die zehn Gebote - ein Weg zur Freiheit

Die zehn Gebote sind ein Dauerbrenner, und das zu Recht. Kaum ein Text formuliert in dieser Kürze, Zeitlosigkeit und Prägnanz eine Gebrauchsanweisung wie der Himmel auf Erden erlebt werden kann – und worin dieser Himmel besteht. Der Sinn der Gebote ist nicht, Gott zu gefallen. Es geht nicht darum, einem höheren Wesen etwas Gutes zu tun oder es zu erfreuen. Gott kommt auch ganz gut ohne Menschen klar. Die Gebote sind eher Richtlinien und Prinizpien, die den Rahmen für ein gelungenes Leben stecken. 

Die zehn Gebote haben nicht nur die Ausrichtung des jüdischen Gesetzes bestimmt, sondern sie wirken bis in die moderne Gesetzgebung nach und beeinflussten auch die nicht religiös orientierten Menschenrechte. In der Bibel sind sie, wie die Schöpfungsgeschichte, zweifach vorhanden: das erste Mal im Kapitel 20 des zweiten Buch von Mose, das zweite Mal im Kapitel 5 des fünften Buchs von Mose.

Hier ist die Version der Lutherbibel aus dem fünften Buch von Mose:

Du sollst keine anderen Götter haben neben mir. Du sollst dir kein Bildnis machen in irgendeiner Gestalt, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist. Du sollst sie nicht anbeten noch ihnen dienen. Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetat der Väter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen, aber Barmherzigkeit erweist an vielen tausenden (Generationen), die mich lieben und meine Gebote halten.

Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der HERR wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht. Den Sabbattag sollst du halten, daß du ihn heiligest, wie dir der HERR, dein Gott, geboten hat. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tag ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Rind, dein Esel, all dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt, auf daß dein Knecht und deine Magd ruhen gleichwie du. Denn du sollst daran denken, daß auch du Knecht in Ägyptenland warst und der HERR, dein Gott, dich von dort herausgeführt hat mit mächtiger Hand und ausgerecktem Arm. Darum hat dir der HERR, dein Gott, geboten, daß du den Sabbattag halten sollst.

Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, wie dir der HERR, dein Gott, geboten hat, auf dass du lange lebest und dir's wohlgehe in dem Lande, das dir der HERR, dein Gott, geben wird. Du sollst nicht töten. Du sollst nicht ehebrechen. Du sollst nicht stehlen. Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus, Acker, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, was sein ist.

Zur Zählung der zehn Gebote, die im Original nicht numeriert sind, gibt es verschiedene Traditionen. Dass es gerade zehn sind, hat eine praktische Seite - so kann man sie an den Fingern bequem abzählen – doch die Zehn hat natürlich auch symbolische Aspekte: diese Zahl erzählt, wie das Göttliche sich in der Materie manifestiert.

1. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir

In der Lutherübersetzung wird, wie in den meisten Bibeln, mit "du sollst..." übersetzt. Es gibt auch noch eine andere mögliche Variante der Übersetzung, nämlich die Zukunftsform: "du wirst keine anderen Götter neben mir haben.", wie es auch in französischen Bibelübersetzungen gehandhabt wird. Der Vorteil der Übersetzung in der Zukunftsform ist, dass sie den Befehlscharakter herausnimmt. 

Religiöse Gebote sind Empfehlungen und Leitplanken, die ein Mensch für sich wählen darf – sie sind nicht verpflichtend! Sie sind Ausdruck der geistigen Gesetze, und es ist von Vorteil, diese Gesetze zu kennen und zu beachten, so wie es von Vorteil ist, die physikalischen Gesetze zu kennen und zu beachten. Wer die Schwerkraft nicht kennt, wird fallen und sich weh tun – das ist keine Strafe und nichts moralische Schlechtes, es ist lediglich eine Konsequenz, die aus der Beschaffenheit der Welt und des Menschen resultiert. Auf der geistigen Ebene funktioniert es analog: verschiedene Götter anzubeten, das tut irgendwann weh – das führt zu innerer Zerrissenheit, zu Verwirrung, zu Unsicherheit, zu Leid.

