Effektive Dinge müssen nicht kompliziert sein. Im Gegenteil, oft sind es die ganz einfachen und naheliegenden Dinge, die eine grosse Wirkung zeigen, wenn sie regelmässig und bewusst praktiziert werden.
Für viele Menschen, die sich von Spiritualität angezogen fühlen, ist das Leben auf der Erde die grösste Herausforderung. Viele fühlen sich wohl während Meditationen, während Ritualen, während der Geist sich in höheren Dimensionen bewegt und der Körper vergessen werden kann. Die Dinge der Erde – die Materie, die Schwere, das Gewicht hingegen erscheinen schmutzig, anstrengend, schwer. Es gibt eine Neigung, die Erde mit Verachtung zu behandeln und sie am liebsten sofort verlassen zu wollen.
In einem spirituellen Leben geht es allerdings nicht darum, die Erde so schnell wie möglich zu verlassen(Selbstmord wäre dafür besser geeignet und die deutlich schnellere Methode) – es geht im Gegenteil darum, auf die Erde zu kommen, und zwar mit allen Facetten, mit allem, was ein Mensch ist. Mit der Liebe, den Träumen, dem Körper, der Stimme, dem Gewicht, den Formen und Farben, die wir sind und die wir haben. Viele Spiris sind sehr kreativ und visionär – allerdings fällt es schwer, die Visionen auch umzusetzen, und sie von der Leichtigkeit der höheren Dimensionen in die Gewichtigkeit und Schwere von 3D zu bringen. Doch genau darum geht es.
Eine sehr einfache und effektive Art, der Seele das Sein auf der Erde zu erlauben, sind Hausarbeiten aller Art. Sie sind darum so effektiv, weil sie den Effekt mit sich bringen, der in dieser kleinen Anekdote eines unbekannten Verfassers beschrieben wird:
Ein buddhistischer Mönch wurde gefragt, wie er bei seinen vielen Geschäften immer so gesammelt sein könne. Er antwortete:
Wenn ich stehe, stehe ich,
wenn ich gehe, gehe ich,
wenn ich sitze, sitze ich,
wenn ich esse, esse ich,
wenn ich spreche, spreche ich...
Da unterbrachen ihn die Frager und sagten: Das tun wir alles auch, was machst du aber noch darüber hinaus?
Er antwortete:
Wenn ich stehe, stehe ich,
wenn ich gehe, gehe ich,
wenn ich sitze, sitze ich,
wenn ich esse, esse ich,
wenn ich spreche, spreche ich
Wieder fielen sie ihm ins Wort und sagten: Das tun wir alles auch. Was kommt aber bei dir Besonderes dazu?
Darauf antwortete der Weise:
Nein, denn wenn ihr sitzt, steht ihr schon
wenn ihr steht, geht ihr schon,
wenn ihr geht, seid ihr schon am Ziel.
Ich aber, wenn ich stehe, stehe ich,
wenn ich gehe, gehe ich, wenn ich sitze, sitze ich...
Hausarbeit unterstützt uns dabei, achtsam im Moment zu sein. Sie bringt uns ins Hier und Jetzt. Denn wer nicht mit der Aufmerksamkeit bei der Sache ist, wird schnell und schmerzhaft zurückgeholt: Geschirr fällt herunter und zerbricht, Möbel haben scharfe Ecken und Kanten und stossen mit dem Körper zusammen... Geistesabwesenheit hat sehr schnell unangenehme Folgen. Es ist für die meisten Menschen deutlich einfacher, während einer körperlichen Arbeit einen entspannten Fokus auf dem Hier und Jetzt zu behalten, als dies während einer Meditation zu tun, bei der der Körper still bleibt, und wo die Gedanken allzu schnell abschweifen und in die üblichen Ego-Schiene hinein kommen.
Hausarbeit und Meditation haben gemeinsam, dass sie regelmässig praktiziert werden müssen, um gute Resultate zu erzielen. In beiden Fällen gilt: besser eine Viertelstunde täglich, als einen ganzen Tag pro Monat. Das Ego wird zur Demut aufgefordert: am Boden kniend, während man am Schrubben ist, bleibt wenig Platz für Stolz... auf alle Fälle nicht für jene Sorte Stolz, die dazu führt, sich über andere Menschen zu erheben. Doch diese Art von Stolz braucht niemand; schöner ist, jenen Stolz und jene Würde zu finden, die auch kniende Menschen nie verlässt.
