Das Element Feuer

Das Feuer ist das Symbol des Geistes. Wenn wir be-geistert und inspiriert sind, so brennen wir regelrecht für eine Sache und investieren unsere ganze Energie in sie.

Das Element Feuer in der Persönlichkeit

Wer ein ausgewogenes Feuer besitzt, gibt sich einen Sinn im Leben und erforscht und kultiviert diesen Sinn in Form von verschiedensten Projekten. Es bleibt nicht eine träumerische Schwärmerei, sondern wird Schritt für Schritt umgesetzt und geerdet. Feuer verleiht Temperament, Freude am Leben mit all seinen Herausforderungen und die Kreativität, Hindernisse zu überwinden. Die Anwesenheit von Feuer erkennt man an einem lebendigen, seelenvollen Leuchten in den Augen.

Wer hingegen zu viel Feuer hat, brennt aus. Zu viel Feuer kann zu Fanatismus und Dogmatismus führen, zu Verbohrtheit und Verbittertheit – so wie angebranntes Essen durch das Verkohlen bitter wird. Ebenfalls führt ein Zuviel an Feuer dazu, dass die körperlichen Grenzen nicht respektiert werden, bis es zu einem Zusammenbruch kommt. Der Burn-Out ist eine Krankheit, die zu jenen Menschen geht, die sich zu lange zu sehr für eine Sache engagieren und in diesem Prozess sich selbst vergessen. Und wenn das Feuer seine irdische Basis aufgebraucht hat, verlöscht es selbst zum grössten Teil und braucht sehr lange, bis es wieder zu harmonisch aufgebaut werden kann.

Zu wenig Feuer führt zu Trägheit, Depressionen und Sinnlosigkeit, bis hin zu Selbstmordgedanken. Das ganze Leben erscheint grau und trübe, und es ist schwer, sich aufzuraffen und aktiv zu werden um auch nur die notwendigsten Dinge zu tun. Das eigene kreative Potenzial wird nicht geehrt und nicht gelebt, und oft verleugnet. Alles erscheint gleichgültig im schlechtesten Sinne, auch das eigene Wohlbefinden. Es fehlt ein Ziel, auf das man hinarbeiten könnte und für das es sich zu leben und zu kämpfen lohnt.

Das Feuer im Körper

Im Körper ist es das Element Feuer, das für Wärme und Leben sorgt; so ist ihm das Blut unterstellt, das mit seiner roten Farbe und seiner Fähigkeit, Sauerstoff zu den Zellen zu transportieren, eine wesentliche feurige Aufgabe erfüllt.

Die Nerven gehören auch zum Feuerbereich. Ein nervöser Mensch bewegt sich beständig, wie Feuerzungen; Nervenschmerzen fühlen sich oft feurig-brennend an; ebenso ist es eine Nervensache, wenn ein Mensch ein "feuriges Temperament" hat, oder gleich "explodiert" und in die Luft geht.

Ebenfalls feurig ist der Geist, das Leben, das man in den Augen eines Menschen sehen kann; oder das nicht mehr zu sehen ist, wenn es einem Menschen "abgelöscht" hat.

Wie weiter oben schon angesprochen, gehört der "Burn-Out", das Ausgebrannt-Sein zu den Krankheiten, die aus einem im Übermass gelebten Feuer entstehen, sodass das Feuer auf Dauer keine Nahrung bekommt, und der Mensch aus seinen Reserven lebt. Ein richtiger Burn-Out benötigt auch sehr lange Erholungszeiten, oft länger als ein Jahr, damit sorgfältig und Schritt für Schritt die Elemente wieder in Harmonie gebracht und aufgebaut werden können.

Das Feuer im Tarot

Im Tarot wird das Element Feuer dargestellt durch die Stäbe, die ein Symbol dafür sind, wie multidimensionale Energien geerdet werden. Ebenfalls gehört die Aggressivität, im guten wie im schlechten Sinn, zur Feuerqualität.

Der Stab und damit das Feuerelement gehört zu den Attributen des Narren im Rider Waite-Spiel, der Karte Nr. Null, der seinen Geist in Form eines schwarzen Stabes locker und selbstverständlich über der Schulter trägt, als Sinnbild für die noch nicht realisierten Potenziale.

Der Magier hingegen, die nächste Karte, trägt einen weissen Stab in seiner rechten Hand, als Ausdruck seines Willens; vor ihm auf dem Tisch liegen die Symbole der vier Elemente, mit denen er spielt, um die Welt in die Existenz zu rufen.

