einige Wegweiser zu gutem Essen

Vorbemerkung: Die hier vorgestellten Richtlinien sind jene, die sich für mich als nützlich und sinnvoll herausgestellt haben, und die dem generellen Leitsatz folgen: Essen macht glücklich!

Einige dieser Ideen basieren auf der Voraussetzung, dass Sie ein Sättigungsgefühl verspüren und das Signal des Körpers erkennen können: "nun ist genug gegessen, es reicht". Sollen dies bei Ihnen noch nicht der Fall sein, so verzichten Sie nicht darauf, die Mengen Ihres Essens bewusst abzumessen und zu planen, bis Sie wieder Zugang finden zu Ihrem Körper und seiner Sprache - bis Essen nichts mehr mit Kontrolle zu tun hat, sondern nur noch mit Sein.

Nun aber zur Sache und den Wegweisern selbst, die da sind:

Genuss ist das Wichtigste

Der wichtigste Wegweiser ist: geniessen Sie Ihr Essen! - damit könnte schon alles gesagt sein. Essen macht glücklich, Essen hält Leib und Seele zusammen, und wer nur isst, was gut schmeckt und gut sättigt, wird sich von selbst auf eine Weise ernähren, die Gesundheit, Wohlbefinden und Kraft fördern.

Geniessen bedeutet wahrnehmen: Schauen Sie ihr Essen an, riechen Sie - ist es schön, gefällig, appetitlich anzusehen? Nehmen Sie die Aromen wahr, schmecken Sie die einzelnen Bestandteile und Gewürze heraus, wissen Sie, wie dieses Gericht hergestellt wird? Loben Sie Ihr Essen, finden Sie ein Detail, das Ihnen besonders gut gefällt daran: die knusprige Aussenseite, der butterweiche Teig, die Zartheit, die Saftigkeit...

keine Dogmen

Die Ernährungsecken in den Buchhandlungen sind voll von den verschiedensten Ratgebern - die alles und das Gegenteil davon empfehlen. Viele Empfehlungen sind mit wissenschaftlichen Argumenten unterlegt, allerdings: gerade im Bereich Ernährung gibt es  sehr viele Modeerscheinungen, was heute gilt, kann morgen schon wieder als ungesund gelten. 

Allwissenheitsansprüche und Missionierung gehören genauso wenig zum genussvollen Essen, wie sie auch nicht in die Religion gehören. Menschen sind verschieden, Verträglichkeiten sind verschieden, was für Sie gut und passend ist, muss es nicht für andere sein - hören Sie auf das, was Ihr Körper Ihnen sagt, machen Sie kein Buch zum Evangelium. Nutzen Sie Bücher und Texte als Inspiration, wenn Sie mögen, experimentieren Sie - und nehmen Sie sich danach die Zeit, fühlen Sie, wie es ihnen geht. Werden Sie müde nach dem Essen? Geht der Hunger nicht wirklich weg? Fühlen Sie sich behaglich, warm und geborgen, ohne dass ein voller Magen Bauchschmerzen bereitet? - finden Sie selbst heraus, was Ihnen gut tut.

höchste Qualität

Gönnen Sie sich die beste Nahrung, die sie finden und sich leisten können. Das ist nicht immer ganz einfach, besonders nicht, wenn es sich um tierische Produkte handelt, und es immer noch oft an aussagekräftigen Deklarationen mangelt. Doch glücklicherweise gibt es eine immer grössere Auswahl an biologisch angebauten Produkten und fair-trade-Produkten - oft beides in einem - die auch nicht unbedingt viel mehr kosten müssen als konventionell hergestellte Produkte. 

Auf Wochenmärkten und in kleinen Läden sind oft Spezialitäten zu finden, die in der Region hergestellt werden und nicht nur ausserordentlich gut schmecken, sondern auch - aufgrund kurzer Transportwege - nicht lange gelagert werden müssen, und die deshalb auf Zusatzstoffe zur Konservierung und auf den Zusatz künstlicher Aromen verzichten können.

