Skala des Bewusstseins nach David R. Hawkins
Ebenen 160 - 200 - Stolz

Die Erde kommt in ihre Quintessenz und nähert sich ihrer Vollendung. Dies ist die erste Ebene, auf der sich ein Mensch wirklich gut fühlen kann und wo Menschen gerne bleiben; das erste Element wird in seiner Vollständigkeit erlebt, es ist alles erreicht, was innerhalb der Erde erreicht werden kann, was ein Gefühl von Ganzheit und Vollständigkeit vermittelt.

Körperliche Ebene

Das Fortbestehen und die Erhaltung des Körpers wird nicht mehr als Problem wahrgenommen, sondern ist grundsätzlich gegeben. Es wird darauf vertraut, immer über ausreichend Nahrung, Schutz und Kleidung zu verfügen und diesen Besitz auch gegen fremde Ansprüche verteidigen zu können.

Diese Haltung manifestiert sich typischerweise in physischen Grenzen und Mauern: Burgen, Paläste, dicke Mauern, Überwachungssysteme, Wächter, Bodyguards, Waffen, Gräben, grosse uneinsehbare Grundstücke schützen die Privilegierten vor dem Zugriff des Pöbels.

Physisch zeigen sich Stolz und Arroganz auch an Kleidungsstücken und Dekorationen: Eine Unform, die die Zugehörigkeit zu einer Elitetruppe zeigt; Markenkleidung, die sich nicht alle leisten können; Teure Schmuckstücke und Uhren; ein besonderes Auto...

Der Umkehrschluss ist allerdings zu meiden: nicht jeder, der eine teure Uhr trägt, befindet sich in der Ebene des Stolzes. Statussymbole können, aber müssen nicht eingesetzt werden, um sich von anderen Gruppen abzugrenzen.

Emotionale und soziale Ebene

Auf der emotionalen Ebene vermittelt die Quintessenz der Erde ein Gefühl der Überlegenheit gegenüber den anderen Menschen, die materiell oder in Bezug auf ihren sozialen Status weniger erfolgreich sind und Mangel leiden müssen. 

Daraus resultiert ein elitäres und arrogantes Verhalten, das für die Güte bzw. den Wert anderer Menschen Kriterien wie Reichtum, beruflichen Erfolg, Familienzugehörigkeit, Zugehörigkeit an einer gehobenen sozialen Schicht, gutes Aussehen oder Prestige zur Basis nimmt. 

Andere Menschen, die diese Kriterien nicht erfüllen, werden missachtet; und dennoch ist es wichtig, dass es diese Anderen gibt, von denen man sich abheben kann. Es ist ein Wohlgefühl, das auf dem Vergleich mit den Anderen basiert; und nicht eines, das aus sich selbst heraus kommt. Beleidigungen (165) und Atheismus (165) - die Leugnung Gottes, im Gegensatz zum Agnostizismus, der von einem Nicht-Wissen ausgeht - befinden sich beide in diesem Bereich; das Ego wird mit Gott gleichgesetzt, und diese Identifikation wird nicht in Zweifel gezogen.

Sobald Zweifel auftauchen, die nicht mehr geleugnet werden können, wird auf andere Ebenen ausgewichen: der nächste Schritt ist Trauer, Resignation und Verzweiflung, aber auch Angst; wer den Mut hat, weiter zu gehen, wird durch diese anstrengende und belastende Zeit hindurch gehen und eine neue Qualität auf höheren Ebenen finden, aus dem Gefühl "da muss es doch noch etwas anderes geben, da muss es doch noch mehr geben".

Der Sprung aus den Erde-Ebenen in die Wasser-Ebenen kann gelingen, wenn er auch schwierig ist. Gerade weil sich die Ebenen der Quintessenzen so gut und vollständig anfühlen, ist es schwierig, sich in ein ganz neues Gebiet zu begeben, in dem man wieder ein Anfänger ist und wo erst mal alles schwierig und kompliziert ist, wo die Orientierung fehlt und wo noch keine Werkzeuge vorhanden sind - während die gewohnten Werkzeuge, die bisher funktionierten, dies auf einmal nicht mehr tun.

Die Gefahr des Absturzes ist auch immer da: Vermögen geht verloren und der standesgemässe Lebensstandard kann nicht mehr gehalten werden, ein Skandal ruiniert den guten Ruf in der Gruppe, oder neue Ideen, die nicht in das kollektive Gruppenbewusstsein passen, machen jemanden zu einem Aussenseiter, mit dem "man" lieber nichts zu tun haben will. Die Folge ist, dass die darunter liegenden Scham- und Schuldgefühle zum Vorschein kommen samt den zugehörigen Existenzängsten, die den Bereich Erde der Erde prägen. Natürlich waren diese Scham- und Schuldgefühle unterschwellig immer vorhanden, auch wenn sie übertüncht wurden.

