Über die Magie

Alle tun es. Manche etwas bewusst, andere ohne es selbst zu wissen ; manche um zu helfen, andere um zu schaden; Manche tun es gerne, andere würden es am liebsten gar nie tun müssen. Doch alle tun es: alle Menschen sind Magier und Magierinnen. Was dasselbe bedeutet wie die Aussage: alle Menschen haben ein Ego - alle Menschen wirken über das Ego auf die Welt.

Magie vs. Bewusstseinsarbeit auf Seelenebene

Sprache ist Magie. Musik ist Magie. Gesten und Körpersprache, Farben, Symbole, Handlungen, Emotionen und Gedanken...sie alle sind magisch.

Der Begriff der Magie wird von verschiedenen AutorInnen auf verschiedene Weise benutzt. So ist mit dem Begriff der Magie, wie ihn Alice A, Bailey in ihrer "Abhandlung über weisse Magie" benutzt, das gemeint, was in diesem Artikel als Seelenarbeit bezeichnet wird, womit alle Tätigkeiten gemeint sind, die dabei helfen, das Seelenpotenzial zu erden und zu leben.

Ich selbst benutze den Begriff so, wie ich ihn bei Annick de Souzenelle kennen gelernt habe, deren Bücher leider bisher nicht auf Deutsch verfügbar sind: Magie ist die Fähigkeit, durch die Kraft des Willens auf die Welt einzuwirken und sie bewusst zu verändern. Magie ist die Fähigkeit, die Welt nach eigenem Gutdünken kontrolliert zu gestalten.

In einer an die Quantenphysik angelehnte Sprache kann formuliert werden: Magie ist, wenn die Wahrscheinlichkeiten für bestimmte Ereignisse zu den eigenen Gunsten manipuliert werden.

Magie ist ein Ego-Ding - was nicht bedeutet, dass sie schlecht oder schädlich sei. Es braucht ein Ego, um in der Welt zu leben: um ein Ziel zu formulieren, sich emotional darauf einzustellen und mental eine möglichst klare, präzise Formulierung für dieses Ziel zu finden. Nur schon dieser Vorgang des sich-klar-werdens ist sehr mächtig und kann viele Dinge in Bewegung setzen, noch bevor der eigentliche magische Akt des Rufens einer bestimmten Energie überhaupt erfolgt ist.

In diesem Schritt unterscheidet sich magische Arbeit wenig von der Arbeit auf der Seelenebene. Im nächsten Schritt gibt es allerdings in der Qualität bedeutende Unterschiede, auch wenn die äusserlichen Vorgänge sich sehr ähneln mögen: Magie bedeutet, dass Ego sich für ein Ziel entscheidet und seine ganze Aufmerksamkeit auf dieses eine Ziel fokussiert.

Bewusstseinsarbeit auf Seelenebene hingegen bedeutet, dass das Ego zurücktritt und geschehen lässt, was immer geschehen muss. Magie ist begrenzter als Seelenarbeit; denn in der magischen Arbeit wählt das Ego, während in der Seelenarbeit die göttliche Weisheit arbeiten darf, die oft zu Resultaten führt, an die das Ego selbst nie gedacht hätte, die sich das Ego oft noch nicht einmal vorstellen kann, weil es begrenzt ist - während Seele formlos und grenzenlos ist.

Magie praktizieren natürlich nicht nur die Zauberer aus den Märchen, die violette Mäntel und spitze Hüte mit silbernen geheimnisvollen Zeichen tragen, nachts im Wald seltsame Rituale abhalten und lateinisch klingende Sprüche murmeln. 

Die Fähigkeit, den eigenen Arm zu heben, nur weil ein Mensch es will, ist genauso erstaunlich und magisch wie die Fähigkeit, durch komplizierte und lange Rituale einen Dämon als Leibdiener zu beschwören. Das Erste scheint selbstverständlich, normal und gewöhnlich -  das Zweite unheimlich und exotisch... und dennoch ist es dasselbe Prinzip. Beide Male geht es darum, eine Veränderung in der Welt zu bewirken, weil es bewusst so gewollt wird.

die Magie des Schreibens

Magie ist ein Teil des Alltags - ein Teil jedes Alltags. Die Ehrfurcht vor der Magie der Schrift ist heute nicht mehr so gross, wie es in früheren Gesellschaften mal war, wo ein geschriebenes Wort ein mächtiges Amulett war; vermutlich wird heute zu viel geschrieben, und zu wenig Wesentliches, so dass heute deutlich weniger emotionale und mentale Energie in ein Schriftstück einfliesst, dass es magisch wirkmächtig machen könnte. Dennoch sind es auch heute noch immer geschriebene Texte, die die Gedanken von Menschen über Jahre und Jahrhunderte bewahren und die Lesenden in den Bann schlagen, verzaubern und natürlich auch beeinflussen... in Bezug auf das Lesen hat sich sogar der magische Wortschatz erhalten, auch wenn meist unbewusst und beiläufig verwendet wird: ein Buch verzaubert uns, es nimmt gefangen, es fesselt, es beeinflusst tief, es lässt uns in fremde Welten eintauchen...