Erlauben Sie sich auch bei schmalem Budget den Luxus, immer wieder mal hochklassige Produkte zu kaufen, viele sind ihren Preis mehr als wert - und ein besonderer Genuss, gerade weil sie nicht jeden Tag gegessen werden können. So wird das Essen zu einem Fest.

Aroma-Explosionen

Ein wesentliches Zeichen qualitativ hochwertiger Nahrungsmittel ist das Aroma. Viele Produkte, die mit Respekt für die Natur angebaut werden, und Produkte, die nach traditionellen Methoden hergestellt werden, bieten eine reiche und subtile Fülle verschiedenster Aromen. 

Sehr aromatische Nahrungsmittel können nicht unbegrenzt verspeist werden, das Aroma selbst sorgt dafür: oder kennen Sie jemanden, der Pfeffer esslöffelweise verspeist? Auch bei geräuchertem Lachs oder sehr aromatischem Käse sind die Grenzen meist recht schnell erreicht, wo der Körper Stop sagt.

Natürliche Aromen sind vielen Menschen heute nicht mehr bekannt. Die industriell hergestellten Produkte werden künstlich aromatisiert, was ihnen vielleicht einen appetitlichen Duft schenkt, aber beim Essen wirken sie platt, schal und leer. Viele Gemüse und Früchte, die im Supermarkt angeboten werden, haben ebenfalls kaum mehr Aroma, da sie für ein schönes Aussehen und Lager- und Transportfähigkeit optimiert werden, Früchte werden unreif gepflückt... Ich wage zu bezweifeln, dass solche Gemüse und Früchte noch viele der guten Eigenschaften haben, die ihnen zugeschrieben werden. Glücklich die Leute, die vom Luxus eines eigenen Gartens profitieren können!

Suchen Sie die aromatischsten, wohlschmeckendsten Produkte, sie Sie nur finden können! Nicht immer sind das automatisch auch die teuersten Produkte, auch wenn natürlich eine naturnahe und tierfreundliche Produktion ihren Preis hat. Teurer als die industriellen grossen Markenprodukte sind sie dennoch oft nicht, denn bei den Marken besteht ein bedeutender Teil des Preises aus dem grossen Werbebudget, da diese Produkte kaum gekauft und gegessen würden - nicht langfristig - wenn sie nicht regelmässig intensiv beworben würden. Ein gutes Produkt allerdings, auch in einfacher und bescheidener Aufmachung, spricht für sich allein.

Immer wieder mal was Neues

Vielfalt auf dem Teller sorgt automatisch für eine ausgewogene Ernährung. Kaufen Sie mindestens einmal pro Woche ein Produkt, das Sie noch nie gekauft haben. Theoretische Überlegungen spielen dabei keine Rolle - es darf gerne auch etwas sein, das als "ungesund" gilt, die neue Sorte Chips, eine andere Sorte Schokolade - wichtig ist, dass es Spass macht. Fragen Sie Ihr inneres Kind, was es gern mal ausprobieren würde.Sie waren seit Jahren nicht mehr bei McDonalds? Also, los - so ein Burger, wie schmeckt der schon wieder? Es darf auch gern etwas verrückt sein, exotische Speisen und Saucen - was immer das Herz begehrt.

Abwechslung bedeutet, dem Körper regelmässig neue Impulse zu geben, mit denen er sich auseinander setzen muss - das hält flexibel, verhinderte Einseitigkeiten und führt, last but not least, immer wieder zu spannenden kulinarischen Entdeckungen. 

