die sieben Todsünden

Mit dem Begriff "Todsünde" werden im Katholischen bestimmte Bewusstseinszustände bezeichnet, die dazu führen, dass ein Mensch den Kontakt zu seinem Selbst und verliert. Daraus folgt, dass ein Mensch im Irrtum gefangen ist und die Welt des Egos für real hält. Er oder sie kann dann nicht mehr die Wahrheit des Seins erkennen und leben. 

Also sind nicht die Handlungen selbst sündig - es ist das dahinter stehende Bewusstsein. Im Wesentlichen entsprechen die sieben Todsünden den Bewusstseinsstufen der Erde, die David R. Hawkins in seiner Skala des Bewusstseins beschrieben hat.

Superbia - Hochmut

Die erste Todsünde ist der Hochmut. Sie entspricht in der Skala des Bewusstseins der Ebene 190 - Stolz und besteht darin, dass ein Mensch sich selbst als wertvoller und besser definiert als andere Menschen.

Zu diesem Bewusstseinsraum gehört alles elitäre Denken - die Mitgliedschaft zu einer exklusiven Organisation, Rassismus, Sexismus, und die Verachtung aller Anderen, die weniger Fähigkeiten, weniger soziale Anerkennung, weniger Schönheit oder weniger Reichtum besitzen. 

Es ist ein sehr materiell orientiertes Bewusstsein, das sich an Äusserlichkeiten orientiert und seine Werteskala nur an äusseren Merkmalen festmacht.

Erschüttert wird der Stolz, wenn sich die äusseren Umstände verändern: Schöne Menschen werden alt, oder werden durch einen Unfall oder eine Krankheit verstümmelt; Reiche verlieren ihr Vermögen und ihren sozialen Status; was gestern noch top war, ist heute flop. 

Der Ausweg aus der Hochmut besteht in der Erkenntnis, dass es die Göttlichkeit der Seele ist, die den Wert und die Würde eines Menschen oder eines anderen Wesens definiert, und nicht die Äusserlichkeiten.

Avaritia - Geiz

Die zweite Todsünde ist der Geiz. Sein Wesen ist es, das, was man sein Eigen glaubt, um jeden Preis festzuhalten und nicht loszulassen. Die dahinterstehende Energie ist die Angst vor Mangel, die der Ebene 100 in der Bewusstseinsskala nach Hawkins entspricht. 

Geiz ist ein Mangel an Sicherheit und ein Mangel an Vertrauen in die Fülle des Lebens. Dies betrifft die materielle Ebene - der Geizkragen fürchtet, dass sein Vermögen, sein Haus, seine Alterssicherung weggenommen wird und er in Armut wird leben müssen. Das Paradoxe dabei ist, dass er die Armut, die er zu vermeiden hofft, sich selbst auferlegt, sich nichts oder nur wenig gönnt, und somit nie in den Fluss kommt. Der Geizkragen gibt sich mit Wenigem zufrieden und hortet Schätze, mit denen er nichts anzufangen weiss.

Dies betrifft aber auch die geistigen Ebenen - Geiz bedeutet, sich selbst und die eigenen Fähigkeiten nicht zu zeigen und nicht zu nutzen. Es bedeutet, sich selbst zu beschränken und sich nicht weiter zu entwickeln. Im Gegensatz zu den materiellen Gütern, die auch ein Geiziger anhäufen kann unter Umständen, sieht es auf der geistigen Ebene anders aus: wer seine Fähigkeiten nicht nutzt und die Früchte daraus an andere weiter gibt, wird sie verlieren. 

Der Ausweg aus dem Geiz ist Grosszügigkeit und Offenheit, sowohl sich selbst wie auch anderen gegenüber.

Luxuria - Wollust

Die dritte Todsünde ist die Wollust, oder das Bedürfnis nach Ausschweifung. 

Ein wollüstiger Mensch ist einer, der sich selbst auf die tierischen Aspekte der Existenz reduziert, der allen Trieben und  Launen sofort nachgibt, ungeachtet der Folgen. Die andere Seite des Menschen - der Engel-Aspekt - geht dabei verloren. Es ist ein Mensch, der vollständig aus dem Bauch lebt, und dabei vergisst, die mentalen Kopf-Aspekte gemeinsam mit den Trieben des Bauches und Unterleibs im Herzen zu einer umfassenderen Einheit zu integrieren.

Der Ausweg aus der Wollust ist das bewusste Geniessen - also die Fähigkeit, Bauch und Kopf zusammenzubringen.

