Der Körper in dem “Kurs in Wundern”

- ein Kommentar über das Kapitel 8.VII "Der Körper als Mittel der Kommunikation" und das Kapitel 8.VIII "der Körper als Mittel oder als Ziel" aus "ein Kurs in Wundern”

Remember that the Holy Spirit interprets the body only as a means of communication

Erinnere dich daran, dass der Heilige Geist den Körper lediglich als Mittel der Kommunikation interpretiert.

Gott allein ist wirklich; alles andere, inklusive Körper, ist nicht wirklich, sondern nur eine Illusion. Wohl eine starke und beständige Illusion, aber dennoch Illusion.

Das ist oft nicht einfach zu akzeptieren, denn der Körper kann sich durch die Wahrnehmungen, die er vermittelt, stark und beständig aufdrängen; vor allem dann, wenn es Wahrnehmungen von Schmerz und Leid sind. Wer hungrig oder durstig ist, wer verletzt ist, dem fällt es schwer, den Körper auch nur für einen Moment lediglich als Kommunikationsmittel für die irdische Situation des Menschen zu betrachten.

Der Körper ist ein Kommunikationsmittel - sowohl gegenüber anderen Wesen, wie auch gegenüber sich selbst. Sprache, Haltung, Gesten, Tonfall der Stimme und Mimik stellt der Körper zur Verfügung, um mit anderen Wesen in Verbindung zu treten; Wahrnehmungen, angenehme und unangenehme, stellt der Körper zur Verfügung, um das eigene Selbst wahrzunehmen. Nur in der Getrenntheit der Polarität ist eine Wahrnehmung möglich – nicht aber in der Einheit, wo es keine Differenzierungen gibt.:

The ego separates through the body

Das Ego trennt mit Hilfe des Körpers

Das Erste, was ein Neugeborenes lernt, ist, die Grenzen seines Körpers kennen zu lernen. Es berührt alle Dinge rundherum, es kaut darauf herum, es nimmt alles in die Hand, es spürt Widerstände - und bald erkennt es (wenn auch nicht in verbaler Form), dass es zwei verschiedene Arten von Dingen gibt: einerseits jene, wo es den Effekt seines Handelns und Kauens nicht spüren kann, wie zum Beispiel ein Schnuller - und jene, wo es die Effekte seines Handelns wahrnimmt, wie zum Beispiel der eigene Zeh.

Das Ego ist körperbezogen und entwickelt sich aus der Wahrnehmung des Unterschieds von "mein Körper" und "nicht mein Körper". Dies ist nicht einfach und braucht mehrere Jahre, bis dieses Selbstbild des Körpers solide verankert ist, und auch bis gelernt wird, den eigenen Körper so zu steuern, wie man es gerne hätte. Einen Stift zu halten und kontrollierte Striche zu machen, Suppe zu essen ohne sie zu verschütten, die Schuhe zu binden, das sind sehr herausfordernde Aufgaben. Und manch ein Kind ist immer wieder mal frustriert, weil die Beherrschung des Körpers nicht mit der gewünschten Leichtigkeit funktioniert.

Conmmunication ends separation. Attack promotes it

Kommunikation beendet die Trennung. Angriff fördert sie.

Das Wort Kommunikation ist vom Lateinischen "communis" abgeleitet, das wörtlich übersetzt bedeutet "gemeinsame Mauern habend", und bedeutet: gemeinschaftlich, gemeinsam, allgemein. Kommunikation schafft Gemeinschaft; Kommunikation entsteht immer aus der Erkenntnis, ob bewusst oder unbewusst, dass ich auch du bin, dass wir beide die gleiche Natur haben und Ausdruck eines Einzigen Grösseren sind.

