
Symbole sind allgegenwärtig, weit verbreitet und ein wichtiger Teil des Alltags - Grund genug, sich mit ihnen bewusst auseinander zu setzen.
Das Wort Symbol kommt aus dem Lateinischen und Griechischen und meint ein "Emblem, Sinnbild"; das dazu gehörige griechische Verb ist “sym-ballein”, und bedeutet wörtlich übersetzt "zusammenwerfen, zusammenfügen". Ein Symbol ist also ein Zeichen, das auf etwas Anderes hinweist, ein Bedeutungsträger. Als Bedeutungsträger fokussiert es bestimmte Energien: Fahnen werden dazu benutzt, sei es im Fussball oder seien es Fahnen von Ländern; es kann ein Bild sein, das eine Meditation unterstützt, indem es die Aufmerksamkeit der meditierenden Person auf bestimmte Inhalte richtet, oder auch durch seine Farben und Formen bestimmte Gefühle und Themen anspricht, es kann aber auch eine symbolische Persönlichkeit sein wie Hitler, der bei vielen als das Sinnbild des absolut Bösen gilt, oder auch eine künstliche Figur wie Dagobert Duck, der Inbegriff des reichen Mannes.
Der Begriff Symbol ist nicht eindeutig definiert. Es gibt einige sehr enge Definitionen, vor allem im wissenschaftlichen Bereich wie der Semiotik und der Religionslehre, wo der Begriff Symbol relativ eng gefasst wird, und von anderen Begriffen wie dem Zeichen differenziert wird. In diesem Zusammenhang wird zum Beispiel eine Stopptafel auf der Strasse als Zeichen gesehen, nicht als Symbol. Doch da diese Abgrenzungen auch in den verschiedenen wissenschaftlichen Bereichen auf verschiedene Weise gehandhabt werden, und die Abgrenzungen selbst schwierig und oft unklar sind, soll hier nicht weiter darauf eingegangen werden.
Im weitesten Verständnis ist alles, was existiert, ein Symbol. Die gesamte Welt der Formen, das Grobstoffliche und das Feinstoffliche, sind Symbole des dahinter liegenden Seins, und verweisen auf die grössere, nicht manifestierte göttliche Realität hinter den Erscheinungen. Jede Form - alle geometrischen Figuren, die Farben, die Konsistenzen, die Materialien, die lebendigen Wesen, aber auch die abstrakteren Formen wie Worte, Ideen und Philosophien - die In-form-ationen - sind Symbole. Sie haben keine Realität in sich selbst, sondern sie hängen ab und verweisen auf das Absolute, auf das Ich-Bin. Sie sind manifestierte Potenziale.
Die Funktion eines Symbols ist es, eine bestimmte Energie anzurufen und sie auf diese Weise zu manifestieren. Dies funktioniert subtil, aber nachhaltig und tiefgreifend - vielleicht ein Grund, warum die Wirkung von Symbolen von vielen Menschen nicht ernst genommen wird, da passiert selten etwas Spektakuläres.
Allerdings kann man sehr wohl Veränderungen feststellen, wenn ein Jahr, oder auch zehn Jahre mit einem Symbol gearbeitet wird - und erst recht, wenn man über Jahrtausende, wie die katholische Kirche, immer dasselbe Symbol benutzt, das Kreuz. Es wird wohl kaum jemand der Aussage widersprechen, die katholische Kirche leide an einer gewissen Erstarrung und habe Mühe, sich auf aktuelle Situationen angemessen einzustellen... die Energie des Kreuzes ist so tief eingegraben in vielen christlichen Institutionen, da fällt es schwer, den Rahmen, der dadurch geschaffen wurde, zu verlassen oder auch nur schon zu verändern.
Ein Symbol deutet auf eine dahinter stehende Realität hin. Diese Idee findet sich bei Plato, für den alle Kreise der Welt auf den perfekten Kreis hindeuten, der allerdings nur in der Welt der Ideen existiert, wie auch andere geometrische Ideen wie "der Punkt" und "die Gerade" in der materiellen Welt nur als unperfekte Darstellungen einer perfekten Idee existieren können.
Ein idealer Punkt in der Geometrie ist ein Objekt, das keine Ausdehnung hat; doch jeder gezeichnete Punkt hat eine Ausdehnung, und sei diese Ausdehnung noch so klein. Ebenso gibt es keine perfekt gezeichneten Kreise, sondern jeder Kreis hat leichte Unregelmässigkeiten, unabhängig davon, wie sorgfältig er gezeichnet wurde. So sind die gezeichneten Punkte und Kreise lediglich Symbole, die auf die Idee des idealen Punktes und Kreises hindeuten. Diese Ideale sind wirklicher und essenzieller als die manifestierten, gezeichneten Kreise und Punkte, die wir sehen und zeichnen können.