Ira - Zorn

Die vierte Todsünde ist der Zorn, der auch Vergeltung und Rachsucht beinhaltet. In der Skala von Hawkins entspricht dies der Ebene 150 - Wut

Die Grundenergie der Wut geht vom Satz aus: mir ist Unrecht geschehen, und ich muss mich verteidigen. Die ganze Welt wird als feindlich und unfreundlich wahrgenommen. Ein zorniger Mensch glaubt nicht, dass es Liebe, Freundschaft und Mitgefühl geben könnte. Jeder ist sich selbst der Nächste, und das Leben ist ein beständiger Kampf. Wer nicht kämpft, dem wird weggenommen, was er oder sie besitzt. Nur durch Kampf lässt sich Respekt und Anerkennung erarbeiten. 

Die Wut-Qualität liegt dem Irrtum auf, dass der Mensch innen weich und schutzlos sei, und dass folglich ein starker äusserer Panzer notwendig sei, um Verletzungen zu verhindern.

Der Weg heraus aus der Wut besteht in der Erkenntnis, das wahre Sicherheit von innen kommt. Wer ein starkes, funktionsfähiges Rückgrat hat - sowohl materiell wie geistig gesehen - ist aufrecht, von innen gestützt, und kann sich aus dieser inneren Stärke heraus auch gegen aussen schwach und verletzlich zeigen, im Wissen, dass das Wesentliche nicht verletzt werden kann.

Gula - Völlerei

Die Völlerei ist in gewissem Sinn das Gegenstück zum Geiz: wo der Geiz alles festhält und nicht mehr loslässt, was er in seinem Besitz hat, so nimmt die Völlerei alles auf und verschlingt es. 

Völlerei hat kein Bewusstsein für Grenzen und für das richtige Mass. Es steht der Gedanke dahinter: ich muss jetzt alles nehmen, was ich bekommen kann, morgen wird es nicht mehr da sein. Ein Beispiel für eine Krankheit, die aus dem Geist der Völlerei kommt, ist das Binge Eating oder die Fressanfälle, die im Zusammenhang mit Essstörungen häufig auftreten. Meist beginnt das unmässige Essen damit, dass jemand eine Diät macht und sich genügendes Essen versagt - worauf als Gegenreaktion so lange gegessen wird, bis der Kühlschrank leer ist, auch wenn der Magen so voll sein mag, dass er schmerzt. 

Der Weg aus der Völlerei besteht in der Erkenntnis: es ist immer alles da, was ich benötige. Aus diesem Vertrauen kann das Gefühl für das richtige Mass entstehen, das weder zu extremem Asketentum neigt, aber auch nicht zu übermässigem Konsum.

Invidia - Neid

Die Todsünde des Neides basiert auf dem Vergleich mit anderen Menschen - das Gegenstück des Stolzes. Wo der Stolz viele Gründe findet, sich selbst für besser und wertvoller einzuschätzen als andere, da macht es der Neid genau umgekehrt: alles Eigene wird als wertlos betrachtet, und alles, was die anderen haben, als wertvoll und erstrebenswert.

Das Gras auf der anderen Seite des Zaunes ist immer grüner... ganz unabhängig davon, was sich tatsächlich hier und drüben befinden mag.

Der Ausweg aus dem Neid ist die Wertschätzung und die Dankbarkeit für alles, was man selbst ist und hat - Dankbarkeit für die eigenen Fähigkeiten und die Freude am eigenen Besitz. Wem es gelingt, mit sich selbst im Reinen zu sein und inneren Frieden zu erleben, wird sich auch mit anderen über ihre Erfolge freuen können.

Acedia - Trägheit

Die letzte Todsünde ist die Trägheit, die auch mit den Worten: Faulheit, Feigheit, Ignoranz umschrieben wird. 

Trägheit beruht auf einem tiefen Desinteresse am Leben auf der Erde. Träge Menschen wirken nicht unbedingt äusserlich faul - es kann sogar sein, dass sie sehr fleissig arbeiten und beständig beschäftigt sind. Dahinter steht allerdings die Neigung, sich treiben zu lassen und immer den gerade einfachsten Weg zu suchen. Träge Menschen vermeiden Konflikte, weil Konflikte anstrengend sind. Sie setzen sich nicht für jene Dinge ein, die sie selbst für gut und richtig halten. Sie machen sich selbst in ihrem Sein nicht sichtbar, und sie vermeiden es, Verantwortung zu übernehmen. 

Die Trägheit kann als die tödlichste aller Todsünden bezeichnet werden, weil sie einen Menschen aus dem Leben herausnimmt - da ist kein Drive, keine Motivation, nichts von all dem, was Menschen im besten Sinn menschlich macht.

Der Ausweg aus der Trägheit besteht darin, einen Sinn zu finden, für den es sich zu leben lohnt - jenen Funken in sich selbst zu entdecken, der das göttliche Licht im Menschen ist.

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© Barbara Seiler 2009 - www.spiriforum.net
Dieser Text darf unter Hinzufügung dieser Fussnote gerne weitergegeben werden.

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