Die Formulierung mit "du sollst..." stammt aus einer Zeit, in der grundsätzlich davon ausgegangen wurde, dass die meisten Menschen zu dumm und zu unreif sind, um ein eigenes Verständnis der kosmischen Gesetze zu haben, und dass diese Menschen Führung und Anleitung durch Weise benötigen. Das war vermutlich auch einmal angemessen und richtig so. Heute allerdings, im Zeitalter der Aufklärung, erwarten Menschen zu Recht, dass sie als selbständige PartnerInnen ernst genommen werden.

Neu könnte diese Stelle also formuliert werden: "du wirst keine anderen Götter neben mir haben" ... weil du erkannt haben wirst, dass es nur einen Gott gibt.

Nicht alle Menschen sind mit dem Ausdruck "Gott" glücklich – zu sehr ist der Begriff beladen mit einer Fülle sich widersprechender Vorstellungen. Ebenso kann gewählt werden: Urprinzip, Urkraft, Ursprung allen Seins, das Sein, die Quelle... inhaltlich geht es um immer dasselbe, nämlich sich am höchsten Prinzip auszurichten und konsequent einer Linie zu folgen, in allem, was man tut.

2. Du sollst dir kein Bildnis machen

Vollständiger Text:

Du sollst dir kein Bildnis machen in irgendeiner Gestalt, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist. Du sollst sie nicht anbeten noch ihnen dienen. Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetat der Väter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen, aber Barmherzigkeit erweist an vielen tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten.

Dies ist ein paradoxes Gebot: denn indem ich ein Wort wie "Gott" wähle, habe ich schon ein Bildnis gemacht. Vielleicht ein sehr abstraktes und wenig anschauliches, aber dennoch ein Bildnis - wie sollte ich denn über diese Realitäten sprechen können, wenn nicht mit Worten, die notwendigerweise auch Bilder sind? Sinnvoller ist wohl zu sagen: Es ist nicht möglich, die Realität des Göttlichen mit einem Wort oder Bild in ihrer Ganzheit zu erfassen; wie auch immer man sich anstrengt. Im besten Fall können einige Aspekte davon erfasst werden, aber nicht mehr.

MystikerInnen aller Zeiten bestätigen, dass das Erlebnis der göttlichen Präsenz überwältigend, aber unbeschreiblich ist. Sprache ist einfach zu klein, um etwas so Mächtiges zu fassen. In der Sexualität, genauer gesagt im Orgasmus, erleben die meisten Menschen solche mystischen, unbeschreiblichen Momente, die zumindest eine Ahnung davon geben können, welches Fühlen und Erleben sich hinter dem Wort "Gott" verbirgt: unbeschreiblich schön, ohne Gedanken, ohne Ich, einfach... Sein. Und auch nach der sexuellen Revolution der Hippies ist noch nicht selbstverständlich geworden: Gott zeigt sich in der tiefsten Materie, im Körper, und nicht etwa indem der Körper verlassen und verachtet wird.

Bilder bergen die Gefahr in sich, dass man das Bild, das lediglich ein Symbol ist, für das Original hält, auf das es hinweist. Dieses Gebot weist darauf hin, sich dieser Gefahr bewusst zu bleiben und immer hinter die Fassade eines Bildes oder Wortes zu schauen.

Dass Gott die Kinder heimsucht bis ins dritte und vierte Glied ist äusserst martialisch ausgedrückt, weist aber auf die einfache Tatsache der sozialen und auch genetischen Vererbung hin: Einstellungen und Haltungen der Eltern werden, oft unbewusst, auf die Kinder übertragen, die sie dann weiter tragen, bis der Einfluss nach einigen Generationen schwächer wird und durch andere Einflüsse überlagert wird. Andererseits wird das Gute, Positive, Konstruktive über "1000 Generationen" weitergegeben - hier wird die Evolution beschrieben!

3. Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der HERR wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.

Auch hier geht es, wie bei allen Geboten, nicht darum, dass Gott sich am Verhalten der Menschen stören würde. Welcher Mensch könnte denn so arrogant sein, anzunehmen, dass er durch sein Verhalten Gott in eine emotionale Krise stürzen könnte?

Es geht darum, dass jeder Mensch selbst einen göttlichen Kern hat, den göttlichen Odem; und wer Gottes Namen missbraucht, stellt sich gegen sich selbst und missachtet das eigene Sein. Den Namen Gottes zu missbrauchen, das bedeutet: nicht anzuerkennen, was göttlich ist; sich Illusionen zu bauen und diese "Gott" zu nennen, während echte Göttlichkeit unerkannt bleibt oder gar verurteilt und verfolgt wird. Es bedeutet, sich ein Haus auf Sand zu bauen, und nicht auf den sicheren Fels.

Wenn man den Namen Gottes nicht missbrauchen soll, kann man ihn dann gebrauchen? Und worin besteht ein sinnvoller Gebrauch seines Namens? Gott ist alles-was-ist – und Gott anzunehmen, bedeutet folglich, alles anzunehmen, was ist, und das mit Freude und Dankbarkeit. Dieser Satz verlangt nach einer näheren Erläuterung, denn er ruft gerade dazu, missverstanden zu werden! Er bedeutet nicht, Ungerechtigkeiten, Bösartigkeit, Lieblosigkeit und Gewalt gutzuheissen oder gar zu loben. Er bedeutet nicht, dass es verboten ist, die Umstände zu verändern. Es bedeutet, im Jetzt zu leben, jeden Moment und jede Situation anzunehmen, wie es gerade kommt – angenehm und unangenehm, erfreulich und schmerzvoll. Es bedeutet, das Beste aus dem zu machen, was gerade da ist – und nicht damit zu hadern. Es bedeutet, sich der Göttlichkeit bewusst zu sein, die ihren Ausdruck durch mich zu finden wünscht – und dies zuzulassen.

4. Den Sabbattag sollst du halten, daß du ihn heiligest.

Vollständiger Text:
Den Sabbattag sollst du halten, daß du ihn heiligest, wie dir der HERR, dein Gott, geboten hat. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tag ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Rind, dein Esel, all dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt, auf daß dein Knecht und deine Magd ruhen gleichwie du. Denn du sollst daran denken, daß auch du Knecht in Ägyptenland warst und der HERR, dein Gott, dich von dort herausgeführt hat mit mächtiger Hand und ausgerecktem Arm. Darum hat dir der HERR, dein Gott, geboten, daß du den Sabbattag halten sollst.

Dieser Punkt wird sehr ernst genommen, so dass er auch im Detail ausgeführt wird und nicht nur die Menschen verschiedener sozialer Schichten, sondern sogar die Tiere mit einschliesst – womit er wohl zu den ältesten Tierschutzgesetzgebungen gehören dürfte..

Mensch zu sein bedeutet, sich beständig mit den vielen alltäglichen Problemen und Problemchen herumzuschlagen, dem Geld, der Familie, der Schule, der Arbeit... Das ist richtig und gut so. Dennoch ist es wichtig, sich regelmässig Zeit für sich selbst zu nehmen, das eigene Handeln zu reflektieren und Klarheit darüber zu gewinnen, wohin die Reise gehen soll. Ist es sinnvoll, was ich gerade tue? Entsprechen meine Handlungen den Impulsen meiner Seele, oder muss ich mich ständig verdrehen? Wenn man das vergisst, oder die Konfrontation mit sich selbst scheut, besteht die Gefahr, über kurz oder lang zu einem menschlichen Hamster im Rad zu werden, der sich ohne Pause abrackert, ohne einen Sinn darin zu sehen. Es ist wichtig, regelmässig zu sich selbst zurück zu kommen und sich selbst, die eigene Seele wahrzunehmen.

