Die Karten des Tarot bilden die Reise des Menschen auf der Erde ab. Es handelt sich dabei um die Reise des Bewusstseins, das sich erweitert, vergrössert und dabei viele Abenteuer erlebt.
Diese Reise kann in einem solchen Artikel nur angedeutet werden. Die hier benutzen Bilder des Rider Waite-Tarots sind so tief und so vielschichtig, und doch gleichzeitig einfach und direkt, dass sie zum Selbststudium und zum Spiel einladen - ein Spiel, das sich auch nach vielen Jahren nicht erschöpft und immer wieder neue Aspekte zeigt, parallel zu der eigenen Entwicklung und jenen Bewusstseinsfeldern, die Du, lieber Leser und liebe Leserin, gerade bearbeitest.
der Narr
Du bist der Narr. Du hast dich für ein Leben auf der Erde entschieden, und du stürzt dich von der Höhe des Olymps herunter in die Tiefe der irdischen Erfahrung.
Du tust dies mit einem Lächeln auf den Lippen, unbeschwert, sorglos - denn du als Seele weisst: es kann dir nichts geschehen. Was immer sein mag, es ist nichts Anderes als die Illusion der Maja, während deine himmlische Natur, deine Seele , nicht verletzt werden kann. Und schon gar nicht zerstört.
Du trägst ein Bündel mit dir, worin du deine Talente untergebracht hast - deine Gaben und Fähigkeiten, dein Werkzeug für das Leben auf der Erde. Und ein Hündchen begleitet dich fröhlich auf deiner Reise durch die 21 Stufen der Lebensreise udn wird dir dabei ein treuer und hilfreicher Begleiter sein - höre auf sein Bellen und seine Warnungen, es wird die Verbindung zum Himmel behalten, die du als neu geborener Mensch bald vergessen wirst!
Hier geht es zum ausführlichen Kommentar des Narren
Elternfiguren des Tarot: der
Magier, die Hohepriesterin, die Herrscherin, der Herrscher
Die erste Station der Reise wird durch den Magier symbolisiert . Er steht für das Yang, die männliche Energie; er hebt seine rechte Hand in die Höhe und die Linke gegen den Boden, als ob er den Geist wie ein Blitzableiter einfängt und ihn in die Erde, in die Materie leitet.
Der Magier ist Dein himmlischer Vater - jener, der Dir den Geist und den Lebensodem gegeben hat. Er ist klar bewusst, entschieden und entschlossen. Er handelt ohne zu zögern, mit seiner ganzen Kraft.
Die Elemente sind sein Spielfeld:
Die Hohepriesterin ist die himmlische Mutter. Sie hütet den Zugang zum Unbewussten. Sie sitzt vor einem Vorhang, durch dessen Zwischenräume man im Hintergrund ein Meer vermuten kann, ein Zugang zum Wasser.
Die Hohepriesterin regiert die Intuition: wende dich an sie, wenn du in einer schwierigen Frage keine Entscheidung treffen musst. Sie ist fähig, im Unbewussten zu lesen - die Rolle "Tora", die sie in den Händen hält, weist darauf hin - und dir guten Rat zu geben.
Magier und Hohepriesterin ergänzen sich als Elternpaar, sie lehren des rechte Handeln und das rechte Fühlen .
Die Herrscherin hingegen ist unsere irdische Mutter, die Natur. Sie regiert das Leben, die Fülle des Wachsens und Erntens, das Wissen um Leben und Tod, das Wissen um die Jahreszeiten des Lebens.
Sie ist gross und grosszügig in allem, was sie tut: in ihrer Liebe ebenso wie in ihrem Zorn. Sie sorgt dafür, dass Bäume viel mehr Früchte tragen, als sie zu der Vermehrung ihrer Art je brauchen; sie zeigt sich aber auch in den Stürmen, den Vulkanausbrüchen, den Naturkatastrophen, den Überschwemmungen.
Sie ist masslos und unberechenbar: nimm dankbar von ihr, was sie dir zu geben beliebt - und nimm es sofort, denn morgen kann alles schon ganz anders aussehen - aber hüte dich vor ihrem Zorn.
Ganz anders als seine Ehefrau die Herrscherin ist unser irdischer Vater, der Herrscher: er ist die Kultur. Er regiert über Gesetze und soziale Konventionen. Seine Welt ist aus Stein gebaut und viereckig, er selbst ist alt und steif und gut geschützt in seiner Rüstung. Die Widderköpfe, die seinen Thron schmücken, weisen aber darauf hin, dass es ihm an Vitalität und Handlungskraft keinswegs fehlt.
