Dieser Text handelt vom Fasten im weitesten Sinne - vom Verzicht auf Dinge, die ein Mensch routinemässig täglich tut, während einer gewissen Zeit.
Wer sich für die eine besondere Form des Fastens interessiert, die darin besteht, für mehrere Tage oder gar Wochen auf das Einnehmen von Nahrung zu verzichten, wende sich bitte an einen entsprechenden Fachmann oder eine Fachfrau! Ohne professionelle Anleitung kann Nahrungsentzug über längere Zeit lebensgefährlich sein.
Warum ist es sinnvoll, zu fasten - also, anders gesagt: warum ist es sinnvoll, liebgewonnene Routinen für eine gewisse Zeit zu durchbrechen und diese Dinge, die man ja schätzt und mag, nicht mehr zu tun?
Die Antwort ist: Routine ist gut und gibt Struktur, zu viel Routine aber engt ein und führt zu Erstarrung.
Vertraute Gesten nicht mehr zu vollführen irritiert und der Mensch ist gezwungen, sich nach Alternativen umzusehen - neue Verhaltensweisen zumindest zu probieren. In diesen neu gewonnenen Freiräumen findet notwendigerweise ein Entwicklungsprozess statt, eine Reinigung, Kreativität - mensch bleibt flexibel.
Fasten kann auf verschiedene Weisen geschehen: Neben dem Entzug von Nahrung kann auch teilweise gefastet werden: kein Fleisch, oder kein Kaffee zu konsumieren während einer bestimmten Zeit. Fasten kann auch andere Verhaltensweisen betreffen: nicht zu lesen, nicht einkaufen zu gehen, nicht zu arbeiten während einer gewissen Zeit.
Der Gedanke des Fastens ist sehr nahe am Gedanken des Der Gedanke des Fastens ist sehr nahe am Gedanken des Sabbats, des vierten Gebotes: ruhe dich aus vom Alltag, komm zu dir selbst zurück.
Fasten auf der körperlichen Ebene bedeutet in der Regel: nichts mehr essen, nur Wasser trinken, bis sich der Körper gereinigt hat.
Fasten verhilft dem Verdauungssystem zu einer Pause, Darm und Leber und Magen und die Drüsen bekommen Zeit für Reparaturarbeiten und können überflüssige Stoffe ausscheiden.
Meine Erfahrung mit Fasten auf der körperlichen Ebene ist zugegebenermassen recht klein: seit etwa einem Monat habe ich damit angefangen, einmal pro Woche einen Fastentag einzulegen, an dem ich nur Wasser und Kräutertee trinke.
Interessant ist, dass ein Hungergefühl bisher vollständig weggeblieben ist. Interessant ist auch das neue Bewusstsein , das das Fasten auch in Hinsicht auf die sechs Nicht-Fastentage mit sich bringt; ich habe viel weniger Neigung, zwischendurch zu knabbern. Es hilft zu erkennen, wo emotionale Nahrung wie Trost und Zuwendung durch Essen versucht wurde zu ersetzen.
Während kurzer Zeit treten unangenehme Empfindungen auf - Empfindungen von Mangel, von nicht-genug-haben, vielleicht auf Kopfschmerzen (kann leicht beim Kaffeeentzug geschehen) oder ein Gefühl der Schwäche, da eine vertraute Energiequelle kurzfristig ausfällt.
Nicht zuletzt ist es höchst angenehm, am Tag danach zu fühlen, wie der Körper auf eine sehr tiefe Art erholt ist, da er Zeit findet für notwendige Reparaturen, die im normalen Betrieb, wo ständig verdaut werden muss, selten möglich sind.
Durch die Veränderungen der Körpergeschichten werden natürlich auch die Emotionen angetriggert. Wahrnehmung wird schärfer und klarer, und somit auch die Emotionen krasser und heftiger. Was bisher nicht als Problem empfunden wurde, kann auf einmal eines werden. Es ist sinnvoll, sich klar auf sich selbst zu fokussieren während der Fastentage und die eigenen Reaktionen extra vorsichtig zu beobachten.
Interessant ist die Feststellung, wie viele täglich und recht gedankenlos verwendete Stoffe tatsächlich eine Suchtkomponente haben. Und Süchte spielen sich sehr oft stark auf der emotionalen Ebene ab...
Interessant ist auch, sich selbst beobachten zu können und festzustellen, dass diese starken Anfälle von "ich will unbedingt dies oder das haben!" auch wieder in kurzer Zeit vorbei sein können, wenn sie angenommen werden und gesagt wird: morgen - oder übermorgen - bekommst du, liebes Ego, so viel du willst davon... aber nicht jetzt.
Durch die Veränderung der täglichen Routine werden auch neue Gedanken ermöglicht. Wo vorher eine dicke emotionale und körperliche Schicht gehegt und gepflegt wurde, entsteht eine neue Transparenz und neue Gedanken kommen mit Leichtigkeit und Schnelligkeit... für alle, die bereit sind, sie anzunehmen.
Neue Gedanken können auch furchterregend wirken, denn es kann vorkommen, dass noch viele andere Dinge im eigenen Leben auf einmal suboptimal erscheinen, oder gar ganz grässlich und total daneben.
Bitte erlaube dir zu vertrauen: mit der Frage entsteht auch eine Lösung. Am Anfang nicht unbedingt auf der mental, sondern vermutlich eher gefühlsmässig... doch es wird sich fügen.
Fasten kann nicht dem Leben einen Sinn geben. Das wäre zuviel verlangt. Allerdings ist es extrem gut geeignet, neue Optionen ins Bewusstsein zu bringen. Dies hat zur Folge, dass das Leben abwechslungsreicher und intensiver wird, die Wahrnehmung wird erhöht, und vergessen geglaubte Sinne treten auf einmal in Aktion und melden sich... das ist eine wundervolle Sache.
Der Sinn des Lebens ist das Leben selbst - es so intensiv wie möglich zu leben. Fasten ist ein wundervolles Werkzeug zu diesem Zweck.
© Barbara
Seiler
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