Glück und Zufriedenheit eines Lebens hängen von dem ab, was täglich, stündlich, immer wieder passiert. Von den kleinen Dingen: beim Sonnenaufgang auf der Terrasse den Kaffee trinken. Eine Suppe kochen und gemeinsam essen. Die Wohnung putzen. Kunden anrufen. Geburtstag feiern. Den Weihnachtsbaum aufstellen. Den Briefkasten leeren. Am Sonntag ausschlafen und sich träge im Bett nochmals umdrehen und weiterdösen. Einen Freund umarmen. Einen Brief schreiben...
Alle diese Tätigkeiten sind es, die den Stoff unseres Lebens prägen. Und es liegt an ihnen, ob wir uns glücklich, zufrieden und in Einheit mit uns selbst fühlen, ganz, oder ob wir uns unglücklich, unzufrieden und ungut fühlen.
Glück liegt in den Kleinigkeiten und in den Gewohnheiten - hier also sieben Vorschläge für Gewohnheiten, die das Leben voller, intensiver, echter, dichter und somit auch glücklicher machen:
"Tu was Du willst" - empfehlen so unterschiedliche Leute wie der Magier, Bohemien und Bürgerschreck Aleister Crowley und der Kichenvater Augustinus.
Eine Tatsache ist, dass viele Menschen während eines grossen Teils ihrer Zeit nicht das tun, was sie wirklich tun wollen - sondern das, was sie glauben, tun zu müssen. Das, was Beruf, Familie, Gesellschaft, Ämter und die Umstände fordern.
Es dürfte in den seltensten Fällen möglich sein, von einem Tag auf den anderen alles nicht mehr zu tun, was man nicht tun will, und nur noch Dinge zu tun, die man tun will. Möglich ist aber, jeden Tag den Anteil der Dinge zu erhöhen, die man wirklich und tatsächlich tun will, und den Anteil jener Dinge zu verringern, die man nicht tun will.
Dahin gibt es zwei Wege:
Erhöhe den Anteil der Dinge, die Du wirklich tun willst. Ändere kleine Dinge. Gönne es Dir, ein paar Minunten auf eine Bank in der Sonne zu sitzen, wenn Dir danach ist. Belege einen Nähkurs. Koche wieder mal deine Leibspeise von früher, als du ein Kind warst. Plansche in einem Bach herum.
Vermindere den Anteil der Dinge, die du nicht mehr tun willst. Lache nicht, wenn der Chef einen rassistischen Witz erzählt. Mache keine Überstunden mehr am Freitag Abend, sondern verlasse das Büro pünktlich. Wirf die schicken aber unbequemen Schuhe weg, in denen Du immer Schmerzen hast. Geh nicht mehr in Geschäfte mit aufdringlichen Verkäufern, die Dir Sachen aufschwatzen, die Du nachher bereust.
Tue jeden Tag mindestens etwas, was Du wirklich tun willst - etwas, wozu Du Lust hast, was Dich freut, etwas, was Du nur für Dich allein machst, und nicht für andere.
Die Welt ist reich und vielfältig - es hält jung, gesund und flexibel, diese Vielfalt täglich zu geniessen.
Tue jeden Tag etwas, das Du noch nie getan hast. Kaufe ein neues ProDukt im Supermarkt. Schlag ein unbekanntes Wort im Duden nach und benutze es. Male ein neues Bild. Gehe einen anderen Weg. Flirte mit dem netten Verkäufer. Probiere neue Verhaltensweisen aus: sei wütend, nett, unterwürfig, lächelnd, grimmig, bestimmt, unentschieden... tue, was Du noch nie getan hast.
Jeden Tag etwas Neues zu tun öffnet den Geist für die vielen Möglichkeiten, die die Welt bietet. Einige Versuche werden in die Hose gehen - einmal und nie wieder. Andere Experimente werden sich zu lieben Gewohnheiten weiter entwickeln, zu überraschenden Entdeckungen führen.
Eigne Dir Rituale und Routinen an: täglich die Zähne putzen, jeden Sonntag die Zeitung kaufen und im Café lesen, immer an Weihnachten den Salat ans Familienfest mitbringen, immer den Schreibtisch am Abend aufräumen und ordnen, erst zu essen beginnen wenn alle bereit sind und sich gegenseitig "guten Appetit" gewünscht haben, vor dem Einschlafen eine halbe Stunde lang lesen...
Rituale und Routinen geben dem Leben Struktur, sie vermitteln Sicherheit und Geborgenheit.
Die Frage ist nicht, ob ein Mensch Rituale und Routinen hat, die Frage ist, ob es Routinen sind, die zu mehr Leben und Intensität führen.
Gerade die unglücklichsten Menschen - jene die in einer Sucht oder in einem Zwang gefangen sind - haben sehr starke Routinen und Rituale. Jeder hat schon einmal erlebt, wie sich ein Raucher benimmt, der keine Zigaretten mehr hat. Die Handlungen und Routinen, die zum Rauchen gehören, werden zum bestimmenden Lebensinhalt. Der Alkoholiker auf dem Trockenen, der Junkie auf dem Entzug sind ausschliesslich darauf ausgerichtet, sich ihre Droge zu beschaffen, sonst nichts.