Als "pater familias" ist es seine Aufgabe, für Recht und Ordnung zu sorgen, was er mit grosser Weisheit tut - auch wenn er manchmal dazu neigt, das Prinzip um des Prinzips willen über die Bedürfnisse des einzelnen Menschen zu stellen.
Wenn man die Karten von 1-21 in drei Siebnerreihen auslegt, so kommt der Herrscher direkt über der Gerechtigkeit zu liegen: die Gerechtigkeit ist ein göttlicher Aspekt, der Herrscher lebt diesen Aspekt auf der Erde, so gut er kann - in der Tat eine schwere Aufgabe für einen Menschen! So wie die Herrscherin kein Mass kennt, so kennt der Herrscher nur Mass, diszipliniert sich, ist streng aber gerecht.
der Hierophant
Die ersten vier Karten lehren uns, was ein Mensch in seinen ersten sieben Lebensjahren zu tun hat: er kommt auf der Erde an, muss sich in seinem Körper zurecht finden, lernt die Welt der Gegensätze kennen, lernt zu gehen und lernt zu sprechen.
Gleichzeitig wird immer mehr Wert darauf gelegt, dass ein Kind langsam aber sicher unter die Herrschaft seines Vaters, der Kultur, kommt: es muss die vielen Regeln und Gesetze seiner Gesellschaft kennen lernen und sie einhalten.
Der Hierophant hingegen ist nicht mehr eine Elternfigur, sondern eine Lehrerfigur, ein Vorbild. die Geste seiner Hand - Ringfinger und kleiner Finger heruntergeklappt, die anderen drei Finger offen - deuten an, dass er umfassendes Wissen besitzt, aber nur einen Teil des Wissens an seine Schüler weitergibt. Wie die Hohepriesterin sitzt er zwischen den zwei Säulen der Polarität, doch bei ihm ist im Hintergrund kein Meer zu sehen, keine Türe, sondern lediglich eine graue Fläche.
Im viereckigen, grauen Haus des Herrschers und der Kultur eingeschlossen, werden vor allem jene Inhalte unterrichtet, die der Herrscher für gut und richtig hält, die einen jungen Menschen auf das Leben als Erwachsener in der Welt vorbereiten.
Die dreistufige Krone des Hierophanten und die drei Kreuze auf seinem Gewand deuten an, dass der Unterricht ein ganzheitlicher sein soll, wenn er denn den Jugendlichen von Wert sein soll: ein Unterricht von Kopf, Herz und Hand; von Kopf, Brust und Bauch. Leider haben heutige Hierophanten allzu oft einen grossen Wasserkopf und vergessen Brust und Bauch...
die Liebenden und der Wagen
Die erste grosse Liebe! was für ein Glück, was für eine Narrheit!
Das erste Mal wagt sich der junge Mensch aus dem Nest der Eltern heraus und trifft eine Entscheidung, die ganz allein die seine ist: er oder sie verliebt sich.
Der Engel deutet an, dass dieser Zustand ein grosser Segen ist. Zum ersten Mal sehen wir auf diesem Bild auch wieder die Sonne, die der Narr hinter sich liess - einen Menschen zu lieben, zu begehren, verliebt zu sein, das ist ein Vorgschmack auf das Paradies, das wir als Narren verlassen haben. Und nur als Narren können wir dorthin zurück kehren.
Denn so segensreich es ist, auf der irdischen Ebene ist die Situation häufig schwierig: Junge Menschen treten aus dem Verband der Familie heraus, wählen oft einen Partner, der den Eltern nicht gefällt, Eltern finden es schwer loszulassen und die Kinder freizugeben, die doch "noch nicht soweit" sind oder "immer noch so jung"... die Liebe ist und bleibt ein grosses Wunder - glücklich jener, der sich ihr hingeben kann und ihre Freude geniessen kann, und dies gleichzeitig mit den Anforderungen des irdischen Lebens, der Schule, des Berufs, in Einklangt bringen kann.
Hier sehen wir den jungen Erwachsenen. Er hat alles gelernt, was er zu lernen hat, nun zieht er aus, die Welt zu erobern: gut ausgerüstet und geschützt, aufgeregt, stolz, mit den besten Wünschen seiner Eltern und Familie gesegnet, etwas nervös durchaus auch und ängstlich, wenn es niemand sehen kann...
