Er ist das personifizierte Böse. Er verführt, flüstert schlimme Gedanken ein, ist für das Elend auf der Welt verantwortlich, mag das Chaos, die Unordnung, die Gewalt, und versucht ein Maximum davon umzusetzen, wenn es ihm auch nicht immer gelingt. Man soll sich vor ihm hüten und ihn lieber nicht an die Wand malen; andererseits, wenn man manchen Volkssagen glauben will, so ist er manchmal ganz schön dämlich und hält auch Verträge ein: Satan - der Teufel.
Er heisst Teufel, Satan, Beelzebub, die Schlange, das Tier. Er ist der Herr der Welt, der Herr der Lügen und der Fliegen. Er ist als Mephisto, unvergessen, jene Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft. Er ist die Schlange im Paradies und oft auch nicht er, sondenr Sie – die weibliche Energie, das Wässerige, Unbewusste, das Meer und die Monster, die darin verborgen sind und dem bewussten Bewusstsein bedrohlich erscheinen.
Doch seine Essenz ist es, Symbol der Polarität, der Trennung und des Zweifels zu sein. Er ist jene Energie, die wir Menschen nach dem Sündenfall erleben. Er steht für die Illusion, dass es ausser dem Augenscheinlichen und Offensichtlichen nichts gibt, keine dahinter stehende Realität. Er ist das Symbol von Natur, Wollust und Materialismus.
Das Bild des Teufels ist sehr vielfältig, weil Vorstellungen aus den verschiedensten Traditionen zusammengeflossen sind.
der Teufel wird in der europäischen Bildgeschichte oft als menschlich-tierisches Zwitterwesen dargestellt: als Mensch mit Bockshörnern, Bocksbeinen und einem langen Schwanz; mit Fledermausflügeln, als Schlange oder Drache, als Herr der Fliegen... manchmal kommt er auch als Sensenmann und Krankheitsbringer, oder als ein Schalk, dessen grösste Freude das ist, was auf englisch "practical jokes" genannt wird, derbe und auf den Körper gezielte Scherze.
Die Ziegenhaftigkeit, die Hörner und auch den erigierten Phallus hat er vom griechischen Hirtengott Pan übernommen. Nach Pan wurden die Panik und die panische Angst benannt, also ein Zustand, in dem jede Kontrolle des Egos verloren ist und die Mächte des Unbewussten allein herrschen. Furchterregend!
Aus dem mesopotamischen Raum kommt die Vorstellung des Teufels als Beelzebub, als Herr der Fliegen, der Krankheiten verbreitet - wo also Krankheit als teuflischer Einfluss gedeutet wird; und, last but not least erscheint der Teufel wiederum im Mittelalter als Sensemann, was seinen saturnischen Charakter von Grenze und Endlichkeit betont.
Allen Teufelsbildern, so verschieden sie auch sein mögen, ist eines gemeinsam: sie weisen darauf hin, dass alles Irdische vergänglich ist, und dass es keine gute Idee ist, sein Herz allzu sehr an dieses Irdische zu hängen. Die echte Wahrheit, und der echte Schatz, befinden sich jenseits von Sinneskitzel und Reichtümern. Was nicht heissen muss, dass ein Leben in Askese und Verzicht notwendig sei. Nützlich ist wohl das Motto, das Gott Neale Donald Walsch mitgegeben hat: "geniesse alles, brauche nichts" - der Teufel erscheint nicht beim Geniessen, sondern erst, wenn das Herz an ein Objekt der Welt gehängt wird, sei das eine Beziehung, Prestige, Reichtum oder sonst etwas. Unter der Herrschaft des Teufels zu stehen bedeutet, das Ego für wirklicher zu halten als die Seele.
Besonders beängstigend sind solche Zustände ohne Kontrolle für Kulturen sein, die sich nach Wilber'schem Sprachgebrauch in einem mythischen Bewusstsein befinden. Das sind jene Kulturen, deren Basis eine Geschichte ist, die die Menschen zu einer sozialen Einheit integriert und die die Verhältnisse von Menschen und Gruppen untereinander definiert. Für das Europa des Mittelalters handelt es sich hier um die mythische Interpretation des Christentums und dessen Lehren, die von der katholischen Kirche zu einem effektiven Machtinstrument geschmiedet wurden – und unsere Bilder des Teufels sind ja im Wesentlichen immer noch jene, die vom Mittelalter und der Neuzeit bis zu uns überliefert wurden.