Lehrlinge aller Zeiten wurde diese Lektion als Erstes gelehrt, indem sie die Aufgabe bekamen, die Werkstatt sauber zu halten und die Werkzeuge zu reinigen und zu pflegen. Die Wertschätzung für das Material und die Arbeit ist die Voraussetzung für jede Tätigkeit.
Hausarbeit als Meditation bietet viele Vorteile: es handelt sich um Arbeiten, die so oder so erledigt werden müssen, also können sie auch gleich bewusst und achtsam getan werden. Für Menschen, die bevorzugt geistig arbeiten und viel Zeit auf einem Bürostuhl oder vor einem Computer verbringen, bringt sie willkommene körperliche Abwechslung und eine Entspannung des Geistes, der während dieser Zeit auf mentale Konstruktionen verzichten darf. Und als letzter Aspekt, der hier genannt werden soll: Hausarbeit trägt wesentlich zur Erhaltung und Verschönerung des eigenen Lebensraumes bei und ist somit ein Zeichen der Wertschätzung für sich selbst und bringt Fülle ins Leben hinein.
Hausarbeit erdet. Hausarbeit fördert Achtsamkeit und ein bewusstes Umgehen mit sich selbst und der unmittelbaren Umgebung. My home is my castle.
Das Haus symbolisiert den Körper. Der Apostel Paulus bezeichnet den Körper als "den Tempel des Heiligen Geistes", es ist der Wohnort der Seele, ein heiliger Ort. Ein Ort, der es verdient, gepflegt und geschätzt zu werden.
Die Wohnung oder das Haus zeigt, wer wir sind. Das gilt für unsere reale Wohnung, für den Raum, den wir selbst gestalten, auch wenn das nur ein Zimmer sein mag, oder sogar nur eine Ecke eines Zimmers, oder etwas noch Kleineres – die Innenseite eines Schranks in der Kaserne – in unserer Wohnung zeigen wir, wer wir sind. Und lassen folglich auch nicht alle Leute beliebig in unsere Wohnung hinein.
Dieses Prinzip kann auch anders angewendet werden: nimm ein Blatt Papier, ein paar Farbstifte, zeichne ein Haus – und dieses Haus zeigt, wer du bist. Wie sind deine Türen und deine Fenster? Ist dein Haus warm und gemütlich, oder kalt und abweisend? Ist es gross oder klein? So wie du dein Haus zeichnest, so bist du. Und in dem Mass, wie du bewusst deine Wohnung bewohnst, bewohnt deine Seele deinen Körper.
Die verschiedenen Arbeiten im Haushalt sprechen auch verschiedene Aspekte im Menschen an. So können auch bestimmte Arbeiten bewusst als Meditationen gewählt werden, um Themen auf allen Ebenen des Seins zu bearbeiten:
Die Fenster sind die Augen des Hauses. Wenn sie schmutzig sind, fehlt es an Durchblick; der Mensch im Inneren sieht nicht mehr, was draussen passiert, und gleichzeitig kann die Sonne nicht mehr eintreten und beleuchten, was Innen ist. Die Wahrnehmung ist getrübt, unscharf und die Welt hinter einem Schleier verborgen.
Wenn es also auf irgend einer Ebene an Durchblick fehlt, wenn Situationen trüb und unklar erscheinen, so putze die Fenster deines Hauses... mit der gleichzeitigen Bitte um einen klareren Blick auf allen Ebenen.
Mit einer ähnlichen Absicht reinige die Spiegel: klare Spiegel schenken dir ein genaues Bild deiner selbst, während schmutzige, verschmierte Spiegel nur ahnen lassen, wer du wirklich bist.
Diese Reinigungen können natürlich zur Folge haben, dass allerlei Unangenehmes ans Licht kommt – gerade wenn sie längere Zeit vernachlässigt wurden und dann bewusst durchgeführt werden, ist ihre Wirkung nicht zu unterschätzen. Mit der Zeit wird auch das Bedürfnis eintreten nach beständigem Durchblick, und nur schon geringe Verschmutzungen werden als störend empfunden werden.
Auf dem Boden stehen wir, er ist unsere Verbindung zur Erde. Er ist die Basis, auf der wir uns bewegen. Ein schmutziger Boden oder gar einer, der vollgestellt ist mit Möbeln oder übersät von Kleidern, Zeitungen und Krempel, schränkt uns in unserem Kontakt mit der Erde ein und verhindert eine freie, natürliche Bewegung. Er zwingt zu vorsichtigem, tastendem Gehen, auf einem schmutzigen Boden kann man nicht barfuss gehen, sondern muss Schuhe tragen, Stolperfallen lauern überall. Im Extremfall geht sogar der Zugang zu wichtigen Bereichen wie Schränken, Fenstern oder der Heizung verloren.
