Einer der entspannendsten Aspekte der Quintessenz der Luft ist die Tatsache, dass ein Mensch sich nicht mehr ärgern muss, bloss weil jemand anders eine andere Meinung hat.
Diese Haltung ähnelt auf den ersten Blick der Haltung der Neutralität im Wasser des Wassers auf 250, hat aber doch viel mehr Bewusstheit in sich. Im Wasser des Wassers ist es einfach egal; es kein Verständnis vorhanden für die Motive anderer Menschen.
Hier, auf der Ebene der Quintessenz der Luft, sind die Motive meist klar und deutlich sichtbar, und dennoch ist das kein Hindernis in der Liebe zu anderen Menschen. Im Gegenteil, gerade weil da so viel Verstehen ist, kann Liebe sein. "Comprendre, c'est pardonner" sagt eine französische Redensart - zu verstehen ist zu verzeihen. Was wiederum nicht bedeutet, dass alle Handlungen anderer Personen gutgeheissen und unterstützt werden. Es geht darum, zu jemandem Ja zu sagen, trotz seiner/ihrer Fehler, Ängste, Zweifel und unausgeglichenen emotionalen Mustern. "Liebe den Sünder – hasse die Sünde" soll Martin Luther gesagt haben. Nimm die Person an, sage ja zu ihr – doch heisse nicht gut, wenn sie etwas tut, was deinem Gewissen widerspricht.
Es ist nicht mehr notwendig, die eigene Meinung um jeden Preis durchsetzen zu müssen. Das Bedürfnis, verstanden zu werden, verringert sich, auch wenn es natürlich sehr schön ist, jemanden zu finden, mit dem man sich unterhalten kann und auch verstanden wird.
Das Ego ist immer noch da, und es ist die letzte Stufe, wo die hauptsächliche Identifikation über das Ego läuft. Auch wenn das theoretische Wissen vorhanden ist, dass die Essenz des Menschen seine Seele ist, so ist es dennoch noch nicht selbstverständlich, aus der Seele heraus zu leben; es benötigt immer wieder einen bewussten Fokus auf das Grössere und Jenseitige. Jenseits im Sinne von: Jenseits der durch die fünf Sinne erfahrbaren Welt, jenseits des Schleiers, der die Welt der drei-vierdimensionalen Raumzeit von den höheren, mehrdimensionalen Räumen trennt.
Es ist die Ebene der Harmonie und der Schönheit, aber auch der Beginn von Heiligkeit. Die Ausstrahlung von Menschen in diesem Bereich wirkt wohltuend, sie vermittelt Ruhe und eine natürliche Autorität; viele Ämter grosser spirituell orientierter Organisationen wie das Amt des Papstes oder des Dalai Lama befinden sich in diesem Bereich, aber auch die Kunst von Michelangelo. Wahrheit wird nicht nur intellektuell begriffen, sondern das Erkannte wird auch im Alltag umgesetzt und gelebt.
Im Tarot entspricht diese Ebene dem As der Schwerter. Es ist ein machtvolles magisches Instrument. Im Spiel von Aleister Crowley ist sein Griff von einer Schlange umwickelt, dem Symbol für Weisheit, Heilung, aber auch für Gift und Tod - eine Darstellung der Polarität, die sich zu einer Einheit findet. Die Querstange besteht aus zwei Halbmonden; es ist das weibliche, schützende Ende, das nach unten orientiert ist. Auf der Klinge ist das Wort "thelema", WILLE, eingeschrieben. Die Spitze der Klinge zeigt gerade nach oben und ist von einem Strahlenkranz umgeben.
In der Quintessenz der Luft unterstellt sich der Mensch willentlich und bewusst dem Willen Gottes. Dies geschieht zunächst auf der spirituellen und mentalen Ebene; bis auch die Emotionen und der Körper diese Unterstellung unter den göttlichen Willen akzeptieren und in Harmonie damit schwingen, benötigt es noch mehr Studium, und mehrere Erfahrungen, wo ein Mensch seine Angst überwindet und immer wieder bestätigt: Ja, Herr, Dein Wille Geschehe. Es ist der Ort, wo die Einheit immer mehr als zum Alltag wird, und wo ein Mensch bewusst danach strebt, nicht nur kurze Erleuchtungserfahrungen zu erleben, sondern diesen Zustand länger und länger zu halten.
Mensch wird aufgefordert, das Schwert des Willens an sich zu nehmen und es zu benutzen - nicht gegen andere, sondern für sich selbst – und gegen sich selbst. Für sich selbst, um in der spirituellen Entwicklung weiter zu kommen - gegen sich selbst, da jeder sich selbst nicht nur der grösste Freund, sondern auch der grösste Gegner ist.
© Barbara
Seiler 2008
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