das Element Wasser

Das Wasser symbolisiert den Bereich der Emotionen, aber auch des Unbewussten, im Gegensatz zu der Bewusstheit der Erde. Wenn der Wasseraspekt ausgewogen und in Relation zu den anderen Elementen harmonisch ist, so hat ein Mensch einen guten Zugang zu seinen Emotionen.

Das Element Wasser in der menschlichen Psyche

ausgeglichenes Wasser

Wenn der Wasseraspekt in einem Menschen erlöst und funktionsfähig ist, so ist dieser Mensch in der Lage, sein eigenes Befinden wahrzunehmen, es auf angemessene Art auszusprechen und für eigene Bedürfnisse einzustehen. 

Empathie und Mitgefühl sind vorhanden und auch die Fähigkeit, sich emotional auf andere Menschen einzustimmen, woraus eine konstruktive Interaktion entstehen kann. Ein solcher Mensch ist  sympathisch, freundlich, liebenswert und gesellig und leidet dennoch nicht unter allzu grosser Harmoniebedürftigkeit, geht Konflikten nicht aus dem Weg und erlaubt sich zu leben, was auch immer gerade Thema ist - positiv empfundene Gefühle wie Freude und Liebe erzeugen einen Regenbogen an funkelnden Emotionen wie die Wassertropfen eines Springbrunnens, Trauer lässt in die Tiefen des psychischen Meeres sinken, Wut bringt das Wasser zum Kochen und Sprudeln - alles zu seiner Zeit. 

ein Übermass an Wasser

Ein Übermass an Wasser erzeugt überbordende Emotionen. Ein solcher Mensch ist launisch, sprunghaft, unberechenbar und dramatisch. Wutanfälle, Euphorie, Beleidigt-Sein, Tränen und Lachen wechseln sich in schneller Folge ab. Der Emotionalkörper ist überaktiv, doch ohne in die Tiefe zu gehen.

Die Aufmerksamkeit hüpft von einem Reiz zum nächsten, Beständigkeit fällt schwer. Neuheiten werden mit Feuer und Flamme aufgenommen, doch sobald der Reiz des Neuen vorbei ist, wird es langweilig, und ein neuer Reiz wird gesucht. 

Es kann dazu kommen, dass Konflikte mit anderen Menschen regelrecht provoziert werden, nur um sich selbst besser wahrnehmen zu können. Wahrnehmung findet vor allem im Drama statt - die subtileren Wahrnehmungen kommen nicht zum Zug. 

Die Fülle an Emotionen ermöglicht es, nicht nur mit anderen zu fühlen, sondern das Befinden anderer Menschen via Spiegelneuronen ganz wörtlich mitzuleben. Und die Emotionen werden so sehr aufgeschaukelt und in die Höhe getrieben, dass ständige Aktivität stattfindet. Stille Wasser, die sich leicht kräuseln, wenn ein Blatt auf sie fällt, kommen da nicht vor. Es müssen schon Wasserspiele sein, Wasserfälle, Riverrafting, Tsunamis, dramatische Ereignisse...

Ein Übermass an Wasserenergie ist ermüdend und verursacht Stress, da auch die emotionale Abgrenzung gegenüber anderen Menschen schwierig ist. Viele emotionale Menschen sind sehr sensibel, so dass sie in Menschenmengen die Emotionen der anderen Menschen wahrnehmen, als ob es ihre eigenen wären. In der Fülle der Eindrücke kann leicht das Gefühl für sich selbst verloren gehen, oder gar Panik auslösen. Hier hilft es, einen ruhigen Ort zu finden, tief durchzuatmen und zu fühlen: was ist meins, was ist nicht meins? - und das, was nicht meins ist, freundlich zurückzusenden an den Absender, dem es gehört. Mit etwas Übung sind dann irgendwann auch grosse Ansammlungen von Menschen leichter zu ertragen oder werden mit der Zeit völlig unproblematisch.

zu wenig Wasserqualität

Ein Zuwenig an Wasserqualität hingegen führt zu Gleichgültigkeit und Kälte. Mensch funktioniert weiter, aber wie eine Maschine. Bis zu einem gewissen Grad ist das durchaus angenehm, denn wo keine Emotionen sind, da gibt es auch kein Mit-Leiden. Andererseits ist aber auch keine Freude vorhanden.

