Die Skala des Bewusstseins nach David R. Hawkins
Ebenen 240 - 250 - Neutralität

Das Wasser des Wassers

Auf der Ebene 250 befindet sich das Wasser in seinem reinsten Ausdruck. Die entsprechenden Ebenen für die anderen Elemente sind:

Hier also das Wasser des Wassers. David Hawkins nennt diese Ebene "Neutralität". Das Bewusstsein des Wassers bedeutet, sich wie Wasser zu verhalten - um alles herumzufliessen und weiter zu gehen. Es bedeutet, dass es nicht notwendig ist, verschiedene Meinungen und Haltungen zu bewerten, sondern dass sie gleichberechtigt nebeneinander stehen dürfen. "Ich bin OK, du bist OK" - und diese Tatsache führt nicht ins emotionale Drama. Die Redefreiheit (265) ist ein politischer Ausdruck dieser neutralen Haltung.

Das Verhalten im neutralen Bewusstsein

Dies ist ein grosser Unterschied im Gegensatz zum Erde-Bereich, wo fremde und andere Emotionen als Bedrohung empfunden werden, was sich entweder als heftige Abwehr fremder Meinungen äussert, und/oder in einem Drang, andere Menschen zu missionieren und um jeden Preis zu der eigenen Haltung zu bekehren. Dieses Missionieren betrifft nicht nur religiöse Themen, sondern manifestiert sich in allen Arten von Beziehungen und in allen möglichen Themen, persönlichen, politischen, bei wissenschaftlichen Fragen, bei Fragen der Mode und Kleidung, beim Essen... Der Mensch im Erd-Bewusstsein hat sehr klare Meinungen und Haltungen dazu, während der neutrale Mensch im Wasser sagt: "tu doch, was du für richtig hältst. Mir ist es egal."

Im Bereich des Wassers sind die Menschen im Grossen und Ganzen fähig, ihren Alltag korrekt und angemessen zu meistern. Wer die Stufe der Neutralität erreicht hat, ist fähig, verschiedene Optionen zu erkennen und sie als gleichberechtigt zu behandeln. Eine Arbeitsstelle ist so gut wie eine andere, Weissbrot ist ebenso gut wie Vollkornbrot. Menschen auf dieser Stufe sind wenig interessiert an Streit und Konflikten, sondern an einem harmonischen und ruhigen Zusammenleben. Sie haben im Gegensatz zu anderen kein Bedürfnis, sich anderen gegenüber zu beweisen, , während dies ein grosses Thema ist im Bereich der Erde und vor allem in der Quintessenz der Erde, wo es um Stolz und Arroganz geht . Menschen im Wasser leisten im allgemeinen korrekte und saubere Arbeit, sind pünktlich, ehrlich und zuverlässig, sie legen Wert auf Gemütlichkeit und Wohlbefinden. Sie sind schwer von aussen zu steuern, da ihnen ihre Unabhängigkeit wichtig ist. In Gesellschaft von solchen Menschen befindet man sich grundsätzlich in Sicherheit und hat von ihnen nichts Böses zu befürchten.

Diese Ebene ist hervorragend geeignet für Dienstleistungen aller Art, da allen Kunden in der gleichen Freundlichkeit begegnet wird. Viele Läden, Cafés, Hotels und öffentliche Transportmittel arbeiten in diesem Bereich und bieten eine korrekte Leistung in einem angemessenen Preis-Leistungs-Verhältnis an.

die Schattenseite der Neutralität

Ein problematischer Aspekt der Neutralität ist ihre Gleichgültigkeit. Neutralität will keine Stellung beziehen; sie kann allem und seinem Gegenteil zustimmen und dabei bemerken "das ist alles irgendwie richtig und kein Grund für mich, auf irgend eine Weise einzuschreiten. Löst eure Probleme selbst! Ich sage dazu nichts!" Wer neutral ist, mischt sich nicht in Konflikte anderer Menschen ein, auch dort nicht, wo es um offensichtliche Ungerechtigkeiten geht. Das Wasser fliesst darum herum und geht weiter, ohne davon betroffen zu sein.

Neutralität kann auch zu Harmoniesucht führen, und zu der Haltung "jaja, ich geb dir ja recht, doch sei bitte still!" - oder auch "tu einfach was er sagt, mach keinen Skandal, dann haben wir wieder unsere Ruhe!"- Konflikte werden nicht ausgetragen, sondern einfach ignoriert, so gut und so lange es geht. Somit können sich Menschen in einem Bewusstsein der Neutralität zu stillschweigenden Komplizen von Verbrechen machen - wie jene Mütter, die nicht wissen wollen, was ihr Ehemann mit all den jungen Mädchen macht. Und die auch lieber gar nicht nachfragen - was ich nicht weiss, macht mich nicht heiss. Auch wenn neutrale Menschen für sich harmlos und friedlich sind, so sind sie auch nicht jene, die sich gegen die Unfriedlichen und Gewalttätigen aktiv stellen, sondern sie schleichen sich irgendwie darum herum.

Diese Haltung kann von anderen Menschen dazu benutzt werden, Menschen in einem neutralen Bewusstsein ihren Willen aufzuzwingen, indem sie nur genug Drama veranstalten - der Andere wird dann schon um des lieben Friedens willen nachgeben, früher oder später. Die eigene Ruhe und Gemütlichkeit ist wichtiger als alles andere, auch um den Preis, dass Anderen Unrecht getan wird.

Genau diese Haltung der Neutralität, die die Augen vor dem Unrecht verschliesst, wird auf der politischen Ebene der Schweiz immer wieder vorgeworfen; durchaus nicht immer zu Unrecht. Dasselbe gilt für die Haltung vieler Menschen in Deutschland nach dem Nazi-Regime: sie hatten von nichts gewusst, sie hatten die Augen geschlossen, sie wollten es gar nicht wissen. Die Haltung der Neutralität ist nicht mehr egozentrisch wie in den Erdbereichen, sie ist soziozentrisch, also auf eine Gemeinschaft ausgerichtet; allerdings wird hier diese Gemeinschaft sehr eng definiert: meine Familie, meine Freunde, mein engeres soziales Umfeld, darauf kommt es an, und das gilt es zu schützen. Was dann nur schon mit den Nachbarn passiert, und den flüchtigen Bekannten - das ist egal. Das betrifft nicht.

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© Barbara Seiler 2007 - www.spiriforum.net
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