Langfristige Investitionen

Kritische Investitionen

Die Wirtschaftskrise von 2008 hat gezeigt - wieder einmal - wie schnell sicher geglaubte Werte verschwinden können. Was gestern noch hui war und von den führenden Ratingagenturen mit drei schmeichelhaften grossen A versehen, gilt heute als Gift und Schrott und generell pfui. So schnell vergeht der Ruhm der Welt!

Die meisten Menschen haben sich nicht an den spekulativen Geschäften der Investment Banker beteiligt, sind aber durch diese Entwicklungen dennoch stark betroffen: wie wird es denn aussehen in zehn oder vierzig Jahren mit der  Pension? Kann ein Mensch damit rechnen, dass das mühselig und in vielen Jahren Ersparte nicht durch den Federstrich der Inflation auf einmal nichts mehr wert sein wird? Wie sieht es aus, wenn ich krank werden sollte, wenn ich nicht mehr arbeiten kann, wenn ich auf Hilfe angewiesen bin? Seit einigen Jahren sind Weltuntergangsszenarien und Apokalypsen wieder in - was wird mit mir geschehen, sollte unsere ganze Gesellschaft, die ganze Welt in einer zukünftigen globalen Katastrophe vor die Hunde gehen, wenn es Krieg geben sollte und kein Benzin mehr und keine Supermärkte und keine Müllabfuhr mehr?

Es geht nicht darum, in Angst und Schrecken zu verfallen - doch solche Szenarien liegen im Bereich des Möglichen - noch unsere Grosseltern und Urgrosseltern haben dies am eigenen Leib erfahren müssen - und es ist bestimmt sinnvoll, sich nach Werten umzuschauen, die auch Inflationen und Kriege unbeschadet überstehen - im Gegensatz zu Bankkonten und Rentenansprüchen, die in Zeiten von Stabilität und Frieden eine wunderbare Sache sind, in Zeiten von Krisen allerdings in Null komma Nichts verschwinden können. Leben ist nicht kontrollierbar.

Was also sind sinnvolle langfristige Investitionen?

Fähigkeiten und Kenntnisse erwerben

Fähigkeiten und Kenntnisse aller Art sind immer sinnvolle Investitionen: das, was ein Mensch gelernt und geübt hat, bleibt ein Leben lang bei ihm und mit ihm - und kann in allen Lebenslagen getauscht werden gegen ein warmes Bett, einen Teller Suppe, die Sicherheit einer Gruppe oder den Lohn eines Angestellten.

Die lebenslange Weiterbildung ist wichtig und wird in Zukunft eher noch an Bedeutung gewinnen. Lerne, was immer dir Spass macht zu lernen - doch es ist bestimmt sinnvoll, sich zumindest einige Fähigkeiten anzueignen, die ohne elektrischen Strom und ohne Benzin angewendet werden können: Kochen, nähen, die Kenntnis von Pflanzen, eine Mauer bauen, ein Musikinstrument spielen, zeichnen, Verletzte und Kranke behandeln, Witze erzählen...

Viele Kenntnisse können mit minimalem Aufwand an Geld erlernt werden - es gibt Bibliotheken, es gibt das Internet, Informationen stehen heute den meisten Menschen in riesengrosser Menge zur Verfügung.

Doch auch bei jenen, die sich das beste Material, die besten und teuersten Lehrerinnen leisten können: der Einsatz an Geld ersetzt nie den Einsatz an Zeit. Fähigkeiten und Kenntnisse müssen geübt und perfektioniert werden, und dies geht nur durch üben, üben, üben. 

Sinnvoll ist daher sicher, sich dort weiterzubilden und zu perfektionieren, wo man sowieso schon ist: im Beruf, im Haushalt, in der Familie.

Werkzeuge erwerben

Parallel zum Aufbau von Kenntnissen und Fähigkeiten geht oft der Erwerb von Werkzeugen. Kaum eine Tätigkeit, die sich ganz ohne Werkzeuge ausführen liesse - sogar der Mathematiker, der rein geistig arbeitet, ist froh um Papier und Bleistift, und dass er seine Kreise nicht in den Sand zeichnen muss, wie das frühere Philosophen zu tun pflegten.

Gutes Werkzeug bringt viele Fähigkeiten erst zum Blühen: Der Musiker hat sein Instrument, die Chirurgin ihre Skalpelle, der Gipser seine Kellen und Wasserwaage, die Schneiderin ihre Scheren, der Schuster seine Leisten...

Werkzeug zu besitzen und zu wissen, wie es kompetent und kreativ benutzt werden kann, macht jemanden durch alle Zeiten und Situationen zu einer gefragten Person. Investiere also regelmässig in Werkzeug von guter Qualität - hege und pflege jene Werkzeuge, die du besitzt. Werkzeug von guter Qualität kostet oft eine ganze Stange Geld - doch auch Leute mit kleinem Budget können sich nach und nach ein paar gute, solide Stücke leisten und zu ihrer Sammlung hinzufügen. Im Lauf der Jahre kommt da so einiges zusammen, ein wundervolles und wertvolles Kapital. 

Viele Handwerker achten darauf, dass ihr Werkzeug für sie passt - dass die Grösse, das Gewicht, die Balance auf ihren Körper eingestellt ist. So gibt es viele Werkzeuge, die zu einem Menschen gehören wie seine eigene Hand, und die nicht ohne weiteres auf andere Leute übertragen werden können.

ein Freund sein

Die dritte Investition, die hier vorgeschlagen werden soll, ist: sei ein Freund. Ein freundlicher, korrekter Mensch ist an vielen Orten gern gesehen und willkommen - wer Freunde hat, muss nicht verzweifeln in schwierigen Situationen, sondern darf auf Hilfe zählen.

Damit wir uns recht verstehen: ich meine nicht, man solle in Verkäufermanier auf Menschen zugehen, sie auf eventuelle Vorteile abklopfen und jene, die mir vielleicht etwas interessantes zu bieten haben, pseudofreundlich zu loben, und alle anderen, die mir uninteressant scheinen, links liegen zu lassen. Es ist auch nicht jeder Mensch extrovertiert und kontaktfreudig - das muss auch nicht sein. Niemand muss sich verbiegen und vorspielen, jemand anders zu sein, als man tatsächlich ist.

Worum es mir geht, das ist: bei allen Menschen, die dir begegnen - in der Familie, in der Arbeit, draussen auf der Strasse, im Supermarkt - sei korrekt und freundlich, unabhängig von ihrer gesellschaftlichen Position, unabhängig davon, ob sie etwas für dich tun können oder nicht.

Halte deine Versprechen. Sei pünktlich, ehrlich und zuverlässig in allem, was du sagst und tust. Sei achtsam und respektvoll - auch und besonders bei den Schwachen, den Kranken, den Kindern, den Ungeschickten, den Dummen. Kenne deinen Knigge und halte dich daran.

Dieses Verhalten wird seine Kreise ziehen und früher oder später zurückkommen - nicht sofort - doch im Lauf der Jahre wird es einen grossen Unterschied machen.

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© Barbara Seiler 2010 - www.spiriforum.net
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Literatur