Es gibt eine ganze Sammlung von einfachen Formen und Symbolen, die weltweit auf ähnliche Weise benutzt und gedeutet werden: der Kreis, das Viereck, der Pfeil, die Schale oder Sichel, das Wasser, das Feuer... alles Symbole, die ganz selbstverständlich als Deutungen von natürlichen Ereignissen entstanden sind und so im kollektiven Unbewussten verankert wurden. Es handelt sich in allen Fällen um Dinge, die den Menschen seit Urzeiten bekannt sind, wie die Naturerscheinungen, die Elemente, die Farben, und die grundlegenden geometrischen Formen.
Die Sonne ist rund, gewaltig, mächtig, lebensspendend, aber auch manchmal zu stark und verderbend - ein naheliegendes Sinnbild für das aktive, männliche Prinzip, das Yang. Ebenso wie der Mond, Frau Luna, in ihrer Veränderung der Form und ihrer Beziehung zum Wasser und Gleichzeitigkeit mit der Menstruation genauso naheliegend das weibliche Prinzip, das Yin, symbolisiert. Auch heute noch verweisen die chinesischen Schriftzeichen für Yin und Yang auf diese Verwandtschaft.
Das Feuer wiederum ist wie ein Stück abgespaltene Sonne, das auf die Erde gekommen ist. Die Entwicklung des Ich-Bewusstseins des Menschen dürfte ungefähr zur gleichen Zeit stattgefunden haben wie die Entdeckung, dass man das Feuer nutzen kann, um sich zu wärmen, oder um ungeniessbare Nahrung geniessbar zu kochen. Die meisten Tiere hingegen scheuen das Feuer und haben Angst vor ihm. So ist es naheliegend, dass das Feuer ein Symbol für den Geist und das Ich-Bewusstsein ist. Wie das Feuer kann der Geist flammend und verzehrend sein, aber auch freundlich und wärmend, Geist und Feuer können das Unverdauliche transformieren, sodass es verträglich wird...
Pfeil und Bogen sind Jagd- und Kriegswerkzeuge, die weltweit in der einen oder anderen Form entwickelt wurden; auf der ganzen Welt verstehen AutofahrerInnen intuitiv, dass ein Pfeilsymbol eine Richtung anzeigt.
Zu den Ursymbolen gehören auch die Farben, das Grün der Wälder und Wiesen, das Blau des Himmels, das Rot des Blutes und der Äpfel und des Feuers, das Braun der Erde... Sie alle wirken auf sehr ähnliche Weise in allen Menschen, und dieses Wissen wird in vielen Bereichen des alltäglichen Lebens angewandt. So ist einer der wenigen Bereiche, wo sich wirklich die ganze Menschheit einig ist, das System der Verkehrsampeln: Grün heisst "alles in Ordnung, geh ruhig weiter", während Rot bedeutet "Stop! Achtung! Gefahr! Aufpassen!" In einigen kommunistischen Ländern, deren Fahne die Hauptfarbe Rot trägt, gab es auch schon mal Versuche, es umgekehrt zu regeln... ein Experiment, was aber nicht von Dauer war, denn es widerspricht der Struktur des Menschen und verwirrt, anstatt klare, eindeutige Botschaften zu senden.
Auch wenn diese urtümlichen Symbole der ganzen Menschheit gemeinsam sind, so haben sich doch im Lauf der Zeit verschiedene Interpretationen entwickelt: so ist Weiss in Europa die Farbe der Unschuld und des Brautkleides, im asiatischen Raum aber die Farbe der Trauer um einen Toten, während in Europa die Toten in Schwarz betrauert werden... das ist kein Widerspruch, sondern viel mehr eine interessante Perspektive darauf, wie der Tod in verschiedenen Weltgegenden wahrgenommen wird. In Asien geht man ins Licht - in Europa in die Dunkelheit.
Ebenfalls zu den Ursymbolen gehören die Tiere, die natürlich je nach Gegend und Klima verschieden sind. Dennoch gibt es gemeinsame Linien: die Pflanzenfresser und Wiederkäuer sind sanft, liebevoll und schenken Geborgenheit, die Raubtiere sind gefährlich, gerissen und klug, die Bienen, Ameisen und Termiten erstaunen durch ihren Fleiss und ihre architektonischen Leistungen, die Vögel fliegen hoch und beherrschen das Element Luft, und die Fische verschlucken immer wieder mal wertvolle, aber gefährliche Dinge, die von Menschen ins Meer des Unbewussten geworfen werden. Tiere und Menschen sind eng verwandt; so erstaunt es nicht, dass Tiere in Märchen, Mythen und Sagen als Aspekte der menschlichen Psyche gesehen werden können, und dass sich auch immer wieder mal Tiere in Menschen verwandeln, und umgekehrt.
