"Nur wer gut fühlen kann, kann sich gut fühlen", hiess es in einem Channeling – was bedeutet: nur wer eine differenzierte Wahrnehmung und ausgebildete Sinne besitzt, ist fähig, für langfristiges und nachhaltiges Wohlbefinden zu sorgen,
Wie kann das stimmen? Wer viel fühlt, fühlt auch alles Unangenehme - die Schmerzen, die Verspannungen, die Einschränkungen des eigenen Körpers. Ist es da nicht einfacher, das Fühlen lieber zur Seite zu stellen und darauf zu verzichten?
Das ist tatsächlich ein weit verbreitetes Verfahren. "Stell dich nicht so an", haben wir als Kinder vielleicht gehört, oder: "du wirst dich daran gewöhnen." Ja klar - Menschen können sich an fast alles gewöhnen, auch an grosse Schmerzen und schlimme Situationen, und sie aus dem Bewusstsein verdrängen. Aber kann es das wirklich sein?
Ein Problem verschwindet nicht, nur weil man sich weigert, es anzuerkennen. Das gilt für alle Lebensbereiche, das gilt selbstverständlich auch für den Körper. Im Gegenteil, es wird mit der Zeit nur schlimmer und wird sich je länger je stärker bemerkbar machen. Der Körper ruft: "Hallo! Da hab ich ein Problem! Kümmere dich bitte darum, tu etwas!" Und wenn das Ich nicht darauf hört, nicht hören will, so wird der Ruf immer lauter und drängender... bis es zu einem grossen Zusammenbruch kommt, der nicht mehr zu ignorieren ist. Der Körper hat hier auf alle Fälle immer das letzte Wort. Er wird einen Burnout manifestieren, oder einen Herzinfarkt, vielleicht einen schweren Unfall, der dazu zwingt, endlich die Botschaft zu beachten, sich auszuruhen, nachzudenken und - nachzufühlen. Und wenn es soweit ist, ja, dann ist es wirklich schmerzhaft, unangenehm und leidvoll. Doch soweit muss es nicht kommen.
Dem kann durch rechtzeitiges, beständiges und differenziertes Fühlen entgegengewirkt werden. Natürlich schützt das nicht gegen alle Un- und Zufälle des Lebens, erhöht die Chancen aber wesentlich, bei guter Gesundheit alt zu werden und dabei im Grossen und Ganzen zufrieden und glücklich zu sein. Es hilft, die Herausforderungen des Lebens auf konstruktive und sinnvolle Weise zu bewältigen. Es wirkt nicht nur positiv auf die körperliche Ebene, sondern auf alle Ebenen des Seins, auf den Körper, die Emotionen, das Denken und die Spiritualität, den Sinn des Lebens.
Der Körper ist unser Breitband-Internetanschluss in die Matrix der Welt. Jede Zelle, jedes Organ und der Mensch als Ganzes ist in dieses Netzwerk von Energien eingebunden. Auf all diesen Ebenen wird beständig kommuniziert, Botschaften werden empfangen und versendet, es wird geliebt und gestritten und gekämpft und sich versöhnt, es wird musiziert, manchmal kunstvoll und harmonisch wie eine grosse klassische Symphonie, manchmal misstönend und dissonant.
Oft geschieht es, dass Menschen Angst haben, genau hinzufühlen was in ihrem Körper geschieht aus der Idee hinaus: dann fühle ich die Schmerzen, und ich kann nichts dagegen tun. Zu fühlen, das ist masochistisch und voller Leid. Das muss aber nicht stimmen; denn in unserem Sein sind eine Vielzahl von Werkzeugen eingebaut, die uns dabei unterstützen können, die Selbstheilungskräfte des Körpers anzurufen und zu aktivieren. Da der Mensch ein Knotenpunkt in der Matrix ist, ein komplexes Netzwerk, ist es möglich, an vielen Orten einzugreifen und gezielt zu beeinflussen. Freundlich mit dem eigenen Körper umzugehen, unterstützt Heilung und Ganzheit; ebenso wirkt die bewusste Auseinandersetzung mit den eigenen Emotionen positiv auf den Körper, aber auch das Denken und ein sinnerfülltes Leben. Emotionale, mentale und spirituelle Inhalten manifestieren sich dann als körperliche Einschränkungen, wenn sie nicht bewusst erkannt und anerkannt werden, denn der Mensch ist so konstruiert, dass den wichtigen Themen auf lange Frist nicht ausgewichen werden kann. Was auf den geistigen Ebenen ignoriert wird, sinkt langsam bis in den Körper hinein – bis der Ruf irgendwann so deutlich und laut ist, dass auch der grösste Verdrängungskünstler nicht mehr die Ohren davor verschliessen kann.