Sein Wagen wird von den schwarzen und weissen Sphinxen der Polarität gezogen, sein Schild zeigt die Vereinigung des Männlichen und Weiblichen, gekrönt ist er mit einem Stern, die Schultern verstärkt mit dem Mond, das Licht der Sonne strahlt über ihn, eine Menge an magischen Zeichen schmücken ihn - und seine Ärmel sind noch weiss und unschuldig, Blut hat er noch keins vergossen. Doch er weiss, er wird seine Unschuld noch verlieren, es wird Blut zu vergiessen geben, sein eignes oder fremdes - was schlimmer ist, was schmerzhafter, ist im Voraus schwer zu sagen.
Jetzt ist der Mensch erwachsen - verantwortlich - allein. Niemandem Rechenschaft schuldig, ausser dem eigenen Gewissen. Und dieses wird sich auch bald melden.
die Reise nach innen
Der Mensch, der mit dem Wagen ausgezogen ist, sammelt seine Erfahrungen und lernt in der Welt seine Kraft kennen - die Lebenskraft, als Löwe dargestellt, die ihm dank seiner Ausbildung gehorsam und lieblich folgt.
Der Mensch trägt seine Verantwortung, braucht weniger Rüstung, wird weicher, flexibler, selbstbewusster - und vergisst dennoch nie, welche Kraft ihm zur Verfügung steht. Der Löwe ist und bleibt ein wildes Tier und gehorcht nur dann, wenn er gut behandelt wird, seiner Natur entsprechend. Einsperren lässt er sich nicht. Unbegrenzt kontrollieren lässt er sich auch nicht. Aber aus Liebe zu dem Menschen tut er gern, was er am besten kann: brüllen, jagen, faul rumliegen, sich den Bauch kraulen lassen, kämpfen, lieben, essen, trinken. Am Menschen ist es, all diesen Anlässen den ihnen zustehenden Platz zu geben.
So wie das Leben Aktivität benötigt, so benötigt es auch Rückzug. Nach dem Werk des Tages und an den Sonn- und Feiertagen zieht der Mensch sich in sich selbst zurück. Er schaut und prüft: bin ich noch auf dem richtigen Weg? Wo steht mein Stern? Leuchtet er noch hell und kräftig? Stehe ich noch sicher, gehe ich noch sicher? Hält mich mein Stab?
Bilanz zu ziehen ist eine einsame Tätigkeit. manchmal tun sich vor den Füssen Abgründe auf - Fehler werden erkannt. Schwachheiten. Das, was wirklich wichtig ist im Leben, ist noch so weit weg wie ein ferner Stern von der Erde, wie kann es erreicht werden?
Der Eremit ist demütig, still, besonnen. Er fügt sich ein in seinen Platz im Universum. Wo der Wagen und die Kraft voller Selbstvertrauen sind (und es sein müssen), so ist der Eremit voller Zweifel und Fragen. Doch der Stern, so klein er sein mag, weist ihm den Weg.
nach dem Ausflug des Eremiten in die Berge der Kontemplation holt das Leben den Menschen wieder ein. Das Leben ohne Kontrolle: Manchmal geht es hinauf, dann wieder herunter - scheinbar chaotisch, ohne Muster, ohne Verdienst, einfach so. Da gibt es Glückspilze, die an die Spitze gespült werden, und Pechvögel, denen nichts zu gelingen scheint.
Wenn der Eremit die Lektion der Demut gelernt hat, so hat er auch gelernt: ein Surfer kann die Welle nicht ändern - dazu ist sie zu mächtig. Aber er kann ein geschickter Surfer sein und die Welle reiten, ganz egal, wie sie beschaffen ist.
Das Rad des Schicksals lehrt uns, dass das Ego, das wir in den ersten Karten vom Magier bis zum Wagen so sorgfältig gebaut und konstruiert haben - manchmal besser weggelassen werden muss. Widerstand ist zwecklos - Widerstand erzeugt nur Schmerz.
Habe Vertrauen in die Welt und lass dich tragen, wohin dich die Welle auch tragen wird - lerne zu surfen und nicht unterzugehen - dann beginnt das Leben wirklich Spass zu machen. Und nachher, irgendwann, wirst du auch lernen, wie du die existierenden Wellen dazu nutzen kannst, das Ziel deines göttlichen Willens zu erreichen, eine Welle an der andern, mit Geduld, Beharrlichkeit, Flexibilität und nur mehr wenig Salzwasser in Mund und Nase.