Das Archaische, Tierische, Unkontrollierte ist eine Gefahr für die Gesellschaft und muss eingedämmt werden, kontrolliert und beherrscht werden – und zwar durch Konventionen und strenge Regeln, die den einzelnen Menschen in die Gesellschaft einfügen. Jeder Mensch hat nur insofern eine Berechtigung, als dass er einem bestimmten Stand angehört und seine Zugehörigkeit zu diesem Stand mit der vorgeschriebenen Kleidung und dem vorgeschriebenen Verhalten klar dokumentiert.
Es wird eine Geschichte in der Genesis erzählt, da kommt die Schlange nicht besonders gut weg... allerdings, diese Geschichte könnte auch anders erzählt werden. Vielleicht so:
Im Anfang schuf Gott, der Unmanifestierte, die Erde und die Himmel. Er spannte die Welt der Polarität auf und gestaltete sie nach seiner Fantasie und nach seinen Gelüsten. So schuf Gott auch die Menschen, und er setzte sie auf die trockene Erde, die nannte er "Bewusstsein". Die trockene Erde allerdings umgab er mit tiefem Wasser, und in dem Wasser wohnen die Fische und Meeresungeheuer, und das Wasser nannte er das "Unbewusste". Eines schönen Tages - die Menschen hatten schon von der Frucht des Baumes gegessen, ihre Fellbekleidung bekommen und erarbeiteten sich ihr Essen im Schweisse des Angesichtes - beschloss Gott der Herr, einen kleinen Sonntagsspaziergang zu machen und seine Geschöpfe zu besuchen.
Und er sprach zu ihnen: "Lieber Adam, liebe Eva, seht her: ich habe das trockene Land geschaffen, und das feuchte Meer. Das trockene Land gebe ich euch, damit ihr darauf leben könnt; es ist eure Bewusstheit. Dann gebe ich auch auch das feuchte Meer, allerdings nicht zum direkten Gebrauch; denn es ist eure Unbewusstheit. Aber nehmt alles, was daraus herauf steigt, und nutzt es; und geht ruhig hinein, geht schwimmen und tauchen; aber Achtung! Es kann gefährlich werden." Denn Gott der Herr hatte in der Tiefe des Meeres Polypen, Wale, Haie und viele Ungeheuer geschaffen; auf dem tiefsten Grund des Meeres aber, da liegt der wundervollste und kostbarste Schatz, einen für jeden Menschen. Und wer diesen Schatz findet und hebt, zeigt sich würdig, ins nächste Level aufzusteigen, ein neues Leben zu beginnen und neue Herausforderungen kennen zu lernen."
In der Bibel erscheint der Teufel nicht als mutierter griechischer Gott. Das, was wir als überliefertes Teufelsbild kennen, hat in der Bibel so gut wie gar keinen Rückhalt.
Er erscheint der Urmutter Eva in Form einer Schlange, als klügstes und listigstes aller Tiere, das Adam und Eva durch das Essen am Baum der Erkenntnis die irdische Erfahrung ermöglicht. Er erscheint bei Hiob als "Entzweier, Ankläger und Widersacher", doch in der Eigenschaft ist Satan selbst ein Gottessohn und einer, der Gott gehorcht. Er ist nicht jener, der zum Bösen verführt; nach der Auslegung von Annick de Souzenelle in "Alliance de feu" ist Satan jene Kraft, die verhindert, dass der inkarnierte Mensch in die göttliche Einheit zurück kehren kann.
Ebenfalls in der Bibel gibt es einige relativ obskure Stellen, die an den Untergang von Atlantis erinnern, in denen Venus, der Morgenstern, als Lichtträger-Luzifer vorgestellt wird; ein passendes Teufelsbild für alle Gesellschaften, die die männlichen Qualitäten höher schätzen als die weiblichen Qualitäten. Wie es auch hierzulande in den letzten Jahrhunderten zum grössten Teil der Fall war.
