Paracelsus-Medizin:
die fünf Ursachen von Krankheit

Einige Grundsätze der paracelsischen Medizin

Paracelsus hat im Lauf seines Lebens eine komplexe und vielschichtige Lehre von Gesundheit und Krankheit entwickelt. In ihrer Ganzheitlichkeit und Multidimensionalität erinnert sie deutlich stärker an die medizinischen Lehren aus China oder Indien als an die moderne europäische Schulmedizin mit ihrem linearen Schema von Ursache und Wirkung. Paracelsus vermittelt uns eine Sicht des Menschen, die nicht nur die körperliche Ebene umfasst, sondern auch die geistigen Dimensionen. Er versteht den Menschen als Mikrokosmos, als kleine Welt, die eingebettet ist und in enger Verbindung steht mit dem Makrokosmos, dem Universum.

Unheilbare Krankheiten gibt es laut Paracelsus nicht, wenn sie rechtzeitig und auf angemessene Weise behandelt werden. Er folgt dabei dem Prinzip, dass wo die Not ist, auch die Rettung ist: dort wo Krankheiten entstehen, kann auch das Heilmittel dafür gefunden werden:

So edel ist die Natur, dass sie jeglicher Krankheit ihre Arznei gibt zum Schutz gegen alle Zufälle.

Gesundheit bedeutet, sich auf den körperlichen und geistigen Ebenen, harmonisch in den grösseren Zusammenhang einzufügen, mit den irdischen und himmlischen Energien zu gehen und nicht gegen sie.

Paracelsische Medizin beinhaltet mehrere Konzepte, die miteinander verflochten sind und interagieren. Dazu gehören:

Die fünf Ursachen von Krankheit

Paracelsus hat die Lehre von den fünf Krankheitsursachen im Volumen Paramirum vorgestellt. Jede Krankheit kann aus einer oder aus mehrerer dieser fünf Ursachen entstehen, in beliebigen Kombinationen. Es ist die Aufgabe des Artzes/der Ärtzin, alle möglichen Ursachen in der Diagnose zu berücksichtigen und ihren Anteil am Krankheitsgeschehen festzustellen, und dann die Therapie entsprechend zu gestalten. Jede der fünf Krankheitsursachen setzt an einem anderen System des menschlichen Körpers oder der Psyche an und verlangt folglich eine andere Therapie, sodass Heilung geschehen kann.

An der Art der Krankheit selbst kann man ihren Ursprung nicht feststellen, sondern jede Krankheit kann grundsätzlich aus jeder der fünf Ursachen entstehen:

Ihr solt also wissen, das fünfferley pestilentz sind: nit geredt auff ihr natur, wesen, form, oder gestalt: [sondern] auff ihr herkommen, wannen sie geboren werden [sie] seyen darnach wie sie wöllen. Also reden wir, das unser leib, 5 entibus unterworffen ist, unnd ein jedlich ens alle kranckheiten unter ihm hat, und gewalt mit ihnen uber unsern leib. Dann es seind fünfferley Wassersucht, fünfferley gelbsucht, fünfferley fiber, fünfferley krebs, deßgleichen von andern.

Diese fünf Ursachen oder Entibus sind:

„Ens“ (Mehrzahl: „Entia“) bedeutet im mittelalterlichen Latein ein „Seiendes“, eine „Ein-heit“. Wir finden das Ens als Begriff im Wort „Identität“ wieder, das man aufteilen kann in „Id-Enti-tät“, was übersetzt die „Es-Seins-heit“ oder Wesensgleichheit bedeutet.

Paracelsus vertritt einen ganzheitlichen Ansatz, der sowohl die materiell-körperlichen ebenso wie die geistigen und seelischen Aspekte einer Krankheit berücksichtigt. Die westliche Medizin beachtet in der Regel nur gerade zwei oder drei dieser Aspekte, nämlich die Lebensführung und der Konsum von Nahrung und Drogen (ens veneni), und die genetische Veranlagung (ens naturale). Manchmal werden noch Umwelteinflüsse bis zu einem gewissen Grad berücksichtigt (ens astrale). Allerdings fehlt vielen Medizinern eine gründliche Ausbildung, wie die mentalen, emotionalen und seelischen Aspekte einer Krankheit zu behandeln seien, um eine optimale Basis für Heilung zu schaffen.

Die Psychologen, Psychotherapeuten und die religiös orientierten Seelsorger wiederum sind Experten für mentale und psychische Aspekte (ens spirituale) und manchmal für Sinn- und Lebensfragen (ens dei), allerdings fehlt in ihrer Ausbildung eine gründliche Kenntnis des Körpers.

Vollständige ÄrtzInnen im Sinne des Paracelsus, die in allen fünf Entia kompetent sind, sind in unserer Gesellschaft eine grosse Ausnahme. Eine solch umfassende Ausbildung wird auch kaum gefördert und gefordert. Dies verändert sich allerdings langsam aber sicher, seit die ganzheitlichen östlichen Medizinsysteme wie die traditionelle chinesische Medizin oder das indische Ayurveda sich in Europa und in den USA immer stärker etablieren und gemeinsam mit der westlichen Medizin angewandt werden.

Man mag einwenden, dass mit der zunehmenden Menge des Wissens es heute vollkommen unmöglich ist, den paracelsischen Anforderungen zu genügen, nämlich dass ein Arzt oder eine Ärztin, die diesen Namen verdient, sich in allen fünf Bereichen auskennt. Es erfordert ja schon lange und gründliche Studien, um sich nur schon mit einer oder zwei dieser Richtungen vertraut zu machen. Allerdings ist den Patienten nicht geholfen, wenn ein gesunheitliches Problem auf der falschen Ebene angepackt wird. Lebens- und Sinnfragen lassen sich nicht mit Pillen heilen; eine krankmachende Umgebung, wie zum Beispiel bei Anwesenheit von Elektrosmog, ist kein Problem, das mit Gesprächstherapie gelöst werden könnte. Es wäre schon viel geholfen, wenn es zum medizinischen Basiswissen gehörte, in alle fünf Richtungen Fragen zu stellen und abzuklären, auf welcher Ebene sinnvollerweise gearbeitet werden soll.

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© Barbara Seiler 2006 - www.spiriforum.net
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Literatur

Ein wunderbares, in Text und Bild ausführliches und sehr schön und sorgfältig gestaltetes Buch über Paracelsus, seine Heilkunde, seine Philosophie und die Wirkung seines Schaffens auf heute:


In diesem Buch von Geerk finden sich eine Biografie von Paracelsus, eine Sammlung von Zitaten und eine Anthologie von Texten, die Paracelsus Leben zum Inhalt haben oder von ihm inspiriert wurden.

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