Die Herrscherin, die Karte Nr. Drei, trägt ein Szepter mit einer goldenen Kugel, ein Symbol für die Vollkommenheit des Selbst, das Ruhen in sich selbst, der Selbstverständlichkeit des Seins, das im Spiel von Yin und Yang die "zehntausend Formen" erschafft.

Auch der Herrscher, die Karte Nr. Vier, trägt ein goldenes Szepter in Form eines Ankhs in der rechten Hand, allerdings auf steifere und verkrampftere Weise als seine Frau, die Herrscherin; der Stab des Herrschers symbolisiert seinen Willen, das Leben zu strukturieren und die Wildheit der Herrscherin zu bändigen.

Der Hierophant, die fünfte Karte, trägt seinen goldenen Stab mit dem Dreifachkreuz in der linken Hand, als Hinweis auf die unbewussten Anteile, die es zu erforschen gilt; viele Menschen leben ihren "wahren Willen" nicht bewusst, sondern grösstenteils in Form unbewusster Triebe.

Der Wagenlenker, die siebte Karte, trägt seinen Stab wiederum in der rechten Hand, als Zeichen für erreichte Erfolge im Aussen. Sein Stab ist blau und enthält nicht mehr alle Farben wie Schwarz (Narr), Weiss (Magier) oder Gold (Herrscherin, Herrscher, Hierophant), die alle die Gesamtheit der Potenziale anzeigen; der Erfolg des Wagenlenkers beschränkt sich auf wenige Teilgebiete, nicht auf das ganze Leben.

Der Eremit, die neunte Karte, trägt einen goldenen Wanderstab, der fest und sicher auf der Erde steht, was bei keiner der bisherigen Karten der Fall war; er ist der Weise, Einsame, der sich seines Willens bewusst ist und sich auf den Weg macht, ihn umzusetzen.

Erst die Welt, die 21. und letzte Karte, trägt wieder Stäbe in ihren Händen, und zwar gleich zwei, von weisser Farbe; sie stehen für die gefundene Harmonie, der Ausgleich von Yin und Yang. Dass beide Stäbe weiss sind, deutet darauf hin, dass sie Ganzheit gefunden hat und Gleichgewicht und Harmonie und eine vollständige Bewusstheit.

Das Feuer im Christentum

Im Christentum wird das Feuer zwiespältig wahrgenommen.

Einerseits ist es das Symbol des Heiligen Geistes, der sich an Pfingsten wie eine Feuerzunge über die Apostel senkt:

Und als der Tag des Pfingstfestes endlich da war, waren sie (die Apostel) alle an einem Ort beisammen. Und plötzlich entstand vom Himmel her ein Brausen, wie ein gewaltiger Wind daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, worin sie sassen. Und es erschienen ihnen Zungen, die sich zerteilten, wie von Feuer, und es setzte sich auf jeden unter ihnen. Und sie wurden alle mit dem heiligen Geist erfüllt und fingen an, in anderen Zungen zu reden, wie der Geist ihnen auszursprechen gab.
Apg 2, 1-4

Der heilige Geist schenkte den Aposteln Begeisterung und nahm ihnen die Angst, die sie nach dem Tod von Jesus empfanden; sie wagten es, an die Öffentlichkeit zu treten.

Auch Jahwe erschien den Israeliten als Feuersäule, als er sie aus Ägypten herausführte; und noch vorher erschien er Mose in Form eines brennenden Dornbuschs, wobei das Feuer den Busch nicht verzehrte.

Andererseits ist das Feuer im christlichen Volksglauben ebenso ein Zeichen der Höllenqualen, die die verdammten Seelen nach ihrem Tod erleiden werden, in einem Feuer, das ewig brennt; ein Glaube, der sich meiner Meinung nach nicht aus der Lehre der Bibel rechtfertigen lässt.

Im Katholizismus kommt noch die Lehre vom Fegefeuer hinzu, das ein reinigendes Feuer ist, aber nur zeitlich begrenzt. Es ist ein Feuer wie jenes in der Erzbearbeitung, wo aus dem Stein die kostbaren Metalle herausgearbeitet werden und wo alles Überflüssige weggebrannt wird. Dieses Feuer kann sehr wohl mit dem Feuer des Heiligen Geistes gleichgesetzt werden, denn es ist der Heilige Geist, der die Blockaden entfernt, die zwischen den menschlichen Ego und der direkten Wahrnehmung des Göttlichen stehen. Es ist auch nicht notwendigerweise ein Vorgang, der erst nach dem Tod erlebt wird.

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© Barbara Seiler 2007 - www.spiriforum.net
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