Im neuen Testament ist es Satan, der nach der Taufe am Jordan Jesus in der Wüste versucht. Nachdem Jesus vierzig Tage in der Wüste meditierte, forderte Satan Jesus auf, Steine in Brot zu verwandeln; dann forderte er ihn auf, sich von der der Zinne des Tempels zu stürzen, damit Engel ihn auffangen; und zum Schluss bot er ihm die Herrschaft über alle Reiche der Welt an. Als Jesus durch alle Prüfungen hindurch war, indem er sich in nichts darin beirren liess, seine Tiefen zu erforschen, steht geschrieben: "Da verlässt ihn der Teufel; und siehe, Engel traten hinzu und dientem ihn." (Matthäus 4,11). Die dunkle, unbewusste, angstmachende Energie, die durch die Dämonen verkörpert wird, verwandelt sich in eine hilfreiche Energie oder ein Talent, sobald wir sie angenommen und integriert haben auf unserer inneren Erde.
Rudolf Steiner differenziert den Teufel in zwei verschiedene Aspekte: Luzifer und Ahriman. Luzifer und Ahriman bei Steiner stellen zwei Arten dar, wie man aus der Einheit ins Ungleichgewicht kommt: Ahriman steht für den Rationalismus und Materialismus, der Mensch wird zu einem trockenen und nüchternen Philister, der nichts anderes anerkennt als das, was durch die Sinne fassbar ist; die geistige Dimension wird geleugnet.
Luzifer hingegen ist jene Kraft, die zu Schwärmerei und Phantastereien führt, wo der Boden verloren geht und die materielle, irdische Realität, mit der sich ein Mensch auseinander setzen muss, nicht mehr anerkannt wird. Positives Denken, das sich mit einem Schönreden der Welt und dem Leugnen von Realitäten begnügt, gehört in diese Kategorie.
Beide Wege, sowohl der luziferische wie der ahrimanische, führen dazu, die Tiefen der inneren Meere unerforscht zu lassen und sie zu verdrängen. Es ist nicht möglich, auf diese Weise dem Wesenskern, der Seele näher zu kommen.
Dämonen gelten als die Diener des Teufels. Auf der psychologischen Ebene sind sie die einzelnen Aspekte, denen ein Mensch beim Erforschen des Unbewussten begegnet. Sie sind mit Themen wie Sucht, Besessenheit, fixen Ideen und Ängsten assoziiert; und wenn man Schicht für Schicht das unbewusste Wasser zu bewusster Erde transformiert, treten sie dem Menschen gegenüber und fordern ihn heraus. Der Widersacher-Satan erscheint in Form von vielgestaltigen Dämonen, immer perfekt passend zum Menschen und zur Situation.
Dämonen sind die konkreten Gestalten, die der Teufel annimmt und die wir als Hindernisse und Ängste und Zweifel erleben. Sie sind alle die Schranken des Ego, die verhindern, dass wir die Einheit in ihrer Ganzheit wahrnehmen können.
In der Regel wird Satan mit dem Bösen, Ungerechten, Schlechten und Hässlichen identifiziert und Gott gegenüber gestellt, der das Gute, Gerechte, und Schöne verkörpert. Gerade bei AnhängerInnen von fundamentalistischen religiösen Lehren ist diese Sichtweise sehr beliebt. Das ganze Leben lang erscheint dann als Kampf gegen das Böse und gegen die Versuchung; alles, was nicht in das Raster der eigenen Glaubenssätze passt, wird radikal abgelehnt und höchst misstrauisch beobachtet.
Doch diese dualistische Einteilung ist wenig sinnvoll. Wie kann Gott allmächtig sein, und allgütig, wenn er einen Feind hat, der offenbar gleich mächtig ist wie er selbst? Das funktioniert so nicht.
Mehr Sinn macht die Geschichte, wenn der Teufel als Sinnbild der Dualität und Relativität verstanden wird, als Herr der Welt, wie er sich während der Versuchung von Jesus in der Wüste präsentiert, während Gott Symbol der Einheit und des Absoluten ist, wodurch auch ein hierarchischer Unterschied definiert wird. Egal was der Teufel tut, er ist und bleibt ein Geschöpf Gottes, und wie alle anderen Wesen ist er auch den kosmischen Gesetzmässigkeiten unterworfen und gehorcht dem göttlichen Willen.