So wie geistige Inhalte auf den Körper wirken, so wirken auch verschiedene Formen von Körperarbeit wie Massagen oder Akupressur auch auf den Geist. Diese Methoden sind gut geeignet, um emotionale und mentale Inhalte in das Bewusstsein zu holen, sodass sie bearbeitet werden können und der Mensch die Wahl treffen kann, diese Inhalte weiter zu pflegen, oder sie durch neue, andere Inhalte zu ersetzen.
Wer sich erlaubt, beständig und regelmässig in seinem Körper präsent zu sein und zu fühlen, was darin gerade passiert, ist fähig, Schwächen und Probleme wahrzunehmen, bevor sie sich zu ernsten Krankheiten entwickeln können. Genau zu fühlen ist eine wichtige Basis für jede gesundheitliche Vorsorge, und es ist etwas, was jeder Mensch mit geringem Aufwand und ohne Kosten selbst tun kann. Die einzige Voraussetzung ist der Wille und der Mut, es zu tun, und die Bereitschaft, für sich selbst Verantwortung zu übernehmen. Niemand anders als du steckt in deiner Haut; niemand kann so genau wissen, wie es dir geht, wie du selbst.
Es gibt eine Fülle von Übungen rund um den Körper. Viele kann man in Kursen oder aus Büchern lernen, wie das autogene Training, Yoga oder die "fünf Tibeter".
Eine sehr einfache Übung besteht darin, sich regelmässig die Frage zu stellen: wie fühle ich mich jetzt? Sie hat den Vorteil, dass sie nur wenig Zeit benötigt und in jeder freien Minute durchgeführt werden kann – nicht nur in Ruhe zuhause, sondern in den vielen kleinen Wartezeiten, die das Leben mit sich bringt, in der Schlange vor der Kasse im Supermarkt oder beim Warten auf den Zug... Oft sind die Antworten überraschend - überraschend anders, als man erwartet hat. "ich fühle mich gar nicht so gestresst, wie ich gedacht hatte, eigentlich gehts mir ganz gut", lautet vielleicht eine Antwort, oder aber "eigentlich müsste es mir gut gehen - warum ist da aber dieses flaue Gefühl im Magen? Und warum sind meine Füsse so kalt? Ist das immer so?" Es ist noch nicht einmal notwendig, sofort etwas mit dieser Antwort anzufangen. Man braucht nicht gleich eine Handlung auszulösen. Doch wenn man sich diese Fragen während einer gewissen Zeit regelmässig stellt, drei-vier Mal pro Tag während einem oder zwei Monaten, werden sich Muster abzuzeichnen beginnen. Und in der Erkenntnis dieser Muster sind in der Regel auch schon Ansätze zu möglichen Lösungen enthalten.
Du fühlst dich immer nach dem Mittagessen schlaff und müde? Vielleicht könntest du ein anderes Menu wählen. Oder Zeit für eine Siesta finden. Du hast immer kalte Hände? Wie wäre es mit Pulswärmern und dicken Socken? Du hast eine Neigung zu Kopfschmerzen immer dann, wenn dieser seltsame Kollege seine blöden Sprüche macht? Möglicherweise wäre es eine gute Idee, nicht mehr mitzulachen, weil alle anderen es eben auch tun, sondern dich rauszunehmen. Der Weg zu einem besseren und differenzierterem Körpergefühl führt kaum je über eine einzige, grosse Massnahme, sondern in der Regel über viele Details, die Schritt für Schritt verändert werden.
