die Bewusstseinsskala nach Hawkins
440 – 480 – intellektuelle Exzellenz

Das Wasser der Luft

Die Luftqualität hat sich ihre Basis geschaffen und beginnt nun, die emotionalen Wasser-Qualitäten zu integrieren. Wer in diesem Bereich ist, beherrscht die wichtigsten Grundsätze logischen Denkens und Arbeitens und ist fähig, diese Methoden immer mehr zu verfeinern und immer genauer zu gestalten.

Es vermittelt ein besonders Gefühl und eine besondere Freude, an einem komplizierten Problem herumzutüfteln, manchmal mehrere Jahre lang, in die Geheimnisse der Natur einzudringen und sich in ihre genialen und von Menschen unerreichten Konstruktionen zu vertiefen. Der Physiker und Nobelpreisträger Werner Heisenberg beschreibt einen solchen Moment der Erkenntnis in seinen autobiografischen Notizen Der Teil und das Ganze folgendermassen:

„Im ersten Augenblick war ich zutiefst erschrocken. Ich hatte das Gefühl, durch die Oberfläche der atomaren Erscheinungen hindurch auf einen tief darunter liegenden Grund von merkwürdiger innerer Schönheit zu schauen, und es wurde mir fast schwindelig bei dem Gedanken, dass ich nun dieser Fülle von mathematischen Strukturen nachgehen sollte, die die Natur dort unten vor mir ausgebreitet hatte.“

Die Gemeinschaft erfährt ist in diesem Bereich auf andere Art wichtig als in den Ebenen des Wassers von 200 – 400: es geht hier darum, gemeinsam zu forschen, Wissen und Erkenntnisse auszutauschen und ein Teil der wissenschaftlichen Gemeinschaft zu sein. Es ist jener Bereich, in dem sich viele Universitäten und Anstalten höherer Bildung befinden – und gleichzeitig jene Ebene, die heute vielen Menschen als die höchste überhaupt gilt.

Der Persönlichkeit der intellektuellen Exzellenz

Seit einiger Zeit gibt es, von den USA her kommend, auch in Europa die Bewegung der «Brights» - was man auf Deutsch übertragen könnte als eine Bewegung der «hellen Köpfe» – die sich konsequent auf die rationale Exzellenz ausrichten, wozu auch eine starke Orientierung an einem materialistischen, naturalistischen Weltbild gehört.

Auf ihrer Homepage stellen sich die Brights Deutschland folgendermassen vor:

Was ist ein Bright?
  • Ein Bright ist eine Person mit einem naturalistischen Weltbild.
  • Das Weltbild eines Bright ist frei von übernatürlichen und mystischen Elementen..
  • Die Ethik und Handlungen eines Bright basieren auf einem naturalistischen Weltbild..

Auffällig ist die konsequente und klare Abgrenzung von allem, was übernatürlich und mystisch erscheint. Diese Kritik ist durchaus angemessen in Bezug auf die Ebenen der Erde und des Wassers, in denen der Verstand erst anzsatzweise ausgebildet wurde, und wo Aberglaube häufig vorkommt – in jenen Bereichen, die von Ken Wilber in Eros, Kosmos, Logos prärational genannt werden, in denen ein mythisches und/oder magisches Weltbild herrscht. Nicht angemessen ist diese Kritik allerdings für die höheren Ebenen von 500 an aufwärts, die ein transrationales Weltbild besitzen, das den Verstand nicht leugnet, sondern ihn in ein grösseres Ganzes integriert und transzendiert. Interessant hingegen ist die Identifikation der Bright mit dem Licht - was seit eh und je in den spirituellen Traditionen mit Gott gleichgesetzt wurde. Es scheint, die Spiritualität lässt sich nicht aussen vor lassen... sie schleicht sich immer wieder hinein, wenn es sein muss, durch Hintertürchen. 

Ein sympathisches, archetypisches Bild dieses Bereichs ist das Bild des genialen, aber zerstreuten, etwas verrückten, aber dennoch freundlichen Professors. Dieser Archetyp zeigt autistische Charakterzüge: er ist genial im eng umgrenzten Bereich seines Faches, ist aber gleichzeitig oft wenig alltagstauglich und vernachlässigt Kleidung, Ernährung und Körperpflege. Als literarische Figuren finden wir den Professor Bienlein in den „Tim und Struppi“-Comics von Hervé, den Erfinder Daniel Düsentrieb in den „Lustigen Taschenbüchern“ von Walt Disney, und im Film – dem grossen Vorbild Einstein ähnelnd – den „Doc“ in der Trilogie „Zurück in die Zukunft“