In der christlichen Tradition wird erzählt, dass Satan in der Form als Luzifer (Lichtträger) ein mächtiger Engel gewesen sei, der gegen Gott rebelliert habe und verbannt worden sei. Diese Geschichte erzählt etwas über das Mensch-Sein, allerdings nur, wenn alle Aspekte von Schuld und Strafe entfernt werden und man von einem Akt des freien Willens ausgeht, sowohl bei Gott, der diese Entwicklung akzeptierte und wollte, aber auch bei Luzifer selbst. Luzifer ist eine Energie, die sich bereit erklärte, in "die Verdammung" zu gehen, dorthin, wo die Energie am dichtesten und langsamsten ist - und der dort das göttliche Licht trägt und bereit hält. Und um zu diesem Licht gelangen, führt der Weg durch die Hölle; durch alle Widerstände, Ängste und Verzweiflungen, die Satan als Widersacher vor den Menschen hinstellt, um sicher zu gehen, dass nur ein gereifter Mensch je zu diesem Schatz gelangen kann.
Satan, als Schlange, wird klug und listig genannt - und verdient diese Bezeichnung auf alle Fälle!
Teuflisch sind all jene Energien, die uns daran hindern, in die Einheit zurück zu gehen - auch alle jene Energien, die verursachen, dass Menschen das Bequeme und Einfache wählen, anstelle des Richtigen, das leider oft weder bequem noch einfach ist.
Auf der materiellen Ebene sind die Süchte ein satanisches Thema. Wo immer eine Sucht herrscht, macht sich ein Mensch vom Äusserlichen abhängig. Das gilt sowohl für stoffliche Süchte nach Alkohol, Drogen, Kaffee, Tabak, Zucker oder anderen Substanzen; dasselbe gilt aber auch für nichtstoffliche Süchte wie Arbeitssucht, Kaufsucht oder Kleptomanie. Immer geht es um eine missglückte spirituelle Suche. Gesucht wird Seelenfrieden, Glück und Heiterkeit; gefunden wird, wenn es denn eine Sucht ist, Abhängigkeit von Materiellem und eine Befriedigung des Egos, zumindest für eine kurze Weile. Denn die teuflischen Süchte haben es an sich, dass sie zwar Befriedigung verschaffen, aber dies nur für einen kurzen Moment; die Erfüllung, die sie schenken, ist nicht nahrhaft und nachhaltig, sondern von kurzer Dauer, erzeugt auch oft einen Kater nach Gebrauch und fordert immer mehr und mehr. Heimtückisch an dieser Form der Beeinflussung ist, dass sie durch Schönheit, Sinneskitzel und Verführung kommt und die Menschen daran hindert, ihr inneres Meer zu erforschen.
Auf der psychologischen Ebene symbolisiert Satan die Widerstände und Verdrängungen, die uns daran hindern, zum Wesentlichen unserer selbst vorzustossen. Es gibt immer gute Gründe für diese Widerstände und Selbstsabotagen: denn wenn wir in diese Bereiche eindringen, finden wir zuerst die Ungeheuer unserer Meere, die Ängste. Das erklärt auch die zahlreichen Darstellungen des Teufels in Form von verschiedenen Monstern, die seit Jahrtausenden die Fantasie der Menschen bevölkert. Hier wirken auch die Ausreden, die Vergesslichkeit, die Nachlässigkeit und die Bequemlichkeit; oft ist es einfacher, einen unbefriedigenden Status Quo zu akzeptieren, so wie man einen drückenden Schuh akzeptiert, und ihn einfach so gut es geht zu ignorieren. Es sind emotionale Muster wirksam, wie der Widerwille, sich mit einem Thema zu beschäftigen, und dem entsprechenden emotionalen Drama, wenn es denn tatsächlich einmal angesprochen wird; aber auch mentale Muster, die kluge und manchmal höchst intelligente Rationalisierungen formulieren, die allein zum Zweck haben, dem betreffenden Thema auszuweichen.
Grundsätzlich geht es aber immer darum, die existierenden Glaubenssätze des Egos nicht anzutasten; es geht auch darum, sich selbst vor unangenehmen Wahrheiten zu verschliessen.