Ein gut gepflegter und aufgeräumter Boden hingegen unterstützt Erdung, Wohlbefinden und schenkt unbeschwerte und selbstverständliche Bewegungsfreiheit auf allen Ebenen.
Schränke sind wahre Wundertüten, und es ist immer wieder erstaunlich, was in ihren Tiefen alles versteckt ist. Schränke - vor allem deren hintere Ecken - sind Symbole des Unbewussten, des Verdrängten und Vergessenen.
Es ist eine wirkungsvolle Übung, sie regelmässig auszuräumen und zu sortieren, was bleiben darf und was gehen muss. Fragen stellen sich: Brauche ich diesen Gegenstand noch? Wann habe ich ihn das letzte Mal benutzt? Habe ich ihn je vermisst? Was ist seine persönliche Bedeutung für mich – behalte ich ihn aus nostalgischen Gründen?
Als Faustregel kann gelten: alles, das ein Jahr oder länger nicht benutzt wurde, wird vermutlich auch in Zukunft nicht benutzt werden und wird deshalb besser verschenkt, verkauft oder weggeworfen. Verkaufen und verschenken sind gut, da noch jemand anders von diesen Gegenständen profitieren kann – wegwerfen ist oft effektiver, da der Krempel dann tatsächlich inner kurzer Zeit vollständig weggeschafft wird. Wenn man Dinge weiter geben will, so besteht die Gefahr, sie einfach in eine neue Ecke auszulagern mit der Überschrift «zu verschenken», wo sie dann weiterhin liegen bleiben.
Besonders herausfordernd sind nostalgische Stücke – Fotos und Tagebücher, und Gegenstände, die mit besonderen Ereignissen verbunden sind. Das Schwelgen in Erinnerungen gehört fast obligatorisch zum Räumen eines Schranks – doch soll der Fokus beibehalten werden und die alten Erinnerungen nicht vom eigentlichen Zweck abhalten, nämlich Ordnung zu schaffen und vor allem, viele Dinge loszuwerden, so dass Platz für Neues entstehen kann.
Das Hauptthema der Küche ist die Nahrung und das Essen, sowohl im wörtlichen wie im übertragenen Sinn, und damit auch die Wertschätzung für die eigenen Bedürfnisse. Was für Schränke gilt, gilt selbstverständlich auch für Küchenschränke: was versteckt sich da alles in den hinteren Ecken, was nie gegessen wurde? Die Chancen stehen relativ gut, dass man selten Schokolade mit abgelaufenem Datum findet, wohl aber diese supergesunde Körnermischung, die man mal in einem Anfall von Tugend gekauft hatte... und die dann immer weiter nach hinten rutschte. Küchenschränke aufräumen ist ein hervorragender Realitätscheck.
Küchentische könnten ein Ort der Gemütlichkeit sein, wo man sich gerne aufhält und das Essen geniesst - das wird manchmal schwierig, wenn sie überladen sind mit Papieren und Kleinkram, der irgendwie wichtig ist, aber für den man sonst keinen Platz findet. Der Herd ist auf lateinisch der «focus» des Hauses, dort, wo es Wärme gibt und wo es schön ist. Auch heute neigen die Dinge und Menschen dazu, sich in der Nähe der Küche zu versammeln und in allen möglichen und unmöglichen Ecken aufzustapeln, auch wenn die modernen Küchen nicht unbedingt gemacht sind dafür. Um die Küche frei von unnötigem Krempel und Kleinkram zu halten, braucht es immer wieder bewusste Aufmerksamkeit für diesen essenziellen Bereich.
Denn: Wer kann schon das Essen ohne Verdauungsstörung geniessen, wenn diese viel zu hohe Rechnung einem ständig von diesem Stapel zuzwinkert und ruft "Hallo, du hast mich noch nicht bezahlt!" Wobei das schon das nächste Thema wäre, nämlich:
Papiere kommen ständig, und das scheinbar mit Lichtgeschwindigkeit. Ich kann es niemandem verdenken, dass das Sortieren und Einräumen und Behandeln von Papierkram keine Lieblingsbeschäftigung ist, sondern ein notwendiges Übel... aber gerade, weil sie oft mit Geld zu tun haben, wirken unerledigte Stapel von diversen Papieren äusserst belastend. Und sie blasen sich in der Fantasie oft zu astronomischen Bergen auf.
