Die Skala des Bewusstseins nach David R. Hawkins
Ebenen 320-360 – Akzeptanz

Diese Ebene ist das Feuer des Wassers - die zwei gegensätzlichsten Elemente, treffen zusammen und erzeugen eine mächtige Kraft: Dampf. Dampf macht es möglich, die Qualitäten des Wassers in einer umfassenderen Form zu nutzen und die Welt zu gestalten, als das vorher möglich war. Da die Ebene des Wassers auch die Ebene der Emotionen ist, und die Ebene der Gesellschaft, so bedeutet dies, dass das Feuer die Menschen dieser Ebene befähigt, ihre Kraft bewusst in den Dienst der Gemeinschaft zu stellen – immer mit dem Hintergrund, dass es ihnen selbst gut geht, wenn es der Gemeinschaft gut geht.

Der Beginn der modernen Technik

Das europäisch-nordamerikanische neunzehnte Jahrhundert mit seinen Konzepten von technischem Fortschritt und seiner Begeisterung für die Naturwissenschaften ist ein Ausdruck dieser Ebene – auch ganz wörtlich, denn es war die grosse Zeit der Dampfkraft. Eisenbahnen wurden gebaut, die Städte miteinander verbunden und so wurde ein einfacherer Austausch von Waren und Ideen innerhalb eines Landes möglich gemacht. Eine immer grössere Zahl von Gütern stand immer mehr Menschen zur Verfügung dank der aufkommenden Industrie, die wesentlich von Dampfmaschinen angetrieben wurde. Es war auch die Zeit, als die Nationalstaaten in ihrer heutigen Form entwickelt wurden, und die soziale Sicherung in Form gegenseitiger Hilfe von Nachbarn und Familie in zunehmendem Mass von staatlichen Systemen der Vorsorge ersetzt wurden.

Gegensätze integrieren

Die Aufgabe dieser Ebene besteht darin, die Gegensätze auszugleichen und zu einem grösseren Ganzen zu integrieren, sodass in unserem Wasser, den Emotionen, das richtige Mass an Feuer wohnt. Laut der traditionellen Vier-Elemente-Lehre ist das Wasser kalt und feucht, das Feuer aber heiss und trocken. Wenn da nun ein Übermass an Wasser herrscht, und zuwenig Feuer existiert, es zu erwärmen, so ist auch eine emotionale Kälte die Folge davon – das Wasser wird zu Eis; andererseits macht ein Übermass an Feuer eine Person reizbar, empfindlich und cholerisch, mit unberechenbarem und explosiven Charakter. Dienlich ist ein Gleichgewicht der Elemente, was einen warmen und herzlichen Charakter und ein lebhaftes Temperament zur Folge hat, ohne in Hysterie oder übermässige Emotionalität zu verfallen.

Auf der gesellschaftlichen Ebene wird verstanden, dass Gleichheit vor dem Gesetz individuelle Verschiedenheit nicht ausschliesst, sondern dass verschiedene Charaktere, Begabungen und Fähigkeiten eine Bereicherung für alle sein können. Fremde Weltanschauungen und Lebensstile werden nicht nur toleriert, wie es im Bereich des reinsten Wassers/ Neutralität geschieht, sondern die Unterschiede werden bewusst geehrt und auch gefördert, solange sie nicht schädlich für eine Gemeinschaft sind und auf gegenseitigem Respekt beruhen. Ausdruck dieser Haltung ist die japanische Shinto-Spiritualität (350) mit ihrer Vielfalt von grossen und kleinen Göttern, Ahnen- und Naturgeistern, und die Olympischen Spiele (340) mit ihrer festlichen und völkerverbindenden Absicht und ihrem Fokus auf Fairplay.

Das bewusste Fördern von Vielfalt und Unterschied in Lebensstil zeigt sich auch in den Produktionsmethoden des Dampf- und Industriezeitalters, wo es möglich wurde, durch Arbeitsteilung immer komplexere Produkte herzustellen, die ein Einzelner unmöglich allein hätte herstellen können. Um Projekte wie eine Eisenbahn oder eine grosse Brücke zu bauen, ist das theoretische Wissen und die praktische Erfahrung vieler Fachleute aus den verschiedensten Bereichen notwendig. Doch auch diese Art der Herstellung von Gütern hat eine Schattenseite, nämlich dann, wenn die Arbeitsteilung so weit getrieben wird, dass die Arbeit des Einzelnen auf wenige, monotone und und immer wiederholte Handgriffe beschränkt ist und der Bezug der ArbeiterInnen zum fertigen Produkt verloren geht.

Persönlichkeit und Charakter

Zu dem Feuer des Wassers gehört auch die bewusste Erkenntnis, dass Glück und Freude innere Zustände sind, die nicht von Aussen herangetragen werden, sondern eine Lebenshaltung darstellen. Deshalb sind die Menschen auf dieser Ebene auch bereit und fähig, Schuldzuweisungen loszulassen; sie legen ihren Fokus eher darauf, konstruktive Lösungen für Herausforderungen zu finden und umzusetzen. Wo im Erd-Bereich des Wassers/Mut nur gerade konstruktive Kritik möglich war, aber keine Lösungsvorschläge, so beschränkt man sich im Feuer-Bereich des Wassers nicht auf die Kritik allein, sondern auch auf die möglichen Optionen, was ein bedeutendes Mass an Kreativität und geistiger Offenheit bedingt.

Wer sich im Feuer des Wassers bewegt, ist ein geselliger Mensch, oft ein Mitglied von einem oder mehreren Vereinen, die sich ein gemeinniütziges Ziel vorgenommen haben. Das kann das Juniorentraining im Sportverein sein, ein Freimaurerloge, ein Engagement im kirchlichen Umfeld... immer ist der Gedanke präsent, sich nicht nur selbst zu amüsieren, sondern etwas zu tun, was anderen Menschen hilft.

Schattenseiten

Das Feuer des Wassers kann in einem Übermass gelebt werden, was zu Extremen führt – und damit zu einer hohlen Form wird, während das Bewusstsein selbst sich auf einer tieferen Stufe verbindet. Im Engagement in gemeinnützigen Organisationen kann der eigentliche Zweck verloren gehen, sodass nicht mehr die Unterstützung und Hilfe für andere Menschen im Vordergrund steht, sondern die eigene Tugend. Es kann auch zu Verachtung für alle anderen führen, die sich nicht auf solche Weise engagieren – das Feuer des Wassers ist somit in die Quintessenz der Erde, den Stolz, abgestürzt.

Ebenso kann der Fokus, der auf der Gemeinschaft liegt, sich selbst vergessen machen. Alles, was zählt, ist der Dienst an der Gemeinschaft, die eigenen Bedürfnisse zählen nichts – oder es wird gar der eigene Wert am Mass der Aufopferung für das Wohl des gesamten definiert. Scham und Schuld werden so in einem Kontext des Dienstes an der Gemeinschaft ausagiert, was den Vorteil mit sich bringt, sehr tugendhaft und ehrenvoll zu wirken und anerkannt zu werden.

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© Barbara Seiler 2007 - www.spiriforum.net
Dieser Text darf unter Hinzufügung dieser Fussnote gerne weitergegeben werden.

Literatur