Auf der spirituellen Ebene - die höchste der menschlichen Ebenen - kann auch der Fall am tiefsten sein; nämlich mit der Illusion, dass das Leben sinnlos ist und nicht wert ist, gelebt und erfahren zu werden. Das ist dann eine ausgewachsene Depression, und es ist äusserst langwierig und schwierig, daraus wieder hinauszukommen, vor allem, wenn es eine schwere Form der Depression ist, die auch entsprechend lange anhält.
Die grossen monotheistischen Weltreligionen haben ein ausgeklügeltes System von Vorschriften entwickelt, die die Menschen dabei unterstützen sollen, das Richtige zu tun und nicht unter den Einfluss des Teufels zu geraten. Das war sicher auch für lange Zeit ein vernünftiger und gangbarer Weg. Wer ein tätiges, ausgefülltes Leben hat, und dazu in eine Gemeinschaft mit all ihren formellen und informellen Regeln eingebettet ist, kommt nicht so leicht auf dumme Ideen - es fehlt an der Zeit und an der Gelegenheit. Hin und wieder ein gutes Fest, an dem die Verhaltensregeln gelockert werden, dienen als sinnvolles Ventil, um überschüssige Energien abzubauen und weiterhin ein nützliches Mitglied der Gemeinschaft sein zu dürfen.
Dies funktioniert heute aber nicht mehr so gut wie auch schon. Teils liegt es daran, dass nicht mehr so viele Menschen in engen, dörflichen Gemeinschaften leben, sondern viel eher in der Anonymität einer Stadt. Andererseits ist in den letzten hundert Jahren auch das Bewusstsein für psychologische Inhalte stark gewachsen und ins kollektive Bewusstsein eingegangen; also lassen sich unterschwellig arbeitende Themen nicht mehr so leicht verstecken, wie das früher möglich war; bzw diese unterschwelligen Themen werden ernster genommen, es wird mehr darüber gesprochen, wo früher ein "stell dich nicht so an und arbeite!" vielleicht noch längst genügt hätte. Parallel dazu gab es auch noch die Entwicklung, dass heute viel weniger Menschen mit ihren Händen und ihrem Körper arbeiten, als dies vor hundert Jahren oder später der Fall gewesen war. Körperliche Arbeit erdet und stellt einen guten, soliden Kontakt zur Wirklichkeit her; in unserer Gesellschaft mit ihren vielen Dienstleistungen und virtuellen Angeboten ist das deutlich schwieriger geworden, und diese Erdung muss in vielen Fällen bewusst gesucht werden. Wo dies nicht geschieht, ist es natürlich viel einfacher möglich, sich irgendwelchen Illusionen hinzugeben, die aber einem Realitätscheck nicht standhalten würden.
Der Teufel ist der Meister der Illusion; nicht mehr in seinen Fängen zu sein, bedeutet also, sich der Illusionen zu entledigen. Es bedeutet, offen zu sein für die Wahrheit, und zwar vor allem und gerade dann, wenn sie einen selbst be-trifft. Dort hinzuschauen, wo es weh tut, und dort hinzuhören, wo man eigentlich am liebsten die Ohren verschliessen würde. Es bedeutet, die eigenen Annahmen regelmässig mit der Wirklichkeit abzugleichen; es bedeutet die Bereitschaft, sich ent-täuschen zu lassen. Dies ist ein Weg, der viel Mut braucht. "Leute, die sagen, sie wollen die Wahrheit erfahren, meinen das nur zu 35% wirklich so. Die übrigen 65% möchten nicht die Wahrheit erfahren, sondern bestätigt werden in dem, was sie bereits glauben.", sagte David Hawkins in einem Interview mit dem Webradio "Beyond the Ordinary". Auch die Tarotkarte "der Teufel" im Rider Waite-Spiel weist auf diese Tatsache hin: ein Mann und eine Frau sind an den Thron des Teufels gefesselt... doch wenn man genau hinschaut, so sieht man, dass sie die Ketten sehr leicht abnehmen können. Sie wollen es offensichtlich nicht und fühlen sich in der Gegenwart des Teufels ganz wohl. Und das ist in Ordnung so: es gibt keinen Zwang, die irdische Erfahrung - und somit den Einflussbereich des Teufels - so schnell wie möglich zu verlassen.
© Barbara
Seiler
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