Die negative Ausprägung dieses Archetyps ist der ebenfalls geniale, aber skrupellose Wissenschaftler, der eine Höllenmaschine erfindet und entweder die Vernichtung der ganzen Erde oder die Weltherrschaft anstrebt. Moralische Bedenken gelten ihm als überflüssigen, weibischen und schwächlichen Kram. Diese Ausprägung ist im Grunde genommen die konsequentere Umsetzung rationalen Denkens – denn jede Ethik beruht auf Grundsätzen, die nicht beweisbar sind und die einfach geglaubt werden müssen. Es ist nicht mehr als folgerichtig, dass der rationale Mensch – der sich mit seinem Körper und seinem Ego identifiziert – logischerweise auch das eigene Wohlbefinden über alles andere stellt und keinerlei Skrupel hat, anderen Menschen zu schaden, um seine Interessen durchzusetzen.

Es ist kein Zufall, dass dieser Archetyp sowohl in seiner positiven wie der negativen Variante als Mann erscheint; die Luft-Qualität ist eine vorwiegend männliche Energie. Naturwissenschaftliche Forschung zielt grundsätzlich darauf ab, die Natur zu verstehen, mit der Absicht, sie kontrollieren manipulieren und beherrschen zu können. Kontrolle ist alles, und kaum jemand kann weniger gut mit Kontrollverlust umgehen wie der rationale Mensch. Die typsiche Strategie, um eine Illusion von Kontrolle aufrecht erhalten zu können, ist das Rationalisieren: es werden vernünftig klingende Begründungen gesucht für Ereignisse, die ausserhalb der bewussten Kontrolle geschahen. Dabei ist es oft unwesentlich, wie absurd oder wie weit hergeholt diese rationalen Begründungen sind; Hauptsache, es wurde eine solche gefunden.

Möglichkeiten und Grenzen der Ratio

Ein Kernsatz der intellektuellen Exzellenz ist: nur was mit den Werkzeugen des Verstandes bewiesen werden kann, ist real. Dem Rest ist zu misstrauen. Dies ist einerseits ein sehr nützlicher Satz, der die rasante technische Entwicklung der letzten Jahrhunderte möglich gemacht hat, und diese Entwicklung hat die Welt ohne Zweifel reicher, bequemer und auch friedlicher gemacht. Auf der anderen Seite hat diese Haltung auch ihre Grenzen, und zwar immer dort, wo es um das subjektive, innerliche Erleben geht – wo es um Seelenthemen geht.

Ein rationaler Mensch ist einer, der die Fähigkeiten des Egos, seine Umgebung zu konrollieren und zu verstehen, bis auf die Spitze getrieben hat. Die Ratio ist allerdings nicht dazu fähig, die grossen Fragen des Lebens zu beantworten: was ist der Sinn des Lebens? Was ist ein Mensch? Wozu sind wir hier? - hier kommt die Seele herein, und diese ist von ihrer Natur nicht kontrollierbar; es ist nicht möglich, sie in wissenschaftliche Experimente zu zwängen, die sich nach Belieben wiederholen lassen. Die Seele ist ein Wesen, das sich durch Wunder und Synchronizitäten äussert. Das bedeutet nicht, dass die Seele ausserhalb der Naturgesetze agiert; es bedeutet lediglich, dass sie auf eine Weise handelt, die vom Ego nicht auf Kommando abrufbar ist.

David R. Hawkins bezeichnet den Übergang vom rationalen Denken zur nächst höheren Stufe, der Liebe, als einen der schwierigsten überhaupt. Das Studium der Welt mit wissenschaftlichen Mitteln verleiht viel Macht, und es ist ein riesiges Labyrinth – immer kann noch mehr gewusst, noch mehr erforscht werden, jede Frage, die eine Antwort findet, wirft neue Fragen auf. Und dennoch weist auch die Wissenschaft selbst immer wieder den Weg über sich selbst hinaus, gerade in der Physik, aber auch in der Biologie. Was Bewusstsein ist, was Geist ist und wie der Geist mit der Materie interagiert, ist eine ungelöste Frage, die unter dem Namen Qualia-Problem bekannt ist. Wenn Physiker ihre Formel zurück rechnen bis zum Moment Null des Urknalls, werden ihre Formeln mathematisch widersinnig, da sich Unendlichkeiten ergeben, mit denen nicht gerechnet werden kann... Hier werden Lösungen gefunden werden müssen, die nicht im Denkbereich des Rationalen zu finden sein werden, sondern in den höheren Bewusstseinsebene.

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© Barbara Seiler 2008 - www.spiriforum.net
Dieser Text darf unter Hinzufügung dieser Fussnote gerne weitergegeben werden.

Literatur

Weblinks