So chaotisch und unberechenbar das Rad des Schicksals auch scheinen mag, dahinter liegt Gerechtigkeit. Nicht die menschliche Gerechtigkeit, sondern die göttliche Gerechtigkeit: du hast gesät, du erntest.
Nicht immer ist dir bewusst, was du gesät hast; doch wenn du die Ernte betrachtest, die du heute einfährst, so kannst du an ihr erkennen, wie sich deine früheren Handlungen auswirken. Betrachte dein Leben und übernimm die Verantwortung für das, was du getan hast; gib sie nicht weiter.
Denn wo du deine Verantwortung übernimmst, dort bist du auch frei, in Zukunft anders und neu zu wählen, damit die Ernte des nächsten Jahres deinem Geschmack und Sinn besser entspreche.
gleichgewicht - balance
Wieder kommt nach den intensiven Erfahrungen der Welt eine Erfahrung der Kontemplation. Der Gehängte aber zieht sich nicht wie der Eremit in die mineralische Welt der Berge und des Eises zurück, sondern er hängt sich an den lebendigen Baum der Welt, um Erkenntnis zu erlangen - eine Tätigkeit für Götter.
Der Querbalken seines Kreuzes ist T-förmig zuoberst am Längsbalken befestigt - der Aspirant strebt nicht nach menschlicher, sondern nach göttlicher Weisheit, nach dem höchsten Bewusstsein. Er erforscht dabei die Kräfte des Lebens, indem er sich selbst zur Pflanze macht: denn was die Wurzel der Pflanze ist, entspricht beim Menschen der Kopf, und die Blüten der Pflanze, die sie weit und offen und farbig und öffentlich darstellen, entspricht den Geschlechtsorganen des Menschen.
Der Mensch, der als Gehängter die Kraft des Lebens erfahren will - erfährt den Tod. Er sieht die Sonne untergehen. Er erfährt, was ihm alles fehlt, wenn das Leben weg ist.
Auf der Karte sehen wir fallende und bittende Menschen; im Hintergrund ein Fluss mit einem Boot, das jenseitige Ufer in Schatten getauch, ein Todesreich und Hades, wo nur Echos des Lebendigen existieren.
Der Tod reitet durch das Land der Lebendigen, mit durchaus freundlichem Blick für ein Skelett - er weiss, wen er nicht jetzt holt, den wird er später holen kommen. Er ist ein Freund, und nicht ein Feind - und das Leben findet, wer akzeptiert, dass die Illusionen sterben.
Nachdem der Gehängte die beiden Extreme des Lebens und des Todes erfahren hat, werden die Aspekte in der Mässigkeit zusammengebracht.
Das Bewusste und das Unbewusste, das Lebendige und das Tote, das Licht und das Dunkle, beide Pole braucht es immer, in deren Spannung die Welt existieren kann.
Keiner der Pole ist besser als der andere - aber es ist gut, richtig und schön, dass es sie beide gibt und sie beide die Erfahrung des menschlichen Lebens ausmachen.
der Weg durch die Hölle
Nachdem der Mensch sich im Eremiten mit der Materie und dem Mineralischen auseinander gesetzt hat, und im Gehängten mit der Lebenskraft des Pflanzlichen, ist die nächste Auseinandersetzung das Animalische, das Tierische. Dies wird durch den Teufel mit seinen Bockshörnern und den haarigen Füssen dargestellt.
Das Tierische, das ist die Triebkraft der Emotionen und Instinkte. Der Gehängte hatte sich kopfüber an den Baum des Lebens gehängt - nun sehen wir einen Menschen, dessen Handlungen von den Trieben, also dem Unterleib, bestimmt wird, und nicht von der Vernunft und dem Kopf.
Das, was der Herrscher lehrte, gerät in den Hintergrund. Es ist nicht vergessen, aber das Kind lernt und gehorcht, einfach weil es ein Erwachsener sagt; der Erwachsene aber will etwas tun, aus eigener freier Wahl und weil er selbst die Hintergründe dazu verstanden hat. Was aber sollte daran schlecht sein, sich den Trieben hinzugeben, die ja das Natürlichste der Welt sind?
Der Haken ist, dass ein Mensch, der sich bewusst seinen Trieben hingibt, eben doch ein Mensch bleibt - und sein Mensch-Sein, die Aspekte des Herrschers und des Hierophanten und alle seine Erfahrungen, Meinungen, Absichten und Theorien, in die Triebe hinein bringt. So kommt es, dass Menschen die Kraft ihres Verstanden in die Dienste der Triebe stellen und dabei Dinge von so faszinierender Schrecklichkeit tun, wie Tiere es nie tun würden.