Sabbate sind nicht an einen bestimmten Wochentag gebunden, auch nicht an eine bestimmte Dauer. Jeder Tag verdient seinen Sabbath – ein paar Minuten, eine halbe Stunde, wo mensch sich um sich selbst kümmert und Abstand nimmt von all dem, was es noch zu tun gäbe, wo es Zeit gibt, um tief durchzuatmen und sich zu fragen: wie fühle ich mich gerade jetzt?

5. Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, wie dir der HERR, dein Gott, geboten hat, auf dass du lange lebest und dir's wohlgehe in dem Lande, das dir der HERR, dein Gott, geben wird.

Es wird empfohlen, die Eltern zu ehren. Man muss sie nicht lieben, man muss sie noch nicht einmal mögen. Es geht hier nicht darum, dass Eltern nicht kritisiert werden dürfen - es geht um das Bewusstsein, dass wir alle sehr viel von unseren Eltern mitbekommen haben, meist mehr, als uns lieb ist. Und mehr, als uns bewusst ist. "Nichts prägt die Kinder so sehr wie das ungelebte Leben der Eltern", sagte Carl Gustav Jung.

Wer erkennt, wie der elterliche Einfluss auf ihn wirkt, kann auf dieser Basis aufbauen und das Beste daraus machen. Wer die Stärken und Schwächen, die Siege und Niederlagen der Eltern kennt und anerkennt, muss sie nicht selbst von vorne inszenieren, sondern kann daraus lernen und weiter gehen.

Jean-Yves Leloup übersetzt dieses Gebot als: gib den Eltern ihr volles Gewicht. Anerkenne die Rolle, die sie in deinem Leben spielen. In seinen Erinnerungen "L'absurde et la grâce" beschreibt er das schwierige Verhältnis, das er zu seiner Mutter hatte - ein Verhältnis voller Furcht und Hass - und er schreibt, dass er gerade so seiner Mutter ihr Gewicht gab, viel mehr als dass es der Fall gewesen wäre, wenn sie ihm einfach gleichgültig gewesen wäre.

6. Du sollst nicht töten

Töten schadet - nicht nur dem Getöteten, auch sich selbst. Vietnam-Veteranen haben heute noch, mehrere Jahrzehnte nach Kriegsende, immer noch jede Nacht Albträume, in denen sie den ersten Menschen sehen, den sie getötet haben. Wer tötet, schafft sich seine eigene Hölle auf Erden.

Wir alle töten. Nicht unbedingt auf der physischen Ebene – aber wer hat noch nicht einmal die Freude eines Menschen mit einer bissigen Bemerkung getötet? Oder eine aufkeimende Hoffnung, ein Projekt, ein Kunstwerk mit einer gezielten negativen Bemerkung auf den geistigen Müllhaufen geworfen, unabhängig von den Möglichkeiten und Qualitäten, die darin gesehen werden könnten? Worte sind genauso mächtige Waffen, wie Schwerter es sind. Ein paar unbedacht dahingeworfene Worte können einen Menschen für lange Zeit verletzen. Doch ebenso kann ein freundliches, aufmunterndes Wort für lange Zeit geistige Nahrung sein und einem Menschen dabei helfen, lebendig zu sein und das zu leben, wozu er gemeint ist. Alle Menschen haben eine grosse Macht in ihren Worten und können damit mehr bewirken, als in der Regel bewusst ist – weil es selten möglich ist, die Resultate festzustellen. Die Resultate sind dennoch da.

7. Du sollst nicht ehebrechen

Das Schlimme am Ehebruch ist nicht die Tatsache, körperliche Intimität mit anderen Menschen zu haben - es gibt viele Kulturen, die kennen offiziell solche Lösungen, wenn auch meist nur für die Männer - das Schlimme daran ist der Vertrauensbruch. Die Ehe, so wie sie heute verstanden wird, ist das Versprechen, einander in guten und schlechten Tagen beizustehen - und dazu gehört, dass man sich in den schlechten Tagen auch gegenseitig darüber informiert, dass es schlechte Tage sind, und dass so eine Basis geschaffen wird, die zu Problemlösungen führen kann.

