Die Skala des Bewusstseins nach David R. Hawkins
Ebenen 280-320 - Bereitwilligkeit

Nach dem Wasser des Wassers, der Ebene der Neutralität, kommt die mentale Luft-Qualität in das gefühlvolle Wasser hinein, und es kann eine weitere Öffnung geschehen: Menschen sind bereit dazu und interessiert, ihr Bewusstsein selbständig weiter zu erhöhen - sich aus eigenem Antrieb zu verbessern. Das ist eine neue Entwicklung gegenüber den vorherigen Ebenen, wo Bewusstseinserweiterung und neue Perspektiven auf Impulse von aussen angewiesen sind.

Bereitwilligkeit ist soziozentrisch

Die Luftenergie bewirkt, dass ein Mensch im emotionalen Wasser-Bereich fähig wird zur Kritik und Selbstkritik, problematische Bereich wahrnimmt und Wege sucht und findet, diese Themen zum Positiven zu verändern. Die spirituelle Reise kann ab dieser Stufe eine Eigendynamik bekommen und ist immer weniger auf bestimmende Einflüsse von aussen angewiesen; es ist die Seele, die sich in zunehmendem Masse manifestiert. Dazu gehört auch, dass gewisse Optionen, die im Erde-Bereich der Ebenen 0-200 ganz selbstverständlich genutzt werden, nicht mehr als Möglichkeiten in Betracht gezogen werden. So kommt es nicht mehr in Frage, sich mit Gewalt zu holen, worauf man glaubt, ein Recht zu haben; zumindest wird dieses Bedürfnis erstmals hinterfragt und nicht sofort ausgelebt. Es ist auch kein Thema mehr, die eigenen Interessen über alles andere zustellen, egal zu welchem Preis. An der Stelle der Werkzeuge aus dem Bereich der Erde werden neue Werkzeuge erarbeitet, die auf der Zusammenarbeit mit anderen Menschen beruhen. Miteinander, nicht gegeneinander ist eine Devise in der Luft des Wassers.

Diese neuen Werkzeuge betreffen vor allem den Bereich des zwischenmenschlichen Umgangs. Es geht darum, die eigenen Ziele im Rahmen einer Gemeinschaft zu erreichen, und diesen Rahmen zu respektieren. Im Gegensatz zum egozentrischen Erde-Bereich ist die Luft des Wassers soziozentrisch. So kommt es vor, dass die eigenen Bedürfnisse und Wünsche zugunsten des gesellschaftlichen Wohls zurückgestellt werden. Ein Beispiel dafür ist die Bereitschaft, Steuern zu bezahlen, auch wenn man dieses Geld nachher nicht mehr für eigene Zwecke zur Verfügung hat. Der Nutzen von Steuergeldern für die Gesellschaft, und damit indirekt für sich selbst, wird höher bewertet.

Andere Menschen werden nicht mehr grundsätzlich als gefährliche Feinde bewertet, sondern in zunehmendem Mass wird Seelenqualität wahrgenommen. Es ist möglich, Freundschaften aufzubauen, die nicht in erster Linie auf gegenseitigen Interessen basieren, sondern auf dem Interesse, einen Menschen wirklich kennen und schätzen zu lernen.

beständige Verbesserung

Menschen auf dieser Ebene führen Arbeiten nicht nur korrekt aus, sondern sie wollen sich beständig verbessern und gute Berufsleute sein. Erfolg in ihren beruflichen und privaten Unternehmungen ist die Regel. Sie setzen sich Ziele, planen sorgfältig die notwendigen Schritte und erreichen diese Ziele in der Regel auch. Ebenso sind Menschen auf dieser Ebene fähig, sich Hilfe bei Experten zu holen, wenn sie es als notwendig erachten, und sie sind fähig, über ihre Schwächen zu sprechen und ihr Unvermögen einzugestehen – und sie sind bereitwillige Schülerinnen und Schüler, die bestrebt sind, zu lernen und sich zu verbessern. Sie sind nicht mehr dem Stolz unterworfen, der es ihnen verbieten könnte, Hilfe anzunehmen.