Es ist nützlich, erst mal dafür zu sorgen, dass es so wenig Papiere wie möglich gibt, und ein "bitte keine Werbung"-Kleber am Briefkasten nimmt schon einiges an Druck und Papiervolumen weg. Wenn man sich dann auch noch ein kleines System mit Schubladen bastelt, die regelmässig überprüft und abgelegt werden, gehts gleich viel besser, auch wenn es am Anfang viel Überwindung kosten mag. Irgendwann lernt man wohl auch das schöne Gefühl schätzen, dass alles erledigt ist... und was dann nach und nach neu kommt, ist für sich selten eine grosse Sache.
Es sind die Bilder und Dekorationen, die viel über die Persönlichkeit von Hausbewohnern aussagen, man braucht sich nur das nächste Zimmer eines Teenagers anzusehen... doch auch bei Erwachsenen verhält es sich so. Bilder und Dekorationen sind jene Elemente, die oft leicht ausgetauscht werden können und grosse Effekte erzielen, da ihre Daseinsberechtigung darin besteht, Form und Farbe zu sein – ohne zusätzlich einem bestimmten Zweck dienen zu müssen.
Bilder und Dekorationen haben die Eigenschaft, dass man sich an sie gewöhnt und sie nach einer gewissen Zeit kaum mehr sieht - dennoch wirken ihre Energien weiter und beeinflussen uns unterschwellig. Ebenso sind die Hemmungen oft relativ gross, sie wegzugeben, da sie oft wertvoll sind, und es "schade" wäre, sie wegzugeben, zu verkaufen und in den Keller zu stellen - die Hemmungen mögen noch grösser sein, wenn es sich um Erbstücke handelt, so ungeliebt sie auch sein mögen.
Was ein Bild darstellt, das transportiert es auch an Energie - so ist es auf keinen Fall zu empfehlen, Kriegs- und Schlachtszenen im Schlafzimmer aufzuhängen, falls man Wert auf einen ruhigen Schlaf legt. Was auch für alle anderen Zimmer gelten dürfte, wer möchte schon Schlachtszenen im Wohnzimmer und sich mit Gästen streiten, oder Krieg im Arbeitszimmer? Es kommt immer wieder vor, dass Bilder von künstlerisch hoher Qualität, die einen auch sehr ansprechen, einfach nicht geeignet sind, um ständig in einem Wohnraum zu hängen. Da mag oft lieblicher Kitsch oder auch einfach eine weisse Wand die bessere Wahl sein.
Möbel besitzt man meist für längere Zeit, und der Kauf von Möbeln ist mit grösseren Investitionen verbunden - wenn man sich nicht von hier und dort ein Sammelsurium von gebrauchten Möbeln zugelegt hat. Sich auf einen Schlag vollständig neue Möbel zu besorgen, wenn die alten nicht mehr passen, liegt iin der Regel ausserhalb der finanziellen Möglichkeiten.
Was man allerdings immer möglich ist: die Möbel umstellen und neu disponieren - das kreiert mit denselben Elementen eine ganz neue Energie, und ist auch immer eine gute Gelegenheit, mal in all den Ritzen und Spalten zu putzen, an die man sonst nicht heran kommt. Ebenfalls ist es meist relativ problemlos möglich, Möbel farblich zu verändern, sie neu zu streichen oder für Sofas und Stühle Überzüge und Kissen zu besorgen - auch hier, ein bisher schwarzes Sofa mit einem neuen, farbigen Überzug fühlt sich ganz anders an, und es lebt sich ganz anders damit, und das auf eine budgetverträgliche Weise.
Sich in einer Wohnung wohl zu fühlen, ist ein beständiger Prozess. Es ist nicht ein einmaliges Geschehen. Was letztes Jahr perfekt war, ist es heute vielleicht nicht mehr - und das ist gut so, schliesslich verändern sich Menschen und entwickeln neue Bedürfnisse, neue Wünsche, neue Ziele.
Man braucht nicht alles gleich auf ein Mal umzukrempeln. Das ist gar nicht nötig. Lieber eine einzige, kleine Schublade gründlich ausräumen und putzen, anstatt gleich die ganze Wohnung zu renovieren...lieber sich lieber Schritt für Schriit neue gute Gewohnheiten aneignen, die dann auch fest verankert und gut geerdet sind, anstatt dramatisch eine radikale Wende zu beschliessen, wo das Leben morgen grundlegend anders sein soll als heute. Die Macht der Gewohnheit ist nicht zu unterschätzen – im positiven wie im negativen Sinn.
© Barbara
Seiler
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