Das Schweigen über Probleme hingegen führt nicht zu Lösungen, sondern einerseits zu dem krampfhaften Versuch, den Status Quo aufrecht zu erhalten. Es führt zu Heimlichkeiten, Verspannungen auf allen Ebenen, Reizbarkeit und grundsätzlich einer unguten Stimmung - bis hin zum Eklat, wenn so viel Geschirr zerschlagen wurde, dass das Paar nicht mehr zusammen findet. 

In der Bibel wird von Liebespaaren gesagt, dass sie sich "einander erkennen". Das ist mehr als der blosse Sexualakt, sondern beide schauen hinter die Fassade und erkennen in der anderen Person denselben göttlichen Funken, der ihre eigene Essenz ist - und sie erkennen ihre grundsätzliche Verbundenheit. Seele berührt Seele In einer Ehe in diesem Sinne sind Heimlichkeiten nicht mehr nötig.

8. Du sollst nicht stehlen

Im Alltag, auf der irdischen Ebene ist das Stehlen ein Ausdruck von Respektlosigkeit gegenüber dem Bestohlenen, und zieht natürlich juristische Konsequenzen nach sich im Falle des Erwischt-Werdens.

Auf der spirituellen Ebene ist Stehlen der Ausdruck eines Gefühls von Mangel; ein Gefühl der Getrenntheit; ein Mangel an Geborgenheit und Fülle. Dieses Gefühl der Getrenntheit ist eine Illusion, die nicht dadurch überwunden werden kann, indem materielle Güter angehäuft werden, um welchen Preis auch immer.

Im neuen Testament fordert Jesus dazu auf, nach dem Himmelsreich zu streben; der himmlische Vater wird für unsere materiellen Bedürfnisse sorgen, denn er weiss, was wir Kinder brauchen. Und wenn wir darum bitten, so wird er uns es geben.

Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten

Auch das Verleumden anderer Menschen ist ein Ausdruck des Mangels, ähnlich wie das Stehlen. Auf einer gewissen Ebene ist es dasselbe: es wird versucht, einem anderen Menschen seinen guten Ruf zu stehlen und sich selbst ihm gegenüber als tugendhaft zu erhöhen.

Es ist eine Methode des Ego, sich den eigenen Schattenseiten nicht zu stellen und sie auf andere Menschen zu projizieren. Wer andere verleumdet, stellt sich nicht den eigenen Gefühlen von Angst, Gier, Wut oder Hass, sondern lagert sie aus in eine andere Person. Dies erzeugt eine innerliche Spaltung und verhindert es, heil und ganz zu sein, wo alle inneren Aspekte auf dasselbe Ziel ausgerichtet sind und miteinander wirken.

10. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus, Acker, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, was sein ist.

Nicht allein die Tat zählt, sondern schon die Absicht, die zur Tat hinführt. Die meisten Sünden werden nur darum nicht begangen, weil es entweder am Mut dazu oder an der Gelegenheit dazu fehlt, und nicht etwa aus eigener Erkenntnis.

Jesus weist in der Bergpredigt (Matthäus Kapitel 5) darauf hin, dass ein Ehebruch schon dann geschehen ist, wenn jemand eine andere Person begehrlich anschaut - es ist ein Ehebruch gegenüber dem eigenen Partner oder der eigenen Partnerin. Bei den Geboten geht es nicht in erster Linie um Äusserlichkeiten, sondern um die innere Haltung eines Menschen - das Äusserliche, das Wirken auf der Erde, folgt von allein daraus.

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© Barbara Seiler 2007 - www.spiriforum.net
Dieser Text darf unter Hinzufügung dieser Fussnote gerne weitergegeben werden.

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