Ebenen 640 – 680 – Ausdruck von Mitgefühl

Die Ebenen 640 – 680 in der Bewusstseinsskala nach David R. Hawkins tragen als Grundenergie das Feuer, und innerhalb des Feuers werden in diesem Bereich die Wasser-Qualitäten erlebt.

Diese Ebene hat eine Entsprechung in der Ebene 320 – 360 mit dem Thema Akzeptanz - dort finden wir das Feuerelement im Wasser, was bedeutet: der Heilige Geist tritt ein in die Beziehungen und schafft somit ein Energiefeld, das individuelle Verschiedenheit nicht nur toleriert, sondern als Bereicherung begrüsst.

Im Wasser des Feuers geschieht ein ähnlicher Vorgang, nur mit einem deutlich weiteren Bewusstsein: Der sich manifestiernde Geist teilt sich anderen Menschen mit auf der emotionalen Ebene.

Weihnachten

David R. Hawkins kalibrierte das Weihnachtsfest auf der Ebene 675. Gefeiert wird, dass Gott selbst sich zum Menschen gemacht hat und sich somit für die Menschen auf der Erde auf direkte Weise erfahrbar gemacht hat. Gott ist nicht mehr weit weg, weniger fremd, sondern er ist ein Mensch geworden, so wie wir alle Menschen sind, und er hat in seiner Sprache zu uns gesprochen. Die Botschaft, die die Engel den Hirten in der Weihnachtsnacht brachten, lautete: Friede auf Erden, und den Menschen ein Wohlgefallen. Und dieser Friede ist nicht etwas Privates, sondern etwas – gemäss der Energie des Wasser-Elements – das in der Gemeinschaft geteilt, erfahren und gefeiert wird.

Ich bin der/die ICH BIN

Als Mose vor dem brennenden Dornbusch steht, vom Engel Gottes nach Ägypten geschickt wird, um sein Volk von der Sklaverei des Pharao zu befreien, fragt er: Wer bist du? Was soll ich sagen, wer mich geschickt hat? Die Antwort lautete: sag ihnen, der Ich-Bin hat dich geschickt. Ich bin der ICH BIN.

Dieses Bewusstsein des „Ich Bin“ befindet sich auf der Ebene 650. Es ist die Seele, das omnipräsente SELBST, das in Aktion tritt, nachdem das persönliche Ego überschritten wurde und erkannt wurde, dass das Ego nicht das ist, was einen Menschen wirklich ausmacht, sondern lediglich ein Werkzeug, das es erlaubt, die Erfahrung als Mensch zu machen.

Auch in der Erfahrung von Mose geht es wiederum um die Gemeinschaft. Auch wen Moses sein Erlebnis allein in der Wüste hat – er wird aufgefordert, es öffentlich zu machen und es zu teilen. Es geht nicht nur um ihn – es geht um das Ganze.

In tiefenpsycholgischen Interpretationen, wie sie zum Beispiel Annick de Souzenelle anbietet, geht es nicht um ein Volk, sondern es geht um das, was in einem einzigen Menschen passiert. Mose, der die Botschaft in der Wüste hört, ist der erleuchtetste Aspekt eines Menschen – sich danach aufmacht, um alle anderen seiner Aspekte zu versammeln und von der Sklaverei des Egos zu befreien, das hier dargestellt ist durch den Pharao und Ägypten.

David R. Hawkins schreibt über das SELBST in „das Licht des Alls“:
Sobald die Hindernisse des menschlichen Denkens, der Gefühlsbestimmtheit sowie der Ego-Strukturen, aus denen diese sich ableiten, überwunden sind, strahlt das SELBST als der innewohnende Gott aus solch einem Menschen hervor, gerade so, wie die Sonne hervorleuchtet, wenn die Wolken verschwunden sind.

biblische Texte

Ebenfalls im Bereich des Wassers des Feuers kalibriert Hawkins diverse Teile der Bibel: nämlich die Genesis in der Lamsa-Übersetzung auf der Ebene 660, deren Originalsprache das Aramäische ist – und nicht das Hebräisch und Griechisch, die als klassische Ursprachen der biblischen Texte gelten. Ebenfalls auf Ebene 660 befindet sich laut Hawkins das apokryphe Thomas-Evangelium.

Last but not least ist das wichtigste Gebet des Christentums, das Vaterunser, ebenfalls ein Ausdruck dieser Ebene.

In allen diesen Texten geht es um die Erkenntis und das Erleben des ICH BIN. Es ist keine theoretische, mentale Erkenntnis, sondern ein Erkennen, das den ganzen Körper durchdringt: jede einzelne Zelle, jedes Organ wird davon berührt und verändert. /p

Johannes Tauler – Spiritualität im Alltag

Der Mystiker Johannes Tauler, der von 1300 bis 1361 lebte, lehrte und lebte die Ebene 640. Ein Kernstück seiner Lehre ist, dass der Mensch nach Selbsterkenntnis streben solle und so erkennen kann, dass Gott selbst den Grund des menschlichen Wesens bildet. Doch soll dieses Streben nach Selbsterkenntnis nicht ausserhalb des Alltags geschehen, sondern das Mystische und das Alltägliches sind eng ineinander verwoben und vernetzt. Die Vita Activa und die Vita Contemplativa bilden eine Einheit, worin es keine Trennung gibt.

Taulers Lehren kreisen um die Unio Mystica – um die Vereinigung des Menschen mit Gott, also um die Erkenntnis, dass die Trennung, die erfahren wird, nichts Reales ist, sondern lediglich eine Illusion des Egos. Er ist der Überzeugung, dass es allen Menschen gegeben ist, die Unio Mystica anzustreben und auch zu erreichen.

Auch bei Tauler zieht sich wieder der rote Faden dieser Ebene durch seine Lehre: die Überwindung der Dualität ist nicht nur etwas, was ein Mensch für sich selbst erlebt, sondern es ist ein Geschenk für alle Menschen. Die 600er sind nach Hawkins die Ebenen des Mitgefühls. Dazu gehört, die Situation der Mitmenschen zu erkennen – oft eine leichte, bitter-süsse Trauer in Anbetracht der Tatsache, dass viele Leute in ihrem Ego gefangen sind und keinen Ausweg sehen – und gleichzeitig die Erkenntnis, dass dennoch alles perfekt und vollkommen ist.

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© Barbara Seiler 2009 - www.spiriforum.net
Dieser Text darf unter Hinzufügung dieser Fussnote gerne weitergegeben werden.

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