Weise Lehrer

Die Luft des Feuers

Wir befinden uns in der Luft des Feuers: der Geist durchdringt den Menschen, und jetzt lernen die Menschen, im Geist zu sprechen. In den Ebenen ab 600, wo die Hauptebene des Feuers beginnt, beginnt auch das Leben in der Einheit. Dennoch ist es, vor allem an Anfang dieser Erfahrung, sehr schwierig, die passenden Worte zu finden - jene Worte, die auch auf anderen Ebenen zumindest ansatzeweise verstanden werden.

Den meisten Leuten, die ernsthaft nach Wahrheit suchen und auf diesem Weg gewisse Fortschritte erleben durften, kennen die Situation: sie sagen etwas, und das Gegenüber schaut einen im besten Fall mit grossen Augen an, oder zeigt einem im schlechteren Fall einen Vogel und meint "du spinnst doch". Im allerschlechtesten Fall allerdings darf mit einem ausgewachsenen Wutanfall gerechnet werden - meist dann, wenn der Kommentar tatsächlich gepasst hat zum Thema, aber etwas anspricht, was die betreffende Person in dem Moment nicht erträgt zu sehen.

In der Luft des Feuers ändert sich dies - Worte, Bilder, Lehren werden gefunden. Viele der hier genannten Werte befinden sich nicht nur im Bereich der Luft des Feuers, sondern genau auf Ebene 700, wo die Luft innerhalb des Feuers ihre schärfste, reinste Qualität erreicht - dort, wo die Fähigkeit zur Sprache, Kommunikation und zum Intellekt am ausgeprägtesten ist. 

Heilige Bücher

Aus diesem Grund liegt nahe, dass sich in der Luft des Feuers diverse heilige Bücher finden: Hawkins nennt das Lukas-Evangelium auf Ebene 699, und sowohl den Koran wie auch die persönliche Energie des Propheten Mohammed während einer bestimmten Zeit seines Lebens auf der Ebene 700.

Doch nicht nur religiöse Texte befinden sich in der Luft des Feuers, sondern auch politische Grundlagentexte: Hawkins nennt  die Unabhängigkeitserklärung der USA auf Ebene 700 und die Verfassung der USA auf Ebene 710. Wesentlich für diese Ebene ist die Idee der Menschenwürde und der Menschenrechte - alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.

Om Mani Padme Hum

Diese Erkenntnis und die Fähigkeit, Lehren der Einheit zu formulieren und zu verstehen, entstehen aus einer in den Zellen verankerten Kenntnis der kosmischen Gesetze. 

Ein Ausdruck dieser Kenntnis ist das Sanskrit-Mantra aus dem tibetischen Buddhismus "om mani padme hum", Ebene 700, das schon seit vielen Jahrhunderten rezitiert wird.

Die einleitende Silbe "om" bedeutet nicht etwas im Sinne einer Wortbedeutung, sondern sie wirkt durch ihren Klang, wenn sie gechantet wird: sie ist Symbol des Klanges, der das Universum in die Existenz gerufen hat.

Darauf folgt "mani", das Juwel - ein Symbol für die männliche Energie, das Yang - und darauf kommt "padme", die Lotosblüte, ein Symbol für die weibliche Energie, das Yin. Zusammen spannen Juwel und Lotos, Yang und Yin, das Universum der Polaritäten auf.

Die letzte Silbe "hum" schliesst den Prozess ab - wie das "om" funktioniert sie nicht durch Bedeutung, sondern durch Klang - sie ist jene Silbe, die das Universum wieder aus der Existenz in die Leere holt.

Und dann kommt der kurze Moment der Atemlosigkeit, des Luft-Holens, bis ein neuer Zyklus beginnt, ein neues Universum in die Existenz gesungen wird.

Teresa von Avila

Die spanische Heilige Teresa von Avila (1515 - 1582) befindet sich laut Hawkins auf Ebene 715.

Ken Wilber nennt sie in "Eros, Kosmos, Logos" als Beispiel für die sogenannten "subtile" Ebene.