Sehr vertraute Symbole sind jene, die wir zum Schreiben benutzen; so vertraut ist uns ihre Handhabung, dass es kaum noch auffällt, wie machtvoll die Werkzeug [i]Schrift[/i] und [i]Sprache[/i] überhaupt sind.
Durch die Schrift können Ideen über Jahrhunderte und Jahrtausende überliefert werden. Unterschriften haben ein grosses Gewicht, sie besiegeln Verträge, man kann kaufen und verkaufen mit ihnen; wer das richtige Pass-Wort kennt, bekommt Zugang zu den grössten Schätzen... machtvolle Magie, würden hier wohl viele kommentieren, und nicht viel anders als das "Sesam öffne dich!" von Ali Baba.
Doch auch die Formen und Ursprünge der Buchstaben selbst haben ihre Symbolik: der hebräische Buchstabe Aleph steht für Gott, den Unmanifestierten; der zweite Buchstabe Beit symbolisiert das Manifestierte, die Schöpfung. Mit unserem Wort "Alphabet" sagen wir also jedes Mal "Gott und die Schöpfung", und da wir mit dem Buchstaben und Worten nach Belieben spielen können, sie trennen und mischen und neu zusammenfügen können, Welten damit erschaffen können - nehmen wir mit der Fähigkeit des Schreibens auch unsere Göttlichkeit und Schöpferkraft in Anspruch, und durch die Fähigkeit des Lesens können wir teil haben an Welten, die unsere Mitgötter erschaffen haben.
Anders als die europäischen Schriften funktioniert die chinesische Schrift, die auf relativ wenigen, einfachen Bildern und ihren unbegrenzten Kombinationen aufgebaut ist. Dadurch schwingen in jedem geschriebenen Wort viele Nuancen und Facetten mit, die den Worten Tiefe verleihen und ihre Energie dem einzelnen Wort mitgeben. So wird das chinesische Wort für Kristall[ aus zwei Zeichen zusammengesetzt: das erste Zeichen steht für Wasser und stellt einen stilisierten Fluss dar, ein Plätschern und Fliessen; das zweite Zeichen bedeutet für sich kristallisiert und wird gebildet aus drei kleinen Sonnen, die im Dreieck angeordnet werden. Interessanterweise hat das deutsche Wort "Kristall" genau die gleichen Assoziationen in sich, da der griechische Ursprung des Wortes gefrorenes Wasser bedeutet - ein sehr schönes Bild, das gerade für den eiszapfenähnlichen Bergkristall hervorragend passt.
Gerade von Menschen, die nicht oder nicht gut schreiben können, wird die Macht der Schrift sehr ernst genommen. Die Bücher der ägyptischen Feministin und Autorin Nawal El Saadawi wurden 1981 verboten, und sie wurde inhaftiert. Als Erstes schrie sie der Wärter an: "Wenn wir Stift und Papier finden, hat das schlimmere Konsequenzen für Sie, als wenn wir ein Gewehr finden!" Zu schreiben ist gefährlicher als zu schiessen... Worte können mehr bewirken als Kugeln. Und dennoch, als Erstes organisierte sich El Saadawi den Kajal einer Mitinhaftierten, etwas Toilettenpapier, und schrieb weiter.
Die Macht der Worte ist für viele von uns ungewohnt geworden, die wir Informationen im Überfluss haben und von einer Flut an bedeutungsarmen bis lästigen Texten regelrecht überschwemmt werden. Andererseits kann ein bewusster Umgang mit Sprache wiederum dazu führen, den Worten Tiefe und Bedeutung zu verleihen, sodass das oberflächliche Geplapper weniger wird, und Sprache und Schrift als Werkzeug benutzt werden können, um mit Energien zu arbeiten.
Die Kraft der Symbole wird im Alltag oft unterschätzt; zu viele Symbole sind um uns herum, zu geschwätzig und zu oberflächlich erscheinen sie. Symbole wirken subtil, aber nachhaltig; möglicherweise wirken sie zu fein, um wahrgenommen zu werden, und es wird angenommen, es spiele keine Rolle, welche Symbole und Farben man als Kleidung trägt oder als Bilder aufhängt.