Angriff hingegen geht von der Prämisse aus, dass ich und du getrennt sind; dass dein Schicksal keine Wirkung auf mein Schicksal hat. Diese Ansicht ist auf der Ebene des Egos möglich, das sich in erster Linie über die Grenzen seines Körpers definiert und in zweiter Linie über Dinge wie Besitz und Status - also über jene Dinge, die in der Skala des Bewusstseins nach Hawkins die Ebenen 0 - 200 beherrschen, und die Ebenen von 200 - 499 stark beeinflussen.

Auf der Ebene des All-Einen ist die Idee einer Trennung allerdings sinnlos und nicht vertretbar. Die Trennung ist eine Illusion; die Idee, dass da ein "Anderer" ist, den ich-Ego angreifen könnte, ist ebenso eine Illusion.

The body is beautiful or ugly, peaceful or savage, helpful or harmful, according to the use to which it is put

Der Körper ist schön oder hässlich, friedvoll oder wild, hilfreich oder leidbringend entsprechend dem Gebrauch, der von ihm gemacht wird.

Wahre Schönheit ist immer die Schönheit der Seele, der erlaubt wird, durch den Körper hindurch und mit Hilfe des Körpers auf der Erde zu strahlen. Sie hat nichts - oder zumindest sehr wenig - zu tun mit perfekten Proportionen, einem guten Haarschnitt, teuren Kleidern oder einem professionellen Makeup. Nur durch diese äusserlichen Mittel kann vielleicht Hübsch-Sein erreicht werden, oder Anpassung an aktuell herrschende Konventionen, aber nicht Schönheit.

Der Bildhauer Auguste Rodin sagte:

Es gibt in Wirklichkeit weder einen schönen Stil, noch eine schöne Zeichnung, noch eine schöne Farbe, es gibt nur eine einzige Schönheit, die Schönheit der sich offenbarenden Wahrheit.

Schönheit hat Tiefe, Wahrheit, Licht; Schönheit ist authentisch. Schön ist, wenn die Seele den Körper als Kommunikationsmittel nutzt, um anderen Menschen und anderen Wesen von Gott zu Gott zu begegnen. Im Matthäusevangelium weist Jesus darauf hin, dass alles, was ich anderen antue, an Gott selbst tue - und somit auch an mir selbst. Schön ist alles, worin Göttlichkeit aufscheint und wahrgenommen werden kann.

To confuse a learning device with a curriculum goal is a fundamental confusion that blocks the understanding of both

Ein Hilfsmittel zum Lernen mit dem Lernziel zu verwechseln ist eine grundlegende Verwechslung, die das Verständnis von beiden blockiert.

Der Kurs in Wundern weist mehrfach darauf hin, dass der Körper ein Hilfsmittel zum Lernen sei - so wie die ABC-Tafel in der Schule. Er ist nicht ein Ziel in sich selbst.

Das Ego ist nun aber so programmiert, dass es alle Entscheidungen im Hinblick auf das Wohlbefinden des Körpers trifft. Was sättigt, wärmt, bequem und sicher ist, ist gut; was immer den Körper bedroht oder ihn leiden lässt, ist böse. In erweiterten Varianten davon kann es auch bedeuten, dass alles, was das Ego dabei unterstützt, keine Seelenenergie zuzulassen, gut ist, und alles, was Seele in den Körper hinein holen könnte, schlecht ist; was zu so paradoxen Situationen führen kann, dass Ego bei der Durchführung dieses Vorhabens sogar aktiv gegen das Wohlbefinden des Körpers arbeitet, nur um die Illusion seiner eigenständigen, getrennten Existenz aufrecht erhalten zu können.

Die Seele nun, und damit der göttliche Aspekt, sieht das allerdings anders. Der Körper ist ein Hilfsmittel, und für sich selbst nicht wertvoll. Er erhält seine Bedeutung allein durch die Lernmöglichkeiten, die er schafft. In der Schule ist es üblich, dass die ABC-Tafel sorgfältig behandelt wird, sodass sie nicht nach kürzester Zeit schmutzig wird und kaputt geht; aber dennoch wird sie regelmässig benutzt, und diese Benutzung hinterlässt Spuren auf ihr. Und irgendwann wird sie nicht mehr gebraucht, weil alle Lektionen, die sie bietet, gelernt sind.