Oft sind Lösungen sehr simpel und einfach umzusetzen - man muss «nur» darauf kommen. Eine der grössten Herausforderungen ist für viele, genug Wertschätzung für sich selbst aufzubringen, um sich dieses Wohlbefinden zu gönnen. Viele von uns haben gelernt, dass es gut, richtig und tugendhaft sei, zu leiden – das Leben ist hart, das Leben ist kein Spaziergang, es ist völlig normal, dass es weh tut. Glaubenssätze von dieser Sorte können sehr hinderlich sein. Doch wer sich erlaubt, genau zu fühlen, wird die Mittel und Wege finden, sich selbst mehr Wohlbefinden zu erlauben – Streicheleinheiten sowohl für den Körper wie auch die Seele.
Es kann durchaus sein, dass der Körper auf Themen hinweist, die tief in das Leben eingreifen und bedeutende Veränderungen verlangen. Wer sich jeden Tag mit Kopf- und Bauchschmerzen zur Arbeit schleppt, weil man eben eine Arbeit und Geld haben muss, tut sich damit keinen Gefallen. Doch es ist nicht immer leicht, eine neue Arbeit zu finden; die Entscheidung zu kündigen ist keine, die leichtfertig getroffen wird. Und wenn der Körper auf solche Themen hinweist, kommen Ängst hoch. Was, wenn ich keine Arbeit finde? Was, wenn ich meine Familie nicht mehr ernähren kann? Was, wenn...?
Viele von uns haben gelernt, in solchen Situationen die Zähne zusammenzubeissen, eine Tablette einzuwerfen und dennoch das zu tun, wovon wir genau wissen, dass es langfristig schädlich und nicht lebbar ist. Hier ist die Versuchung gross, den störenden und lästigen Körper einfach zu ignorieren, der sein Bestes tut, auf die Missstände hinzuweisen, und den "Sachzwängen" nachzugeben. Die auch nur darum Sachzwänge sind, weil wir selbst sie so definieren und uns damit ein mentales Korsett bauen, ein Gedankengefängnis und eine Gefühlsquetsche. Hier braucht es Mut, sich das Fühlen tatsächlich zu erlauben, und in Folge auch die notwendigen Schritte zu unternehmen, die das Wohlbefinden und die Richtigkeit und Ganzheit des Lebens wieder herstellen. Denn wer sich erlaubt zu fühlen, wird feststellen, dass sich die eigene Definition vom Akzeptablen verändert – was früher vielleicht ein unangenehmes, aber notwendiges Übel war, mit dem man sich arrangiert, wird zu einem untragbaren Missstand.
"Strebt nach dem Himmelreich, und alles, was ihr zum Leben braucht, wird euch gegeben werden", lehrte Yeshua. Auf diesen Satz zu vertrauen, das braucht sehr viel Vertrauen und Mut. Es ist ein Sprung ins kalte Wasser; denn man kann erst erfahren, ob diese Aussage stimmt oder nicht, wenn man es ausprobiert. Die Kommunikation mit dem eigenen Körper ist einer der leichtesten Wege festzustellen, ob man sich gerade im "Himmel" oder in der "Hölle" befindet - denn der Körper ist, unter anderem, ein sehr genauer und unbestechlicher Sensor; wer immer auf ihn hören will, wird schnell erfahren, wo und auf welchem Weg man sich gerade befindet.
Wenn der Mut für den Sprung ins Wasser fehlt, so reicht er vielleicht aus, immerhin einen Zeh hinein zu strecken und nur mal zu probieren. Hier ein Detail zu ändern, da ein bisschen zu sorgen... und Schritt für Schritt zu mehr Lebensfreude und Wohlbefinden zu gelangen. Ein anspruchsvoller Weg, aber einer, der sich bestimmt lohnt!
© Barbara Seiler 2008 - www.spiriforum.net
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