Gerade weibliche Mode ist sehr instruktiv. Was soll man davon halten, wenn junge Frauen Totenkopfgürtel tragen, und somit ihre lebensspendenden Organe mit einem Todessymbol umgeben? Oder was, wenn die Mode enge Schuhe verlangt, in denen es schwierig und schmerzhaft ist zu gehen, während Männer grundsätzlich solche Anzüge tragen, die eine mit wenigen Ausnahmen perfekte Bewegungsfreiheit ermöglichen? Die Emanzipation ist offenbar noch nicht zu ihrem Ende gekommen, sonst wäre auch die Mode anders... und die Emanzipation der Männer noch viel weniger, sonst gäbe es nicht mehr den Krawattenzwang. Die Kravatte ist ein Kleidungsstück, das ausserordentlich stark symbolisch aufgeladen ist: sie ist ein Strick, der das Halschakra und somit die Kommunikationsfähigkeit einengt, aber auch ein Pfeil, der auf die wichtigsten (?) Organe des Mannes deutet - aber auch eines der wenigen akzeptierten Schmuckstücke des Geschäftsmannes - und eins der wenigen Kleidungsstücke, das auch heute noch etwas Befremden auslösen kann, sobald eine Frau es trägt.
Alle erfolgreichen Firmen investieren sehr viel Zeit, Geld und Arbeit in die Gestaltung eines Logos. Offenbar ist ihnen bewusst, dass sie mit dem Logo auch eine ganz bestimmte Energie ansprechen, die diese Firma während vielen Jahren begleiten wird, und hier kann man tatsächlich nicht sorgfältig genug sein, bis wirklich etwas Stimmiges gefunden ist. Banken haben häufig ein Quadrat in ihrem Logo, Symbol für Stabilität, Seriosität und Struktur - Qualitäten, die Kunden in einer Bank suchen. Logos von Autoherstellern suchen ebenfalls die Qualitäten auszudrücken, die ihre Autos vermitteln: das Pferd von Ferrari spricht über Temperament und Feuer, das runde Logo mit Dreistern von Mercedes hat einen Anspruch auf quasi göttliche Perfektion, das eiförmige Symbol von Honda verspricht ein so kuscheliges und geborgenes Gefühl wie im Mutterbauch...
Logos verpflichten, und nur Firmen, denen es gelingt, ein zu ihnen passendes Symbol als Logo zu wählen, und dann diesen Anspruch auch auszufüllen, können langfristig erfolgreich sein, und geraten nicht in innere Konflikte. Eine alte, pannenanfällige Klapperkiste mit Mercedesstern, das geht einfach nicht. Ebenso wenig wie ein Ferrari in Rosa mit einem freundlichen Babygesicht.
Die Arbeit mit Symbolen gehört zum Alltag, und es braucht keine grossen Rituale; wichtig ist der bewusste Umgang mit ihnen, wenn es um die eigene Wohnung geht, die Kleidung, die Worte, die man wählt... denn die Energien, die man einlädt, die kommen auch. Und sie wirken auch dann, wenn man sie nicht beachtet.
Regelmässige Ausräumaktionen sind, wie immer, äusserst nützlich. Menschen verändern sich, und was noch vor einem Jahr passend war, ist es heute vielleicht nicht mehr. Das betrifft sowohl den Kleiderschrank wie das Büchergestell, das Geschirr, die Farbe der Möbel, die Bilder... passt das alles wirklich noch zu mir, meinen Zielen, meinem Sein? Ein Gang durch die Wohnung und die Schränke kann aufschlussreich sein.
Welche Farben werden benutzt? Welche Energie haben die Bilder? Müssen Schlachtszenen wirklich im Wohnzimmer sein, müssen sie überhaupt irgendwo sein? Gerade in Bezug auf Bilder ist es bedauerlich, dass qualitativ gute Bilder, mit einer klaren und starken Energie... einfach nicht geeignet sind, um dauerhaft in einer Wohnung zu hängen. Sie sind zu aufwühlend, zu spitz, zu aggressiv, zu brutal... und höchstens mal geeignet, für wenige Minuten betrachtet zu werden, dann reicht es schon.
Wenn man ausgeräumt hat, ist es erlaubt, die Leere zu geniessen - oder einfach zu fühlen - und neue Energien einzuladen. Es ist höchst interessant, sich selbst zu beobachten, und auch, selbst zu experimentieren... oft macht es schon einen grossen Unterschied, wenn man nur den Platz von zwei Bildern vertausch, oder ein Möbel eine neue Farbe bekommt... es ist erlaubt, zu spielen.
© Barbara Seiler 2007 - www.spiriforum.net
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