Schriftsteller zu sein ist auch heute noch etwas Magisches - etwas, was als Besonders und als schwierig, elitär, kompliziert, genial gilt. Julia Cameron hilft uns in "die Kunst des Schreibens", dieses Phänomen besser zu verstehen - und lehrt uns die Alltäglichkeit der schriftlichen Magie. Magie ist einfach - Magie macht Freude - Magie ist zuallererst ein Handwerk, das gelehrt und gelernt werden kann:

Wichtige Schriftstücke mit grosser Wirkmacht werden auch heute noch mit allerlei magischem Brimborium zelebriert: Wenn Staatsleute einen wichtigen Vertrag unterschreiben, so ist das Fernsehen als Zeuge dabei, die Worte auf kostbares Papier gedruckt, für die Unterschrift selbst dient eine edle Füllfeder, und nicht etwa ein Billigkugelschreiber; Das verliebte Mädchen, das einen Liebesbrief schreibt, sucht sich bewusst rosafarbenes Papier aus, parfümiert es, fügt Blumen hinzu und Federn, ergänzt den Text mit Symbolen wie Herzen, Taubenpärchen und Rosen. Diplome nach einer langen und anspruchsvollen Ausbildungszeit werden mit gebührendem Zeremoniell, von Musik und Reden untermalt und mit anschliessendem Apéro übergeben. Das ist gut und richtig so. Schreiben verleiht unserem Leben Gewicht und Bedeutung. Es hinterlässt Spuren. 

Andererseits nutzen auch Betrüger und Scharlatane diese Magie, indem sie ein an sich bedeutungsloses Schriftstück mit all diesem Brimborium aufpeppen, um ihm in den Gedanken und Emotionen der Menschen Gewicht und Würde zu verleihen, auch wenn es eine hohle Würde sein mag. Eine schriftliche Lüge ist schlimmer als eine mündliche Lüge - denn wer schreibt, sich sich seines Tuns bewusster als jemand, der im Sprechen möglicherweise einfach über das Ziel hinausschiesst und nicht so genau bedenkt, was er oder sie gerade getan hat...

Magie in der Werbung

Fernsehwerbung ist pure Magie, auch wenn es nicht so genannt wird, sondern Begriffe wie Werbepsychologie, Emotionalität oder Identifikation verwendet werden. Es geht darum, mehr oder weniger subtil, die Menschen so zu verzaubern, dass ein Begehren entsteht und sie unwillkürlich das nächste Mal nach dem beworbenen Produkt greifen, sogar ohne dass sie es bewusst wählen. Es geht darum, die ZuschauerInnen und künftigen KundInnen in der gewünschten Richtung zu programmieren, ihnen ein gutes Gefühl zu geben, sie zu loben, zu umschmeicheln... und oft auch, sie zu manipulieren. Schadenzauber in der Werbung ist allerdings in den meisten Ländern ausdrücklich verboten So darf man nicht den Namen von Konkurrenzprodukten abwerten, oft dürfen Konkurrenzprodukte noch nicht einmal namentlich erwähnt werden.

Magische Symbole werden in Firmenlogos bewusst verwendet. Kaum eine Bank, die nicht ein Quadrat in ihrem Logo hätte als Zeichen für Stabilität; das dreigeteilten Mandala von Mercedes spricht von Perfektion, das Pferd von Ferrari erzählt eine Geschichte von Temperament und Eleganz, die grossen Religionen haben sich schon lange das Kreuz, den sechszackigen Stern und den Halbmond angeeignet - starke, eingängige, aber vielschichtige und tiefe Symbole - während sich auch nicht religiöse Firmen gern bei traditionellen Symbolen bedienen wie der angebissene Apfel des gleichnamigen Computerherstellers, der von Neugier und Erkenntnis spricht.

Alltagsmagie - Tafeln und Zeichen

Am klarsten und häufigsten begegnet man der Sprache der Symbole im Verkehr. Weltweit werden dieselben Symbole benutzt, um den Verkehr zu regeln; dass es hier keine grösseren Unstimmigkeiten gibt, deutet darauf hin, dass die benutzten Farben und Zeichen eine archetypische Bedeutung für alle Menschen haben, eine Magie, die überall gilt und überall instinktiv befolgt wird. Ein Pfeil zeigt eine Richtung an, ein auf dem Boden gezeichneter Strich deutet eine Barriere an, die nicht überschritten werden darf, die Farbe Rot, wie Feuer und Blut, fordert zur Vorsicht auf, während das beruhigende Grün von Pflanzen signalisiert: alles in Ordnung, weitermachen.

Verkehrstafeln sind optimiert auf die Kunst, in kürzester Zeit und grösster Klarheit eine eindeutige Botschaft zu vermitteln, die nicht nur den Intellekt anspricht, sondern auch die Emotionen und den Körper - ein klassich magisches Unterfangen.