Mentale Ebene

Die vorherrschenden Gedankenmuster drehen sich um das Vergleichen vom „ich/wir“ gegenüber den „anderen“. Es werden Gründe gesucht und gefunden, warum die Gruppe, der ich selbst angehöre, wertvoller ist als andere Gruppen, denen ich nicht angehöre. Weisse sind besser als Schwarze; Frauen sind besser als Männer; Westeuropäer sind besser als Araber; Akademiker sind besser als Arbeitslose; Linke und Grüne sind besser als Rechte und Konservatise... die Möglichkeiten der Unterscheidung sind unbegrenzt.

Die Argumente, die dabei angeführt werden, können höchst unterschiedlich sein, und sie sind auch nicht immer leicht zu durchschauen, denn sie haben oft die Tendenz, sich in ein schönes Mäntelchen von Toleranz, Menschenwürde und ethisch hohem Niveau zu kleiden. Typische Beispiele dafür sind eine erzwungene politische Korrektheit, die sich die Freiheit zur Zensur nimmt, oder auch die bei manchen Esoterikern üblichen, zuckersüssen Sprüche, die andere als "noch nicht so weit" und "noch nicht so erleuchtet" abwerten. Einfacher zu erkennen sind viele Atheisten, die sich oft durch ausserordentliche Grobheit bis hin zur Häme auszeichnen.

"Du denkst falsch, also bist du falsch, nichtswürdig, nichts wert" ist  die mentale Variante des Stolzes und der Arroganz.

Interessant in dem Zusammenhang ist die Beobachtung, dass gerade solche Menschen, die sehr viel Wert auf Rationaliät und Wissenschaftlichkeit legen - eben diese schnell ablegen, sobald ihre vermeintliche Überlegenheit in Frage gestellt wird, die ihnen das Attraktorfeld des Stolzes suggeriert. Sobald dies geschieht, neigen auch die ansonsten sanften und freundlichen Menschen dazu, bissig und unangenehm zu werden. Ihre intellektuelle Fähigkeiten der Ebene von 400-499 geben ihnen auch die Möglichkeit, zielsicher die Schwächen anderer Personen aufzuspüren und verbal zu attakieren.

Spirituelle Ebene

In der spirituellen Ebene besteht die Arroganz im Glauben, man wisse, wo der Sinn des Lebens liege - nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere. 

Spirituelle Arroganz ist jene die sich oft als grösste Demut verkleidet - die Arroganz des Pharisäers, der zuvorderst in der Synagoge steht und betet "Herr, ich danke dir, dass ich nicht ein so elender Wicht bin wie der Zöllner da hinten!"

Spirituelle Arroganz ist auch der Anspruch eines Menschen, der glaubt für göttliche Gerechtigkeit sorgen zu müssen. Typisches Beispiel dafür ist der Kapitän Ahab, der sich auf die Jagd nach dem weissen Wal Moby Dick macht, um sich für sein abgebissenes Bein zu rächen.

... und das geht natürlich schief. Göttliche Gerechtigkeit ist Gottes Sache, wenn Menschen sich darin versuchen, kommt es nie gut heraus. Was der Stolze und die Arrogante natürlich gar nicht gern hören - und meist rundheraus ignorieren.

Quintessenz

Die Quintessenz der Erde fühlt sich angenehm an für Menschen, denen es genügt, wenn ihre materiellen Bedürfnisse erfüllt sind. Sie verlangen nicht mehr vom Leben und sind damit zufrieden. Es fehlt aber schmerzlich ein unbestimmtes "etwas" bei anderen, die vom Leben mehr erwarten als lediglich ein körperliches Wohlbefinden.

Innere Sicherheit bietet die Quintessenz der Erde nicht, sondern nur eine äussere, relative Sicherheit. Spiritualität im Sinne eines persönlichen Erlebens des Göttlichen spielt hier keine Rolle und wird in der Regel noch nicht einmal als Thema wahrgenommen. Spirituelle Aktivitäten wie ein Kirchenbesuch oder ein Gebet werden auf dieser Ebene nur aus Gründen des persönlichen Vorteils gemacht, oder auch ganz unbewusst, "weil man es eben so macht."

Die Problematik der Quintessenz der Erde wird in kurzer und prägnanter Form im Bonmot ausgedrückt: „ich würde keinem Club beitreten, der bereit wäre, mich als Mitglied aufzunehmen.“ - innere Unsicherheit und Gefühle von Wertlosigkeit kollidieren mit dem Bedürfnis nach Aufnahme in exklusive Gesellschaften. Auch wenn es vielen Menschen möglich sein dürfte, sich in der Quintessenz der Erde ein Leben lang behaglich einzurichten, so gibt es doch auch einige, die einen Ausweg suchen – der meist zuerst mit einem Abstieg zu der Basis, der Erde der Erde, beginnt.

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© Barbara Seiler 2007 - www.spiriforum.net
Dieser Text darf unter Hinzufügung dieser Fussnote gerne weitergegeben werden.

Literatur