Wir befinden uns auf jener Ebene, auf der das Feuer seinen Höhepunkt hat. Feuer ist das Symbol des Geistes, der an Pfingsten auf die Apostel kam und einen Haufen verängstigter Menschen ein selbstbewusste und furchtlose Redner verwandelte. Feuer ist es auch, das in Form von Elektrizität die zahlreichen Kommunikationsmittel der Menschen zum Funktionieren bringt, von den alten Rauchzeichen bis zur modernen Elektrizität in den Netzwerken des Internet und den Telefonen.
So finden wir auf der Ebene des reinen Feuers auch Menschen, die für ihre Sache gebrannt haben - beide auf ihre Art. David R. Hawkins nennt den Apostel und ersten Missionar Paulus, ehemaliger Saulus, auf Ebene 745, und den indischen Anwalt und Freiheitskämpfer mit Methoden des gewaltfreien Widerstands, Mahatma Ghandi auf Ebene 760.
Beide wussten, dass es nicht ihr Ego war, das sie führte, sondern eine höhere, göttliche Kraft. Sie erlaubten dieser Kraft, durch sie hindurch zu wirken. Das Feuer des Feuers ist eine sehr hohe Ebene, in der das Ego demütig weit zurück tritt; diese Ebene darf nicht verwechselt werden mit durchaus auch feurigen Auftritten, die egogesteuert sind, wie es oft in in Auftritten evangelikaler Prediger geschieht, die den Emotionalkörper manipulieren, oder auch häufig in der Politik, wo die Gunst des Wählers gesucht wird, indem sein Pelz freundlich gekrault wird.
Mahatma Ghandi sagt zu seiner Haltung:
Wer den universalen und alles durchdringenden Geist der Wahrheit von Angesicht zu Angesicht erblicken will, muss fähig sein, auch die geringste Kreatur ebenso zu lieben, wie sich selbst. Und ein Mensch, der danach strebt, darf sich von keinem Lebensbereich ausschließen. So hat meine Ehrfurcht vor der Wahrheit mich in die Politik geführt; und ich kann ohne Zögern und doch in aller Demut sagen, dass ein Mensch, der behauptet, Religion habe nichts mit Politik zu tun, nicht weiß, was Religion bedeutet.
Der griechische Philosoph Plotin lebte von ungefähr 205 - 270. Er wurde vermutlich in Ägypten geboren, studierte in Alexandria, machte mit 38 Jahren einen Abstecher nach Persien, um das östliche Gedankengut zu erforschen, und zog danach nach Rom, wo er bis zu seinem Tod lebte. Er ist einer der wichtigsten Vertreter der neuplatonischen Schule - trotz Namensähnlichkeit sollte er nicht mit seinem geistigen Vorgänger Plato verwechselt werdenm.
Ken Wilber schreibt "Eros, Kosmos, Logos" über Plotin:
Es ist Plotins grosses und bleibendes Verdienst, Aufstieg und Abstieg, Eros und Agape, Weisheit und Mitgefühlt, Transzendenz und Immanenz in Einklang gebracht zu haben, und diese nichtduale Integration, glaube ich, wird immer als Leuchtfeuer bestehen bleiben für alle, die der unvermeidlichen Gewalttätigkeit blossen Aufstiegs oder blossen Abstiegs müde sind.
Diesseitsverherrlichung oder Jenseitsverherrlichung - beides geht am Wesentlichen vorbei, und für beides hatte Plotin nichts übrig. Jede Ausweitung des Ich, sagt Plotin, führt dazu, dass immer mehr "Aussenwelt" in unser Inneres gelangt, bewirkt aber nicht, dass immer mehr davon ausgeschlossen wird. Ablehnung der Welt - jeder existierenden Welt jedenfalls - ist für Plotin ganz einfach ein Kranheitszeichen.
(...)
Wer eine andere Welt jenseits dieser Welt sucht, hat, wie Plotin sagt, überhaupt nicht verstanden, worum es geht. "Diese Welt" oder "andere Welt" - es ist alles nur eine Frage der Wahrnehmung. Geist und Seele sind überall und nirgendwo. Wir sind immer dann im "Himmel", wenn wir "Gottes mit Herz und Geist gedenken". Und wir versinken in der Materie, wenn wir Gott vergessen. Der Ort bleibt derselbe, nur die Wahrnehmung ändert sich.
Die Dualität wird überwunden - es wird die ganze Medaille gesehen und geschätzt, und nicht mehr so getan, als ob die Vorderseite besser sei als die Rückseite - oder gar, dass nur die Vorderseite existiere, die Rückseite aber nicht.
Das Wesentlich auf der Stufe des Feuers ist, dass die Essenz nicht nur Engang in den Alltag gefunden hat und selbstverständlich gelebt wird wie in den Stufen von 600-720, sondern dass diese Essenz benannt und kommuniziert werden kann, entsprechend der Bewusstseinsstufe der Zuhörer.
"Ich spreche zu euch in Gleichnissen, weil ihr es nur so verstehen könnt, was ich sagen will", sagte Jesus einmal. Jesus war ein Meister in dieser Form der Kommunikation: er erzählte uns eine grosse Menge von kleinen, scheinbar ganz einfachen Geschichten, die jedes Kind verstehen kann - und je länger sich ein Mensch mit diesen Geschichten beschäftigt, desto mehr Tiefen, Nuancen, Facetten, Wahrheiten tauchen auf.
Undbewusste Menschen, die diese Geschichten hören, können davon unbewusst verändert und in-form-iert werden - je weiter und ausgeprägter das Bewusstsein ist, desto mehr zeigen die Gleichnisse, was alles auch noch in ihnen steckt - ganze Welten von Bedeutung.
© Barbara
Seiler
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