Diese subtile Ebene beschreibt er folgendermassen auf den Seiten 360ff.:

Die Seele und Gott gehen eine noch tiefere Vermählung ein, die auf ihrem Höhepunkt eine göttliche Einheit von Seele und GEIST erkennen lässt, eine Vereinigung, die jeder ihrer Manifestationen als Materie, Leben und Geist vorausgeht und jede nur denkbare Natur überstrahlt. (...)

Der GEIST ist in der Erde und doch jenseits der Erde, er geht ihr voraus, ohne ihr jedoch als ein anderes gegenüberzustehen - dieser GEIST, der Ursprung und Grundlage und Ziel von allem ist, zeigt sich auf der psychischen [vorhergehenden] Ebene als Ahnung und tritt in den subtilen Stadien der Bewusstseinsevolution ganz in den Vordergrund, wobei er alle früheren Stufen einschliesst und sie vollkommen überstrahlt. Mögen die Erde und der Kosmos und alle Welten untergehen, der GEIST leuchtet dennoch in der Leere, nicht entstehend, nicht vergehend, nicht ein Mal auch nur schwankend in den Welten der erschaffenen Zeit. Diese Erfahrung, so schreibt Teresa de Avila, "übersteigt alle Lust der Erde, alle ihre Wonnen und Freuden. Und man braucht nicht danach zu schauen, wo diese Freuden und wo die irdischen ihren Ursprung haben; die Art, wie man sie fühlt, ist völlig verschieden."

Mitgefühl und Askese

Wenn in dieser Ebene, in der Luft des Feuers gesagt wird, dass das Wesentlich nicht im Materiellen und im Körper zu finden sei - sondern im Gegenteil im GEIST - so darf dies nicht verwechselt werden mit der Körperfeindlichkeit, die manchmal in den unteren Ebenen wie der Scham und der Schuld vorkommen.

In den unteren Ebenen handelt es sich um ein gerade erwachtes Bewusstsein, das die Faszination von Sex, Lust, Gier, Macht, körperlichem Vergnügen erfährt und von einer oder mehrerer dieser Faszinationen abhängig ist. Es ist ein Suchtthema , und der Ansatz ist ein negativer: holt mich hier raus!

Der Ansatz in den Ebenen oberhalb von 600 ist ein ganz anderer: Wie Dahlke/Dethlefsen in "Krankheit als Weg" und "Krankheit als Sprache der Seele" schreiben, ist jede Sucht eine fehlgegangene spirituelle Suche.

Der Mensch aber, der die Ebenen jenseits der Dualität erlebt, muss nicht mehr suchen, sondern hat gefunden - auch wenn es durchaus sein mag, dass diese Ebene nicht beständig gehalten werden kann, so ist doch klar und eindeutig, worin sie besteht.

Ein Verzicht auf Suchtmittel wie übermässiges Essen , Alkohol, Drogen aller Art, zuviel Arbeit , übermässigen Konsum - kurz, ein einfaches Leben - helfen dabei, sich nicht unnötig vom Wesentlichen ablenken zu lassen und sich auf das zu konzentrieren, was wirklich wichtig ist.

Die Freude an den irdischen Genüssen wird nicht verdrängt und geht nicht verloren - doch es ist nicht mehr eine Gier und nicht mehr ein Müssen, sondern es ist ein Genuss, wenn es da ist, es geht aber auch ohne. 

Die Luft des Feuers ermöglicht es, aus Mitgefühl und Erkenntnisfähigkeit sich als Mensch unter Menschen in der Welt zu bewegen, und immer mehr nur durch das eigene SEIN zu inspirieren - und die notwendigen Worte werden gegeben werden, wie es im zehnten Kapitel des Matthäusevangeliums heisst:

"Wenn sie euch aber überliefern, so sorget euch nicht darum, was ihr reden sollt; denn es wird euch in jener Stunde gegeben werden, was ihr reden sollt. Denn nicht ihr seid es, die reden, sondern der Geist eures Vaters ist's, der redet."

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© Barbara Seiler 2010 - www.spiriforum.net
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Literatur





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