Diese Erfahrung gehört zum Weg des Narren - es gehört dazu, sich den Trieben hinzugeben, zu übertreiben, spontan und wild und betrunken und dionysisch zu sein, sich über alle Gesetze und Regeln hinwegzusetzen, und die Wirkung davon zu erfahren.
Die Folge des Teufels ist der zusammenbrechende Turm: Strukturen lösen sich auf. Das Reich des übermächtigen Herrschers ist zusammengebrochen. Blitz, Erdbeben, Nacht, ein langer Flug in den Abgrund, Panik, Angst und Schmerzen.
Es ist gleichzeitig eine Krise und eine Befreiung. Bollwerke und Gewissheiten gehen verloren. Begrenzungen und Stützen sind nicht mehr da.
Meist eine schreckliche Zeit, eine angstmachende Zeit - aber auch eine grosse Befreiung.
Nach dem Zusammenbruch des Turms findet sich der Mensch nackt. Unser Narr, der mit einem Bündel und einem Hündchen als Begleiter losgezogen ist, durchaus bekleidet, wird auf sich selbst zurückgeworfen.
Es ist eine Stimmung des Staunens. Wie die Mässigkeit steht die Figur halb an Land, halb im Wasser, schöpft und giesst um; doch wo die Mässigkeit das sehr kontrolliert tat, nur von einem Kelch zum anderen, da ist die Frau unter dem Stern so frei und schöft aus dem grossen Becken, begiesst das Land, badet, trinkt. Sie gibt weg ohne zu denken und empfängt ohne zu denken. Sie ist frei, mit den Elementen zu spielen, in Liebe und Achtsamkeit.
die Erlösung
Nach der Auseinandersetzung mit Mineral, Pflanze und Tier kommt als letztes die Auseinandersetzung mit dem typisch menschlichen: der Mond lässt unbewusste Inhalte bewusst werden.
Tiere kriechen aus dem Wasser - Wölfe heulen, ein Krebs kommt hervor, und wir sehen die beiden Türme der Polarität so nahe wie schon lange nicht mehr. Und wir sehen den Weg, der durch sie hindurch führt, das Ziel ist nahe...
Mensch sein heist, das Unbewusste bewusst zu machen. Der Narr, der durch die Welt ging, hat sich seine mineralisch-materiellen, pflanzlich-lebendigen und tierisch-emotionalen Aspekte zu eigen gemacht, die jetzt, im unsicheren Licht des Mondes, zusammen streben und sich nach Vereinigung unter einer grösseren Hierarchie sehnen.
Diese Vereinigung geschieht im Garten der Sonne: Das Hündchen hat sich in eine kräftiges, aber freundliches Pferd verwandelt; der Mensch, der so viele Phasen und Stufen und Ebenen durchgemacht hat, wurde neu geboren und ist wie ein Kind, voller Freude.
Da ist kein Plan mehr, keine Unzufriedenheit, kein Bedürfnis, da ist nur noch Sein, Lebendigkeit, Liebe, Freude.
Es fehlt nur noch ein Geringes: denn das Kind, das in der Sonne badet, ist nach wie vor ein Mensch, während die Sonne die Essenz des Menschen, seine Seele und sein Selbst darstellt. Das Ziel ist nicht nur, das Selbst wahrzunehmen und seine Strahlen zu geniessen; es ist das Ziel, die Identität des Menschen mit der Essenz zu erkennen.
Dazu ruft das Gericht: es richtet uns auf, es richtet gerade, was vorher krumm war, es richtet auf das Wesentliche aus, was vorher auf das Unwesentliche zielte. Alle bewussten und unbewussten Aspekte, die Schlafenden und die Toten und die Lebendigen, hören diesen Ruf und folgen ihm voller Freude, denn sie kehren nach Hause zurück.
Der Narr ist angekommen, von wo er ausgegangen war; die vier Tiere der Evangelisten zeigen, dass alle Elemente im Gleichgewicht sind, die Figur tanzt, in immerwährender Bewegung und Freude; die Reise hat ein vorläufiges Ende gefunden, und in all den Abenteuern hat sie sich selbst besser kennen gelernt, ist vollkommener geworden, aber dennoch genau die gleiche geblieben: Gott, inkarniert als Mensch.
© Barbara
Seiler
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