
Im Feuer der Luft erweitert sich die bedingungslose Liebe auf alle lebendigen Wesen – im Gegensatz zu der Luft der Luft, wo diese Liebe nur bei einigen wenigen, ausgewählten Wesen zugelassen wurde. Dies geschieht in der Erkenntnis, dass der Grundsatz «liebe deinen Nächsten wie dich selbst» sich auf alle Menschen und Wesen bezieht – und nicht nur auf jene, die uns sympathisch sind.
Es geht nicht um ein Müssen. Wenn ein Mensch in den Ebenen der Erde von 0-200 sich freundlich verhält, so ist damit immer die Hoffnung auf einen persönlichen Vorteil verbunden; wenn sich ein Mensch in den Ebenen des Wassers freundlich verhält, so geschieht dies aus Konventionalität – also darum, weil die Regeln der Gemeinschaft höher gestellt werden als die eigenen Bedürfnisse. Im Feuer der Luft allerdings kommt das Streben nach Freundlichkeit und einem liebevollen Verhalten aus der eigenen Erkenntnis und der eigenen Wahl.
Damit verbunden ist eine grosse Freude. Es ist eine Freude, die aus dem Wissen entsteht, dass alles gut und richtig ist, genau so, wie es ist. Die Herausforderungen der materiellen Welt wie Armut, Krankheit, Leid, Schmerzen oder Verachtung werden nicht vergessen oder verdrängt – doch es wird erkannt, dass sie nicht wesentlich sind. Es geht nicht um eine Haltung von Zynismus, die sagt: «stell dich doch nicht so an, reiss dich zusammen» - es geht um eine Haltung von Mitgefühl, in der Erkenntnis, dass das Leben der Erde nicht das ist, was das Mensch-Sein ausmacht. Das ist ein wesentlicher Unterschied zu den irdisch orientierten Ebenen unter 500.
Auch wenn diese Freude erkannt wird, so kann sie dennoch nicht beständig gehalten werden. Sie ist da, wenn ein Mensch im Gleichgewicht ist – doch zahlreich sind immer noch die Situationen, wo ein Thema der tieferen Ebenen wie Angst oder Zorn oder das Bedürfnis nach sozialer Anerkennung überhand nehmen. Doch diese Phasen – die völlig normal sind und dazu gehören – werden als Phasen definiert, und nicht als Zustände, die als wünschenswert gelten.
Der feurige Bereich der Luft wird assoziiert mit dem Wind und dem Sturm, und damit auch mit dem Heiligen Geist, der „weht, wo er will“. Der Heilige Geist wird in der Bibel als luftig beschrieben, im Hebräischen als "Ruach", im Griechischen als "Pneuma" und bedeutet "Hauch, Atem" - gleichzeitig wird er aber als feurig beschrieben. In der Apostelgeschichte wird berichtet, wie an Pfingsten der Heilige Geist über den verängstigten Jüngern ausgegossen wurde:
Und als der Tag des Pfingstfestes endlich da war, waren sie alle an einem Ort beisammen. Und plötzlich entstand vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein gewaltiger Wind das Haus überfährt, und erfüllte das ganze Haus, worin sie sassen. Und es erschienen ihnen Zungen, die sich zerteilten, wie von Feuer, und es setzte sich auf jeden von ihnen. Und sie wurden alle mit dem heiligen Geist erfüllt und fingen an, in andern Zungen zu reden, wie der Geist ihnen auszusprechen gab.
Apg. 2, 1-4
Durch dieses Ereignis wurde die Gemeinschaft der Apostel und Apostelinnen nachhaltig verändert: Sie hatten plötzlich keine Angst mehr wie vorher, sondern gingen in die Öffentlichkeit und berichteten von der tiefen Freude, die sie erfahren haben. Sie waren im wörtlichen Sinne begeistert – vom Geist durchdrungen - und strahlten eine tiefe Freude aus, die sie mit allen anderen Menschen zu teilen wünschten. Wer den feurigen, geistigen, stürmischen Teil der Luft erlebt, erfährt eine tiefe Freude und ein Gefühl der Verbundenheit mit allem, was ist.
Es ist eine sehr schöne und nährende Erfahrung, allerdings findet sie im Alltag oft ihre Grenzen; dann, wenn andere Menschen dieser Freude mit Unverständnis begegnen, so wie es auch den Aposteln passiert ist, als sie auf die Strasse traten und zu predigen begannen. „Es ist erst neun Uhr morgens, und die sind schon besoffen!“ Aus der Perspektive von Menschen im Erde- und Wasserbereich erscheinen solche, die bis zur Luft der Luft (499) gelangt sind als kluge Menschen, belesene Professorinnen, geniale Erfinder – doch jene, die weiter gegangen sind und darüber hinaus, erscheinen als Narren, als Verrückte, unverständlich, seltsam und nicht berechenbar in ihren Handlungen. Die den verschiedenen Ebenen zugrunde liegenden Weltanschauungen sind so verschieden, dass sie nur sehr schwer verständlich gemacht werden können.
Der symbolisch Gebrauch der Worte Feuer und Luft findet im Körper materielle Entsprechungen.
Durch den Atem – die Luft – nimmt der Körper Sauerstoff auf, der Energie für die Zellen liefert, und dadurch die Körperwärme – das innere Feuer – am Brennen hält. Ohne eine beständige Zufuhr an Sauerstoff kann ein Mensch oder Tier nur sehr kurze Zeit leben – nur ein paar Minuten – und wenn dies geschieht, so wird es von seinem Geist verlassen, und zurück bleibt nur eine leere Hülle, ein Leichnam.
Eine weitere Analogie besteht in der Farbe des Blutes, rot, dieselbe wie die Farbe des Feuers. Und so wie der Geist den ganzen Menschen durchdringt, so durchdringt das Blut den gesamten Körper, bringt ihm Nahrung, und schafft Abfälle fort. Nach jüdischer Auffassung befindet sich das Leben im Blut.
Das Feuer und die Luft spielen auch eine wesentliche Rolle in der Kommunikation. Die Stimme wird durch einen Luftstrom erzeugt, der durch die Stimmbänder fliesst. Das Vorhandensein von Geist äusserst sich durch eine temperamentvolle, feurige Art des Sprechens.
© Barbara Seiler 2008 - www.spiriforum.net
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