Schattenseiten

Bereitwilige Menschen sind auf ihre Gesellschaft fokussiert - das bedeutet: ihre Familie, ihre Gruppe, vielleicht auch ihre Nation. Und sie messen das Verhalten aller Menschen an den Konventionen, die ihre eigene Gesellschaft vorgibt. Dies führt zu Konflikten und Überforderung, wenn sie mit Menschen oder Situationen konfrontiert sind, die nicht in diese Standards hinein passen; sei es, dass diese Menschen aus einer anderen Kultur mit völlig anderen Standards stammen, sei es, dass es sich um einen grossen Unterschied im Bewusstsein handelt. Ausländer, die in kleine Dorfgemeinschaften geraten, haben es schwer, denn ihnen sind all die Bräuche und Traditionen nicht vertraut, und die Gefahr ist gross, zu Beginn von einem Fettnäpfchen ins andere zu geraten. Doch Ähnliches kann auch geschehen, wenn der Intellektuelle auf eine Gruppe von Handwerkern trifft; wenn der Generaldirektor beschliesst, volksnah zum ersten Mal mit einigen seiner Mitarbeiter aus der Produktion essen zu gehen; oder wenn sich der Aussendienstmitarbeiter einer Versicherung auf einmal in einer Gemeinschaft von Mathematikern findet. Oft erzeugen diese Situationen bei allen Beteiligten Unbehagen und sie haben das Gefühl, sie könnten sich nicht frei und unbefangen bewegen. Ihre Scherze werden nicht verstanden oder missverstanden, die immer erfolgreichen Party-Bonmots stossen auf grosse verständnislose Augen, das so entspannende Plaudern über Berufliches interessiert die anderen nicht... Auch heute noch ist jede Branche eine Welt für sich, mit ihren eigenen Codes und Regeln, und als Aussenstehender in eine solche Gruppe hinein zu geraten, fühlt sich oft genauso fremd an, als ob man Menschen vom andern Ende der Welt begegnete.

Im Extremfall kann es dazu kommen, dass bereitwillige Menschen im Kontakt mit dem allzu Fremden in den Erde-Bereich zurück fallen. Die höflichen Umgangsformen werden nicht mehr aufrecht erhalten, sondern es kommt zu Wut, Aggression, Angst, Arroganz... kurz, die ganze Palette des Erde-Bereichs wird ausgeschöpft. Wenn sich jemand grundsätzlich überlegen fühlt - also der Einheimische gegenüber dem ausländischen Asylanten - so wird Arroganz und Stolz das typische Muster sein. Wenn sich jemand grundsätzlich unterlegen fühlt - die Reinigungskraft, die irgendwie dazu kommt, mit einer Gruppe von hohen Managern zum Apéro eingeladen zu sein - wird es sich eher um Ebenen 0-40 - Scham und Angst handeln.

In Situationen, die auf Dauer angelegt sind - wiederum als Beispiel der fremde Asylant im kleinen Dorf - wird ein Anpassungsprozess stattfinden. Wenn alles gut geht, und die Fremdheit nicht allzu gross ist und Kontakte im Alltag möglich sind, werden beide Seiten davon profitieren und lernen. Wenn dies nicht gelingt, kann es zu Mobbing und zur Ausübung von Zwang kommen, die fremde Person wird ausgegrenzt und schikaniert. Und auch wenn es ihr gelingt, Fuss zu fassen, so wird sie während langer Zeit kritischer betrachtet, als die Einheimischen. So neigen auch viele Fremde dazu, die lange im Ausland leben, die Eigenheiten der Einheimischen gründlicher anzunehmen, als jene, die in diese Kultur geboren sind. Wo Reinlichkeit wichtig ist, wird die fremde Person mehr Wert auf Reinlichkeit legen als all ihre Nachbarn und Nachbarinnen; wo seriöse Arbeit und Fleiss hoch geschätzt wird, werden die Fremden, die sich integrieren, bald die Fleissigsten und Seriösesten sein.

Wer sich innerhalb einer Gemeinschaft in diesem Bereich befindet, lebt ruhig, zufrieden und im Bewusstsein, eine pflichtbewusste Bürgerin zu sein. Wer sich als Aussenseiter in einer solchen Gemeinschaft wiederfindet, hat es hingegen schwer und läuft Gefahr, als Sonderling missachtet zu werden, nicht als Mensch respektiert.

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© Barbara Seiler 2007 - www.spiriforum.net
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