. Leider werden Emotion und Intuition häufig vermischt, oder es wird angenommen, es handle sich um dasselbe - was keineswegs der Fall ist. Emotion ist eine Funktion des Egos mit einer entsprechend sehr beschränkten Erkenntnisfähigkeit, während Intuition aus einer Quelle kommt, die grösser und weiser ist als der Mensch.

das Unbewusste

Auf allen Darstellungen wird die Hohepriesterin - oder Päpstin, wie sie im Marseille-Tarot genannt wird - mit einem Vorhang abgebildet. 

Sie ist nicht nur jene, die den Zugang zum Unbewussten ermöglicht - sie ist auch jene, die diesen Zugang hütet und das Wissen, das hinter dem Vorhang liegt, auf eine Weise filtert, die das Tagesbewusstsein annehmen und verarbeiten kann. 

Menschen sind so konstruiert, dass sie als Kleinkinder noch vollkommen im Ozean des Unbewussten schwimmen, der im Hintergrund erkennbar ist und der dem Kleid der Hohepriesterin in manchen Spielen seine blaue Farbe gibt - dann aber geschehen viele Entwicklungsschritte, die dazu führen, eine starke und beständige Persönlichkeit aufzubauen, die idealerweise in einem Erwachsenen resultieren, der/die sich bewusst und verantwortlich auf der Welt bewegt. 

Den Vorhang der Hohepriesterin wegzunehmen, würde zu einer Überschwemmung mit unbewussten Inhalten, Emotionen, Träumen und Albträumen führen, in einem Mass, das für das Ego nicht auszuhalten ist.

die Weisheit

Die Hohepriesterin ist weise. Sie überbringt die Botschaften des Unbewussten auf eine Art, die verständlich ist, angepasst auf die Besonderheiten jeder einzelnen Person.

Die Hohepriesterin im Tarot von Rider Waite Die Hohepriesterin im Rider-Waite-Tarot

Die Attribute dieser Weisheit sind das Buch oder die Rolle, aus der sie liest. Sowohl im Buch wie der Rolle ist immer nur ein Teil des Textes sichtbar, was auf die Filterfunktion der Hohepriesterin hinweist: sie gibt immer nur einen winzigen Bruchteil ihres Wissens weiter.

Sie sitzt in den Darstellungen von Rider Waite und von Crowley zwischen zwei Säulen - sie balanciert die Polarität. Ihr Wissen ist nicht eines, das Partei ergreift, sondern es ist umfassendes Wissen, das aus der Einheit kommt. 

In manchen Versionen stellt ihre Krone den Mond dar mit seinen verschiedenen Phasen - dies deutet auf ihr Wissen vom Abnehmen und vom Zunehmen der Dinge, das Wissen um Geburt, Wachstum, Reife und Tod und das Akzeptieren dieser Zyklen. 

In unserer westlichen Gesellschaft, die eher von der Aktivität des Magiers definiert wird und nicht von der Hingabe der Hohepriesterin, fällt es oft schwer zu akzeptieren, dass Dinge und Situationen sich nicht nur aufwärts und vorwärts entwickeln, sondern auch rückwärts und abwärts. Höhepunkte und Dynamik zu geniessen, fällt uns in der Regel sehr leicht - von der Hohepriesterin können wir lernen, auch die ruhigeren Zeiten als willkommene Pausen in Empfang zu nehmen. Alles schöpferische Arbeiten braucht diese Phasen von Passivität, in denen das Unbewusste im Hintergrund seine Arbeit leisten kann, und die Hohepriesterin ihre Nachricht vorbereitet, die sie uns übergeben will. Zu viel Stress und Hektik führt dazu, dass wir sie nicht hören können - und wesentliche Dinge an uns vorbei gehen.

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© Barbara Seiler 2010 - www.spiriforum.net
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Literatur