You must have noticed an outstandig characteristic of every end that the ego has accepted as its own. When you have achieved it, it has not satisfied you

Du hast bestimmt ein herausragendes Merkmal aller Ziele festgestellt, die das Ego definiert hat: Wenn du das Ziel erreicht hast, empfindest du keine Befriedigung.

"An ihren Früchten könnt ihr sie erkennen", sagte Jesus. Es sind die Wirkungen, die erzählen, ob eine Handlung aus dem Ego kam oder aus der Seele.

Was immer aus der Seele kommt, ist nährend und befriedigend. Die Moment der Seele sind perfekt, glühend, herzerwärmend, liebevoll und wirken oft noch Jahre nach ihrem Geschehen als Gefühl des inneren Friedens. Sie können in belastenden Situationen erinnert werden und fühlen sich an, als ob eine schwere Last von der Schulter fällt - die Welt ist in Ordnung. Und traurig jeder Mensch, der nicht zumindest einmal in seinem Leben das Privileg hatte, auch nur eine Sekunde davon zu erleben! - und eine Sekunde allein lohnt ein ganzes Leben, auch wenn alles andere Schmerz, Leid und Trauer sein sollte. Seelenmomente sind ganz besondere, kostbare, unvergleichliche Momente.

Jene Höhepunkte, die das Ego verschafft, haben allerdings eine andere Qualität. Sie produzieren gewiss ein Hoch, eine Erregung, auch Glück und Überschwang - doch sobald der Moment vorbei ist, scheint das Leben fad und schal. Fader und schaler als vorher. Unbefriedigend. Langweilig. Anstrengend - und es wird ein neuer solcher Moment gesucht, der wiederum diese Leere hinterlässt. Es ist das Entstehen von Sucht. Rüdiger Dahlke schreibt in Krankheit als Weg, dass jede Sucht eine auf Abwege geratene spirituelle Suche sei. Das Ego versucht zu finden und zu erreichen, wozu es nicht geschaffen ist, und was nur erreicht werden kann durch das Zurücktreten und das Zulassen von Seele.

Health is therefore nothing more than united purpose

Gesundheit ist folglich nichts anderes als eine vereinte Absicht.

Wenn der Körper nichts ist als ein Kommunikationsmittel, so ist es auch nicht sinnvoll, Gesundheit als Eigenschaft des Körpers zu verstehen. Medizinisch gesehen ist jeder Mensch krank - spätestens nach fünfzig Untersuchungen wird ein Arzt mindestens einen abweichenden Wert, mindestens eine Unregelmässigkeit finden, die therapiert werden könnte.

Eine fundamentalere Ansicht von Gesundheit vertritt der Kurs in Wundern: Gesundheit ist, wenn alle Aspekte des Menschen in einer Ausrichtung sind - und diese Ausrichtung ist die Bereitschaft, sich dem Willen Gottes zu unterwerfen, der gleichzeitig auch der Wille der Seele ist.

Wenn immer Leid erfahren wird, so ist das ein Zeichen dafür, dass es etwas gibt, was noch nicht in dieser Ausrichtung ist, eine Ecke, wo das Ego immer noch versucht, Herr oder Herrin im Haus zu sein und an der Illusion einer von allem unabhängigen Existenz festhält. Das ist immer ein Anlass zur Vergebung - sich selbst zu vergeben - um so Schritt für Schritt zu innerem Frieden, Ganzheit und Schönheit zu finden - unabhängig von allen äusseren Umständen.

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© Barbara Seiler 2008 - www.spiriforum.net
Dieser Text darf unter Hinzufügung dieser Fussnote gerne weitergegeben werden.

Literatur

externe Links