Magie und Macht

Die Magie in Sprache und Kommunikation ist ein riesiges Feld, worüber sehr viele Arbeiten geschrieben wurden und werden... wo es um das Verstehen geht, um eine partnerschaftliche Zusammenarbeit, aber auch darum, andere Menschen zu unterwerfen und dem eigenen Willen gefügig zu machen. Es gibt magische Kommunikationstechniken, die dabei helfen können, alle diese Ziele zu erreichen, oder ihnen doch näher zu kommen.

Magie hat immer mit Macht zu tun; wenn die Welt sich so verändert, wie ich es will, so bin ich mächtig. Und je grösser die Sphäre meines Einflusses ist, desto grösser die Macht. Desto grösser ist das Vergnügen, aber mit der Macht und dem Vergnügen wächst auch die Verantwortung. Dies gilt sowohl für Methoden, sich selbst zu beeinflussen, aber auch für Methoden, um andere Menschen zu beeinflussen.

Alle "denk positiv"-Konzepte sind magisch: die Idee dahinter ist, dass die Gedanken die Realität kreieren. Mit gewissen Einschränkungen sind diese Konzepte auch tatsächlich sehr nützlich, zum Beispiel, wenn es darum geht, sich selbst neue Denkgewohnheiten und eine neue Sprache zu kreieren.

Im Übermass allerdings können diese Übungen zu Realitätsflucht führen, wo Unangenehmes einfach geleugnet wird und mit einer dünnen Schicht kerniger Sprüche übertüncht wird - was das Thema vielleicht für eine gewisse Zeit in den Hintergrund drängt, es aber nicht zu einer Lösung bringt.

Im sozialen Bereich gibt es analog die Lehren zum Thema Kommunikation. Das fängt auf der ganz banalen Ebene an, wo der Chef zur Verkäuferin sagt "Lächeln Sie bitte freundlich!", und geht hin zu komplexen Systemen, die darauf hinzielen, durch Kommunikation andere Menschen zu überzeugen - manchmal auch gegen ihren ausdrücklichen Willen. Aussendienstvertreter und Politikerinnen sind hier die typischen Beispiele. Auch hier ist das Werkzeug der Kommunikationsmagie ein zweischneidiges: es kann dazu genutzt werden, zu mehr Authentizität zu finden und das auszudrücken und darzustellen, was einem am Herzen liegt; es kann aber auch als Instrument zur Manipulation eingesetzt werden. Viele solcher Schulungen in diesem Bereich haben das Ziel, eine dem aktuellen Zweck dienliche Maske zu kreieren.

Macht ist nichts Schlechtes; Macht ist per se neutral, ein Werkzeug, das sowohl zum Guten wie zum Schlechten eingesetzt werden kann. Um in der Welt irgend etwas bewirken zu können, brauchen Menschen Macht. Es ist aber ein grosser Qualitätsunterschied, ob sich das Ego mächtig macht - David R. Hawkins nennt diese Bewusstseinsebenen "force", also Zwang - oder ob es eine Macht ist, die aus der Seele kommt, was Hawkins "power" nennt.

Magie und die kosmischen Gesetze

Da Magie eine Sache des Egos ist, kann sie mit oder gegen die kosmischen Gesetze gerichtet sein. Und die daraus entstehenden Konsequenzen möglicherweise für eine gewisse Zeit nach hinten schieben. Doch eins ist sicher: die kosmischen Gesetze können nicht ausgehebelt werden. Früher oder später kommt alles, was man ausgesendet hat, wieder zurück.

"Was du säst, wirst du ernten" ist eines dieser grundlegenden Gesetze, aber auch "Ähnliches zieht Ähnliches an"

Wer freundlich ist, wird Freundlichkeit ernten. Wer grosszügig ist, wird Grosszügigkeit erleben, aber auch anders herum: wer selbst geizig ist, wird Geiz erleben. Wer selbst böse ist, wird die Bosheit anderer Menschen erleben. Auf diese Weise erschaffen sich alle ihre eigene Realität, durch jenes Verhalten, das sie selbst wählen und anwenden. Kurzfristig macht dies oft keinen sichtbaren Unterschied, was aber über Jahre und Jahre wiederholt und eingeprägt wird, wird ein wesentlicher Teil des eigenen Lebens. Auch das ist ein Grundsatz von Magie, aber auch einer, der aus der Biologie/Gehirnforschung bekannt ist: Wiederholung schafft Realitäten und neue Verknüpfungen der Neuronen im Gehirn. Und, natürlich, auch Wiederholung ist eine Form von Magie - eine, die besonders für LehrerInnen und SchülerInnen wichtig ist.

Die Frage lautet also nicht, ob mensch Magie anwenden will oder nicht. Die Frage lautet lediglich, auf welche Weise, in welcher Absicht sie angewendet wird. Welche Worte sollen gewählt, welche Gedanken gefördert werden, welche Farben und welche Symbole benutzt werden? Wo auch immer ein Mensch gerade steht, und was ein Mensch gerade tut, alles aus dem Ego kommende ist ein magischer Akt, und als solcher hat er eine Wirkung.

Literatur:
Alice A. Bailey: Eine Abhandlung über weisse Magie

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© Barbara Seiler 2008 - www.spiriforum.net
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