Leben spendende Rituale und Routinen zu gestalten, ist kein Widerspruch zum zweiten Punkt "täglich etwas Neues" - es ist eine Ergänzung dazu. Sinnvolle Routinen bilden den Rahmen, innerhalb dessen Innovation stattfinden kann.
Auch Routinen und Rituale ändern sich mit der Zeit: auf einmal schmeckt der Morgenkaffee nicht mehr, er wird Durch Tee ersetzt. Auf einmal scheint es anstrengend, mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren, es wird Durch den Bus ersetzt.
Sage einmal täglich etwas Nettes. Sage es zu der Nachbarin, die Du im Treppenhaus triffst, zu dem Kollegen auf der Arbeit, zu einem Kunden, zu der Person, die Dir im Zug gegenüber sitzt.
Gewöhne Dir an, das Positive an anderen Menschen zu suchen und es zu loben - das stärkt das, was schön ist und Freude macht, bei Dir und bei andern.
Bist Du zu schüchtern? Sag etwas Nettes mit Körpersprache. Lächle. Halte die Tür offen für die Person hinter dir. Sage "Danke".
Du bist ganz allein und triffst niemanden? Nun, so sage Dir selbst etwas Nettes. Sage "ich finde Dich gut. Du siehst heute wirklich gut aus. Du bist so intelligent. Du bist eine wundervolle Köchin."
Sage etwas Nettes, und sage es jeden Tag.
Nimm dir Zeit für Dich selbst. Setze Dich für mindestens eine Viertelstunde in Ruhe hin und tue - nichts. Sei bei Dir. Lass dir die Gedanken durch den Kopf gehen. Frage Dich: bin ich zufrieden mit meinem Leben? Wie geht es mir jetzt? Ist heute ein guter Tag? Bin ich auf dem richtigen Kurs?
Wenn Du einen vollen Terminkalender hast, wenn Du Dich um andere Menschen kümmern musst, nutze Leerzeiten. Die Zeit, in einer Schlange anzustehen und zu warten. Die Zeit im Bus, im Tram, im Auto. Die Wartezeit am Telefon, bis die andere Person abnimmt.
Gönne es Dir, Dich nicht immer mit Musik oder Lektüre von Dir selbst ablenken zu müssen.
Dies ist eine der schwersten Übungen. Es kann Angst machen, auf diese Weise mit sich selbst konfrontiert zu sein - und dieser Sachverhalt dürfte auch einer der Gründe sein, warum viele Menschen es nicht mögen, fünf oder zehn Minuten zu warten in einer Schlange. Es ist ein Zurückgeworfensein auf sich selbst, Zweifel können kommen, Kritik an sich selbst, unbequeme Dinge.
Sei täglich mit dir selbst zusammen, nur ein paar Minuten - so lange es geht - so wird das Schiff Deines Lebens auf Kurs bleiben, und der Mut, den Du brauchst, um Dich mit Dir selbst zu konfrontieren, wird sich hundertfach auszahlen.
Der Körper ist dein Gefäss, dein Fahrzeug, dein Werkzeug. Sorge für ihn und pflege ihn, so wie Du für Deine Werkzeuge, Dein Auto, Dein Haus sorgst.
Paulus sagt: der Körper ist der Tempel des Heiligen Geistes. Schenke dem Heiligen Geist, der sich durch deinen Körper ausdrücken will, ein passendes Haus.
Bist Du stark? beweglich? gesund? belastbar? kräftig? schön? Wie arbeitet Deine Verdauung? Wie klar sind Deine Gedanken? Kannst du eine kräftige Ohrfeige geben? Kannst Du ein Blütenblatt von einer Rose zupfen, ohne das Blatt zu zerknittern? Kannst du knien? rennen? auf einen Baum klettern? einen Purzelbaum schlagen? tanzen? dich bücken? eine Krone mit Würde tragen? Auf High Heels gehen?
Bewege dich auf vielfältige Weise, strenge dich an, erhole dich - entdecke die vielfältigen Möglichkeiten deines Körpers und nutze sie in Fülle. Kleide Dich so schön du kannst. Iss das Beste, das Du bekommen kannst. Benutze wohlriechende Kosmetika. Geh zu Fuss. Steige Treppen hoch.
Lache. Lächle. Besonders und gerade dann, wenn du eigentlich keinen Grund dafür siehst. Lache, wenn alles schief geht. Lache, wenn die Welt rund um dich herum zusammenfällt. Lache, denn du lebst. Und es ist ein Segen, zu leben.
Lege dir eine CD mit Wohlfühlmusik auf - ABBA, oder Yannis, oder sonst etwas, was Dir Freude und Bewegung bringt.
Gehe spazieren - das hebt die Laune. Schau einen lustigen Film, lies ein lustiges Buch.
Freue dich für die gute Schulnote eines Kindes. Freue dich über die Beförderung zum Prokuristen des Nachbarn. Freue dich darüber, eine neue Brotsorte bei deinem Bäcker zu entdecken.
Lache über Dich selbst, Deine eigenen Dummheiten und Ungeschicklichkeiten und Peinlichkeiten.
Lache einmal täglich.
© Barbara
Seiler
2010 - www.spiriforum.net
Dieser Text darf unter Hinzufügung dieser Fussnote mit
funktionierender Verlinkung auf diese Internetpräsenz gerne
weitergegeben werden.