Möglicherweise werden Sie nach einiger Zeit feststellen, dass Sie Speisen geradezu anekeln, die Sie bisher regelmässig und gern gegessen haben. Es kann vorkommen, dass sie zwei Stunden lang durch den Supermarkt irren, Hunger haben, und dennoch nicht wissen, was Sie einkaufen sollen - nichts macht Lust. Beschränken Sie sich auf ein paar Standard-Nahrungsmittel - Brot mit Käse, Nudeln mit Tomatensauce, ein bisschen Schokolade -  gegessen muss schliesslich werden - und freuen Sie sich daran, dass Sie dabei sind, das Geniessen zu verfeinern. 

Fett ist toll und schmeckt super

Fett ist, nach so gut wie allen Diätratgebern, ungefähr das, was der Teufel in der Kirche ist: das absolut Böse. Das geht bis in die Sprache: Wenn heute das Wort "Sünde" ausgesprochen wird, so ist die Chance gross, dass damit das Essen von Fett gemeint ist.

Fett hat diesen schlechten Ruf zu unrecht. Fett ist lebenswichtig, und viele notwendige Stoffe - zum Beispiel die fettlöslichen Vitamine - können vom Körper nur dann aufgenommen und verarbeitet werden, wenn sie gleichzeitig mit etwas Fett oder Öl gegessen werden.

Was hingegen eine Rolle spielt, ist die Qualität des Fettes. Im Fettgewebe von Tieren und Menschen werden Giftstoffe eingelagert, die dann in Fleischprodukten drin stecken. Gerade die Massentierhaltung, wo den Tieren diverse Medikamente und Wachstumsförderer verfüttert werden, ist auf alle Fälle alles andere als gesund. Ganz abgesehen davon, dass Tiere, die in engen Käfigen gehalten werden, alles andere als ein schönes Leben haben. Ebenso braucht kaum erwähnt zu werden, dass Fritierfett, das kaum je gewechselt wird und wo alle möglichen Rückstände an Staub und Schmutz herumschwimmen, weder zum Genuss noch zur Gesundheit beitragen. 

Achten Sie also gerade beim Fett auf gute Qualität, wenn möglich auf biologischen Anbau - und dann geniessen Sie die Aromen, die eine Sahnesauce oder ein vollfetter Käse oder ein Stück Speck zu bieten hat. Fette Nahrungsmittel machen schnell satt, sodass schon kleine Portionen glücklich und zufrieden machen - und lange anhalten.

Essen wie ein König, Bürger, Bettelmann

"Am Morgen wie ein König, am Mittag wie ein Bürger, am Abend wie ein Bettelmann" soll gegessen werden, lehrt uns das Sprichwort. Ein reichhaltiges Frühstück ist zugegeben nicht jedermanns Sache. Viele Menschen brauchen am Morgen mindestens eine oder zwei Stunden Zeit, bevor der Magen bereit ist, etwas aufzunehmen - zwingen Sie am Morgen also nichts, sorgen Sie aber dafür, dass sie dann, wenn der Appetit kommt, auch etwas zu essen haben. 

Am Abend wie ein Bettler zu essen, also nur leicht oder gar nicht, ist ein Verwöhnprogramm für den Körper. Während des Schlafens nimmt sich der Körper die Zeit, um zu regenerieren. Es werden all die vielen kleinen Reparaturen ausgeführt, die kleinen Verletzungen behoben, die im Lauf des Tages entstanden sind. Essen Sie also ihre Hauptmahlzeit nicht kurz vor dem Schlafengehen, sondern vom späten Morgen bis in den Nachmittag hinein. Ein voller Magen kann wohl schläfrig machen, das stimmt, allerdings ist die Qualität des Aufwachens am nächsten Morgen dann nicht die beste. Ein zu reichliches Essen am Abend kann genauso einen Kater verursachen wie zu reichlicher Alkoholkonsum.

Wenn es Ihnen aufgrund Ihrer Situation nicht möglich ist, das Essen am Abend zu vermeiden, so planen sie dennoch mindestens einen Tag in der Woche ein, wo Sie sich dieses kurze Fasten gönnen - Ihr Körper wird es Ihnen danken.

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© Barbara Seiler 2009 - www.spiriforum.net
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