Alles Notwendige wird sachlich und unaufgeregt erledigt, und es besteht eine Neigung zum Phlegma. Hoch emotionale Situationen werden gemieden, denn man fühlt sich in Gegenwart von traurigen oder verzweifelten Menschen unwohl und ungeschickt – besonders, wenn es sich um Situationen handelt, in denen nichts getan werden kann, um die Situation selbst zu verbessern.

Ein Beispiel dafür ist es, traurige Menschen zu trösten, deren Vater oder Ehefrau oder Kind gestorben ist – auf der Sachebene gibt es dafür keine Lösung, Tote werden nicht wieder lebendig. Manche flüchten sich in das Spielen von Emotionen und verhalten sich so, wie sie denken, dass es von ihnen erwartet wird – allerdings ohne zu verstehen, warum das so sein könnte.

materielles Wasser

Wenn man die Eigenschaften des Wassers und deren Bedeutung auf der körperlichen Ebene betrachtet, hilft das, dessen symbolische Bedeutung zu erschliessen: Wasser bedeckt einen grossen Teil der Erde, das Wasser in den Körpern von Lebewesen ähnelt seiner in seiner Zusammensetzung dem Meerwasser, Wasser in all seinen Formen - als Eis, Schnee, Regen, Nebel und in seiner flüssigen Form - ist lebensnotwendig für das Leben auf der Erde. Wo kein Wasser ist, da ist kein Leben.

Wasser hat einige besondere Eigenschaften - und es sind noch nicht alle entdeckt! So besitzt Wasser seine grösste Dichte nicht etwa im gefrorenen Zustand, wie es bei den meisten Substanzen der Fall ist, sondern im flüssigen Zustand bei 4°Celsius, knapp oberhalb des Gefrierpunkts. Die kristalline Struktur des Eises benötigt dann schon wieder mehr Platz.

Es wird vermutet – auch wenn diese Idee in der wissenschaftlichen Community noch nicht anerkannt ist und bei vielen höchstens als nette Spekulation durchgeht - dass Wasser wird auch durch Emotionen, Gedanken, Musik, Bilder und überhaupt durch alle Energieformen beeinflusst wird. Die Forschungen von Masaru Emoto, einem japanischen Forscher, legen diese Schlüsse nahe. Er hat mit einer besonderen Technik Wasserkristalle fotografiert, die je nach Einfluss verschiedene Formen angenommen haben. Viele seiner Bilder sind ein ästhetischer Genuss, wunderschön anzusehen und tief berührend!

Das Wasser auch ganz wörtlich der Ort des Unbewussten. Die Oberfläche der Erde ist heute ausserordentlich gut erforscht – die Tiefen der Weltmeere aber immer noch nicht. Es ist technisch äusserst herausfordernd, bis auf den Grund der Ozeane vorzudringen. Es sind schon mehr Menschen auf dem Mond spazieren gegangen, als in der Tiefe der Meere, wo ein enormer Wasserdruck herrscht, und wo viele Wesen leben, die bis heute noch nie ein Mensch zu Gesicht bekommen hat.

Das Element Wasser im Tarot

Im Tarot wird das Element Wasser durch den Kelch dargestellt.

Zahlreiche Assoziationen liegen nahe: der Heilige Gral ist ein Kelch, und wer daraus trinkt, erfährt wundersame Heilung; ebenfalls ist der Kelch und somit das Wasserelement verbunden mit dem Mond und seiner Sichelform, die eine Art Kelch bildet, wenn die beiden Spitzen der Sichel nach oben gerichtet sind. Eine wunderschöne und moderne Interpretation des Gralsmythos zeigt der Film Indiana Jones mit Harrison Ford... beste Weisheit, in beste Unterhaltung verpackt, und dazu hoch emotional!

Auch auf der physischen Ebene wirkt der Mond stark auf das Wasser ein, und ebenso stark auf unsere Emotionen. Das Wort “launisch” bezieht sich auf Frau Luna, den Mond, die die inneren Wasser aufwühlt. Früher galt das wohl noch mehr als heute, wo das Licht des Mondes durch die zahlreichen künstlichen Beleuchtungen mehr und mehr übertönt wird. Ebenfalls kann vermutet werden, dass die künstlichen Lichter in den natürlichen Zeitrhythmus des Menschen (und der Tiere, und der Pflanzen) eingreifen und es dadurch den Menschen schwerer fällt, sich auf die natürlichen Rhythmen einzustimmen und mit ihnen zu leben. Es ist kaum ein Zufall, dass die Psychoanalyse, die das Unbewusste erforschte, ungefähr zu derselben Zeit aufkam, als die elektrischen Beleuchtungen sich allgemein in den Städten zu verbreiten begannen und die Dunkelheit der Nacht erhellten.

Die Farbe der Kelche hat grundsätzlich eine freundliche und liebevolle Energie. Ihnen zugeordnet sind Themen wie Liebe, Freundschaft, Genuss, Fülle und Freude, aber auch die Trauer um einen Verlust, Nostalgie, Melancholie und eine Tendenz, sich Illusionen hinzugeben – dieselben Themen, die im Bereich von 200 – 400 in der Skala des Bewusstseins von David R. Hawkins wieder gefunden werden können, wo der Schwerpunkt auf den Emotionen und den sozialen Strukturen liegt.

geheimnisvolles Wasser

geheimnisvolles Wasser
© barbara seiler 2007

In den grossen Arkana ist das Wasser-Element in vielen Karten präsent: beim Narren, Eremiten und beim Gericht als schnee- und eisbedeckte Berge im Hintergrund, was darauf hindeutet, dass die emotionale Qualität zwar als Potenzial vorhanden ist, aber - bewusst oder unbewusst - nicht ausgelebt wird.

Der Kelch als Wassersymbol gehört natürlich zu den Werkzeugen des Magiers, der mit allen Elementen spielt und so die Welt erschafft, aber auch die Mässigkeit (Temperance) besitzt zwei Kelche, deren Inhalte sie ausbalanciert. Man sieht sie mit einem Fuss an Land, mit dem anderen Fuss im Wasser; sie ist eine Grenzgängerin, die Zugang sowohl zum Bewussten wie auch zum Unbewussten besitzt. Verwandt mit der Mässigkeit ist der Stern, ebenfalls eine Frauenfigur, die mit einem Fuss im Wasser, mit dem andern Fuss an Land steht; sie ist allerdings grosszügiger und unbekümmerter als die Mässigkeit und erlaubt dem Wasser, aus zwei einfachen Tonkrügen herauszufliessen.

Des weiteren findet man das Wasser auch als Meer hinter dem Vorhang der Hohepriesterin, die eine Mondkrone trägt und den Zugang zum Unbewussten bewacht; die Emotionen fliessen als lustiger Bach durch das Land der Herrscherin, als kleines aber notwendiges Rinnsal hinter dem Thron des Herrschers vorbei; im Bild des Wagens umgibt ein Wassergraben die Stadt und schützt sie so vor fremden Eindringlingen. Auf der Karte des Todes finden wir im Hintergrund einen Fluss mit einem Schiff darauf - ein Bild von Lethe mit seinem Fährmann Charon, der die Seelen ins Reich des Todes führt? Die Karte des Mondes ist selbstverständlich sehr wasserbetont, unheimliche Tiere kommen aus dem Wasser heraus und bringen Alpträume und Visionen vom Unbewussten hoch ins Bewusste; die Hohepriesterin hat den Weg freigegeben. Zuletzt, beim Gericht, tauchen die gerufenen Seelen aus dem Meer aus und streben in die Höhe.

Das Element Wasser in der Bibel

Auch in der biblischen Symbolsprache spielt das Wasser – oft als Gegensatz zur Erde gesehen – eine bedeutende Rolle. In den Geschichten des Alten Testamentes steht es für das Unbewusste, im Gegensatz zum Bereich der Erde, der dem Bewusstsein zugänglich ist. Annick de Souzenelle interpretiert die Geschichte von Noah und der Sintflut als ein Bewusstseinsprozess: unbewusste Inhalte kommen hoch und erzeugen ein Gefühl des Überflutet-Seins – sobald diese Inhalte integriert sind, wurde eine neue Bewusstseinsstufe erreicht.

Das Wasser in der Bibel ist eng mit dem Wein und dem Blut verbunden: Gott verwandelt das Wasser des Nils während der zehn ägyptischen Plagen in Blut, Jesus verwandelt bei der Hochzeit von Kanaa das Wasser in einigen grossen Krügen in guten Wein, und heute noch wird im Ritual der christlichen Kirchen der Wein gesegnet und zum Blut gewandelt – zur Flüssigkeit des Lebens, die in uns allen strömt.

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© Barbara Seiler 2007 - www.spiriforum.net
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Weblinks

Literaturhinweise